Der Euroskeptizismus als kritische Haltung gegenüber der Europäischen Integration und der EU an sich ist in vielen europäischen Staaten kein neues Phänomen. Es existiert seit Anbeginn der Entstehung des Projektes Europa und die Eurobarometer-Umfragen der Europäischen Kommission ermitteln in sämtlichen EU-Mitgliedsländern die Beliebtheitswerte der Union und wenig überraschend sind es immer dieselben Länder, die sich ausgeprägt skeptisch zeigen.
Umgekehrt ist das Phänomen des Anti-Amerikanismus, also die ablehnende Haltung gegenüber den USA, in Europa kein neues Phänomen und in aller Munde. Die Supermacht „erfreut“ sich auch in Europa, wie dem Rest der Welt, sinkender Beliebtheitswerte. Die USA und Europa hat vor allem im Kalten Krieg der gemeinsame Kampf gegen den Kommunismus und die Sowjetunion verbunden. Die Vereinigten Staaten galten zu diesem Zeitpunkt als Befürworter des Europäischen Integrationsprozesses. Nach dem Ende des Kalten Krieges, als der gemeinsame Feind verschwunden war, entwickelte sich Europa zum ernsthaften Konkurrenten für die USA und stellte mit dem Vertrag von Maastricht 1991 die Gemeinschaft auf ein neues Level. Seit den Terroranschlägen am 11. September reagieren die Amerikaner noch verstimmter auf eine ablehnende Haltung gegenüber ihrer Nation. Umso stärker rückt daher der Anti-Amerikanismus in Europa ins Bild und umso stärker kommt der amerikanische Euroskeptizismus und Anti-Europäismus hervor.
Zwei auf den ersten Blick ähnliche, aber verschiedene Phänomene entwickeln sich seit den 1990er Jahren parallel: der Anti-Europäismus und der amerikanische Euroskeptizismus.
Die Ursachen für diese Phänomene, die seither eine Renaissance erleben, sind vielfältig. Wie vielfältig, soll diese Arbeit verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Themenrelevanz
1.2. Zentrale Forschungsfrage
1.3. Operationalisierung
1.4. Aufbau der Arbeit
2. Anti-Amerikanismus, Euroskeptizismus und Anti-Europäismus
2.1. Euroskeptizismus – ein vielschichtiges Phänomen
2.2. Der wenig beachtete Anti-Europäismus
2.3. Der viel beachtete Anti-Amerikanismus
3. Ursachen und Quellen amerikanischer EU-Skepsis
3.1. Viribus Unitis? – Die Geschichte entzweit
3.2. Eine Frage des Charakters
3.3. Die Europäer als „Softies“
3.4. Hard vs. Soft Power – die USA hat einen Herausforderer
3.5. Wirtschaft, Kultur und Ideologie
3.6. Frankophobie und britische Skepsis
4. Konklusion
4.1. Resümee
4.2. Beantwortung der Forschungsfrage
4.3. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Quellen für den wachsenden Euroskeptizismus und Anti-Europäismus in den Vereinigten Staaten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Woher stammt der amerikanische Euroskeptizismus bzw. der Anti-Europäismus in den USA und welche Quellen und Ursachen können hierfür ausgemacht werden?
- Abgrenzung und Definition der Phänomene Euroskeptizismus, Anti-Amerikanismus und Anti-Europäismus.
- Analyse der historischen Entfremdung und der unterschiedlichen Weltanschauungen zwischen den USA und Europa.
- Untersuchung der Rolle von „Hard Power“ und „Soft Power“ im transatlantischen Spannungsfeld.
- Betrachtung kultureller, wirtschaftlicher und ideologischer Faktoren als Treiber für Misstrauen.
- Evaluierung der These einer wachsenden Konkurrenzsituation im internationalen politischen System.
Auszug aus dem Buch
3.1. Viribus Unitis? – Die Geschichte entzweit
Die Geschichte, so die weitgehende Übereinstimmung in der Literatur, hat Europa und USA voneinander entfernt. Der US-Amerikaner Robert Kagan, seinerzeit Berater Bushs, veröffentlichte knapp nach dem Beginn des Irak-Krieges sein Buch „Macht und Ohnmacht: Amerika und Europa in der neuen Weltordnung“ und thematisiert darin die unterschiedlichen Weltanschauungen von Europa und den USA. Seine Thesen werden häufig auf den Satz reduziert, die Europäer kämen von der Venus, die Amerikaner vom Mars. Er prolongiert zwei unterschiedliche Vorstellungen – die Europäer auf der einen Seite mit einer diplomatischen, pazifistischen, multipolaren und nach Kant ausgerichteten Vorstellung in den Internationalen Beziehungen, die Amerikaner mit einer unilateralen, militärisch bedachten, hobbschen Vorstellung. Die Europäer sehen die Amerikaner als gewaltbereiter und diplomatisch weniger überzeugender (vgl. Sozialwissenschaften Online 2009, 1).
Kagan sieht zwei Faktoren als entscheidend für die gravierenden Unterschiede zwischen Europa und Amerika – das sich wandelnde Machtgefälle und die unterschiedliche ideologische Entwicklung. Europas Weltmachtstatus begann für ihn schon im Ersten Weltkrieg zu schwinden, endgültig beendet wurde dieser Niedergang mit dem Zweiten Weltkrieg, als Europa vollständig zerrüttet wurde. Im Kalten Krieg gab man, laut Kagan, die geopolitische Verantwortung vollständig an die Vereinigten Staaten ab. Europa geriet so in strategische Abhängigkeit. Zwar wollte man durch die Europäische Union wieder zum globalen Player werden, was wirtschaftlich auch gelang, militärisch aber scheiterte. Ohnmacht und vor allem Uneinigkeit demonstrierte die EU hier im Balkankrieg in den 1990er Jahren. Für das transatlantische Verhältnis USA-Europa ergab sich hier ein weiterer Abstieg und Verfall des Status der EU. Statt in ein Militär zu investieren, senkten die Europäer laut Robert Kagan die Ausgaben in Verteidigung und bauten ihren Wohlfahrts- und Sozialstaat weiter aus. Die Europäer würden gegen eine Bedrohung nicht viel tun können – es fehle an militärischer Macht und letztendlich auch am politischen Willen. Die EU würde in wichtigen Bereichen ausweichen (vgl. Sozialwissenschaften Online 2009, 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der kritischen Haltung der USA gegenüber Europa sowie Herleitung der Forschungsfrage und Hypothesen.
2. Anti-Amerikanismus, Euroskeptizismus und Anti-Europäismus: Theoretische Definition und Abgrenzung der drei Phänomene sowie deren Einordnung in den politischen Diskurs.
3. Ursachen und Quellen amerikanischer EU-Skepsis: Analyse der vielfältigen Faktoren, wie geschichtliche Entfremdung, die „Soft Power“-Rolle Europas und kulturelle Differenzen.
4. Konklusion: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Überprüfung der aufgestellten Hypothese zur internationalen Konkurrenzsituation.
Schlüsselwörter
Euroskeptizismus, Anti-Europäismus, Anti-Amerikanismus, transatlantische Beziehungen, Hard Power, Soft Power, Robert Kagan, Europäische Integration, Geopolitik, Ideologie, politische Konkurrenz, USA, EU, Außenpolitik, Weltanschauung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der zunehmenden Ablehnung und des Misstrauens gegenüber Europa innerhalb der USA, das als amerikanischer Euroskeptizismus und Anti-Europäismus bezeichnet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das veränderte transatlantische Verhältnis nach dem Kalten Krieg, die Unterschiede in der Außenpolitik und Sicherheit sowie kulturelle und ideologische Differenzen zwischen den USA und der EU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Ursachen und Quellen zu identifizieren, die dazu führen, dass Europa in den USA zunehmend als Konkurrent oder „andersartig“ wahrgenommen und kritisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche und der Analyse theoretischer Konzepte zur internationalen Politik, unter anderem unter Heranziehung von Autoren wie Patrick Chamorel und Timothy Garton Ash.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe, der Gegensatz zwischen Hard und Soft Power, kulturelle Stereotype über Europäer („Softies“) und die spezifische Rolle Frankreichs und Großbritanniens detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Euroskeptizismus, Anti-Europäismus, transatlantische Beziehungen, Soft Power und geopolitische Konkurrenz charakterisiert.
Warum wird Europa von vielen Amerikanern als „Soft Power“ wahrgenommen?
Die EU wird als Soft Power gesehen, da sie ihre Stärken eher in diplomatischen Werten, wirtschaftlicher Verflechtung und internationalen Organisationen sieht, statt eine militärische Supermacht zu sein.
Welche Rolle spielt der 11. September für die amerikanische Sicht auf Europa?
Die Terroranschläge und der darauffolgende Krieg gegen den Terror führten zu einer stärkeren Polarisierung, da die USA eine geschlossene Unterstützung erwarteten, die Europa nicht in jedem Fall leisten wollte.
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- BA Bakk.Komm. Heidi Huber (Author), 2010, Euroskeptizismus und Anti-Europäismus in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158304