Die vorliegende Seminararbeit untersucht die möglichen Ursachen von Fricks Sinneswandlung betreffend sakraler Kunst und der Neuausrichtung seiner Kunstsammlung von 1895 bis 1900. Denkbare Antworten werden von 1889 bis 1895 gesucht, denn sein erstes religiöses Bild "Christ and the Disciples at Emmaus" von Pascal Adolphe Dagnan-Bouveret (1852-1929) erwarb Frick 1895 in Paris.
Nach dem Bürgerkrieg bauten die reichen Neu-Amerikaner, losgelöst von den Traditionen der Ureinwohner, eine eigene Lebensart auf. Im Kern bemühten sie sich darum, eine kulturelle Vornehmheit zu erlangen und einen Schein von Eleganz mit eurozentrischem Gestus zu schaffen. Der Stahl-Tycoon Henry Clay Frick (1849-1919) war einer dieser erfolgreichen Amerikaner. Schon als junger Mann war Frick ein begeisterter Kunstfreund und -sammler. Er kaufte zunächst vorwiegend Werke junger amerikanischer Maler, bevor er ab 1885 seine Aktivitäten verstärkte und Arbeiten von international bekannten, zeitgenössischen Künstlern, beispielsweise Werke der Barbizon-Schule, akquirierte. 1905 übersiedelte er mit seiner Familie von Pittsburgh nach New York und mit steigendem Vermögen und höher entwickeltem Kunstsinn erweiterten sich seine Ambitionen, als bedeutender Kunstmäzen, Sammler und Connaisseur zu gelten.
Längere Zeit stellte er sich gegen die Anschaffung von Werken mit religiösen Motiven. Diese Haltung änderte sich im Verlauf der Zeit und gipfelte im Kauf des bedeutenden Gemäldes St. Francis in Ecstasy von Giovanni Bellini (1437-1516). Am 10. Oktober 1915 meldete die New York Times in einem ganzseitigen Abdruck: „H.C. Frick’s ‚St. Francis‘ by Giovanni Bellini: Beautiful Painting Showing Saint Before His Cell, Recently Acquired by Mr. Frick”.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Transzendente Spiritualität
2.1. Eine starke unsichtbare Lichtquelle
2.2. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn: Lk 24, 30-31
2.3. Die Sensation kostet 100‘000 Dollar und ist skandalös
3. The most hated man in America ist angeschlagen
3.1. 2200 Tote, weil Frick versagte?
3.2. Die geliebte Tochter Martha und Henry Clay Junior sterben
3.3. Homestead Streik – Frick auf dem gesellschaftlichen Tiefpunkt
3.4. Mordversuch an Frick
4. Frick will zeitgenössische Künstler, die später zu alten Meistern werden
4.1. Weitere Aufträge für Dagnan-Bouveret
4.2. Childs' Porträt und Consolatrix fallen durch
5. Licht, Religiosität, Connoisseurship
5.1. Neue Vorbilder: Morgan, Gardner, Havemeyer
5.2. Von Christ at Emmaus bis St. Francis: Ein Beispiel für Fricks Entwicklung
6. Abschliessende Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die möglichen Ursachen für den Sinneswandel von Henry Clay Frick bezüglich sakraler Kunst und die damit verbundene Neuausrichtung seiner Kunstsammlung im Zeitraum von 1895 bis 1900, wobei insbesondere persönliche Schicksalschläge als prägende Faktoren analysiert werden.
- Die Entwicklung von Fricks Kunstgeschmack hin zu religiösen Motiven
- Einfluss traumatischer persönlicher Ereignisse (Tode, Attentat) auf die Kunstsammlung
- Die Zusammenarbeit und der Konflikt mit dem Künstler Pascal Adolphe Dagnan-Bouveret
- Die Bedeutung von Lichtsymbolik in den erworbenen Gemälden
- Fricks Ambitionen als Kunstmäzen und Connoisseur
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Nach dem Bürgerkrieg bauten die reichen Neu-Amerikaner, losgelöst von den Traditionen der Ureinwohner, eine eigene Lebensart auf. Im Kern bemühten sie sich darum, eine kulturelle Vornehmheit zu erlangen und einen Schein von Eleganz mit eurozentrischem Gestus zu schaffen.1 Der Stahl-Tycoon Henry Clay Frick (1849-1919) war einer dieser erfolgreichen Amerikaner. Schon als junger Mann war Henry Clay Frick ein begeisterter Kunstfreund und -sammler.2 Er kaufte zunächst vorwiegend Werke junger amerikanischer Maler, bevor er ab 1885 seine Aktivitäten verstärkte und Arbeiten von international bekannten, zeitgenössischen Künstlern, beispielsweise Werke der Barbizon-Schule, akquirierte.3 1905 übersiedelte er mit seiner Familie von Pittsburgh nach New York und mit steigendem Vermögen und höher entwickeltem Kunstsinn erweiterten sich seine Ambitionen, als bedeutender Kunstmäzen, Sammler und Connaisseur zu gelten.4
Längere Zeit stellte er sich gegen die Anschaffung von Werken mit religiösen Motiven.5 Diese Haltung änderte sich im Verlauf der Zeit und gipfelte im Kauf des bedeutenden Gemäldes St. Francis in Ecstasy von Giovanni Bellini (1437-1516). Am 10. Oktober 1915 meldete die New York Times in einem ganzseitigen Abdruck (Abb. 1):
„H.C. Frick’s ‚St. Francis‘ by Giovanni Bellini: Beautiful Painting Showing Saint Before His Cell, Recently Acquired by Mr. Frick”
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die möglichen Ursachen von Fricks Sinneswandlung betreffend sakraler Kunst und der Neuausrichtung seiner Kunstsammlung von 1895 bis 1900. Denkbare Antworten werden von 1889 bis 1895 gesucht, denn sein erstes religiöses Bild Christ and the Disciples at Emmaus von Pascal Adolphe Dagnan-Bouveret (1852-1929) erwarb Frick 1895 in Paris.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Fricks Hintergrund als Sammler ein und skizziert die Fragestellung nach den Ursachen für seine Hinwendung zu sakraler Kunst.
2. Transzendente Spiritualität: Hier wird der Ankauf des Gemäldes *Christ at Emmaus* analysiert und der religiöse Kontext des Werks sowie die öffentliche Wahrnehmung des Künstlers Dagnan-Bouveret thematisiert.
3. The most hated man in America ist angeschlagen: Dieses Kapitel beleuchtet die persönlichen und geschäftlichen Krisen Fricks, darunter die Johnstown-Flut, Familienverluste und der Homestead-Streik.
4. Frick will zeitgenössische Künstler, die später zu alten Meistern werden: Der Fokus liegt auf Fricks Strategie beim Kunsterwerb und den konfliktreichen Verlauf der Zusammenarbeit mit Dagnan-Bouveret.
5. Licht, Religiosität, Connoisseurship: Es wird die Neuausrichtung der Sammlung unter dem Einfluss anderer bedeutender Sammler und die Verknüpfung von Lichtsymbolik mit traumatischen Erfahrungen aufgezeigt.
6. Abschliessende Überlegungen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über Fricks Vermächtnis als Philanthrop und die Verbindung seiner traumatischen Erlebnisse mit seiner Sammlungsgeschichte.
Schlüsselwörter
Henry Clay Frick, The Frick Collection, Dagnan-Bouveret, Christ at Emmaus, Giovanni Bellini, Kunstmäzenatentum, Sakrale Kunst, Lichtsymbolik, Sammlungsgeschichte, Gilded Age, Homestead-Streik, Johnstown-Flut, Connoisseurship, Kunstmarkt, Historismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Kunstsammlung von Henry Clay Frick zwischen 1895 und 1900, insbesondere mit dem Wandel seiner Einstellung hin zu religiös motivierter Kunst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Biografie, Kunstgeschichte, Sammlungsstrategien, religiöse Symbolik und die psychologischen Auswirkungen von Lebenskrisen auf das Sammeln von Kunst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit sucht nach den Ursachen für Fricks Sinneswandlung betreffend religiöse Kunst und untersucht, inwiefern traumatische private Schicksalsschläge diesen Prozess beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Seminararbeit nutzt eine biographische und kunsthistorische Analyse, basierend auf Quellenmaterial, Presseveröffentlichungen, Briefkorrespondenzen und Sekundärliteratur zur Kunstsammlung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Fricks berufliche Rückschläge und persönliche Verluste den Ankäufen sakraler Kunst gegenübergestellt und die Rolle des Künstlers Dagnan-Bouveret im Entwicklungsprozess der Sammlung erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Henry Clay Frick, religiöse Kunst, Dagnan-Bouveret, traumatische Erfahrungen, Kunstmäzenatentum und Lichtsymbolik.
Welche Bedeutung hat das Gemälde *Christ at Emmaus* für Frick?
Es fungiert als Wendepunkt und erstes bedeutendes religiöses Gemälde in seiner Sammlung, das durch seine Lichtgebung eine Verbindung zu seinen persönlichen Erlebnissen während eines Attentats herstellt.
Warum spielt die Lichtquelle eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Der Autor argumentiert, dass die Vorliebe für radikale Lichteffekte in Gemälden wie denen von Dagnan-Bouveret oder Bellini auf Fricks traumatische Lichterscheinungen bei persönlichen Krisen zurückzuführen ist.
- Arbeit zitieren
- Markus Stricker (Autor:in), 2018, Der heilige Lichtstrahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1582432