Der zwiespältige Charakter der Lady Macbeth im Hinblick auf ihr Geschlecht


Seminararbeit, 2009
13 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Rolle der Frau zur Zeit Shakespeares

3. Charakterisierung der Lady Macbeth im Hinblick auf ihr Geschlecht

4. Fazit/Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Shakespeares Tragödie „Macbeth“ (1606) nimmt die Figur der Lady Macbeth eine der bedeutendsten und auch undurchsichtigsten Rollen innerhalb des Stückes ein. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll die Rolle der Lady Macbeth im Hinblick auf deren Geschlecht und mannigfaltigen Charakter erarbeitet werden. Die Person Lady Macbeth ist nicht einfach zu durchschauen und ihre Handlungen und Empfindungen lassen sich teilweise nicht eindeutig definieren: Macbeths Frau scheint auf der einen Seite zunächst wesentlich stärker und rücksichtsloser als Macbeth selbst zu sein. Dennoch kann Sie, obwohl Sie selbst den Mord an König Duncan geplant hat, den Monarchen nicht selbst umbringen, was auf ihr weibliches Geschlecht zurückzuführen ist, welches Sie in verschiedenen Situation bannen möchte. Auf der anderen Seite wird Sie nach dem Mord, von Albträumen und Vorwürfen heim gesucht und schlafwandelt durch das Schloss.

Gelingt es Lady Macbeth die für diese Zeit typisch weiblichen Eigenschaften der Zurückhaltung, Schwäche und Unterwerfung abzulegen, in Sinne einer Abgrenzung zum männlichen Geschlecht? Kann Sie als eine Frau betrachtet werden, die revolutioniert und emanzipiert auftritt? Oder lassen sich mehrere Punkte in ihrem Handeln feststellen, die darauf schließen, dass ihre Versuche aus der männlichen Dominanz zu entkommen, fehlgeschlagen sind? Findet eine Entwicklung ihres Charakters im Laufe des Stückes statt oder spielt Shakespeare in Macbeth letztendlich nur mit stereotypischen Darstellungen von Frauen- und Männerbildern?

Diese Fragen sollen im Verlauf der Arbeit erörtert werden, um schließlich eine Antwort auf die Fragestellung zu finden ob Lady Macbeth es schafft sich von ihren weiblichen Eigenschaften und Charakterzügen zu trennen oder ob sie schließlich doch dem männlichen Geschlecht unterlegen ist und ihre Weiblichkeit beibehält.

2. Die Rolle der Frau zur Zeit Shakespeares

Die Rolle der Frau zur Zeit Shakespeares war nicht besonders gut gestellt. Frauen waren abhängig von ihren Männern und hatten sich ihnen zu unterwerfen, genau so, wie sich die Nation dem Regierenden unterwerfen musste (vgl. Klein 2000: 25.). Frauen waren quasi vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, da sie keine Ämter einnehmen und nicht zur Universität gehen durften (ebd. 27.). In der zeit in der Macbeth auf der Bühne aufgeführt wurde, gab es zwar Frauenrollen, diese wurden jedoch alle von Männern bzw. meistens von Kindern oder Jugendlichen gespielt. Auf Grund dessen war auch die Anzahl der weiblichen Rollen relativ gering. In Macbeth gibt es beispielsweise nur 2 wirkliche Frauenrollen. Die, der Lady Macbeth und die der Lady Macduff. Weibliche Charaktere nahmen nur einen kleinen Teil des eigentlichen Stückes ein (Suerbaum 1996: 113f.). Beim genaueren Betrachten der handelnden Personen innerhalb des Stückes „Macbeth“, ist eine gewisse Hierarchie erkennbar: Duncan, der König von Schottland, steht an der Spitze, gefolgt von seinen Nachfolgern, Malcolm und Donalhain. Lady Macbeth steht weit am Ende der Hierarchie und das, obwohl Sie eine der Hauptrollen spielt und weitaus mehr Auftritte hat als beispielsweise Duncans Söhne, welche nur in ein paar einzelnen Szenen auftreten. Die Hierarchie in Macbeth scheint somit auch den Rang der Frau in der „realen“ Gesellschaft zurzeit Queen Elisabeth I. wiederzugeben. Frauen wurden in der Regel als Untergebene betrachtet und hatten somit einen niedrigeren Rang in der Gesellschaft. In der folgenden Arbeit soll klar werden, dass Lady Macbeth gegen diese soziale bzw. vorgegebene Rangordnung verstößt, indem Sie durch ihre teilweise sehr männlichen Einstellungen und den Tod von König Duncan einen Bruch mit der existierenden Ordnung des Elisabethanischen Zeitalters begeht. Das Verhältnis der Geschlechterrollen wird somit gestört.

3. Charakterisierung der Lady Macbeth im Hinblick auf ihr Geschlecht

Bei der Nachforschung in Shakespeares Tragödie ließe sich als erstes feststellen, dass eine Vielzahl von Interpretationen die Affinität der Charaktereigenschaften der Lady Macbeth als typisch männlichen Bereich des Daseins erklären, was im Bezug auf die Zeit in der das Drama entstanden ist, weder erwartet noch erwünscht wurde. Roberts bezeichnet Lady Macbeth, in diesem Sinne, sogar als „masculinized woman“ (Roberts 1991: 96.). Beweise für die fehlende Weiblichkeit der Lady Macbeth können zum Beispiel in der Entschlossenheit und Verbissenheit ihres Geistes gesehen werden, was auch als eine impulsive tragische Bewegung interpretiert werden kann. Am Anfang scheint Lady Macbeth klar als dominierender Part innerhalb des Ehepaares Macbeth hervorzugehen. Macbeth scheint sogar seine Ehepartnerin mehr zu fürchten als das Schlachtfeld (vgl. Traub 1995: 132.). In Lady Macbeths ersten Monolog (1.5.1-29) wird ihr Streben nach Herrschaft und Macht in ihrer Partnerschaft deutlich:

„That I may pour my spirits in thine ear, / And chastise with the valour of my tongue / All that impedes thee from the golden round, / Which fate and metaphysical aid doth seem / To have thee crown’d withal”(1.5.1-29)

Browne merkt in diesem Sinne an, dass das Wort “chastise” eine bedeutende Rolle spielt: „the strength of “chastise” suggests that Lady Macbeth can be very manipulative“(Browne 1976: 124.). Lady Macbeth will also ihren Mann nicht nur unterstützen sondern ihn lenken und bewusst manipulieren um seine Fehler, was seine Weichheit und seine Unentschlossenheit wären, zu korrigieren. Die Aussage „that I may pour my spirits in thine ear“ zeigt weiterhin das sie nach Macht strebt und in einem gewissen Umfang auch hat. Männlichkeit, welche Lady Macbeth erreichen will, impliziert Macht: „In Macbeth and Coriolanus, the two most important representatives of the feminine are even more committed than the heroes to a code of manliness that emphasizes power, honor, war, and revenge” (Bamber 1982: 91.). Bamber erläuter weiterhin, dass Lady Macbeth einerseits diejenige Person ist, die Ambitionen hat, auf der anderen Seite jedoch Macbeth untergeordnet und eher „stage manager“ (vgl. Bamber 1982: 92.) als „independent center [...] of self-interest“ (ebd. 92.) ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der zwiespältige Charakter der Lady Macbeth im Hinblick auf ihr Geschlecht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Anglistik)
Veranstaltung
Gendered Spaces – Repräsentation des weiblichen in der frühen Neuzeit
Note
2,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V158269
ISBN (eBook)
9783640715558
ISBN (Buch)
9783640715718
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macbeth, Shakespeare, Gender Geschlecht Weiblichkeit
Arbeit zitieren
Steffen Plutz (Autor), 2009, Der zwiespältige Charakter der Lady Macbeth im Hinblick auf ihr Geschlecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158269

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