IFRS und Rating


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Grundlagen IFRS
1.2. Einführung in das Thema
1.3. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

2. Rating
2.1. Grundlagen/Systematik
2.2. Quantitative Merkmale
2.3. Qualitative Merkmale

3. Ratingergebnisse nach HGB und IFRS
3.1. Jahresabschlussvergleich
3.2. Studien
3.3. Ausgewählte Kennzahlen

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau von Basel II

Abbildung 2: Risikoklassifizierungsverfahren

Abbildung 3: Ratingcodes

Abbildung 4: Rating der Sparkasse Firmenkunden-Rating

Abbildung 5: Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer positiven Kreditvergabeentscheidung durch eine Berichterstattung nach IFRS

Abbildung 6: Verbesserung der Kreditkonditionen durch die Berichterstattung nach IFRS

Abbildung 7: Häufigkeitsverteilung der Bilanzratingveränderungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Grundlagen IFRS

Seit dem Jahr 2005 sind kapitalmarktorientierte Unternehmen in der Europäischen Uni- on (EU) zur Veröffentlichung ihrer Konzernabschlüsse gemäß den International Finan- cial Reporting Standards (IFRS) verpflichtet. Ziel dieser Vereinheitlichung ist die effi- zientere und kostengünstigere Funktionsweise des Kapitalmarktes zu unterstützen.[1]

Die International Accounting Standards (IAS) werden vom International Accounting Standards Committee (IASC) mit dem Ziel entwickelt, ein weltweit einheitliches Re- gelwerk zu generieren. Bereits im Jahre 1973 wurde das IASC als privatrechtlicher Ver- ein nationaler Verbände von Rechnungslegern und Wirtschaftsprüfern mit Sitz in Lon- don gegründet. Im Jahre 2001 erfolgte die Umstrukturierung des IASC und die Umbe- nennung in International Accounting Standards Board (IASB). Sämtliche bisher verab- schiedeten IAS behielten weiterhin ihre Gültigkeit, die fortan verabschiedeten Richtli- nien nennen sich nun International Financial Reporting Standards (IFRS), beginnend

mit Juni 2003. Eine Umwandlung der Rechtmässigkeit erfolgt im Rahmen des sog. Endorsements für alle Mitglieder der EU.[2]

Das Regelwerk des IASB hat einen dreistufigen Aufbau; dieser umfasst in erster Stufe ein sog. Framework, in welchem die Ziele und Anforderungen der Rechnungslegung beschrieben sowie die Elemente der Rechnungslegung definiert werden. In zweiter Stu- fe die Einzelstandards und in der letzten Stufe die Interpretationen zu den Einzelstan- dards vom International Financial Reporting Interpretations Committee (IFRIC).[3]

1.2. Einführung in das Thema

Im Jahre 1988 wurde vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht der „Grundsatz I über die Eigenmittel der Institute“, kurz Basel I, veröffentlicht und Ende 1992 für rechtsgül- tig erklärt.[4] Kerninhalt dieses Grundsatzes war, dass Kreditinstitute ihre Risikopositio- nen, also ihre ausgegebenen Kredite, mit mindestens 8% haftendem Eigenkapital unter- legen mussten. Somit sollte dem potentiellen Risiko des Ausfalls des Schuldners Rech- nung getragen werden sowie eine Limitierung des maximalen Kreditvolumens in Ab- hängigkeit vom haftenden Eigenkapital der Banken eingeführt werden.[5]

Seit dem 01.01.2007 sind neue Regelungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, kurz Basel II, für alle Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute zwingend vor- geschrieben.[6] Hauptkritikpunkt an der bisherigen pauschal 8%igen Hinterlegung war, dass die Bonität des Schuldners und das dadurch resultierende Risiko nicht berücksich- tigt wurde. Das aktuelle Regelwerk Basel II hingegen sieht eine Eigenkapitalunterle- gung in Abhängigkeit der Bonität des Schuldners vor.

Graphisch lässt sich das Grundkonzept von Basel II als Drei-Säulen-Modell darstellen:[7]

Abbildung 1: Aufbau von Basel II, Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2007), o. S.

Die Bestimmung der Bonität von Firmenkunden erfolgt u. a. auf Basis von Bilanzdaten eines Unternehmens. Da die Firmenkundschaft nun immer mehr nach neueren Rech- nungslegungsstandard IFRS anstelle HGB bilanziert, könnte dies zum einen Auswir- kungen auf das Ratingergebnis und zum anderen an den gesamten Prozess der Durch- führung des Ratings haben.

1.3. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die gesetzlichen und theoretischen Grundlagen des Ratings zu erläutern, um im Anschluss daran in Kapitel 3 dieses Schema bezogen auf die Ansatz- und Bewertungsmöglichkeiten der einzelnen Positionen des HGB- und IFRS-Abschlusses anzuwenden und die Unterschiede zu vergleichen. Ergänzend hierzu werden bereits existierende Studien über die grundlegende Haltung und die Einschät- zung von Kreditinstituten gegenüber den neuen IFRS-Standards sowie der Zusammen- hang und die Relevanz hinsichtlich des Ratings durch Banken herangezogen. Abschlies- send wird eine Zusammenfassung der relevanten Erkenntnisse kritisch gewürdigt und die Arbeit mit einem Ausblick abgeschlossen.

2. Rating

Die Notwendigkeit eines Verfahrens zur Messung und Einschätzung potentieller Risi- ken sowie die Mindestinhalte und Einbindung dieses Prozesses wird gemäss der Bun- desanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wie folgt festgehalten:

Abbildung 2: Risikoklassifizierungsverfahren, BaFin (Hrsg.) (2009).

Die durch EG-Verordnungen festgelegten Kriterien der ersten Säule von Basel II wur- den in Deutschland durch die sog. Solvabilitätsverordnung (SolvV) umgesetzt. In dieser Verordnung sind u. a. verschiedene Messverfahren für das Bonitätsrisiko von Kredit- nehmern zur differenzierten und damit risikosensitiveren Ermittlung der Eigenkapitalan- forderungen im Bereich der Kreditrisiken festgelegt. Den Instituten stehen verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Ratingverfahren zur Verfügung.[8] Je nach Ratingbeurteilung ist der ausgereichte Kredit nicht mehr wie bis zum Jahre 1999 mit pauschal 8% sondern bonitätsabhängig mit einer Spanne von 0% bis zu maximal 1250% Eigenkapital zu un- terlegen.[9]

Die Frage, was unter Rating verstanden wird und wie dieser Prozess im Regelfall prak- tisch abläuft, wird im Folgenden näher betrachtet.

2.1. Grundlagen / Systematik

Das grundlegende Interesse von Kreditinstituten besteht darin, mit den vorhandenen Eigenmitteln die Höhe der insgesamt ausgegeben Kredite zu maximieren, um dadurch eine höchstmögliche Rendite zu erwirtschaften. Dies kann nach den aktuellen Regula- rien nur dann erreicht werden, wenn ein Grossteil dieser Kredite an Kunden guter bis sehr guter Bonität ausgereicht werden.[10] Die Ermittlung der Bonität eines Kunden er- folgt im Firmenkundenbereich primär durch das Rating, d. h. dass das Kreditistitut sich entweder einer externen Ratingagentur bedient oder interne Ratingsysteme aufbaut und anwendet.[11]

Der Begriff Rating wird vielfach definiert, daher folgt nun eine Aufstellung gebräuch- lichsten Definitionen.

Gemäss gesetzlicher Definition ist ein Ratingsystem „…die Gesamtheit aller Methoden, Verfahrensabläufe, Steuerungs- und Überwachungsprozeduren und Datenerfassungs- und Datenverarbeitungssysteme, die die Einschätzung von Adressausfallrisiken […] unterstützen.“[12] Diese doch recht pauschal gehaltene Definition wurde in 2009 von der BaFin weiter präzisiert sowie die Einbindung des Systems in das Kreditgeschäft und die Organisationsstruktur der Institute festgelegt.[13]

Ein Rating ist die Aggregation aller Faktoren, welche die Bonität beeinflussen, in einer Zahl, die das Ausfallrisiko des Kunden widerspiegelt. Es handelt sich somit um die Be- urteilung des Schuldners, hinsichtlich der Fähigkeit, seinen zukünftigen Zins- und Til- gungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Eine bewusste Verdichtung aller Informationen dient einer besseren Möglichkeit zur Interpretation und Vergleichbarkeit.[14]

Unter einem Rating eines Unternehmens versteht man die Einstufung eines Unterneh- mens in ein bestehendes Schema, welches zum einen die Bonität des jeweiligen Unter- nehmens widerspiegelt und zum anderen eine Vergleichbarkeit herstellt.

Je schlechter die Kreditwürdigkeit eines Schuldners, desto höher ist die vermutete Aus- fallwahrscheinlichkeit, was sich letztendlich in einem höheren Zinssatz für den Schuld- ner niederschlägt.[15]

Beim Bankkredit obliegt die Prüfung der Bonität den Kreditinstituten. Will sich das Unternehmen jedoch am Kapitalmarkt mit Eigenkapital finanzieren, wird zur Zulassung zum Börsenhandel eine Beurteilung der Bonität durch eine Ratingagentur benötigt. Das Rating wird durch nur zu diesem Zweck bestehende externe Ratingagenturen durchge- führt; als Bespiele seien hier die bekanntesten international tätigen Agenturen wie Moo- dy’s, Standard & Poor’s (S & P) und Fitch genannt. Diese Agenturen stufen Unterneh- men aber auch Staaten und Anlageprodukte in eine entsprechende Rating-Skala ein:

Abbildung 3: Ratingcodes, vgl. Wöhe (2008), S. 670.

Hervorzuheben ist hier noch die Trennlinie zwischen BBB- und BB+ (bzw. Baa und Ba). Institutionelle Anleger, z. B. Investmentfonds, Versicherungen, etc. meiden Anlei- hen, mit einem Rating schlechter als BBB, da hier das Risiko aus institutioneller Sicht zu hoch erscheint. Die Faktoren, die in einen Ratingprozess miteinfliessen, können sehr umfangreich sein. Sie lassen sich jedoch grundsätzlich in quantitativ und qualitativ un- terscheiden.

2.2. Quantitative Faktoren

Allgemein werden unter den quantitativen Faktoren alle Merkmale subsumiert, die sich aus den wirtschaftlichen Verhältnissen des Unternehmens ergeben. Diese Faktoren erge- ben sich aus bereits vorhandenen Daten, welche grösstenteils im Jahresabschluss aufzu- finden sind. Es handelst sich somit um eine reine Zahlenanalyse der „hard-facts“. Denk- bare Grössen sind Umsatz, Cash-Flow, aber auch relationale Bilanzkennzahlen wie bei- spielsweise Eigenkapitalquote, Vermögensstruktur, etc.[16] Es soll ein möglichst realisti- sches Bild der aktuellen und tatsächlichen Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage darge- stellt werden.[17]

2.3. Qualitative Faktoren

Unter den qualitativen Faktoren werden die „soft-facts“ berücksichtigt, welche sich eher auf die Zukunft bzw. die Erwartungen der Unternehmen ausrichten. Als Beispiele seien hier das Marktumfeld, die Wettbewerbssituation, Zertifizierungen sowie die Manage- mentqualifikation genannt.[18]

Zusätzlich zu den Basiselementen des quantitativen und qualitativen Ratings, können je nach Institut noch weitere Stufen hinzugefügt werden. Als Beispiel für eine Aufwertung seien hier vorhandene Sicherheiten oder Haftungserweiterungen gegenüber Banken durch Bürgschaften, Patronatserklärungen oder ähnliches genannt. Aber auch Abwer- tungen sind möglich, aufgrund von z. B. Kontopfändungen oder offene Rückstande.[19]

[...]


[1] Vgl. Verordnung (EG) Nr. 1606/2002, Art. 4.

[2] Auf die Darstellung des detaillierten Prozess des Endorsement-Verfahren wird verzichtet; verwiesen wird auf die Verordnungen (EG) 1606/2002, 1725/2003 und 1126/2008.

[3] Vgl. IFRS/IAS Portal (2010a), o. S.

[4] Vgl. BaFin (Hrsg.) (2010), o. S.; Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2007), o. S.

[5] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2001), S. 28.

[6] Vgl. Richtlinie 2006/48/EG; Richtlinie 2006/49/EG.

[7] Für die weitere Arbeit ist lediglich die erste Säule ausschlaggebend, sodass auf detaillierte Aus- führungen für die zweite und dritte Säule verzichtet wird.

[8] Standardansatz (KSA) und der auf internen, institutseigenen Ratings basierende Ansatz (Internal Rating Based Approach – IRBA), aus Komplexitätsgründen wird auf eine weitere Detaillierung ver- zichtet.

[9] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2006), o. S. Der maximale Prozentsatz von 1250% bezieht sich auf die Anwendung des Standardansatzes; auf eine Berechnung unter Anwendung von erweiterten Ansätzen (IRBA) wird aufgrund der Komplexität der Berechnung verzichtet.

[10] Je besser das Rating, desto weniger Eigenkapital muss hinterlegt werden.

[11] Beide Varianten müssen von der BaFin geprüft und zugelassen werden, vgl. SolvV (2006), §§ 52 ff. sowie §§ 58 ff., auf weitere Erläuterungen wird aus Komplexitätsgründen verzichtet.

[12] Vgl. SolvV (2006), § 60.

[13] Vgl. BaFin (Hrsg.) (2009), S. 17 ff., aus Komplexitätsgründen wird auf eine detailliertere Ausführung verzichtet.

[14] Vgl. Frère E./Reuse S. (o. J.), S. 1.

[15] Vgl. Wöhe, G. (2008), S. 668.

[16] Vgl. Wöhe, G. (2008), S. 669; Frère E./Reuse S. (o. J.), S. 1.

[17] Vgl. HGB (2009), § 264 Abs. 2.

[18] Vgl. Frère E./Reuse S. (o. J.), S. 1.; da sich die weitere Arbeit mit dem Vergleich von Jahresabschlüs- sen nach Rechungslegung nach HGB und IFRS beschäftigt, welcher rein auf quantitative Faktoren ab- zielt, wird auf eine detailliertere Ausführung zu den qualitativen Faktoren verzichtet.

[19] Vgl. Frère E./Reuse S. (o. J.), S. 4.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
IFRS und Rating
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V158248
ISBN (eBook)
9783640721078
ISBN (Buch)
9783640721603
Dateigröße
1220 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS, Rating
Arbeit zitieren
Mathias Schuster (Autor), 2010, IFRS und Rating, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158248

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