Römische Gartenanlagen

Studien zu Gartenkunst und Städtebau in der Römischen Antike


Doktorarbeit / Dissertation, 2008
497 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Untersuchungsgegenstand und Problemstellung

2. Forschungsgeschichtlicher Überblick

3. Entstehung von Gärten und Parks in Italien
3.1. Die Vorläufer der griechischen Welt
3.1.1. Die Zeit bis Alexander dem Großen
3.1.1.2. Gymnasia und „Philosophengärten“
3.1.2. Die hellenistische Zeit
3.1.2.1. Alexandria
3.2. Italien
3.2.1. Lateinische Terminologie
3.2.2. Die Anfänge
3.2.3. Grünanlagen als Ausstattung von Heiligtümern
3.2.4. Kultbezirke von gallo-römischem Charakter
3.2.5. Die Monumentalisierung des öffentlichen Gartens
3.2.6. Privatgärten in der Stadt
3.2.7. Gärten in sepulkralem Kontext

4. Gestaltung und Aussehen römischer Gärten
4.1. Quellen
4.1.1. Die lateinische Literatur
4.1.1.1. Die Villenbriefe des Jüngeren Plinius
4.1.1.2. Gartenanlagen im Werk des Vitruv
4.1.2. Gartendarstellungen in der römischen Wandmalerei
4.1.3. Reliefdarstellungen römischer Gärten
4.1.4. Darstellungen römischer Gärten auf Marmorplänen
4.1.5. Pflanzenspuren im archäologischen Befund
4.2. Die Ausstattung öffentlicher Gärten
4.2.1. Die gestalterische Bepflanzung von Gärten
4.2.2. Brunnen- und Bewässerungsanlagen
4.2.3. Skulpturenausstattung

5. Gärtner

6. Gartenwerkzeuge und Pflanztechnik

7. Die Rezeption des römischen Gartens

8. Resümee

II. Katalog
1. Vorbemerkungen zum Katalog
2. Heiligtümer
2.1. Heiligtümer, in welchen die Existenz von Gärten nachgewiesen ist
2.2. Heiligtümer, in welchen die Existenz von Gärten wahrscheinlich ist
3. Sport- und Freizeitanlagen
3.1. Sport- und Freizeitanlagen, in welchen die Existenz von Gärten nachgewiesen ist .
3.2. Sport- und Freizeitanlagen, in welchen die Existenz von Gärten wahrscheinlich ist
4. Theaterbauten
4.1. Theaterbauten, in welchen die Existenz von Gärten nachgewiesen ist
4.2. Theaterbauten, in welchen die Existenz von Gärten wahrscheinlich ist
5. Porticusanlagen
5.1. Porticusanlagen, in welchen die Existenz von Gärten nachgewiesen ist
5.2. Porticusanlagen, in welchen die Existenz von Gärten wahrscheinlich ist
6. Sonstige Gartenanlagen
7. Wohnbauten und kaiserliche Residenzen, an welchen die Existenz von Gärten nachgewiesen ist
8. Bauten, an welchen die Existenz von Gärten nunmehr ausgeschlossen werden kann

III. Abstracts
Römische Gartenanlagen
Studien zu Gartenkunst und Städtebau in der römischen Antike
Roman gardens. A study of the art of gardening and urbanism in roman times
Giardini Romani
Studio sull’ arte del giardinaggio e dell’ urbanistica nell’ antichità romana
Jardins romains
Une étude de l’art du jardinage et de l’urbanisme dans l’antiquité romaine
Древнеримская садово-парковая архитектура. Научный трактат о садово­парковом искусстве и градостроительстве в римской античности

IV. Register
V. Tafelteil
1. Abbildungsnachweise
2. Abbildungen

Vorwort

Der Garten ist als Bestandteil der Stadtkultur in jeder Epoche der Geschichte allgegenwärtig. Als Ableger der „wilden Natur“ in der vom Menschen erbauten Stadt ist er in seinem Erscheinungsbild und seiner Funktion stetem Wandel unterworfen.

Obwohl überall gegenwärtig, fanden Gärten in der archäologischen Wissenschaft erst relativ spät Aufmerksamkeit. Rekonstruktionen antiker Bauten und Bauensembles, wie z. B. Platzanlagen, nehmen auf die Existenz von Pflanzen kaum Rücksicht. Das Schweigen der Quellen wurde als Nachweis für die Nichtexistenz gewertet, beziehungsweise ließ den Gedanken an eine gärtnerische Gestaltung gar nicht erst aufkommen. Selbst Arbeiten zur griechisch-römischen Urbanistik, und deren gibt es viele, streifen, wenn überhaupt, das Phänomen Garten nur am Rande. Bezeichnend ist es, dass der Begriff „Stadtgrün“ in der Forschung erst für Gärten und Parks des 19. Jahrhunderts verwendet wird. War die antike Stadt tatsächlich eine graue Wüste aus Stein, Holz, zu Ziegeln gebranntem Ton oder opus caementitium? Natürlich nicht. Den vielen kleinen Hinweisen nach der grünen Seele der römischen Stadt nachzugehen, ist das Ziel dieser Arbeit. Diese Fragestellung und ihre Beantwortung erschienen mir bereits in der Studie zum Baukörper der „Cryptoporticus“ als wesentlicher Schlüssel zur besseren Verständlichkeit vieler Anlagen. Umso erstaunlicher war es für mich, dass eine umfassende Studie über den Garten im öffentlichen Raum bislang fehlte. Die Suche nach dem Garten in der römischen Stadt impliziert, dass es dafür keine engeren topographischen Grenzen geben kann als jene, welche der römischen Kultur selbst widerfahren sind. Aus arbeitstechnischen und ökonomischen Gründen wurden als Untersuchungsschwerpunkt Italien und die westlichen Provinzen des römischen Reiches gewählt. Eine derartige Auswahl ermöglicht es jedenfalls ein hinreichend bestimmtes Bild zu zeichnen.

Das vorliegende Buch ist die ergänzte und teilweise überarbeitete Fassung meiner im Jahr 2008 an der Universität Wien aus dem Fach Klassische Archäologie approbierten Dissertation. Für die Möglichkeit vorliegende Studie durchzuführen, habe ich in erster Linie meinen Eltern zu danken, die mich unterstützt haben. Dank gebührt auch Herrn o. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. F. Krinzinger, der sofort bereit war, die Begutachtung der Arbeit im Rahmen eines Dissertationsprojektes zu übernehmen, als dieses noch in den Anfängen lag, sowie Herrn a.o. Univ.-Prof. Dr. A. Schmidt-Colinet, der die Zweitbegutachtung übernahm. Nicht unerwähnt dürfen auch die Bemühungen zahlreicher Bibliothekare und Kustoden bleiben, welche meinen Anfragen stets freundlich entsprochen haben.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Untersuchungsgegenstand und Problemstellung

Im letzten Jahrzehnt hat der Garten in vielen Bereichen der modernen Gesellschaft wieder an Interesse gewonnen. Er ist privater Rückzugsraum, Feld für kreative Betätigung, Statussymbol und auch Gegenpol zur durch den zivilisatorischen Fortschritt belasteten Natur. Der Garten wird heute meist als Teil des Wohnhauses wahrgenommen. Gelegenheiten zur Neuanlage großflächiger Parks gibt es in der modernen Stadt nur noch selten. Sie zehrt von den Grünreserven, die ihr im 19. Jht. gegeben wurden.

Die Aufmerksamkeit, welche vom Menschen gestaltete Natur erfährt, ist in jeder Epoche in unterschiedlicher Intensität gegeben, dennoch wird mit dem Garten immer Positives verbunden. Die Sehnsucht nach Ruhe, Schönheit, Glück, unberührter Natur, Harmonie mit Gott, paradiesischen Zuständen aber auch nach Reichtum und Macht prägen das Verhältnis des Menschen zum Garten. Der Garten verkörpert das Paradies, das verlorene wie das ersehnte, und er ist Ort von Mythen. Doch die rein physischen Zeugnisse des Gartens sind ungleich kurzlebiger. Gärten gedeihen, verändern sich, werden verändert und bei Vernachlässigung verschwinden sie.

Gartengeschichte kann daher niemals Statisches beschreiben, allerhöchstens sich auf einen besonders gut dokumentierten Zeitpunkt beziehen. Gartengeschichte ist aber nicht nur die Beschreibung von materiellen Bestandteilen des Gartens sondern muss auch die ideellen Beweggründe der Schöpfer berücksichtigen. C. A. Wimmer hat dies in seinem Werk zur Geschichte der Gartentheorie als wesentlichen Aspekt der Forschung erkannt und darauf hingewiesen, dass eine möglichst genaue Erklärung des jeweiligen Gartens nur durch seine Schöpfer selbst erfolgen kann1. Mag dies für die Gärten seit der Renaissance wenigstens in Ansätzen möglich sein, so stellt dies die Altertumswissenschaft vor die Problematik, dass es keinen archäologischen Befund gibt, welcher von Schriftquellen ausführlich erklärt wird. Es sind keine Gartenpläne und keine Pflanzkataloge, welche anlässlich der Errichtung eines konkreten Denkmals erstellt wurden, erhalten.

Jede Arbeit über den antiken Garten stellt daher einen methodischen Grenzgang dar. Sowohl die archäologische als auch die historische Methode müssen Anwendung finden und sich gegenseitig ergänzen. Zusätzliche Anforderungen entstehen dadurch, dass den schon längere Zeit bekannten und immer wieder besprochenen Schriftquellen immer mehr archäologische Befunde gegenüberstehen, die erklärt werden wollen. Sofern dies durch Schriftquellen geschehen soll, kann dies nur unter der Prämisse sein, dass letztere über den Einzelfall hinaus Aussagekraft besitzen und die in ihnen enthaltenen Informationen generalisierbar sind.

Gerade persönliche Ansichten und die Beschreibung individueller Gärten wie sie in den Briefen des Cicero und des Plinius des Jüngeren überliefert sind, haben jedoch nicht den Anspruch Erklärungsmodelle für allgemeine Phänomene zu sein, sie sind auf einen Einzelfall bezogen. Oftmals, wenn nicht gar regelmäßig, wird von der archäologischen Forschung der Wortlaut einer Schriftquelle gleich einer Illustration für eine bestimmte Interpretation herangezogen, ohne dass dadurch eine allgemein gültige Aussage möglich wäre. Ergebnis sind oft rein spekulative Rekonstruktionen des Aussehens antiker Gärten, die weit über den Aussagewert des archäologischen Befundes und der Schriftquelle hinausgehen. Anzumerken ist, dass in der Antike Gartengeschichte nicht Bestandteil einer Wissenschaft war und als Thematik keine Beachtung fand. Eine zeitübergreifende, evolutive Betrachtungsweise des Gartens, wie sie von der Forschung permanent zu schreiben versucht wird, hat es nie gegeben. Die diesbezüglich getroffenen Überlegungen richten sich weitgehend nach den Standpunkten der modernen Betrachter und ihren Vorstellungen vom Aussehen und Entstehen des Vergangenen. Dass die Beschreibung des Objektes immer durch den Standpunkt des Betrachters bestimmt wird, muss bei der Beurteilung des antiken Gartens stets berücksichtigt werden.

Besonders wenig Aufmerksamkeit ist bislang dem Garten als Phänomen der antiken Stadt zuteil geworden. Der Garten ist mehr als Vegetationsraum in Kontrast zur Bebauung, ist die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Natur mit den Mitteln von Kunst und Architektur. Dies zeigt der in der Neuzeit geführte Disput, ob die Gartenkunst Bestandteil der Architektur oder der Malerei sei2. In der Antike galt der topiarius (Ziergärtner) jedenfalls ebenso wie der architectus als Handwerker. Über die materielle Hinterlassenschaft der Gärten hinausgehende Überlegungen zum Symbolismus bestimmter Pflanzen und den Gründen ihrer Verwendung erscheinen ebenso wenig befriedigend und zielführend zu sein, wie den Garten als Träger antiker Ordnungsvorstellungen zu sehen. Mangels eindeutiger inhaltlicher Bezugnahme antiker Texte werden derartige Ausführungen immer unüberprüfbar bleiben3.

Ein konkreteres Vorgehen ist indes hinsichtlich der materiellen Funde möglich4, die im Boden beobachtet werden können. Die Existenz von Wurzellöchern, Pflanztöpfen, verkohlten oder andersartig konservierten Pflanzenresten, Bewässerungsvorrichtungen, Gerätschaften oder aber oft nur die Zusammensetzung von Erdreich können auf die Anlage eines Gartens schließen lassen. Mitunter kann auch ein Fehlen sonstiger Funde wie Bebauung oder Pflasterung aufschlussreich sein. In Hinblick auf die heute stark spezialisierten Grabungsmethoden ist davon auszugehen, dass in der Vergangenheit viele Grünanlagen nicht erkannt wurden und diese entgegen dem derzeitigen Publikationsstand bei weitem nicht so selten waren.

Die vorliegende Untersuchung soll nun in Bezug auf die Rolle des Gartens im Erscheinungsbild römischer Städte jenem Phänomen nachgehen, welches die moderne Landschaftsarchitektur und Raumplanung „Stadtgrün“ nennt: nämlich den »gesamten Freiraumbestand einer Stadt, gewissermaßen die Summe der verschiedenen Grünelemente und einzelner Freiräume«5. Da für Wohnhäuser und Villen durch die Arbeit von W. F. Jashemski bereits eine ausführliche Zusammenstellung von Denkmälern existiert6, liegt das Hauptaugenmerk auf öffentlichen Bauten7. Darunter werden jene Gebäude verstanden, die einem größeren Personenkreis zugänglich waren und zur typischen Infrastruktur jeder Stadt zählten, wie Heiligtümer, Theater, Thermen, Festwiesen oder Porticusanlagen. Neben den oben thematisierten methodischen Schwierigkeiten und der Notwendigkeit auf den bisherigen Ergebnissen aufbauen zu müssen, stellen die außerordentliche Fülle von Denkmälern sowie der Umstand, dass Gartenbefunde nicht immer als solche publiziert wurden, die größten Herausforderungen dar.

Hauptaufgabe wird daher die Erschließung von Grünanlagen aus den publizierten Befunden, gewissermaßen eine Synopsis sein, welche auch dazu anregen soll, Altgrabungen unter einem neuen Gesichtspunkt nochmals zu untersuchen. Dass dies bei dem Einsatz geeigneter Grabungstechniken erfolgreich sein kann, haben die neuen Befunde in der Villa Hadriana, auf Flächen, die schon über einhundert Jahre bekannt sind, gezeigt.

Die ermittelten Denkmäler sollen in weiterer Folge auf ihre Ausstattung mit Skulpturen, Brunnen und Pflanzen sowie der sich daraus ergebenden Gartengestaltung untersucht werden. Aufgrund der Fundlage zeigte es sich als zweckmäßig, auch besonders gut dokumentierte Wohnbauten und kaiserliche Residenzen in die Untersuchung miteinzubeziehen. Über das Einzeldenkmal hinaus soll versucht werden, die Rolle von Parkanlagen in der Entwicklung der römischen Stadt, vor allem in Rom selbst, zu erörtern sowie mit den früheren Epochen des Altertums zu vergleichen. Dabei ist auch gleichzeitig nach möglichen Funktionen der städtischen Freiräume, wie sie aus der modernern Stadt bekannt sind, zu fragen, etwa inwieweit den Anlagen Erholungs- und Erlebnisfunktion, hygienische oder repräsentative Aufgaben zukamen.

Die Vielzahl der Denkmäler machte es notwendig, die Untersuchung auf den Zeitraum bis zum 3. Jht. n. Chr. sowie auf Italien und die westlichen Provinzen des römischen Reiches einzuschränken. Letztere sind durch die zahlreichen Neugründungen von Städten und die Publikationslage besonders geeignet, über die Rolle des Parks Aufschluss zu geben.

2. Forschungsgeschichtlicher Überblick

Jede Forschergeneration der letzten 150 Jahre war bemüht, das Phänomen des antiken Gartens in den ihr zur Verfügung stehenden antiken Quellen zu erfassen. Erst in der 2. Hälfte des 20. Jht. hat sich das aus archäologischen Quellen stammende Material vermehrt, welches nun mit schon länger bekannten Schriftzeugnissen in Einklang zu bringen versucht wird. Dieses Wechselspiel mit offenem Ausgang kennzeichnet die Gartenforschung seit jeher. Das Studium der Schriftquellen war eigentlicher Ausgangspunkt der Gartenforschung und führte dazu, dass am Ende des 19. Jht. eine weitgehend vollständige Sammlung der antiken Schriftquellen abgeschlossen war und in die großen Sammelwerke der damaligen Zeit, das Lexikon von Daremberg - Saglio sowie die Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaften Eingang fand8. Bereits 1856 erschien das Werk von C. Boetticher zum Baumkultus der Griechen, welches - dem Geist der deutschen Romantik verpflichtet - heute nicht mehr aufrechtzuerhaltende religionsgeschichtliche Vorstellungen vom Baumkult vermittelte9. Wesentlich enger am Wortlaut antiker Quellen orientiert waren die beinahe gänzlich aus Übersetzungen von Einzelzitaten der antiken Literatur bestehenden Werke von H. O. Lenz, Botanik der alten Griechen und Römer (1859) sowie von A. Seidensticker, Waldgeschichte des Altertums I II (1886). Auf ähnlicher Basis beschäftigte sich R. Wäntig mit den Hainen Griechenlands10. Eine erste naturwissenschaftliche Annäherung an die Bepflanzung des antiken Gartens versuchte der Direktor der Königlichen

Landwirtschaftlichen Hochschule in Portici D. Comes mit der Erstellung eines alphabetischen Kataloges der wichtigsten auf Wandmalereien aus Pompeji und Ercolano dargestellten bzw. in verkohltem Zustand aufgefundenen Pflanzen11. Entsprechend der seinerzeitigen Grabungstechniken waren zu diesem Zeitpunkt meist nur größere Reste verkohlter Bäume, wie etwa in der 'Villa di Diomede’, beobachtet worden.

Auf der Basis gesicherter schriftlicher Quellen konnten sich Einzelstudien zur Religions- und Sozialgeschichte mit dem Phänomen Natur näher auseinandersetzen. So veröffentlichte G. Stara-Tedde 1905 das bislang einzige Werk zu den Hainen im Stadtgebiet Roms, wobei er sich in Ermangelung von Bodenfunden ausschließlich an literarischen Zeugnissen orientierte12. L. Friedländer versuchte erstmals die Phänomene der römischen Villeggiatur sowie des Naturgefühls und der Naturbeobachtung zu erfassen13. Zusammen mit der bahnbrechenden Studie von M. Rostowzew zu Landschafts- und Villendarstellungen in der Wandmalerei war damit für Jahrzehnte hinaus ein Forschungsschwerpunkt auf den Privat- und insbesondere den Villengarten gesetzt. Die Haine als Kultstätten fanden nur wenig Beachtung14. Auch das monumentale Werk von J. G. Frazer, von dem bereits G. Wissowa konstatieren musste, er habe darin nichts Wesentliches für das Verständnis der römischen Religion gewinnen können15, und welches den Hain der Diana von Aricia als thematischen Ausgangspunkt wählte, blieb in der Altertumsforschung weitgehend ohne Einfluss16. Den erstmaligen Versuch einer umfassenden, epochenbezogenen Gartengeschichte unternahm M. L. Gothein. Bereits 1909 war ein Artikel über den griechischen Garten erschienen17, welcher später in leicht überarbeiteter Form Bestandteil eines zweibändigen Werkes war18. Gotheins methodisches Vorgehen beruhte weniger auf Reisetätigkeit und Autopsie als vielmehr auf einem genauen Studium antiker Autoren und auf der systematischen Darstellung des Inhalts der zu diesem Zeitpunkt bereits erschienenen lexikographischen Artikel. Dennoch ist es ihr gelungen auch die archäologischen Denkmäler zu besprechen und erstmals eine Darstellung der Entwicklung des römischen Gartens zu geben. Keine Aufmerksamkeit als städtebauliches Phänomen fanden Gärten in der Arbeit von A. v. Gerkan, was vorwiegend auf das Fehlen von entsprechenden archäologischen Befunden in griechischen Städten zurückzuführen ist19. Erst mit der sog. 'Agora-Grabung’ der American School of Athens unter der Leitung von H. A. Thompson Mitte der 1930er Jahre konnten entsprechende Funde getätigt werden. Im Bereich der römischen Welt lenkte H. Sulze wenige Jahre später die Aufmerksamkeit auf die FUR als geeignete Quelle zur Rekonstruktion von aus literarischen Quellen näher bekannten Gärten wie der Porticus Liviae, der Porticus Herculis Musarum und den Adonaea20.

Einen Neubeginn in der Gartenforschung stellte das umfangreiche Werk von P. Grimal dar, welches in drei, immer wieder überarbeiteten und um neue Forschungsergebnisse erweiterten Auflagen erschienen ist21. Der Schwerpunkt der Darstellung lag auch hier wiederum auf den literarischen Quellen, es wurden jedoch auch archäologische Quellen behandelt. Die dritte Auflage 1984 konnte die Ergebnisse der Forschungen von W. F. Jashemski nicht mehr ausreichend berücksichtigen. Neben einer Entstehungsgeschichte des römischen Gartens von der frühen Republik bis in die Kaiserzeit nimmt die Arbeit auch auf die Rolle des Gartens im Werk einzelner Schriftsteller Bezug. Insbesondere dieser vierte Abschnitt hat wegen der methodischen Annahme Grimals, welche den fiktionalen Charakter mancher poetischer Texte verkennt und eine Querverbindung zwischen den Stilen der Gartengestaltung und jenen der pompejanischen Wandmalerei herstellen zu können glaubte22, Kritik erfahren23. Dennoch bleibt das Werk Grimals durch seine Ausführlichkeit in der Zusammenstellung der Quellen bis heute der Ausgangspunkt für jede weitere Beschäftigung mit dem römischen Garten.

Während in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Garten kein selbstständiger Gegenstand der Forschung war24, begann ab den 1970er Jahren das Interesse daran wiederum zu steigen. Vornehmlich durch Dissertationsprojekte und Kongresse nahm die Zahl der Einzelstudien zu, die Kenntnis der Einzeldenkmäler verbesserte sich entscheidend. Auch von kunsthistorischer Seite fand der römische Garten erstmals Aufmerksamkeit. Die mehrbändige Reihe zur Geschichte des Stadtgrüns von D. Hennebo orientierte sich für die Antike allerdings am Werk von M. L. Gothein und gibt nur einen verkürzten Überblick25. D. E. Birge stellte erstmals sämtliche Schriftquellen zu griechischen Hainen zusammen26. In ihrer Besprechung der archäologischen Quellen wird deutlich, dass Pflanzenbefunde im östlichen Mittelmeerraum eher die Ausnahme sind. Das Verdienst, die tatsächlichen Bepflanzungsschemata nebst Bestimmung der Pflanzenarten im römischen Garten nachvollziehbar gemacht zu haben, kommt unbestritten W. F. Jashemski zu, die seit 1957 Gärten in den Vesuvstädten erforschte. Ihr Werk enthält im Wesentlichen detaillierte Beschreibungen der in Privathäusern und Villen in den Vesuvstädten aufgedeckten Gärten sowie dazugehörige Funde27. Auch erste naturwissenschaftliche Analysen an Pflanzenmaterial wurden durchgeführt. Die Einmaligkeit der besprochenen Fundplätze und ihre Zerstörungsgeschichte gewährleisteten bislang ungeahnte Ergebnisse hinsichtlich der Rekonstruktion von Gärten. Es muss jedoch über den archäologischen Befund hinaus festgehalten werden, dass das Werk Jashemskis antike Schriftquellen oftmals lediglich als Illustration antiker Befunde plakativ einsetzt und manche der gezogenen Schlüsse lediglich auf subjektiven Erfahrungen der Autorin beruhen28. Als Dokumentationsübersicht zu Gartenbefunden sowie zu Wandmalerei mit Gartenmotiven ist der zweite Band nützlich, enthält er doch eine katalogartige Auflistung von Bauten29.

Eine ausführliche Aufarbeitung von Skulpturenfunden aus Gärten, Quellen zu Villengärten und von Gärten außerhalb Italiens leistete eine Reihe von Kongressen30. Mit den von Jashemski in Pompeji entwickelten Methoden erschien auch eine Neuuntersuchung einiger Hofflächen der Villa Hadriana sinnvoll. Die erlangten Ergebnisse bestätigen, dass bei entsprechendem Vorgehen und Erhaltungszustand auch außerhalb der Vesuvstädte gut rekonstruierbare Befunde dokumentiert werden können31.

Darüber hinaus gelang es einem Arbeitskreis um M. Carroll-Spillecke die Quellen zum griechischen Garten zusammenzustellen32 und einen Sammelband zum antiken Garten zu editieren33. In einer Reihe von Einzelstudien, welche das kulturelle Umfeld der römischen Villa erforschten, sind die Arbeiten von R. Neudecker34, R. Förtsch35 und R. Ch. Häuber36 zu nennen. Die Untersuchung von A. Gieré zu den Gartenformen hippodromus und xystus fand in der Forschung keine Resonanz37. Gleichzeitig vermochte die anglo-amerikanische Forschung mit dem Werk von L. Farrar die Forschungslücke zu schließen, welche hinsichtlich der Gärten in den Provinzen entstanden war38. Eine Studie von K. L. Gleason zur Porticus Pompei und zur Palastanlage des Herodes in Jericho brachte zum Befund ersterer kaum neue Erkenntnisse, vermochte jedoch die Bepflanzung des Palastes zu dokumentieren39.

Nur zögerlich wurde die Rolle des Gartens in der Urbanistik untersucht. In den letzten beiden Jahrzehnten haben Standardwerke zur antiken Stadt nicht eigens auf die Rolle des Gartens Bezug genommen40, bei Farrar ist den öffentlichen Gärten (»non residential gardens«) nur ein kurzer Abschnitt gewidmet, welcher sich in der Beschreibung der bekanntesten Denkmäler erschöpft41. Einzig die heiligen Haine wurden in einem eigenen Kongress ausführlich erörtert42. Das von B. Andreae verfasste Werk „Am Birnbaum“ behandelt in anschaulicher Darstellungsweise bekanntes Material ohne neue Befunde zu erörtern, ist es doch an einen breiten Leserkreis gerichtet43. Die Dissertation von L. Landgren befasst sich vornehmlich mit der Pflanzenausstattung des antiken Gartens, geht wiederum primär von literarischen und epigraphischen Quellen aus, berücksichtigt aber auch die wenigen verwertbaren Erkenntnisse auf dem Gebiet der Botanik44.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten stiegen sowohl die Zahl der Publikationen als auch das Interesse am antiken Garten und wurde fallweise eine Rekonstruktion von Gartenflächen gemeinsam mit den ergrabenen Gebäuden versucht45. Ebenso wird auch bei Nichtvorliegen entsprechender Befunde zumindest die Möglichkeit einer Gartengestaltung bedacht46.

Es besteht daher die begründete Hoffnung, dass sich in den kommenden Jahren das Bild vom antiken Garten weiter vervollständigen wird.

3. Entstehung von Gärten und Parks in Italien

Um die Eigenart und die Entwicklungsgeschichte des römischen Gartens erfassen zu können ist es sinnvoll, Vergleiche mit Gärten in der griechischen Epoche anzustellen. Die Auswahl der Denkmäler erfolgte in Hinblick auf die Schwerpunktsetzung der Arbeit, private Gärten bei Wohnbauten finden daher nur am Rande Erwähnung. Das Hauptaugenmerk liegt auf den städtebaulichen Zielsetzungen, welche mit der Anlage von Gärten verfolgt wurden.

3.1. Die Vorläufer der griechischen Welt

3.1.1. Die Zeit bis Alexander dem Großen

Die ausführliche Untersuchung von M. Carroll-Spillecke und Kollegen hat erstmals einen Überblick der Quellen zum antiken griechischen Garten ermöglicht und aufgezeigt, dass das Stadtbild der klassischen Polis nicht durch Grünflächen geprägt war47. Auch kann ausgeschlossen werden, dass der Garten fester Bestandteil des Stadthauses war48. Gärten lagen in der Regel außerhalb der Stadtmauer und dienten Grünflächen, bis auf wenige hier zu erläuternde Ausnahmen abgesehen, auch nicht zur bewussten Gestaltung des Stadtbildes. Dies ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber der römischen Urbanistik.

Zweifellos muss es auch in Griechenland zwecks Versorgung mit Nahrungsmitteln die üblichen Arten von Gärten, Baum-, Nutz- und Weingärten gegeben haben49. Zahlreiche Urkunden des Rechtsverkehrs, vor allem Pacht- und Kaufverträge, zeugen davon50. Die statistische Auswertung der Quellenlage ergab einen eindeutigen Überlieferungsschwerpunkt für die klassische Zeit und darin wiederum für Attika51. Es lässt sich also kein annähernd flächendeckendes Bild für den griechischen Kulturraum zeichnen und bleibt letztendlich immer nur die Unsicherheit von Analogieschlüssen, regional bestehende Unterschiede sind nicht fassbar. Auch hinsichtlich der Bodenfunde ist die Evidenz mehr als kläglich, lässt sich doch für keine Stadt eine nur annähernd aussagekräftige Studie über die landwirtschaftliche Nutzung des Umlandes erstellen. Immerhin kann aus dem gänzlichen Fehlen von

Gartenbefunden in Stadthäusern geschlossen werden, dass deren Höfe anders genutzt wurden. Oft ist dieses Phänomen mit den sozialen Gegebenheiten innerhalb der demokratischen Gesellschaft der Klassik begründet worden und zwar dahingehend, dass die Entwicklung einer privaten Gartenkunst nicht möglich gewesen wäre52. Hinsichtlich des Nutzgartens ist diese Erklärung jedenfalls unbrauchbar und gilt der Gedanke der Isomoiria wohl nur für den Gründungsvorgang einer Stadt selbst, wenn den Bürgern ein Baulos in der Stadt und ein Los Ackerland zugeteilt wurden53.

Neben den Nutzgärten sind einzelne Baumdenkmäler innerhalb der Stadt überliefert, dies meistens in Zusammenhang mit Götterbildern, so etwa die von Lorbeer umgebene Apollonstatue auf der Agora von Metapont54 oder die Bepflanzung um den Altar der Zwölf Götter in Athen. Letztere wurde auch durch den Fund von Pflanzgruben (ca. ein Meter Durchmesser und Tiefe) bestätigt, welche laut H. A. Thomson ins 4. Jht. v. Chr. datieren55. Die botanische Gattung der Pflanzen konnte nicht festgestellt werden, Statius spricht von einem Oliven- und Lorbeerhain56 57. Ein genauer Zusammenhang mit dem architektonischen Umfeld ist den literarischen Quellen meist nicht zu entnehmen, ebenso wenig die Gestaltung der Baumpflanzungen. So soll auch die Agora von Anthedon (Böotien) bepflanzt gewesen sein .

Wesentlich zahlreicher sind die Schriftquellen in Bezug auf Heiligtümer mit Pflanzenbestand, wobei nicht feststellbar ist, ob die Heiligtümer innerhalb des Stadtgebietes besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit erfuhren. Eher ist anzunehmen, dass der Natur sowohl in extraurbanen als auch urbanen Heiligtümern gleiche Wertschätzung widerfuhr und sich ein Vorhandensein von Bepflanzung nach kultischen Erfordernissen richtete58. Für die bloße Anpflanzung aus ästhetischen Gründen liegen nämlich keine Zeugnisse vor. Vielmehr ist der Ölbaum im Erechtheion von Athen fester Bestandteil der Gründungslegende der Stadt und wird seine Überlebens fähigkeit eigens betont59. Auch wenn es in klassischer Zeit keinen

Baumkult im eigentlichen Sinne gab sondern der Baum nur als Attribut der zu verehrenden Gottheit galt, wurde ihm trotzdem besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit zuteil60. Dies war auch bei größeren Hainen der Fall und ist deren Ursprung meist wohl in einem Naturheiligtum zu sehen, welches in historischer Zeit nach und nach eine architektonische Ausgestaltung erfuhr. Bereits um 500 v. Chr. soll der Tyrann Gelon im Bruttierland einen schönen Hain besessen haben, in welchem sich das sog. 'Horn der Amaltheia’, wohl ein nymphaeum dieser Gottheit, befand61. Unklar ist die Datierung eines von Pausanias beschriebenen, direkt am Meer bei Patras gelegenen Hains, der Kultbauten für Apollon und Aphrodite sowie künstlich angelegte Wege enthielt62. Die anscheinend ausgefeilte Gestaltung verweist jedoch in hellenistische oder gar römische Zeit. Ob das Heiligtum der Aphrodite in Kroton tatsächlich in einem mit Alleen von Platanen und Lorbeerbäumen verschönerten Hain lag, ist ebenso unsicher63. Eine immergrüne Platane markierte in Gortyns die Stelle, an der es dem Mythos nach zur Vereinigung von Zeus und Europa gekommen sein soll64. Der Hain beim Tempel des Zeus Philios im Stadtgebiet von Megalopolis, welcher der Demeter und der Kore geweiht war und hölzerne Xoana der Hera, Apollons und der Musen beherbergte, soll für Menschen tabu gewesen sein65. Einen bedeutenden Hain, bestehend aus Platanen und Standort von Statuen der Demeter, der Aphrodite und des Dionysos erwähnt Pausanias in Lerna66. Vom Heiligtum der 'Aphrodite in den Gärten’, welches südlich von Athen im Ilissos- Tal außerhalb der Stadtmauer lag67, ist der architektonische Aufbau unbekannt, wahrscheinlich trug es den Charakter eines temenos mit einem baulich bescheidenen Schrein.

Die Existenz zahlreicher Sakralgesetze, die das Abholzen heiliger Haine unter Strafe stellten, belegt, dass die Akzeptanz derartiger Heiligtümer nicht immer voll gegeben war und wirtschaftlichen Interessen weichen musste68. Zu unterscheiden ist jedoch hierbei, ob das Verbot des Holzsammelns aus rein kultischen Gründen erfolgte, wie beim Hain der Hyrnetho in der Nähe von Epidauros69, wo Bruchholz nur für Opferfeuer verwendet werden durfte, oder ob es tatsächlich darum ging, Raubbau hintanzuhalten. Derartige Bestimmungen stammen aus allen Teilen der griechischen Welt, auch aus dem ptolemäischen Ägypten. Ein Zuwiderhandeln war in der Regel mit Geldstrafe bedroht, der Vollzug meist den jeweiligen Priesterkollegien übertragen70. Haine hatten jedoch auch bei kriegerischen Handlungen zu leiden. Kleomenes von Sparta ließ einen Hain bei Argos, in welchem sich die Argivier verschanzt hatten, niederbrennen71. Sulla nutzte den Baumbestand der Akademie und des Lykeion in Athen zum Bau von Belagerungsmaschinen72. D. Turullius baute in Kos Schiffe73. Beinahe scheint es so, als ob die Haine ebenso der natürlichen Veränderung durch den Menschen ausgesetzt waren, wie andere Teile der Natur auch. Strabon beklagt in Bezug auf den Hain des Poseidonions in Orchestos, welchen er nicht mehr vorfand, dass die Dichter jeden heiligen Bezirk einen Hain nennen74. Hundert Jahre später ist Pausanias in der Lage einen Hain zu beschreiben, von dem er annimmt, dass diesen Homer schon gesehen habe75. Die beiden Quellen sind in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: einerseits hinsichtlich der gebotenen Relativierung antiker Beschreibungen und andererseits als Gegenbeweis der Vorstellung, die örtlichen Verhältnisse wären die gesamte Antike hindurch stets dieselben geblieben. Als antiker Hain, der sich beinahe in die Gegenwart retten konnte, kann ein noch zu Beginn des 20. Jhts. auf Zypern erhaltenes, dicht bewachsenes Areal in der Nähe von Salamis gelten, welches für die Anhänger aller Religionen tabu war. Nur einmal im Jahr wurden abgestorbene Dornenbüsche im christlichen Osterfeuer verbrannt76.

Von den meist aus nicht fruchttragenden Bäumen bestehenden Hainen sind jene zu Heiligtümern gehörigen Areale zu unterscheiden, die landwirtschaftlich genutzt wurden. Diese mussten nicht in räumlicher Nachbarschaft zum Heiligtum gelegen sein, die Natural- und Pachteinnahmen kamen diesem jedoch zu gute. Den Pächter trafen mitunter detaillierte Pflichten betreffend die Kultivierung. So waren im Zuge der Neuvermessung des Heiligtums für Neleus und Basile in Athen 200 Olivenbäume zu pflanzen77, in Amorgos eine entsprechende Menge Dünger zu liefern78, in Souinon für die Bewässerung zu sorgen79 und in Thasos genau bezeichnete Bäume zu pflegen80. Aber auch Stiftungen von Nutzgärten an ein Heiligtum sind belegt81. Am Landgut des Xenophon bei Skillous existierte ein der Artemis geweihtes temenos, in dem einmal jährlich am Festtag der Göttin gejagt werden durfte82. Während die epigraphischen Quellen kaum Rückschlüsse auf das architektonische Umfeld zulassen, sind archäologische Befunde nur selten durch botanische Zeugnisse vervollständigt worden. Nachdem im feuchten Erdreich neben dem von einer großen Steinpackung umgebenen Hauptaltar im Heraion zu Samos ein dicker Baumstumpf zu Tage trat, war die Überraschung groß, dass es sich dabei um eine Wacholderart und nicht um den Kultbaum der Göttin, den Lygos (Keuschlammstrauch) handelte83. Trotzdem muss der Baum über mehrere Jahrhunderte hinweg direkt am Altar und somit im Zentrum des Heiligtums gestanden haben. Ob er eine Rolle im Kultgeschehen spielte, ist unbekannt.

Ebenso gelang es nicht, den Standort der berühmten Eiche im Heiligtum des Zeus in Dodona, welche Sitz des Orakels gewesen sein soll84, zu identifizieren.

Parkähnlichen Charakter zeigte hingegen die geradlinige, symmetrische Anlage von Pflanzgruben beim 'Hephaisteion’ in Athen (KatNr. 1, Abb. 47-48), die nur durch die vorhandene künstliche Bewässerung existieren konnte.

In der näheren Umgebung des Asklepieions von Korinth wurden drei unterschiedliche Systeme von in den anstehenden Fels eingearbeiteten Gruben aufgedeckt85. D. E. Birge hat diese drei unterschiedlichen Gestaltungsphasen zugeordnet86. Hinweise auf die botanische Gattung der Pflanzen fehlen bislang, doch erscheint die geringe Größe der Gruben von 0,6 bis 0,7 Metern Seitenlänge und maximal 0,5 Metern Tiefe kaum für größere Bäume geeignet zu sein. Zahlreiche weitere Vertiefungen können Pfostenlöchern zugewiesen werden, deshalb ist die Rekonstruktion einer Gartenanlage derzeit abschließend nicht möglich.

Die literarische Überlieferung bei Pausanias87 und die Auffindung von karbonisierten Zypressensamen im Erdreich sowie die Größe der Gruben von ca. zwei Metern Durchmesser und 0,65 Metern Tiefe werden im Falle des Zeusheiligtums von Nemea als für den Nachweis eines aus Zypressen bestehenden Haines als ausreichend erachtet (Abb. 1)88. Insgesamt wurden 24 Gruben südlich des Tempels aufgedeckt und wiederbepflanzt. Die mit Humus angereicherte Erde in den Gruben spricht für diese Interpretation. Die Ausgräber datieren die Entstehung dieses künstlichen Haines ins 4. Jht. v. Chr., sie dürfte mit einer baulichen Neugestaltung des Areals im Süden einhergegangen sein, eine Benutzung der Pflanzgruben bis in nachchristliche Zeit ist anzunehmen. Ebenfalls in diesem Areal entdeckte horoi sind nach dem stratigraphischen Befund älter als der Hain und könnten den Umfang einer älteren Bauphase des Heiligtums angezeigt haben.

Ein heiliger Hain einzigartiger Prägung wurde innerhalb des Heiligtums des Apollon Hylates in Kourion auf Zypern aufgedeckt. Grabungen der Amerikanischen Schule in den Jahren 1979 und 1980 ergaben, dass das Heiligtum mindestens seit dem 7. Jht. v. Chr. bestand, im 6. Jht. v. Chr. eine erste bauliche Ausgestaltung erfuhr89. Der Hauptteil der aufgedeckten Bauten, der eigentliche Sakralbau, eine auf diesen zuführende gepflasterte Straße sowie eine palaestra, Thermenanlage und Priesterwohnungen stammen aus der Zeit um 100 n. Chr. Aelianus berichtet von ausgedehnten Hainen, welche mit zahlreichen wilden Tieren wie Hirschen bevölkert waren90. Da diese Beschreibung auf den ergrabenen Tempelbezirk von dessen Größe her kaum zutreffen kann, wird angenommen, dass es sich bei dem in der Literatur genannten Hain um die nähere Umgebung des Heiligtums handelt91. Da Apollon als Schutzgott des Waldes auftritt, ist die Existenz eines Tiergeheges nicht weiter verwunderlich92. Zum frühesten Baubestand des Heiligtums im 6. Jht. v. Chr. gehört das in seiner Ausgestaltung bislang einzigartige Baumdenkmal. Es handelt sich dabei um ein Areal von ca. 18 Metern Durchmesser, auf dessen Fläche in unregelmäßigen Abständen sieben Vertiefungen von unregelmäßiger Größe (0,53 bis 1,36 m Durchmesser und einer Tiefe von 0,18 bis 0,71 m) in den natürlich anstehenden Fels eingehauen sind. Weitere Kanäle in der näheren Umgebung - vor allem nördlich des Baumdenkmals in Richtung der dort befindlichen Zisterne - könnten, geht man von einer Gleichzeitigkeit der Bauwerke aus, der Bewässerung gedient haben. In den Gruben wurde dunklere Erde festgestellt, botanisch bestimmbare Pflanzenreste fanden sich hingegen nicht. Aus Zypern stammende Kleinplastiken aus Terracotta, welche um einen Baum tanzende Figuren zeigen, könnten eventuell als Zeugnis für einen solchen Ritus im Heiligtum herangezogen werden93.

З.1.1.2. Gymnasia und „Philosophengärten“

Besonders häufig werden in den literarischen Quellen Haine in Heiligtümern in Verbindung mit der Ausübung sportlicher Aktivitäten zu Ehren der Gottheit genannt. Es ist dies einer der Ursprünge für eine der bedeutendsten Institutionen der griechischen Gesellschaft: das Gymnasion94. Zugleich waren Gymnasia auch städtebaulicher Freiraum, ihre Bedeutung für die Entstehung und Verbreitung antiker Parkanlagen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der Ursprung dieser Sportplätze, die zum Training und zur Vorbereitung auf den Wettkampf bestimmt waren, liegt in extraurbanen Heiligtümern. Der Mythos besagt, Herakles habe in Elis trainiert und dafür zuerst den Akanthus auf der Laufbahn geschoren95. Pausanias beschreibt für das 2. Jht. n. Chr. das Gymnasium in Elis als mit Platanen bepflanzt und nennt die Laufbahn ξυστός.

Nach mythischer Überlieferung soll der Ölhain von Olympia ebenfalls auf Herakles zurückgehen96. Trotz flächendeckender Erforschung der Altis kann über die Gestaltung des Haines und seine Veränderung über die Jahrhunderte hindurch keine eindeutige Aussage getroffen werden97. Vereinzelter Baumbestand, der durch die voranschreitende Verbauung zurückgedrängt wurde, mitunter die Verwendung der Bäume zum Aufhängen von Weihegeschenken, kann lediglich vermutet werden. Für den Bereich des Gymnasions hat Ch. Wacker hervorgehoben, dass eine architektonische Ausgestaltung mittels Säulenhallen erst nach und nach erfolgte98.

Ein ähnliches Entwicklungsschema ergibt sich sowohl aus der literarischen als auch archäologischen Überlieferung zum Gymnasion von Delphi. Auch hier berichtet der Mythos von einem wilden Wald, in welchem einst Odysseus jagte99. Bautätigkeit ist erst ab dem 4. Jht. v. Chr. nachweisbar100. Die bevorzugte Baumart an Sportplätzen scheint die schattenspendende Platane gewesen zu sein. In Sparta existierte eine kreisrunde, von Euripoi umflossene Insel 'Platanistas’101, wobei eine künstliche Pflege des Erscheinungsbildes vermutet werden kann. In Rhegion legte bereits Dionysios der Ältere einen mit Platanen geschmückten Garten an, welcher zur Zeit Theophrasts als Gymnasion diente102. Auch das sog. 'Timoleonteion’ von Syrakus, welches ursprünglich aus einem Heroon hervorgegangen war, war ein mit Gartenanlagen geschmücktes Gymnasion, welches sogar ein Odeon enthalten haben soll103.

Der aus in strenger Ordnung gepflanzten Kiefern bestehende Hain des Poseidon in Isthmia war Schauplatz der Wettkämpfe104, woraus natürlich folgt, dass die Spiele auf einer Art „Festwiese“ stattfanden. Auch das Kraneion von Korinth, ein ausgedehnter Zypressenhain außerhalb der Stadt, in welchem sich auch Grabbauten befanden, enthielt ein Gymnasion mit einer 'Lerna’ genannten Quelle, Säulenhallen und Sitzplätzen105. Offenbar war die parkähnliche Gestaltung des Gymnasions bereits in klassischer Zeit ein verbindlicher Kanon, verlangt doch auch Platon, dass derartige Bauten an wasserreichen Stellen anzulegen sind106. Auch der Exkurs des Vitruv zur palaestra führt parkähnliche Gestaltung als Charakteristikum an107. Besonders detailliert beschreibt er die Anlage und den Aufbau der Säulenhallen, die er ξυστός nennt. Wie immer bei Vitruv gehen mit der Beschreibung des architektonischen Aufbaus theoretische Betrachtungen über die Funktionalität des Baus in Bezugnahme auf die herrschende Witterung einher. Als Kontrast zum überdachten ξυστός für das Training der Athleten im Winter, sollen unter freiem Himmel ambulationes angelegt werden, welche die Griechen παραδρομίδες, die Römer aber ihrerseits xysta nennen. Die Freifläche zwischen den Hallen sollte als Wald oder Platanenpflanzung (silvae aut platanones) gestaltet sein. Die Forschung hat längst erkannt, dass die Beschreibung des architektonischen Aufbaus nach Vitruv sich an keinem bislang ergrabenen Gymnasion bzw. keiner palaestra wieder findet. Bestenfalls kann es sich bei der Schilderung um die eines Idealbaues handeln, die Tatsache, dass Vitruv ein laconicum als Bestandteil der palaestra nennt, hat sogar vermuten lassen, er beschreibe einen römischen Bau und zwar das 'Laconicum’ genannte Gymnasium des

Agrippa in Rom (KatNr. 51)108. Immerhin belegt die Quelle, dass Grünanlagen als fester Bestandteil eines Gymnasions angesehen wurden.

Gymnasia waren jedoch in ihrer Funktion nicht nur Stätten für die Ausübung von Sport, sondern für die Erziehung der Jugend allgemein, konnten als militärischer Übungsplatz dienen, wie das Lykeion in Athen109, Heroa für berühmte Verstorbene110 sowie Kultstätten für Herrscher beherbergen. Die architektonische Ausgestaltung für all diese Aufgaben konnte wohl ebenso unterschiedlich ausfallen wie die Bepflanzung dieser Freiflächen. Selbst für die bekanntesten Anlagen in Athen ist eine Aussage über den Architektur- und Pflanzenbestand nur sehr eingeschränkt möglich. An eine Skizzierung der architektonischen Entwicklung dieser Plätze ist einstweilen noch nicht zu denken.

Die sog. 'Akademie’ in Athen trägt ihren Namen nach dem Heros Akademos, der hier verehrt wurde, lag nordwestlich des ummauerten Stadtgebietes und südwestlich des Kolonos111. Die Bezeichnung war offenbar für ein größeres Gebiet gebräuchlich, dessen genaue Grenzen, falls es sie überhaupt jemals gab, sich auch nicht durch den Fund eines horos bestimmen lassen112. Dennoch kann die Ausdehnung anhand getätigter Funde und zahlreicher antiker Schriftquellen annähernd eingegrenzt werden. Auch ist nicht auszuschließen, dass Teile des Gebietes von einer Mauer eingefasst waren113. Die Verehrung des Akademos als ersten Siedler der Stadt erhält angesichts frühhelladischer Siedlungsreste besonderes Gewicht. Neben landwirtschaftlicher Nutzung, die bis in die Kaiserzeit belegt ist114, scheint sich der

Betrieb eines Gymnasions erst allmählich entwickelt zu haben. Größere Aktivitäten wie die Einrichtung von Bewässerungsanlagen und das Anpflanzen von Bäumen sowie die Errichtung von Laufbahnen sind für Kimon überliefert115.

Ein Teil der Akademie muss von einem Olivenhain eingenommen worden sein116, Plinius rühmt den Bestand von Platanen117. Auch die Existenz von Privatgärten ist belegt118. In einem solchen Garten eröffnete Platon im Jahre 388 v. Chr. seine 'Akademie ’119, ließ ein museion und eine exedra errichten. Dass sich die Schüler Hütten bauten, ist erst für spätere Zeit belegt120. Der Unterricht fand anfangs wohl unter freiem Himmel statt, erst nach und nach wurde das museion mit Statuen geschmückt121. Ein heute in Neapel befindliches Mosaik122 gibt eine Szene in der Akademie wieder und zeigt eine Gruppe Philosophen. Darin ein konkretes Abbild der topographischen Situation von Platons Schule sehen zu wollen ist verfehlt123, handelt es sich doch bei den Motiven wie Sonnenuhr, Baum und zweier, eine porticus andeutenden Pfeiler um typische Bildtopoi, die das Ambiente von Philosophenschulen darstellen sollten. Die besondere Schwierigkeit besteht darin, dass trotz des langen Bestandes von Platons Akademie keine entsprechenden Gebäudereste aufgedeckt werden konnten, die dem museion zuweisbar wären (Abb. 2). Aufgrund der Größe des Gebietes wird man sich derzeit damit zufrieden geben müssen, dass die zugehörigen baulichen Reste einfach noch nicht entdeckt worden sind. Ein Peristylbau von ca. 40 x 40 Metern zwischen der Tripoleos- und der Euklidoustrasse könnte als palaestra gedeutet werden. Keinesfalls als das museion Platons gelten kann hingegen ein Gebäude nördlich von Ag. Tryphon, welches zwar wiederholt als dieses interpretiert wurde, jedoch aus römischer

Zeit (opus testaceum am Nordwesttrakt!) stammt124. Dafür sprechen nicht nur zahlreiche Kleinfunde sondern auch die mittels Nischen gegliederten Wände des Zentralsaales sowie Wasser- und Heizungsschächte. Ein seichtes Wasserbecken im Zentrum des Peristyls kann nicht als Schwimmbecken gedient haben und ließe mitunter auf Gartengestaltung schließen. Für die Ansprache als Bibliothek gibt es keinerlei Hinweise, die auf H. A. Thompson zurückgehende Interpretation einer in der porticus befindlichen Reihe von quadratischen Aufmauerungen (0,72 m Seitenlänge) als Unterbauten für Büchertische ist in der antiken Welt ohne Parallele125. Für das 3. Jht. v. Chr. ist die Stiftung eines 'Lakydeion’ durch König Attalos III. von Pergamon überliefert126. Benannt war dieser Garten nach dem damaligen Leiter der Akademie, Lakydes, und lässt die Stiftung darauf schließen, dass der Lehrbetrieb zu dieser Zeit stark ausgeweitet wurde. Es ist anzunehmen, dass das Lakydeion unmittelbar an den auf Platon zurückgehenden Komplex anschloss.

Ebenso gänzlich unbekannt ist das Ansehen des im Ilissos Tal gelegenen Kynosarges- Gymnasion, welches mit einem Heiligtum des Herakles in Verbindung gebracht wird127. Antike Quellen erwähnen einen Wald und ein in Parkanlagen gelegenes Gymnasion128. Bei kriegerischen Aktionen diente das Areal wiederholt als Quartier von Armeen129. Auch hier waren mehrere Funktionen wie Sport-, Kult- und Bestattungsplatz nebeneinander möglich. Ebenfalls aus einem Heiligtum, nämlich jenem des Apollon Lykeios, ging das sog. 'Lykeion’ hervor, der Sitz der Schule des Peripatos130. Es lag östlich der Stadt unmittelbar vor den Mauern beim Diochares-Tor131. Die erstmalige Einrichtung eines Gymnasions wird Peisistratos zugeschrieben132 133 134, unter Perikles wurde mit der baulichen Ausgestaltung begonnen , zu Platons Zeit existierte eine palaestra in diesem Gebiet . Eine Neugestaltung im Jahre 335 v. Chr. unter Lykurg war umfassend, betraf Baumpflanzungen und die Neuanlage einer palaestra135. Ähnlich der Akademie existierten auch im Lykeion Privatgrundstücke, wie jenes des Theophrast136. Durch die Überlieferung des Testamentes des Theophrast ist ein Einblick in das Aussehen der Philosophenschule möglich, die zum Zeitpunkt seines Ablebens noch nicht fertig gestellt war137. Erwähnt wird ein museion, welches mit größtmöglicher Schönheit zu vollenden war, vor allem was dessen Skulpturenausstattung, bestehend aus Statuen der Musen, des Aristoteles und Weihegeschenke aus dem Apollon-Heiligtum, betraf. Als Bauten werden außerdem zwei Stoen und ein Altar genannt. Theophrast verlangte überdies im Garten bestattet zu werden. Auch die Existenz prachtvoller Platanen ist überliefert138. Die Ansammlung von Gebäuden, von welchen eines im Testament 'peripatos’ genannt wird, das Heiligtum der Musen, Hallenbauten und die Existenz einer Bibliothek, welche nicht präzise lokalisiert werden kann und vielleicht nicht in einem eigenen Bauwerk untergebracht war, lassen auf eine lockere Bebauung des Gartenareals schließen. Ein weiterer Teil der palaestra ist noch nicht abschließend publiziert139. Bei der Philosophenschule handelte es sich ebenfalls, wie bei der Akademie Platons, nur um einen kleinen Teil des Parkareals.

Ähnlich wie bei Theophrast, wo Garten und Privathaus getrennt voneinander waren, verhielt es sich auch bei Epikur. Was die Lokalisierung des Gartens betrifft, hat eine Notiz bei Plinius, wonach Epikur als erster einen Garten in der Stadt besessen haben soll, für Verwirrung gesorgt140. Eine Analyse der sonstigen antiken Schriftquellen, insbesondere die Schilderung eines Spazierganges des Cicero und seiner Gefährten141, ergibt jedoch, dass sich dieser Garten außerhalb des Dipylon-Tores, nordöstlich der Straße zur Akademie befunden haben muss142.

Obwohl der κήπος für die Epikureer geradezu sinnbildlich wurde, ist über dessen Aussehen kaum etwas aus der Überlieferung zu entnehmen. Jedenfalls muss er von beträchtlicher Größe gewesen sein, da die Anhänger im Garten zusammenkamen und dort lebten143. Das Testament Epikurs enthält ähnlich wie jenes des Theophrast genaue Anleitungen für seine Nachfolger, wie sie die Anlage zu pflegen hatten, ebenso wie Auflagen zu Ehren des Philosophen selbst144. Das bei Heliodor genannte μνήμα των Επικούρειων145 könnte mit einer sepulkralen Gedenkstätte für die Philosophen dieser Schule in Zusammenhang gebracht werden und der Fund römerzeitlicher Sitzstatuen in diesem Stadtteil des modernen Athen eine Statuengalerie im Garten Epikurs belegen146.

Die urbanistische Situation der Philosophengärten im Umland von Athen ist in allen Fällen ähnlich: in einem größeren Grüngebiet wird auf einem Privatgrundstück eine lockere Ansammlung von Gebäuden errichtet, die dem Schulbetrieb dienten. Tätigkeiten der öffentlichen Hand sind für die Schulen selbst nicht nachweisbar, lediglich das Umfeld wird auf staatliche Initiative hin gestaltet. Aufgrund der verschiedenartigen Aktivitäten sportlicher und militärischer Natur muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Bepflanzung um lichten Baumbestand gehandelt hat, eine Gestaltung mittels Beeten bzw. Brunnenanlagen ist nicht belegt.

3.1.2. Die hellenistische Zeit

Der Eroberungszug Alexanders des Großen bedeutete eine radikale Erweiterung der griechischen Welt. Die schon zuvor bestehenden Kontakte mit der persischen Welt waren nunmehr Teil der eigenen. Dennoch ist der Einfluss der orientalischen Gärten auf jene der Griechen sowohl hinsichtlich deren Anlage als auch der verwendeten Pflanzen schwer auszumachen. Gärten waren seit jeher Ort der königlichen Repräsentation, entweder als

Palastgärten wie in Pasargadae147, als privates Refugium wie die sog. „Gärten der Semiramis“ in Babylon148 oder als weitläufige Jagdareale, die sog. 'Paradeisoi’.

Die in Europa bis dahin unbekannten, prächtig bepflanzten Areale müssen bei den Griechen große Faszination hervorgerufen haben. So wurde der Begriff „Paradeisos“ zum Synonym für den blühenden Garten schlechthin, nicht zuletzt in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes. Die Tradition des Jagdgartens ist jedenfalls bis in die assyrische Epoche zurückverfolgbar. Der Ursprung des Wortes liegt im Altpersischen „paridaida“ und bedeutet „umzäuntes Gehege“149. Nicht in jedem Fall musste dieses jedoch einen reinen Jagdpark bezeichnen, Texte erwähnen auch die Arbeit an Weingärten bzw. an im Eigentum von Heiligtümern stehenden Gärten150. Es sind griechische Schriftsteller, die näheren Aufschluss über den Paradeisos der persischen Machthaber geben151. So überliefert Xenophon die Episode, der Spartaner Lysander habe anlässlich des Besuches bei Kyros dem Jüngeren in Sardes die musterhafte Ordnung und Schönheit der Bäume gepriesen, worauf der geschmeichelte Perser bekanntgab, alles selbst entworfen und teilweise auch selbst gepflanzt zu haben152. Besonders an der Person dieses Prinzen wird deutlich, dass es auch für den Adel selbstverständlich war, aktiv an der Pflege der Gärten teilzunehmen. Es scheint dies so selbstverständlich gewesen zu sein, wie Krieg zu führen oder zu jagen153 und war auch Bestandteil der Erziehung der persischen Nobilität154. Der Park war fest mit dem Auftreten

[...]


1 C. A. Wimmer, Geschichte der Gartentheorie (1988) S. IX.

2 G. Hajós in: G. Hajós (Hrsg.), Historische Gärten in Österreich - vergessene Gesamtkunstwerke (1993) 3.

3 Diese Vorgehensweise findet sich z. B. M. Detienne, Les jardins d’Adonis (1972).

4 Zur Methode der Gartenarchäologie zusammenfassend s. F. M. Andraschko in: Förderkreis Gartenbaumuseum Cyriaksburg e. V. (Hrsg.), Geschichte des Gartenbaus und der Gartenkunst 1. Fachtagung zur frühen Geschichte des Gartenbaus vom 17.-18.4.1993 in Erfurt (1994) 8 sowie den Sammelband W. M. Kelso - R. Most (Hrsg.), Earth Patterns. Essays in Landscape Archeology (1990).

5 G. Richter in: G. Richter (Hrsg.), Handbuch Stadtgrün. Landschaftsarchitektur im städtischen Freiraum (1981) 13.

6 W. F. Jashemski, The gardens of Pompeii, Herculaneum and the villas destroyed by Vesuvius I (1979) II (1993).

7 Wie sehr das Hauptaugenmerk der Forschung auf den Vesuvstädten, den Villen und Wohnbauten liegt, zeigt die Zusammenstellung zum Terminus 'Jardin’ in: R. Ginouvès (Hrsg.), Dictionnaire méthodique de l’architecture grecque et romaine III. Espaces architecturaux, bâtiments et ensembles, Collection de L’École française de Rome 84 (1998) 166.

8 Die Darstellung der lexikographischen Artikel richtet sich nach Einzelbegriffen wie hortus, lucus, nemus oder xystus. Mit dem Artikel von Daremberg - Saglio III 2 (1904) 1351 ff. s. v. lucus (Thédenat) und Daremberg - Saglio III 1 (1900) 276 ff. s. v. hortus (Lafaye) war erstmals eine weitgehende Zusammenstellung der antiken Schriftquellen gegeben. Auf diese bauten der Artikel RE VII 1 (1910) s. v. Gartenbau (Olck) sowie teilweise die Artikel in E. De Ruggiero (Hrsg.), Dizionario epigrafico di antichità romane III (1922) 997 ff. s. v. hortus (Lugli) und IV (1946-85) 1969 ff. s. v. lucus (Pasqualini) auf. Ebenso Daremberg - Saglio als Grundlage hat das Werk von M. L. Gothein, Geschichte der Gartenkunst I. Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal (1914) 2(1926). Der erst später erschienene Artikel EAA III (1960) 882 ff. s. v. giardino (Lugli) stellt die zwischenzeitig getätigten Funde in den Vordergrund, die Quellensammlung basiert ebenfalls auf Daremberg - Saglio.

9 C. Boetticher, Der Baumkultus der Hellenen, nach den gottesdienstlichen Gebräuchen und den überlieferten Bildwerken (1856).

10 R. Wäntig, Haine und Gärten im griechischen Altertum. Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Königl. Gymnasiums zu Chemniz Ostern 1893 (1893) 1 ff.

11 D. Comes, Darstellung der Pflanzen in den Malereien von Pompeji. Übersetzung der italienischen Erstausgabe von 1879 (1895).

12 G. Stara-Tedde, BCom 33, 1905, 189 ff.

13 L. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der Zeit von Augustus bis zum Ausgang der Antonine10 (1922) I 461 ff.; II 339 ff. (Erstauflage 1862, in weiterer Folge wiederholt umfangreich erweitert).

14 So finden diese im Werk zur Religionsgeschichte von G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, HAW 5, 4 (1912) sowie in seiner Nachfolge K. Latte, Römische Religionsgeschichte, HAW 5, 4 (1960) nur am Rande Erwähnung.

15 Wissowa a. O. 248 Anm. 3.

16 J. G. Frazer, The Golden Bough. A Study in Magic and Religion3 I-XII (1911-1935), welcher sich mit ethnographischem Material aus allen fünf Kontinenten auseinandersetzt, verdankt seine zeitweilige Popularität vorwiegend seiner wohlwollenden Aufnahme durch das englische Bildungsbürgertum. Zu diesen Phänomen ausführlich M. Bérard in: Bois sacrés 171 ff.

17 M. L. Gothein, AM 34, 1909, 100 ff.

18 dies., Geschichte der Gartenkunst I. Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal (1914) 2(1926). Zur Biographie und wissenschaftlichen Arbeitsweise s. H. Schumacher in: M. L. Gothein, Indische Gärten (Neuausgabe 2000) 1 ff.

19 A. v. Gerkan, Griechische Städteanlagen. Untersuchungen zur Entwicklung des Städtebaus im Altertum (1924).

20 H. Sulze in: VI. Internationaler Kongress für Klassische Archäologie Berlin 21.-26.08.1938 (1940) 510 ff.

21 P. Grimal, Les jardins romains (1943) 2(1969) 3(1984).

22 Grimal, Jardins 430.

23 K. Schneider, Villa und Natur. Eine Studie zur römischen Oberschichtkultur im letzten vor- und ersten nachchristlichen Jahrhundert, Quellen und Forschungen zur antiken Welt 18 (1995) 7 f.

24 Die Studie von J. Delorme, Gymnasion. Étude sur les monuments consacrés a l’éducation en Grèce, BEFAR 196 (1960) beschäftigte sich im Rahmen der architektonischen Entwicklung des griechischen Gymnasiums auch mit den Denkmälern in Athen.

25 D. Hennebo, Entwicklung des Stadtgrüns von der Antike bis in die Zeit des Absolutismus2 (1979).

26 D. E. Birge, Sacred Groves in the ancient Greek World, Diss. Berkeley (1982).

27 Neben W. F. Jashemski, The gardens of Pompeii, Herculaneum and the villas destroyed by Vesuvius (1979) sind weitere Einzelberichte erschienen, welche sich inhaltlich weitgehend decken. So z. B. dies., ClJ 66, 1970/71, 97 ff.; dies. in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum MittelalteF (1995) 177 ff.; dies. in: W. M. Kelso - R. Most (Hrsg.), Earth Patterns. Essays in Landscape Archeology (1990) 245 ff. Erst später widmete sich die Autorin weiteren Fundplätzen wie etwa der Villa Hadriana: W. F. Jashemski - E. Salza Prina Ricotti, AJA 96, 1992, 579 ff. oder der Stadt Thuburbo Maius: W. F. Jashemski, AJA 99, 1995, 559 ff. und dies. in: XIV. Congres Internacional d’Archeologia Clàssica, Tarragona 1993 I (1994) 239 ff.

28 So etwa wird in Bezug auf einen Befund in der Villa Oplontis, wo Pflanztöpfe aufgedeckt wurden, die Feststellung, es könne sich hierbei um Zitronenbäume gehandelt haben, nur auf Grund der Tatsache getroffen, dass Grabungsmitarbeiter ein derartiges Vorgehen auch für die heutige Zeit bestätigten (Jashemski, Gardens 1, 295). Für die Sichtweise Jashemskis ist nachstehende Passage typisch: Jashemski, Gardens 1, 149: »Such narrow country lanes, with garden plots reaching to their edges, can still be seen in the area about Pompeii - but never by tourists, for these roads are scarcely two meters wide. They cannot accommodate even small European motorcars, drivers of which find it impossible to pass each other if they chance to meet. I recall driving along such a road during the summer of 1968 when visiting one of our workmen who had recently acquired a car. A neighbour, approaching on his motorcycle, politely turned off into a crossroad some distance ahead, for the precious land had been planted to the very edge of the road, leaving no space for even a motorcycle to pull aside«.

29 W. F. Jashemski, The gardens of Pompeii, Herculaneum and the villas destroyed by Vesuvius 2, Appendices (1993).

30 E. B. MacDougall - W. F. Jashemski (Hrsg.), Ancient Roman Gardens. Dumbarton Oaks Colloquium on the History of Landscape Architecture 7 (1981); E. B. MacDougall (Hrsg.), Ancient Roman Villa Gardens. Dumbarton Oaks Colloquium on the History of Landscape Architecture 10 (1987). Das Hauptaugenmerk auf die stadtrömischen Horti legten M. Cima - E. La Rocca (Hrsg.), Horti Romani. Atti del Convegno Internazionale, Roma, 4. - 6. maggio 1995, BCom Suppl. 6, 1998.

31 W. F. Jashemski - E. Salza Prina Ricotti, RendPontAc 60, 1987/88, 145 ff.; dies., AJA 96, 1992, 579 ff.

32 M. Carroll-Spillecke, Κήπος. Der antike griechische Garten. Wohnen in der klassischen Polis 3 (1989). Eine Kurztypologie zum griechischen Garten erstellte auch R. de Walque in: M. Mastroroberto (Hrsg.), Archeologia e botanica. Atti del convegno di studi sul contributo della botanica alla conoscenza e alla conservazione delle aree archeologiche vesuviane, Pompei 7.-9. aprile 1989 (1990) 33 ff.

33 M. Carroll-Spillecke in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter2 (1995).

34 R. Neudecker, Die Skulpturenausstattung römischer Villen in Italien (1988).

35 R. Förtsch, Archäologischer Kommentar zu den Villenbriefen des Jüngeren Plinius (1993).

36 R. Ch. Häuber, Die Horti Maecenatis und die Horti Lamiani auf dem Esquilin; Geschichte, Topographie, Statuenfunde (1991).

37 A. Gieré, Hippodromus und Xystus. Untersuchungen zu römischen Gartenformen. Diss. Zürich (1986).

38 Die Fassung der Dissertation L. Farrar, Gardens of Italy and the Western Provinces of the Roman Empire from the 4th century BC to the 4th century AD, BAR int. Ser. 650, 1996 erschien in teilweise überarbeiteter und erweiteter Fassung als Monographie L. Farrar, Ancient Roman Gardens (1998).

39 Das Ergebnis der Studie enthält hinsichtlich der Porticus Pompei zwei Rekonstruktionsvarianten, eine mit zentralem Wasserbecken in der triporticus, die andere mit Mittelweg, doch ist dies lediglich eine mögliche Interpretation der Darstellung auf der FUR. s. dazu K. L. Gleason, Towards an archeology of landscape architecture in the Ancient Roman World, Diss. Oxford (1989).

40 So etwa E. Greco - M. Torelli, Storia dell’urbanistica. Il mondo greco (1983); P. Gros - M. Torelli, Storia dell’urbanistica. Il mondo romano (1988). Nur am Rande finden Gärten als städtische Phänomene Erwähnung in W. Hoepfner - E. L. Schwandner, Haus und Stadt im klassischen Griechenland2 (1994) 94 f. (in Bezug auf Olynth) 242 f. (Basileia von Alexandria). Auch das Handbuch W. Hoepfner (Hrsg.), Geschichte des Wohnens I (1999) wiederholt für die römische Stadt bekannte Themen, welche vor allem von P. Zanker, JdI 94, 1979, 460 ff. und J. A. Dickmann, Domus frequentata. Anspruchsvolles Wohnen im pompejanischen Stadthaus. Studien zur antiken Stadt 4 (1999) bereits entwickelt wurden. Der Garten wird nur als Ausstattungsmerkmal des nobilitierten Wohnhauses gesehen.

41 Farrar, Gardens 179-186.

42 Les bois sacrés. Actes du colloque international, Naples 23.-25. novembre 1989, Collection du Centre Jean Bérard 10 (1993).

43 B. Andreae, „Am Birnbaum“. Gärten und Parks im antiken Rom, in den Vesuvstädten und in Ostia. Kulturgeschichte der antiken Welt 66 (1996).

44 L. Landgren, Lauro, Myrtho et Buxo frequentata. A study of Roman garden through its plants (2004).

45 Die Rekonstruktion von Bepflanzung wurde schon im 19. Jht. in Pompeji (vgl. die sog. 'Casa dei Vetti’ oder das sog. 'Foro triangolare’) versucht. In heutiger Zeit sind besonders die archäologischen Parks von St. Romain- en-Gal (Vienne), Conimbriga oder Carnuntum hervorzuheben. In letzterem wurde allerdings ohne entsprechenden Bodenbefund rekonstruiert: G. T. Thüry, AW 36, H. 3, 2005, 17 ff.; ders. in: P. Scherrer (Hrsg.), Domus. Das Haus in den Städten der römischen Donauprovinzen, Akten des 3. Internationlen Symposiums über römische Städte in Noricum und Pannonien, Soschr. ÖAI 44 (2008) 173 ff. bes. 179 f.

46 So etwa Ch. Ertel, Balácai kôzlemények 3, 1994, 29 ff. hinsichtlich der Villa von Baláca (Ungarn).

47 Carroll-Spillecke, Κήπος mit Auflistung aller Schriftquellen im Anhang. Zusammenfassend s. auch M. Carroll-Spillecke in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter2 (1995) 153 ff.

48 Carroll-Spillecke, Κήπος 19. 23.

49 Zum griechischen Nutzgarten dies. ebenda 23 ff. 54 ff.

50 Quellenübersicht dies. ebenda 67. 90. 92.

51 dies. ebenda 70 f.

52 So z. B. M. L. Gothein, AM 34, 1909, 100; dies., Geschichte der Gartenkunst I. Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal2 (1926) 55.

53 z. B. die Gründung von Kerkyra Melaina im 4. Jht. v. Chr.: SIG3 141.

54 Hdt. 4, 15.

55 H. A. Thompson, Hesperia 21, 1952, 50; ders., Hesperia 22, 1953, 46.

56 Stat. Theb. 12, 492-494.

57 FHG 2, 259 (Dikaiarchos Messenius).

58 Zur Stiftung von Baumsetzlingen im Asklepieion von Athen IG II—IIP 4960 b—c.

59 Paus. 8, 23, 5. Laut Hdt. 8, 55 keimte der verkohlte Baum am dem Persersturm folgenden Tag bereits wieder aus. Vgl. den römischen Mythos um die Ficus Ruminalis (KatNr. 94).

60 Für einen Baumkult im eigentlichen Sinne noch M. P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion I, HAW 5, 23 (1967) 209 ff. bes. 211 obwohl er selbst einräumen muss, dass sich von einem solchen Kult keinerlei archäologische Spuren erhalten haben. Gegen den Baumkult M. Blech, Studien zum Kranz bei den Griechen. Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten 38 (1982) 376 ff. und in seiner Folge mit Zusammenfassung des Forschungsstandes F. Maier, Germania 68, 1990, 156 ff.

61 Athen. 12, 542.

62 Paus. 7, 21, 11.

63 Petron. 126, 12-14; 127, 8; Es ist mehr als fraglich, ob in der Schilderung der amorösen Abenteuer des Petronius tatsächlich eine historisch korrekte Beschreibung dieses Heiligtums erkannt werden kann.

64 Theophr. h. plant. 1, 9, 5.

65 Paus. 8, 31, 5 f.

66 Paus. 2, 36, 8-37, 1.

67 Zur Lokalisierung s. O. Broneer, Hesperia 1, 1932, 52 f.; ders. in: Commemorative Studies in honor of T. L. Shear, Hesperia Suppl. 8, 1949, 47 ff.; B. D. Meritt, Hesperia 4, 1935, 573 f.; Travlos, Athen 228; Paus. 1, 27, 3; Plin. nat. 36, 16.

68 Zu griechischen Sakralgesetzen s. F. Sokolowski, Lois sacrées des cités grecques (1969). Zu Weideverboten in Heiligtümers s. M. Horster, Landbesitz griechischer Heiligtümer in archaischer und klassischer Zeit, Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten 53 (2004) 128 ff.

69 Paus. 2, 28, 7.

70 So etwa beim Heiligtum des Apollo Erithaseos in Athen (IG II—III2 1363; Sokolowski a. O. 71 ff. Nr. 37), dem Asklepieion von Kos (R. Herzog, Heilige Gesetze von Kos, Abh. Berlin 6, 1928, 32 f.), dem Heraion von Samos (F. Sokolowski, Lois sacrées des cites grecques, Suppl. (1962) 142 f. Nr. 81), dem Apollonheiligtum von Korope (IG IX 2, 1109) oder aus Chios (SIG3 986). Zu einer Aufstellung weiterer Gesetze s. A. Wilhelm, SB Wien 1946/47, 18 ff.; B. Jordan - J. Berlin in: Studies presented to Sterling Dow on his eightieth birthday (1984) 152 ff. mit weiterer Literatur.

71 Paus. 3, 4, 1.

72 Plut. Sulla 12, 3; App. Mithr. 30.

73 Cass. Dio 51, 8, 3.

74 Strab. 9, 2, 33; Hom. Il. 2, 506.

75 Paus. 9, 26, 5.

76 R. Ohnefalsch-Richter, Griechische Sitten und Gebräuche auf Cypern (1913) 38.

77 IG I2 94; J. R. Wheeler, AJA 3, 1887, 38 ff.; Travlos, Athen 332.

78 IG XII 7, 62 = SIG3 963.

79 IG II-IIP 2494.

80 H. Launey, BCH 61, 1937, 380 ff.

81 IG II-IIP 4969.

82 Paus. 5, 6, 5; Xen. an. 5, 3, 7-13. Das Landgut des Xenophon, welches dieser sich am Lebensabend kaufte, scheint gleichzeitig „en miniature“ an die persische Tradition der Paradeisoi anzuknüpfen.

83 H. Walter, Das griechische Heiligtum. Dargestellt am Heraion von Samos (1990) 20 ff.

84 Paus. 8, 23, 5; G. Gruben, Griechische Tempel und Heiligtümer5 (2001) 116 ff.

85 C. Roebuck, Corinth XIV. The Asklepieion and Lerna (1951) 40 ff.

86 D. E. Birge, Sacred Groves in the ancient Greek World, Diss. Berkeley (1982) 73 ff. Taf. 3.

87 Paus. 2, 15, 2.

88 Birge a. O. 86 ff.; dies. in: St. G. Miller (Hrsg.), Nemea. A guide to the site and museum (1990) 157 ff. Abb. 58.

89 P. Soren (Hrsg.), The Sanctuary of Apollon Hylates at Kourion, Cyprus (1987) 119 ff.; P. Soren - J. James, Kourion. The search for a lost Roman city (1988) 42 ff.; D. E. Birge, Sacred Groves in the ancient Greek World, Diss. Berkeley (1982) 78 ff.; D. Müller, Topographischer Bildkommentar zu den Historien Herodots. Kleinasien (1997) 88 ff.; Zur detailierten Beschreibung des Befundes s. R. Scranton, The Architecture of the Sanctuary of Apollo Hylates of Kourion, TAPhA 57, 1967, 3 ff.;

90 Ail. nat. 11, 7.

91 Birge a. O. 86; V. Karageorghis - M. Carroll-Spillecke in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter2 (1995) 149.

92 Als ähnliche temenoi sind das Heiligtum der syrischen Atargatis von Bambyke (Lukian dea Syr. 41), welches von Adlern, Bären und Löwen bewohnt wurde, oder auch der Vogelgarten der heiligen Thekla im isaurischen Seleukeia (Basil. vit. Thekl. 1, 2) bekannt.

93 Der starke orientalische Einfluss auf Zypern wird bereits im Heiligtum von Kition, dessen erste Bauphase um 1300 v. Chr. zu datieren ist, klar ersichtlich. Neben einem Wasserbecken und einem Brunnen wurden auch zahlreiche Pflanzgruben festgestellt. Zu Gärten auf Zypern zusammenfassend: V. Karageorghis - M. Carroll­Spillecke in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum MittelalteT (1995) 141 ff.; V. Karageorghis, Kition auf Zypern, die älteste Kolonie der Phöniker (1976) 69 ff.; Zu Zeugnissen für die zyprischen Gärten der Aphrodite: H. Prückner, Die lokrischen Tonreliefs (1968) 58 ff. 63 ff.

94 Zur Entwicklung des griechischen Gymnasion s. J. Delorme, Gymnasion. Étude sur les monuments consacrés a l’éducation en Grèce, BEFAR 196 (1960); Ch. Wacker, Das Gymnasion in Olympia. Geschichte und Funktion. Würzburger Forschungen zur Altertumskunde 2 (1996) mit weiterer Literatur.

95 Paus. 6, 23, 1.

96 Pind. O. 3, 16-34.

97 Zusammenfassend Wacker a. O. 57 ff. Für das 2. Jht. n. Chr. überliefert Paus. 5, 27, 11 Platanenbestand.

98 ders. ebenda 56.

99 Paus. 10, 8, 8.

100 Wacker a. O. 63 ff.

101 Paus. 3, 14, 8.

102 Theophr. h. plant. 4, 5, 6.

103 Plut. Timoleon 39, 4.

104 Paus. 2, 1, 7; Strab. 8, 6, 22.

105 Paus. 2, 4, 5; Diog. Laert. 6, 77.

106 Plat. leg. 6, 761c.

107 Vitr. 5, 11.

108 Ch. Wacker in: D. Kah - P. Scholz (Hrsg.), Das hellenistische Gymnasion, Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel 8 (2004) 355 f. Vgl. die Beschreibung der Thermae Agrippae bei Cass. Dio 53, 27, 1.

109 Aristoph. Pax 353-356;

110 Die Bestattung in der Akademie von Athen galt als besondere Ehre, die nur Auserwählten zuteil wurde, so etwa Lykurg, Platon oder M. Marcellus, welcher auf besondere Intervention Ciceros hin hier bestattet wurde (Cic. fam. 4, 12, 3). Zur Stiftung einer Ehrenstatue für den Dichter Philitas nächst einer Platane im Gymnasium von Kos s. A. Hardie, ZPE 119, 1997, 21 ff.

111 J. Delorme, Gymnasion. Étude sur les monuments consacrés a l’éducation en Grèce, BEFAR 196 (1960) 38 ff. 51 ff.; Travlos, Athen 42 ff.; M. F. Billot in: R. Goulet (Hrsg.), Dictionnaire des philosophes antiques I (1989) 693 ff.; Zusammenfassend Ch. Wacker, Das Gymnasion in Olympia. Geschichte und Funktion. Würzburger Forschungen zur Altertumskunde 2 (1996) 145 ff. mit weiterer Literatur; G. C. Mandl, Thetis 11/12, 2005, 81 f.; K. Döring in: F. Alesse - F. Aronadio (Hrsg.), Anthropine Sophia: Studi di filologia e storiografia filosofica in memoria di Gabriele Giannantoni (2008) 257 ff.

112 SEG 24, 1969, 54.

113 Suda s. v. το 'Ιππάρχου τειχίον. Eine Quadermauer konnte im 19. Jht. auf mehreren Teilstrecken nachgewiesen werden, die Richtigkeit der spätantiken Quelle ist jedoch umstritten. s. dazu Wacker a. O. 149.

114 IG II-IIP 2776 Z. 146-148 (Verkauf von Grundstücken).

115 Plut. Kimon 13, 8.

116 Aristoph. Nub. 1005; Paus. 1, 30, 2 erwähnt den letzten von ursprünglich zwölf uralten, der Athena und dem Zeus Morios geweihten Ölbäume. Auch das Öl für die Preisamphoren wurde in der Akademie gewonnen.

117 Plin. nat. 12, 9.

118 Im Jahre 323 v. Chr. wurde gegen den damaligen Vorsteher der platonischen Akademie Aristomachos der Prozess gemacht, weil er einen Spaten aus der palaestra in seinen Privatgarten brachte: Hyp. 1, 26, 22 ff. Nach einem solonischen Gesetz war das Entwenden privater Gegenstände aus der Akademie mit der Todesstrafe bedroht: Dem. Tim. 114.

119 Diog. Laert. 3, 20.

120 Diog. Laert. 4, 19.

121 Diog. Laert. 4, 1. Besondere Stiftungen kamen bis in die Kaiserzeit vor s. dazu G. C. Mandl, Thetis 11/12, 2005, 79 ff.

122 K. Gaiser, Das Philosophenmosaik in Neapel. Eine Darstellung der platonischen Akademie, AbhHeidelberg 1980, 8 ff.

123 So jedoch W. Hoepfner in: W. Hoepfner (Hrsg.), Antike Bibliotheken (2002) 57.

124 Der ursprüngliche Grabungsbericht von P. D. Stavropoullou, Prakt 1963, 5 ff. wurde korrigiert durch Ergon 1963, 8 f. (ohne Verf.). Zum Befund kritisch Ch. Wacker, Das Gymnasion in Olympia. Geschichte und Funktion. Würzburger Forschungen zur Altertumskunde 2 (1996) 154; Mandl a. O. 82. Beharrlich weiterhin für Ansprache als Platons Schule Hoepfner a. O. 56 ff.

125 H. A. Thompson, Hesperia 35, 1966, 42; R. E Wycherly, The stones of Athens (1978) 224; Travlos, Athen 42 f.

126 Diog. Laert. 4, 60.

127 Wacker a. O. 161 ff. mit weiterer Literatur; J. Delorme, Gymnasion. Étude sur les monuments consacrés a l’éducation en Grèce, BEFAR 196 (1960) 45 ff. 58; M. F. Billot in: R. Goulet (Hrsg.), Dictionnaire des philosophes antiques II (1994) 917 ff.

128 Liv. 31, 24, 17 f. Unter Umständen konnte das Gymnasium identifiziert werden: s. dazu J. Travlos, AAA 3, 1970, 6 ff.; Travlos, Athen 340.

129 Hdt. 6, 116 (Perser); Liv. 31, 24, 17 f. (Philipp V.).

130 Delorme a. O. 42 ff. 54 ff.; Travlos, Athen 345; Wacker a. O. 167 ff. mit weiterer Literatur.

131 Strab. 9, 1, 19; G. Toucharis, BCH 122, 1998, 723; Wacker a. O. 167 ff.

132 Harpokration s. v. Λυκείον.

133 Xen. an. 8, 8, 1.

134 Plat. Euthyd. 272e-273b; Plat. Lys. 204a.

135 Plut. Mor. 841d, 852c; IG II-III2 457.

136 Diog. Laert. 5, 39.

137 Diog. Laert. 5, 51-57.

138 Theophr. h. plant. 1, 7, 1; Diog. Laert. 5, 2.

139 E. Lykourgi-Tolia, ADelt 51, 1996, 46 ff. Taf. 21, 2.

140 Plin. nat. 19, 51.

141 Cic. fin. 5, 1, 1.

142 G. C. Mandl, Thetis 9, 2002, 61 ff. mit weiterer Literatur.

143 Diog. Laert. 10, 10.

144 Diog. Laert. 10, 17.

145 Heliod. 1, 16, 5.

146 A. Dontas, ADelt 26, 1971, 17 ff. zur Auffindung und Beschreibung der Statuen. Bezüglich deren Fundort muss davon ausgegangen werden, dass dieser nicht der ursprüngliche Aufstellungsort war sondern diese verschleppt wurden. s. dazu Mandl a. O. 70.

147 D. Stronach, Pasargadae. A report on the excavations conducted by the British Institute of Persian Studies from 1961 to 1963 (1978) 107 ff. Abb. 108. Taf. 90—91; ders. in: L. De Mayer — E. Hacrinck (Hrsg.), Archaeologia iranica et orientalis miscellanea in honorem Louis van den Berghe I (1989) 475 ff. bes. 480 ff.; A. Sami, Pasargadae — The oldest imperial capital of Iran2 (1971) 96 ff.

148 B. Hrouda (Hrsg.), R. Koldewey, Das wiedererstehende Babylon (1913) (1990) 99 ff.; F. Wetzel (Hrsg.), R. Koldewey, Die Königsburgen von Babylon. 1. Die Südburg (1931) 38 ff. 123 ff.; 2. Die Hauptburg und der Sommerpalast Nebukadnezars im Hügel Babil (1932) 15; W. Nagel, MDOG 110, 1978, 19 ff.; J. C. Margueron in: M. Carroll-Spillecke (Hrsg.), Der Garten von der Antike bis zum MittelalteP (1995) 74 ff.; J. Raede, Iraq 62, 2000, 195 ff.; A. Kuhrt in: I. Nielsen (Hrsg.), The royal palace institution in the first millenium BC. Regional development and cultural interchange between East und West, Monographs of Danish Institute at Athens 4 (2001) 77 ff.

149 M. A. Dandamayev, Acta Iranica 23, 1984, 113.

150 ders. a. O. 114 f.

151 Paradeisoi gab es unter anderem bei Daskyleion in Phrygien (Xen. hell. 4, 1, 15), Sittake bei Babylon (Xen. an. 2, 4, 14) oder beim Satrapen von Syrien (Xen. an. 1, 4, 10).

152 Xen. oik. 4, 20 ff.

153 Xen. oik. 4, 4 zählt die γεωργία und πολεμική τέχνη zu den schönsten Pflichten des Großkönigs.

154 Strab. 15, 3, 18. Unter Anleitung eines Prinzen oder Satrapen wurde die Tätigkeit des Hirten, Leben im Freien, die Jagd zu Pferd und das Pflanzen gelernt.

Ende der Leseprobe aus 497 Seiten

Details

Titel
Römische Gartenanlagen
Untertitel
Studien zu Gartenkunst und Städtebau in der Römischen Antike
Hochschule
Universität Wien  (Inst. f. Klassische Archäologie)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2008
Seiten
497
Katalognummer
V158402
ISBN (eBook)
9783640717460
ISBN (Buch)
9783640717569
Dateigröße
33758 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Garten Antike Römer Architektur Stadt Städtebau Urbanistik
Arbeit zitieren
Dr. MMag. Edgar Markus Luschin (Autor), 2008, Römische Gartenanlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158402

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