Ästhetische Bildung gewinnt im bildungstheoretischen Diskurs immer mehr Beachtung und Wertschätzung. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie der Bildungsbereich „Ästhetische Bildung“ im Waldkindergarten umgesetzt wird. Die Neuentfachung der frühpädagogischen Diskussion wurde in den letzten Jahren u.a. durch die Ergebnisse der neurophysiologischen Forschung angetrieben (vgl. Kasten 2003, S. 57). So gewinnt auch die frühkindliche Bildung nicht zuletzt seit der Durchführung von Leistungsvergleichsstudien wie PISA zunehmend an Bedeutung (vgl. Lill/Sporleder 2000, S. 20f). Die allgemeine Vorstellung von dem, was und wie zu lernen und zu lehren ist, wurde im Folgenden erheblich angetastet (vgl. Rumpf 2005, S. 38). Mit dieser Entwicklung geht auch die Einführung von sogenannten Bildungsplänen einher. In der DDR erfolgte bereits 1952 die Verabschiedung eines verbindlichen Rahmenplans, welcher Ziele und Aufgaben vorschulischer Erziehung formuliert (vgl. Hoffmann 2010, S. 122). Der Beginn dieser Arbeit handelt von der Einführung der Bildungspläne, deren Bedeutung für die Elementarpädagogik vor dem historischen Hintergrund Deutschlands betrachtet wird. Zunächst werden Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Bildungsplänen der jeweiligen Bundesländer dargestellt. Dabei liegt mein Hauptaugenmerk auf dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren und dem Bereich der ästhetischen Bildung, welcher in dem Plan im Teil „kreative, fantasievolle und künstlerische Kinder„ behandelt wird. Ausgehend davon widme ich mich im folgenden Teil meiner Thesis der Definition von „Ästhetik“ und „ästhetischem Denken“. Bezogen auf die Begriffsbestimmungen spielen Voraussetzungen für ästhetische Erfahrungen eine zentrale Rolle, wobei der Fokus auf der Bedeutung ästhetischer Bildungsprozesse in der frühen Kindheit liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Bildungspläne
2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Bildungsplänen
2.2 Der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan
2.2.1 Von der Entstehung bis zur Veröffentlichung
2.2.2 Zielsetzung und Charakteristika des Bildungs- und Erziehungsplans
2.2.3 Ästhetische Bildung im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan
2.2.3.1 Kapitel „Bildnerische und darstellende Kunst“
2.2.3.2 Kapitel „Musik und Tanz“
3. Ästhetische Bildung
3.1 Begriffsbestimmung „Ästhetik“
3.2 Unterscheidung zweier Denkarten
3.3 „Ästhetisches Denken“
3.4 Voraussetzungen für ästhetische Erfahrungen
3.5 Bedeutung ästhetischer Bildungsprozesse in der frühen Kindheit
4. Umsetzung des Bildungsbereichs „Ästhetische Bildung“ im Waldkindergarten
4.1 Der Waldkindergarten
4.1.1 Formen des Waldkindergartens
4.1.2 Entwicklung der Waldkindergärten in Deutschland
4.1.3 Die pädagogische Zielsetzung der Waldpädagogik
4.1.3.1 Die Naturbegegnung im Wald
4.1.3.2 Ästhetisches Erleben
4.1.3.3 Freiräume in der Waldpädagogik
4.1.3.4 Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch die Natur
4.1.3.5 Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte
4.1.3.6 Schulfähigkeit im Waldkindergarten
4.2 Der Waldkindergarten Laubfrösche Kirchvers e.V.
4.2.1 Die Gründung des Waldkindergartens Laubfrösche Kirchvers e.V.
4.2.2 Konzeptionelle Schwerpunkte
4.2.3 Die Naturbegegnung fördert ästhetisches Erleben
4.2.4 Ästhetische Erfahrungen erfordern Aufmerksamkeit
4.2.5 Das Erleben von Zeit und Raum im Waldkindergarten
4.2.6 Erkenntnisgewinn durch Selbsterfahrung im Naturraum
4.2.7 Kreative Prozesse im Wald
4.2.8 Initiierung von Bildungsprozessen
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Bildungsbereich „Ästhetische Bildung“ in der Praxis eines Waldkindergartens umgesetzt wird, wobei die Forschungsfrage nach dem Stellenwert ästhetischer Bildungsprozesse in Kindertageseinrichtungen anhand des Praxisbeispiels „Waldkindergarten Laubfrösche Kirchvers e.V.“ beantwortet wird.
- Historische Entwicklung und Bedeutung der Bildungspläne in Deutschland
- Theoretische Fundierung von Ästhetik und ästhetischem Denken
- Pädagogische Zielsetzungen und Besonderheiten der Waldpädagogik
- Analyse der Umsetzung ästhetischer Bildung am Fallbeispiel Laubfrösche Kirchvers e.V.
- Bedeutung von Naturerfahrung für ganzheitliche Bildungsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Die Naturbegegnung fördert ästhetisches Erleben
Braun beschreibt einen zunehmenden Verlust von Aktionsräumen, da die immer dichtere Bebauung freier Flächen dazu beiträgt, dass „[…] das Wohnumfeld keine natürlichen Spiel- und Erfahrungsräume mehr bietet“ (Braun 2009, 40). Natürliche Experimentierfelder wie Feld, Wald und Wiese sind kaum mehr zugänglich, wodurch der Freiraum für spontanes und unbeaufsichtigtes Spielen eingeschränkt wird. Die steigende Naturentfremdung bei Kindern geht mit einem Mangel an Naturkenntnissen und idealisierten Vorstellungen von der Natur einher. Aus dieser Entwicklung der zunehmenden Naturentfremdung zieht Braun die Schlussfolgerung, dass der Entwicklungsprozess von Kindern beeinträchtigt wird. Umso wichtiger wird es, dass Tageseinrichtungen Natur als einen eigenen Bildungsbereich bereitstellen (vgl. ebd., S. 41f). Da sich die Jurte des Waldkindergartens Laubfrösche Kirchvers e. V. auf einem Waldstück befindet, können Naturerfahrungen unmittelbar gemacht werden. Ein Aufenthalt im Naturraum bewirkt nach Werner eine Förderung von Koordination, Gleichgewichtsinn und vor allem der Sinne (vgl. Anhang 1 S. XII, Z. 326ff). Zum pädagogischen Schwerpunkt Naturbegegnung im Waldkindergarten gehört auch die Förderung der kindlichen Beziehung zur Natur (vgl. ebd. S. VI, Z. 139f). Die Kinder lernen im Waldkindergarten Laubfrösche Kirchvers e.V. ein umweltbewusstes Verhalten, d.h. die lebendige Natur genauso wie die Mitmenschen zu achten, zu schützen und nicht zu verletzen (vgl. ebd. S. XIV, Z. 379ff). Durch den langen Aufenthalt im Wald erkennen die Kinder, wann und wie sie im Naturraum helfend bzw. unterstützend tätig werden können (vgl. Miklitz 2005, S. 47). „Denn nur wer die Natur in ihrer Vielseitigkeit und Einzigartigkeit kennen gelernt hat, kann zur Erhaltung und zum Schutz derselben beitragen“ (Häfner 2002, S. 40).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die wachsende Bedeutung ästhetischer Bildung im bildungstheoretischen Diskurs und führt in die zentrale Forschungsfrage ein, wie dieser Bereich im Waldkindergarten praktisch umgesetzt wird.
2. Die Entwicklung der Bildungspläne: Dieses Kapitel erläutert die historische Einführung und die unterschiedlichen Ansätze der Bildungspläne in den deutschen Bundesländern mit einem Fokus auf dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan.
3. Ästhetische Bildung: Hier werden theoretische Grundlagen zu den Begriffen Ästhetik und ästhetisches Denken gelegt und deren Bedeutung für die kindliche Weltaneignung und kognitive Entwicklung hervorgehoben.
4. Umsetzung des Bildungsbereichs „Ästhetische Bildung“ im Waldkindergarten: Dieser Hauptteil analysiert die waldpädagogischen Konzepte und stellt die Umsetzung ästhetischer Bildung am Beispiel des Waldkindergartens Laubfrösche Kirchvers e.V. dar.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und verdeutlicht die Notwendigkeit eines Umdenkens in Kindertageseinrichtungen, um ästhetischen Erfahrungen den notwendigen Stellenwert einzuräumen.
Schlüsselwörter
Ästhetische Bildung, Waldkindergarten, Naturpädagogik, frühkindliche Bildung, Bildungsplan, Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan, ästhetisches Denken, Sinneswahrnehmung, Naturerfahrung, Kompetenzbildung, Selbstbildung, Waldkindergarten Laubfrösche Kirchvers e.V., Prozessqualität, Bildungsanlässe, ganzheitliches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umsetzung des Bildungsbereichs „Ästhetische Bildung“ in der frühkindlichen Erziehung, spezifisch innerhalb des Konzepts Waldkindergarten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die staatliche Einführung von Bildungsplänen, die theoretischen Aspekte von Ästhetik und ästhetischem Denken sowie deren praktische Anwendung in der Naturpädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Stellenwert ästhetischer Bildungsprozesse im Waldkindergarten zu untersuchen und anhand eines Praxisbeispiels zu verifizieren, inwieweit Ästhetik dort als verbindende Komponente kindlicher Bildung fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine qualitative Praxisuntersuchung, bestehend aus Hospitationen und einem Experteninterview mit der Leiterin des Waldkindergartens Laubfrösche Kirchvers e.V.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung der Waldpädagogik, der pädagogischen Zielsetzung im Wald sowie einer detaillierten Analyse, wie Naturbegegnung, Raumgestaltung und kreative Prozesse im Waldkindergarten ästhetische Erfahrungen initiieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff der ästhetischen Bildung prägen Konzepte wie Naturerfahrung, Selbstbildungsprozesse, Sinneswahrnehmung und die spezifische Lernumgebung im Wald das theoretische Fundament.
Wie bewertet die Autorin den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan im Kontext ästhetischer Bildung?
Die Autorin sieht eine didaktisch-methodische Lücke, da der Plan zwar Bildungsziele im Bereich Ästhetik formuliert, aber kaum konkrete Anleitungen für die pädagogische Umsetzung in der täglichen Praxis liefert.
Welche Rolle spielt die „Stille“ im pädagogischen Konzept des Waldkindergartens?
Stille wird als wesentliche Voraussetzung für intensive Wahrnehmung und Selbstreflexion betrachtet; sie bietet Kindern den nötigen Raum, um die Natur zu erleben und eine eigene innere Stimme zu entwickeln.
Warum ist laut der Leiterin des Waldkindergartens die Natur ein besonderer Bildungsraum?
Die Natur wird als „dritter Erzieher“ begriffen, der im Gegensatz zu geschlossenen Räumen keine Reizüberflutung erzeugt, sondern eine Vielfalt an Sinneseindrücken bietet, die eine differenzierte und sensible Wahrnehmung fördern.
- Arbeit zitieren
- Anastasia Baumtrog (Autor:in), 2010, Die Umsetzung der Bildungsbereiche im Waldkindergarten am Beispiel "Ästhetische Bildung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158235