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Das Himmelsmosaik des Mausoleums der Kaiserin Galla Placidia (388-450)

Verschmelzung der diesseitigen mit der jenseitigen Welt?

Title: Das Himmelsmosaik des Mausoleums der Kaiserin Galla Placidia (388-450)

Term Paper , 2021 , 39 Pages , Grade: 6 (Schweiz - sehr gut)

Autor:in: Markus Stricker (Author)

Art / Science of Art / Art History
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Summary Excerpt Details

Bereits in der Antike nimmt die Darstellung des Himmels auf Mosaiken und gemalten Dekorationen einen festen Platz ein. Die frühesten Werke schmücken Villen, Paläste, Badegebäude sowie religiöse Gebäude, wie zum Beispiel die Decke eines frühen kaiserlichen Tempels in Palmyra. Im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus treten die Sternenhimmel-Motive oft kombiniert mit astrologischen Symbolen auf und sind häufig in einem religiösen Kontext vor allem in Mithräen anzutreffen. Wandmalereien zeigen Mithras in einem blauen Umhang, der mit Goldsternen verziert ist. In der frühchristlichen Zeit wurde das Thema dem christlichen Kontext angepasst und auf Gewölbe in Baptisterien oder Kirchen übertragen. Das früheste bekannte Beispiel dafür ist das Baptisterium bei Dura Europos. Spätere Beispiele aus dem fünften Jahrhundert sind San Giovanni in Fonte, Neapel, Santa Maria della Croce, Casaranello, und das Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna.
Diese Arbeit versucht sich dem Mosaik des Sternenhimmels im Mausoleum der Galla Placidia aus der Perspektive des frühchristlichen Betrachters im breiteren kulturellen Kontext der Spätantike anzunähern und der Frage nachzugehen, mit welchen Mitteln die Immersion des Betrachters erzeugt wurde, welche diesen sich an einem realen und dennoch geheimen Ort leibhaft wähnen liess.
Dies wiederum führt unweigerlich zur Frage der Interpretation des Mosaiks: War die Himmelskuppel des Mausoleums eine Schleuse in den physischen Raum Gottes?

Mit ausführlicher Beschreibung des Gesamtbaus und der Ausschmückung des Innenraumes.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildbeschreibung der Mosaike des Mausoleums der Galla Placidia in Ravenna

2.1. Nachthimmel mit goldfunkelnden Sternen

2.2. Feuer, Männer, Schafe, Ranken, Alpha und Omega

2.3. Das erste Wesen ist gleich einem Löwen

3. Kreuzerscheinungen

4. Licht und Kosmos

5. Petrus Chrysologus (380-451), Bischof von Ravenna

6. Visuelle Effekte

7. Der Sternenhimmel in Gebäuden des Frühchristentums

8. Der Himmel im Christentum

9. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte Himmelsmosaik im Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna. Ziel ist es, die Wirkung des Mosaiks auf den spätantiken Betrachter im kulturellen Kontext zu analysieren und die Frage zu klären, mit welchen visuellen Mitteln eine immersive Erfahrung erzeugt wurde, die das Diesseits mit dem Jenseits verschmelzen lässt.

  • Die ikonographische Analyse der Himmelskuppel und ihrer Symbolik.
  • Die Untersuchung der visuellen Effekte und Lichtführung zur Erzeugung von Immersion.
  • Die Rolle des Sternenhimmels als Ausdruck christlicher Eschatologie.
  • Der Vergleich mit zeitgenössischen frühchristlichen Bauwerken und Sternenhimmel-Darstellungen.
  • Die Einordnung der theologischen Bedeutung durch Predigten von Petrus Chrysologus.

Auszug aus dem Buch

2.1. Nachthimmel mit goldfunkelnden Sternen

Der tiefblaue Nachthimmel ist mit mehreren hundert in konzentrischen Kreisen angeordneten goldenen Sternen übersät (Abb. 1). Am höchsten Punkt der Kuppel, inmitten der Sternenpracht, erscheint ein nach Osten gerichtetes schlichtes goldenes Kreuz. Die flach gewölbte Hängekuppel mit Sternenhimmel entfaltet in den vier Zwickeln jeweils einen Löwen, einen Adler, einen Stier und einen Menschen. Alle vier Symbole sind im Brustformat, goldfarbig und mit einem nach hinten strebenden Flügelpaar dargestellt. Sie scheinen aus einer anderen Sphäre durch rote-weisse, leicht nach oben gebogene Wellen in das Himmelszelt zu dringen. Die Sterne funkeln siebenzackig. Sie wirken im Zentrum um das Kreuz etwas kleiner und auch enger angeordnet, so dass vom Kreuz ausgehend der optische Eindruck einer Sogwirkung entsteht. Der Himmel wird von geschwungenen, rot untermalten Friesen mit gelben Konturen umfasst. Darin dreht sich ein blaues Band, das von gelben, aufgeregt gewellten Linien gegliedert wird. Direkt unter dem Firmament stehen in den vier Schildbogen des Vierungsturms jeweils auf grüngelben Boden-Postamenten zwei Männer in weisser Tunika und Pallium vor dunkelblauem Grund. Die beiden im östlichen Schildbogen stehenden Figuren sind aufgrund der Kopftypen als Petrus und Paulus zu identifizieren, so dass auch für die übrigen Figuren eine Deutung als Apostel naheliegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Tradition von Himmelsdarstellungen in der Antike und deren Transformation in den frühchristlichen Kontext, wobei das Mausoleum der Galla Placidia als zentrales Untersuchungsobjekt eingeführt wird.

2. Bildbeschreibung der Mosaike des Mausoleums der Galla Placidia in Ravenna: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte deskriptive Analyse der Sternenhimmel-Kuppel sowie der Lünetten-Mosaike, inklusive der dort dargestellten Figuren und Symbole.

3. Kreuzerscheinungen: Die Untersuchung befasst sich mit dem historischen Hintergrund der Kreuzdarstellungen und prüft, ob Visionen wie die Konstantins die künstlerische Gestaltung beeinflusst haben könnten.

4. Licht und Kosmos: Hier wird die kosmologische und eschatologische Bedeutung des Mausoleums als Mikrokosmos des himmlischen Reiches im Kontext zeitgenössischer Predigten analysiert.

5. Petrus Chrysologus (380-451), Bischof von Ravenna: Das Kapitel beleuchtet die Rolle des Bischofs und wie dieser die himmlische Ordnung, Sterne und die Verehrung von Heiligen in seinem theologischen Wirken miteinander verknüpfte.

6. Visuelle Effekte: Diese Sektion analysiert die gezielten optischen Illusionen und Lichtspiele, die im Mausoleum eingesetzt wurden, um den Betrachter eine spirituelle Transzendenz erfahren zu lassen.

7. Der Sternenhimmel in Gebäuden des Frühchristentums: Durch den Vergleich mit anderen frühen Stätten wie Dura Europos werden Gemeinsamkeiten und archetypische Traditionen in der frühchristlichen Sakralraumgestaltung aufgezeigt.

8. Der Himmel im Christentum: Dieses Kapitel ordnet das christliche Himmelsverständnis in die antike Kosmologie ein und diskutiert die theoretische Begrenztheit des Himmelsraums sowie deren künstlerische Umsetzung.

9. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Architektur und Mosaikkunst des Mausoleums eine gezielte, immersive Brücke zwischen der irdischen Welt und der göttlichen Sphäre im Gebet schlagen.

Schlüsselwörter

Galla Placidia, Mausoleum, Ravenna, Sternenhimmel, Mosaik, Spätantike, Frühchristentum, Immersion, Petrus Chrysologus, Ikonographie, Eschatologie, Himmelskreuz, Bildprogramm, Apostel, Sakralraum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Mosaikprogramm im Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna, insbesondere die Darstellung des Sternenhimmels, um dessen Wirkung als Raum der spirituellen Begegnung zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die frühchristliche Ikonographie, das Verständnis von Kosmos und Himmel in der Spätantike sowie die psychologische und ästhetische Wirkung von Wandbildern auf Gläubige.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Mosaikkunst als "Instrument der Immersion" diente, um den Betrachter leibhaftig in eine überirdische, göttliche Sphäre zu versetzen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine kunsthistorische und ikonographische Analyse, die mit dem Studium literarischer Quellen, zeitgenössischer Predigten und architekturgeschichtlicher Vergleiche kombiniert wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bildbeschreibung, die Untersuchung von Licht- und Farbeffekten, den Vergleich mit anderen frühchristlichen Bauten und die theologische Einordnung durch Bischof Petrus Chrysologus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?

Wichtige Begriffe sind Galla Placidia, Immersion, Sternenhimmel-Mosaik, Eschatologie, frühchristliche Architektur und die Verschmelzung von Diesseits und Jenseits.

Welche Bedeutung kommt dem goldenen Kreuz unter dem Sternenhimmel zu?

Das Kreuz wird in der Arbeit als zentrales apokalyptisches Zeichen interpretiert, das dem Betrachter bei der Blickrichtung nach Osten als göttliches Ziel der Fürbitte und des Heils dient.

Wie unterscheidet sich das Mausoleum der Galla Placidia von anderen Bauten der Zeit?

Die Arbeit stellt heraus, dass das Mausoleum durch die spezifische Kombination aus architektonischer Nüchternheit und hochkomplexem Mosaik-Illusionismus eine außergewöhnliche immersive Dichte erreicht, die es von anderen Grabkapellen abhebt.

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Details

Title
Das Himmelsmosaik des Mausoleums der Kaiserin Galla Placidia (388-450)
Subtitle
Verschmelzung der diesseitigen mit der jenseitigen Welt?
College
University of Bern  (Institut für Kunstgeschichte)
Course
Seminar: Die Bilderfrage im älteren Christentum, Kulturen und Konflikte im ersten Jahrtausend
Grade
6 (Schweiz - sehr gut)
Author
Markus Stricker (Author)
Publication Year
2021
Pages
39
Catalog Number
V1582435
ISBN (PDF)
9783389126493
ISBN (Book)
9783389126509
Language
German
Tags
Galla Placidia, Westrom Ravenna Spätantike Frühchristentum Valentinia III. weströmisches Reich Wandmosaik 500 Jahrhundert Alabaster hl. Laurentius Der gute Hirte Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia Byzanz Westbyzanz Mausoleum 3. Synode von Karthago Tonnengewölbe Sternengewölbe Mosaikkunst byzantinische Kunst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Stricker (Author), 2021, Das Himmelsmosaik des Mausoleums der Kaiserin Galla Placidia (388-450), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1582435
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