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Die Pfalz von Karl dem Grossen in Aachen

Archäologische Untersuchungen

Title: Die Pfalz von Karl dem Grossen in Aachen

Seminar Paper , 2024 , 56 Pages , Grade: 6 (Schweiz)

Autor:in: Markus Stricker (Author)

Archaeology
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Summary Excerpt Details

Notker Balbulus beschrieb 883 den Aachener Kirchenbau als "herrlicher als die Werke der alten Römer". Heute sind die ursprünglichen Bauelemente der Königspfalz auf dem Domplatz kaum sichtbar. Meine Arbeit untersucht den Zustand der Aachener Pfalz zur Zeit Karls des Grossen und Datierungsfragen. Nach der Einleitung werden Vorgeschichte, Quellen und einzelne Bauobjekte analysiert, um Vorbilder und die Urform der Pfalz zu erarbeiten.

Die Aachener Königspfalz war der bedeutendste Herrschersitz im Frankenreich und späteren Ostfrankenreich. Ihre Grösse war ungewöhnlich und die Lage im äussersten Osten des karolingischen Kernlandes um Lüttich/Herstal bemerkenswert. Erhalten sind die Pfalzkapelle (Oktogon/Westbau des Doms) und der Granusturm des Rathauses (auf der Aula regia). In der Pfalzkapelle wurden über 600 Jahre römisch-deutsche Könige gekrönt, die sich als Nachfolger Karls sahen.

Die Geschichte Aachens im Frühmittelalter basiert auf archäologischen Funden, baulichen Resten und Schriftquellen. Dokumentarische Quellen zur Karolingerzeit sind spärlich, was die Unterscheidung von Fakten und Fiktionen erschwert. Hauptquellen sind Einhards Karlsvita, die Fränkischen Reichsannalen, Notkers Taten Karls, Alkuins Briefe und weitere Schriften.

Systematische Forschungen begannen erst im 19. Jahrhundert (Carl Rhoen). Erich Schmidts Grabungen (1910-1914) brachten neue Erkenntnisse, doch der Erste Weltkrieg beendete sie abrupt und die Auswertung unterblieb. Grosse Teile der Funde und Dokumentation gingen durch die Weltkriege verloren. In den 1960er Jahren folgten Untersuchungen durch Felix Kreusch und Leo Hugot, die die Grundlage für die heutige Rekonstruktion der Kernanlage bildeten.

Seit 2011 wertet ein Forschungsprojekt der Stadt Aachen, RWTH und des Rathauses Schmidts Grabungen neu aus. Durch erneute Grabungen im Dom (2007-2011) wurden moderne Messungen und neue Funde gewonnen. Zudem wurden verschollene Funde und Dokumentation in Archiven wiederentdeckt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „Herrlicher als die Werke der alten Römer“

2. Karl plant eine Pfalz: „columnas et marmora aliunde habere non posset“

3. Die Pfalzanlage und ihre Umgebung

4. Die Aula regia mit grosser Konche im Westen

5. Der durchdachte Treppenaufgang im Granusturm

6. Der doppelstöckige Verbindungsgang von der Aula regia zur Pfalzkapelle

7. Das Atrium fugig zum Verbindungsgang

8. Der immerwährende Gottesdienst in der Pfalzkapelle

9. Die Pfalzkapelle: dendrochronologische Datierung und das Erdbeben von 803

10. Die Annexbauten bleiben rätselhaft

11. Der Alkuinbrief bringt etwas Licht ins Dunkel

12. Vorbildbauten: Ravenna oder doch Pavia?

13. Datierung und Urform der Aachener Pfalz

14. Schlussbemerkungen und offene Fragen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zustand und die archäologische Baugeschichte der karolingischen Königspfalz in Aachen unter Karl dem Grossen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Bauphasenabfolge der zentralen Anlagen, der Klärung zeitgenössischer Datierungsfragen anhand von Schriftquellen und bauarchäologischen Befunden sowie der Analyse möglicher italienischer Vorbilder.

  • Die bauliche Entwicklung von Aula regia, Pfalzkapelle und Verbindungsgängen.
  • Die kritische Auswertung historischer Schriftquellen und neuerer Grabungsergebnisse.
  • Die Rolle der Pfalz als zentraler Herrschaftssitz und Ort der Repräsentation.
  • Die bauhistorische Einordnung der Aachener Anlage im Vergleich zu antiken und italienischen Modellen.

Auszug aus dem Buch

Die Pfalzanlage und ihre Umgebung

Welche einzelnen Bauobjekte gehörten zur ursprünglichen Pfalz von Karl dem Grossen in Aachen? Der zentrale Bereich der Anlage bestand im Norden aus der Aula regia, dem heutigen Aachener Rathaus (Abb. 4), im Süden aus der Pfalzkapelle mit Atrium und Seitenannexen, der heutigen Kathedralkirche des Bistums Aachen (Abb. 5). Beide grossen Komplexe waren durch einen doppelstöckigen Verbindungsgang zwischen Aula und Kapelle verbunden, der in der Mitte noch das sogenannte „Torhaus“ enthielt. Von Aula, Verbindungsgang, Atrium und Seitenannexen der Kapelle haben sich die Fundamente und Reste des aufgehenden Mauerwerks erhalten, der Granusturm neben dem heutigen Rathaus wie auch die Pfalzkapelle als Kern des heutigen Münsters sind nahezu vollständig erhalten (Abb. 6). Wie weit dieser engere Pfalzbereich noch nach Westen und Osten, Norden und Süden reichte, wo sein Hauptzugang war und wo die königlichen und sonstigen Wohn- und Verwaltungsgebäude lagen, lässt sich mangels archäologischer Befunde im eng bebauten Stadtkern bis heute nicht beurteilen.

Im Umfeld standen die Wohnhäuser der Ratgeber und Vertrauten Karls. Einhard berichtet, dass er selbst in Aachen ein Wohnhaus mit eigener Kapelle besass, in dem er mit seinen Bediensteten wohnte, wenn er in Aachen war. Auch Erzbischof Hilduin von Köln (reg. 842–849) hatte als Erzkaplan hier ein Anwesen mit Kapelle, für den Papst wurde in Aachen eine „domus pontificis“ nahe der Pfalzkapelle errichtet und bereitgehalten für den Fall, dass der Heilige Vater in Aachen weilte. Einhard sagt von seinem eigenen Aachener Wohnsitz, er sei aus einfachem Material erbaut, wahrscheinlich aus Holz und Fachwerk. Das Gut muss man sich als eine Art kleiner Hof mit Wohnhaus, Oratorium und Stallungen vorstellen. Diese Gehöfte lagen offenbar verstreut im näheren Umfeld der Pfalz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: „Herrlicher als die Werke der alten Römer“: Einführung in die Fragestellung und den Forschungsstand zur Aachener Königspfalz zur Zeit Karls des Grossen.

2. Karl plant eine Pfalz: „columnas et marmora aliunde habere non posset“: Analyse der Beweggründe und historischen Umstände für den Neubau der Aachener Grossanlage.

3. Die Pfalzanlage und ihre Umgebung: Überblick über die zentralen Baukörper wie Aula regia und Pfalzkapelle sowie die Wohnsituation im Umfeld.

4. Die Aula regia mit grosser Konche im Westen: Bauarchäologische Untersuchung der Aula als Saalbau sowie Diskussion um ihre ursprüngliche architektonische Form.

5. Der durchdachte Treppenaufgang im Granusturm: Detailbetrachtung der Erschliessung des Granusturms und der funktionalen Anbindung der Turmstockwerke.

6. Der doppelstöckige Verbindungsgang von der Aula regia zur Pfalzkapelle: Untersuchung des Verbindungstrakts, seiner Baugeschichte und Funktion als verklammerndes Strukturelement.

7. Das Atrium fugig zum Verbindungsgang: Analyse des Atriums, seiner verschiedenen Bauphasen und des Anschlusses an den Verbindungsgang.

8. Der immerwährende Gottesdienst in der Pfalzkapelle: Beschreibung des liturgischen Lebens in der Kapelle und ihrer herausragenden architekturellen Stellung.

9. Die Pfalzkapelle: dendrochronologische Datierung und das Erdbeben von 803: Auswertung naturwissenschaftlicher Datierungshilfen und Diskussion der Auswirkungen des Bebens von 803 auf den Rohbau.

10. Die Annexbauten bleiben rätselhaft: Erörterung der Funktion und Konstruktion der nördlichen und südlichen Anbauten an der Pfalzkapelle.

11. Der Alkuinbrief bringt etwas Licht ins Dunkel: Relevanz des Alkuinbriefes von 798 für die zeitliche Eingrenzung des Baufortschritts.

12. Vorbildbauten: Ravenna oder doch Pavia?: Vergleich der Aachener Pfalz mit möglichen Vorbildern aus dem langobardischen und spätantiken Kontext.

13. Datierung und Urform der Aachener Pfalz: Synthese der Bauphasen zur Rekonstruktion des ursprünglichen Pfalzzustandes zur Zeit Karls des Grossen.

14. Schlussbemerkungen und offene Fragen: Zusammenfassende Bewertung der prunkvollen Zuschreibung gegenüber dem archäologischen Befund eines königlichen Hofes.

Schlüsselwörter

Königspfalz Aachen, Karl der Grosse, Aula regia, Pfalzkapelle, Bauarchäologie, Karolingische Renaissance, Granusturm, Atrium, Dendrochronologie, Erdbeben 803, Herrschaftssitz, mittelalterliche Architektur, Einhard, Forschungsprojekt, Baugeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die Entstehung und den architektonischen Zustand der Königspfalz in Aachen während der Regierungszeit Karls des Grossen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Bauphasen der Hauptgebäude (Aula und Pfalzkapelle), die Rolle von Schriftquellen bei der Rekonstruktion sowie der Vergleich mit anderen zeitgenössischen Palastanlagen.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt nach dem tatsächlichen Zustand der Aachener Pfalz zur Zeit Karls des Grossen und versucht, zwischen historischen Berichten und archäologischen Befunden zu differenzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse archäologischer Funde und Befunde, dendrochronologische Datierungen sowie die Interpretation zeitgenössischer schriftlicher Quellen wie der Briefe Alkuins oder der Vita Karoli Magni.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte bauhistorische Untersuchung der Einzelobjekte (Aula, Granusturm, Pfalzkapelle, Verbindungsgänge) und deren archäologische Datierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit kombiniert Begriffe wie Königspfalz Aachen, Baugeschichte, Archäologie, Karolingische Renaissance und Herrschaftssitz.

Warum wird die Datierung der Pfalz als umstritten bezeichnet?

Aufgrund fehlender präziser Baunachrichten in zeitgenössischen Quellen und der teils schwierigen Interpretation archäologischer Daten, wie etwa durch das Erdbeben von 803 oder die Verschiebung von Bauphasen, bleibt das exakte Zeitraster komplex.

Welche Bedeutung kommt dem Alkuinbrief von 798 für die Forschung zu?

Der Brief ist ein wichtiges Hilfsmittel, da er den Fertigstellungsgrad des Rohbaus der Pfalzkapelle um das Jahr 798 belegt und somit Rückschlüsse auf die Dauer der Bauzeit zulässt.

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Details

Title
Die Pfalz von Karl dem Grossen in Aachen
Subtitle
Archäologische Untersuchungen
College
University of Zurich  (Abteilung für Mittelalterarchäologie)
Course
Masterseminar
Grade
6 (Schweiz)
Author
Markus Stricker (Author)
Publication Year
2024
Pages
56
Catalog Number
V1582463
ISBN (eBook)
9783389133286
ISBN (Book)
9783389133293
Language
German
Tags
Aachen Pfalz Karl der Grosse Architektur Archäologie Aula Regia Granusturm Pfalzkapelle Karoli Magni Einhard Königspfalz Oktogon Pfalzanlage und Umgebung Loggia Atrium Aachener Pfalzkapelle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Stricker (Author), 2024, Die Pfalz von Karl dem Grossen in Aachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1582463
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