Die vorliegende Arbeit hat die Einbeziehung der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht zum Gegenstand. Die wesentlichen Leitfragen sollen dabei sein: Was ist unter neuester Zeitgeschichte zu verstehen und ist ihre Einbindung in den Geschichtsunterricht sinnvoll? Wird die neueste Zeitgeschichte hinreichend bzw. angemessen in den Lehrplänen der Bundesländer berücksichtigt? Und schließlich: Welche der untersuchten Länder gehen hierbei mit gutem Beispiel voran?
Im ersten Teil der Arbeit soll auf die Problematik der neuesten Zeitgeschichte als Epoche hingewiesen und die Vor- und Nachteile ihres Einbezugs in die Lehrpläne der Schulen abgewogen werden. Anschließend erfolgt eine Untersuchung der Lehrpläne einiger großer Bundesländer auf die Frage inwieweit die in ihnen festgelegten Vorgaben eine Integration von Themen der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht zulassen.
1. Die neueste Zeitgeschichte als Teil einer Epoche
2. Probleme und Chancen bei der Integration der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht
2.1. Gründe gegen den Einbezug der neuesten Zeitgeschichte
2.2. Gründe für den Einbezug der neuesten Zeitgeschichte
3. Die neueste Zeitgeschichte in den Lehrplänen einiger Bundesländer
3.1. Bayern
3.1.1. Das Gymnasium Bayerns
3.1.2. Die Real- und Hauptschulen Bayerns
3.2. Sachsen
3.2.1. Das Gymnasium Sachsens
3.2.2. Die Mittelschule Sachsens
3.3. Niedersachsen
3.3.1. Das Gymnasium in Niedersachsen
3.3.2. Die Real- und Hauptschulen in Niedersachsen
3.4. Nordrhein-Westfalen
3.4.1. Das Gymnasium Nordrhein-Westfalens
3.4.2. Die Real- und Hauptschulen Nordrhein-Westfalens
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Integration der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht verschiedener deutscher Bundesländer, um zu klären, ob diese Einbindung sinnvoll ist und wie sie in den Lehrplänen umgesetzt wird.
- Definition und Periodisierung der neuesten Zeitgeschichte
- Diskussion der fachdidaktischen Kontroversen (Chancen und Risiken)
- Analyse der Lehrpläne in Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
- Bewertung der Berücksichtigung aktueller historischer Ereignisse seit 1990
- Reflektion über die Rolle des Geschichtsunterrichts als Beitrag zur politischen Bildung
Auszug aus dem Buch
2.1. Gründe gegen den Einbezug der neuesten Zeitgeschichte
Laut Fernis könnten Erkenntnisse über historische Ereignisse erst aus einer zeitlichen Distanz heraus gewonnen werden. Im Zuge dieses Arguments verwies er u. a. auf Althistoriker Eduard Meyer, welcher einen Vorgang erst dann als „historisch“ definierte, wenn sich seine Wirksamkeit nicht allein im Moment seines Geschehens, sondern auch in Nachwirkungen erschöpfe. Bei Vorgängen der jüngsten Vergangenheit sei jedoch laut Fernis diese Wirksamkeit und damit auch die Bedeutsamkeit von Vorgängen kaum abschätzbar.
Des weiteren sei als Folge eines unzureichenden Aktenbestandes die Quellenlage gerade für die jüngste Vergangenheit mangelhaft. Seriöse historiographische Darstellungen fehlten und man sei daher auf die Werke von Politikern und anderer am Geschehen Beteiligter angewiesen. Somit könne den Schülern letztlich kein gesichertes historisches Wissen vermittelt werden. Ferner verwies Fernis auf Didaktiker wie Philipp Hoerdt, der bereits in den Zwanzigerjahren vor der politischen Bedeutung von Schule und damit auch von Geschichtsunterricht warnte. In diesem Zusammenhang verweist Fernis auf die Jahre nationalsozialistischer Bildungspolitik, die ein Beleg dafür seien, dass gerade die Thematisierung der jüngsten Vergangenheit im Geschichtsunterricht zur politischen Manipulation missbraucht werden könne.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die neueste Zeitgeschichte als Teil einer Epoche: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Periodisierung der Zeitgeschichte durch Autoren wie Rothfels, Bracher und Schwarz.
2. Probleme und Chancen bei der Integration der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht: Es werden die fachdidaktischen Debatten seit den 1950er Jahren beleuchtet, die sowohl Bedenken hinsichtlich Quellenlage und Manipulation als auch Notwendigkeiten zur Orientierung in der Gegenwart abwägen.
3. Die neueste Zeitgeschichte in den Lehrplänen einiger Bundesländer: Eine detaillierte Untersuchung der Vorgaben in Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zeigt die unterschiedliche Handhabung und Spielräume für Lehrkräfte auf.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration neuester Ereignisse in allen untersuchten Ländern erfolgt, jedoch oft zaghaft bleibt und die Lehrpläne teilweise veraltet sind.
Schlüsselwörter
Zeitgeschichte, Geschichtsunterricht, Lehrplan, Periodisierung, Didaktik, Bildungsauftrag, politische Bildung, Quellenlage, Bundesländer, Jugoslawienkrieg, Kalter Krieg, Gegenwartsbezug, Historikerzunft, Systemlegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration der neuesten Zeitgeschichte in den Geschichtsunterricht deutscher Schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der Definition der Epoche stehen die fachdidaktische Argumentation für oder gegen den Einbezug und der Vergleich der Lehrpläne im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die neuesten historischen Entwicklungen seit 1990 in den Lehrplänen der untersuchten Bundesländer angemessen berücksichtigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Vergleichsanalyse der Lehrpläne und eine Auswertung geschichtsdidaktischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Problematik der neuesten Zeitgeschichte und eine detaillierte Prüfung der schulspezifischen Vorgaben in vier Bundesländern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Zeitgeschichte, Geschichtsdidaktik, Lehrplananalyse und Politische Bildung.
Warum wird der Jugoslawienkrieg als Beispiel herangezogen?
Er dient als prominentes Beispiel für die Herausforderung, komplexe und aktuelle Konflikte in den Schulunterricht zu integrieren, ohne in die politische Instrumentalisierung abzugleiten.
Welche Kritik äußert der Autor an den Lehrplänen?
Der Autor bemängelt, dass viele Lehrpläne veraltet sind oder der Behandlung der neuesten Zeitgeschichte zu wenig konkreten Raum einräumen, wodurch die Auswahl der Themen stark von der Freiheit einzelner Lehrkräfte abhängt.
- Quote paper
- Jonas Kessler (Author), 2009, Die neueste Zeitgeschichte im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158407