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Symbolische Kunst und literarische Welten. Die Beschreibung von Enites Pferd in Hartmanns von Aue "Erec"

Title: Symbolische Kunst und literarische Welten. Die Beschreibung von Enites Pferd in Hartmanns von Aue "Erec"

Seminar Paper , 2024 , 22 Pages , Grade: 5.5 (Schweiz ~1,5)

Autor:in: Markus Stricker (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Hartmanns von Aue (o. A.–1210/1220) ‚Erec‘ erzählt die Geschichte des gleichnamigen Ritters und seiner Frau Enite. Inmitten des Romans nimmt die detaillierte Beschreibung von Enites Pferd mit fast 500 Versen (V. 7264–7766) erstaunlich viel Raum ein. Die Schilderung ist mehr als nur ein ästhetisches Element. Sie trägt massgeblich zur Entwicklung der Handlung und der Charaktere bei und lässt ein vielschichtiges System symbolischer Bezüge erkennen. Beim deutschen Dichter steigt das Reittier zum Träger eines fein ausgearbeiteten, nach Mass und Zahl geordneten Welt-Bildes auf. Durch das kunstvolle Zwischenspiel der Pferdebeschreibung unterbricht Hartmann die lineare Abfolge der Ereignisse. In dem geschaffenen literarischen Raum führt er neue Geschichten mit eigenen Handlungssträngen ein. Der Einschub verändert die Erzählzeit und lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf andere Welten und Zeiten. Durch diese erzählerische Raffinesse verkompliziert er die Zeitstruktur und schafft spannende Bezüge zu anderen Werken der Literaturgeschichte.

Diese Seminararbeit versucht Hartmanns Absicht hinter der Beschreibung von Enites Pferd und insbesondere den Ausschmückungen des Sattelzeugs mit den mythologischen Darstellungen zu ergründen sowie die Rezeption des Stoffes von Vergils Aeneis und Ovids Erzählung von Pyramus und Thisbe aus den Metamorphosen im Mittelalter zu beleuchten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Enite erhält ein neues Pferd auf der Burg Penefrec

3. Die Schönheit lässt ein Wundertier erkennen

4. Mabonagrin besiegen und so eren riche werden

5. Auf dem gereite daz lange liet von Troia

6. Aeneas und Dido in der Wahrnehmung des Mittelalters

7. Pyramus und Thisbe betwungen von der minne

8. Pyramus und Thisbe in der Rezeption des Mittelalters

9. Vier Elemente auf der Satteldecke, einem phelle ... so er beste wesen solde

10. Juno und Jupiter wie Sonne und Mond

11. Zwei Steigbügel in Drachenform guot unde gemeit

12. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die detaillierte Beschreibung von Enites Pferd und dessen aufwendiges Sattelzeug in Hartmanns von Aue Roman "Erec". Ziel ist es, die symbolische Bedeutung der mythologischen Darstellungen sowie deren Funktion innerhalb der Erzählstruktur zu ergründen und die Rezeption antiker Stoffe im mittelalterlichen Kontext aufzuzeigen.

  • Analyse der symbolischen Bedeutung von Enites Pferd als "Wundertier".
  • Untersuchung der mythologischen Bildprogramme auf Sattel und Satteldecke.
  • Beleuchtung der Rezeption von Vergils Aeneis und Ovids "Pyramus und Thisbe" im Mittelalter.
  • Reflexion über die erzählerische Funktion der Ekphrasis zur Unterbrechung der Handlungszeit.
  • Deutung der Verbindung zwischen materialer Beschreibung und typologischer Symbolik.

Auszug aus dem Buch

Die Schönheit lässt ein Wundertier erkennen

Das Reitpferd ist notwendig für die ritterliche Existenz und gilt als Sinnbild für das ritterliche aventiure. Hartmann von Aue widmet sich ausführlich der descriptio von Enites Pferd und Sattelzeug. Seine Schilderung lässt ein Wundertier erkennen. Das Reittier besitze eine einzigartige Ausstrahlung, die es von einem gewöhnlichen Pferd unterscheide. Seine herausragende Schönheit zeigt die Einzigartigkeit dieses Tieres. Enites Pferd macht nicht das kleinste Geräusch, wenn es läuft, und jeder, der es reite, fühle sich, als schwebe er (V. 7439–7449). Das Ross ist auf der einen Seite weiss, auf der anderen schwarz, und zwischen den beiden Farben, vom Kopf über den Rücken bis zum Schweif, verläuft wie ein Pinselstrich (V. 7317) ein grüner Streifen und je ein grüner Kreis umgreift jedes einzelne Auge. Die Proportionen des Körpers sind harmonisch, zu rechter mâze (V. 7351). Auf der Stirn leuchtet ein Karfunkel dem Reiter des Tieres auch im Dunkeln den Weg (V. 7440–7449). Goldene Glöckchen klingen schon von weitem (V. 7752–7754). Der Sattel ist ganz aus Elfenbein gearbeitet und verziert mit Gold und Edelsteinen. Meister Umbriz hat ihn mit ausserordentlicher Kunstfertigkeit und grosser Sorgfalt geschnitzt (V. 7463 ff., V. 7531). Der edle Sattel und das kostbare Sattelkissen sind mit Miniaturen verziert, die Szenen aus der Antikenliteratur zeigen. Auf der Satteldecke sind ausserdem die vier Elemente und die ihnen zugeordneten Lebewesen eingestickt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Pferdebeschreibung als ästhetisches Element und Träger zentraler symbolischer Bezüge im "Erec".

2. Enite erhält ein neues Pferd auf der Burg Penefrec: Schilderung der Umstände, die Enite nach der Flucht von Burg Limors zu ihrem neuen, prachtvollen Reittier führen.

3. Die Schönheit lässt ein Wundertier erkennen: Analyse der außergewöhnlichen visuellen Merkmale des Pferdes und der künstlerischen Gestaltung des Sattels.

4. Mabonagrin besiegen und so eren riche werden: Untersuchung des schmalen Weges und der pavelune als Symbole im Handlungsstrang um Mabonagrin.

5. Auf dem gereite daz lange liet von Troia: Interpretation der trojanischen Geschichte als zentrales, ekphrastisches Motiv auf dem Elfenbeinsattel.

6. Aeneas und Dido in der Wahrnehmung des Mittelalters: Übersicht über die allegorische und höfische Rezeption des Dido-Stoffes im mittelalterlichen Kontext.

7. Pyramus und Thisbe betwungen von der minne: Behandlung der tragischen Liebesgeschichte von Pyramus und Thisbe und deren typologische Bedeutung auf dem Sattelkissen.

8. Pyramus und Thisbe in der Rezeption des Mittelalters: Aufzeigen der vielfältigen Bearbeitungen und moralischen Interpretationen dieses antiken Stoffes im hohen Mittelalter.

9. Vier Elemente auf der Satteldecke, einem phelle ... so er beste wesen solde: Deutung der kosmologischen Elemente als Ausdruck Enites Rolle als perfekte, erhabene Herrscherin.

10. Juno und Jupiter wie Sonne und Mond: Analyse des Vergleichs zwischen der antiken Ehegöttin und der christlichen Idealvorstellung der Ehefrau Enite.

11. Zwei Steigbügel in Drachenform guot unde gemeit: Untersuchung der Drachensymbolik als ständige Bedrohung durch das Böse, eingefasst in die ritterliche Ausrüstung.

12. Schlussbetrachtungen: Fazit zur Funktion der detaillierten Beschreibung im Roman als Mittel zur Reflexion und narrativen Pausensetzung für den Leser.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Erec, Enite, Ekphrasis, Sattelbeschreibung, Mittelalter, Mythologie, Aeneas, Dido, Pyramus und Thisbe, Symbolik, Minne, Literaturrezeption, ritterlicher Roman, Erzählzeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die detaillierte Beschreibung von Enites Pferd im Artusroman "Erec" von Hartmann von Aue und hinterfragt deren Bedeutung sowie Funktion für den narrativen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die ästhetische und symbolische Funktion der Ekphrasis, die Rezeption antiker Mythologie (Troja, Dido, Pyramus und Thisbe) im Mittelalter sowie die Typologie der Liebe.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, warum Hartmann diesem Pferd und dessen künstlerisch gestaltetem Sattelzeug so viel Raum widmet und wie diese Details das Verständnis des Herrscherpaares Erec und Enite prägen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philologische Textauslegung, motivgeschichtliche Vergleiche und die Untersuchung typologischer Interpretationsmuster kombiniert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der physischen Beschreibung des Wundertiers, die Deutung der historischen Bildprogramme auf dem Sattelzeug und die Untersuchung der antiken Liebespaare als Spiegelbild höfischer Werte.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ekphrasis, Hartmann von Aue, Erec, mittelalterliche Mythologie-Rezeption, Symbolik und höfische Literatur einordnen.

Wie deutet der Autor die Farbkombination des Pferdes?

Der Autor interpretiert das Weiß, Schwarz und das leuchtende Grün auf dem Fell als Symbolik für den Kampf zwischen Gut und Böse, wobei das Grün als Grenze und Hoffnung für einen Neuanfang fungiert.

Warum spielt die Zahl Sieben eine Rolle in der Sattelbeschreibung?

Die Zahl Sieben wird als Ausdruck für Vollendung und das Göttliche gedeutet, was die mathematische Textstruktur unterstreicht, mit der Hartmann die Bedeutung der höfischen bzw. vollkommenen Liebe hervorhebt.

Welche Rolle spielt der Goldschmied "Umbriz"?

Umbriz wird als Meister der Kunstfertigkeit genannt, wobei der Autor darauf hinweist, dass diese Figur allegorisch als Schöpfer oder Dichter selbst verstanden werden kann.

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Details

Title
Symbolische Kunst und literarische Welten. Die Beschreibung von Enites Pferd in Hartmanns von Aue "Erec"
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Course
Masterseminar: Kunst und Literatur
Grade
5.5 (Schweiz ~1,5)
Author
Markus Stricker (Author)
Publication Year
2024
Pages
22
Catalog Number
V1582489
ISBN (PDF)
9783389125564
ISBN (Book)
9783389125571
Language
German
Tags
Hartmann von Aue Erec Enites Pferd ältere deutsche Literatur Literatur im Mittelalter Ritter Chrétien de Troyes Metamorphosen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Stricker (Author), 2024, Symbolische Kunst und literarische Welten. Die Beschreibung von Enites Pferd in Hartmanns von Aue "Erec", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1582489
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