Die Sinne – Bau- und Funktionsweise

Im Zusammenhang mit den Arbeitsformen „Objekterkundung“ und „Experiment“ in der Klassenstufe 2


Hausarbeit, 2008

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung des Themas Sinne in das niedersächsische Kerncurrikulum (2006)

3 Sachlicher Hintergrund
3.1 Die Sinne (allgemein)
3.2 Der Bau und die Funktionen der Sinnesorgane
3.2.1 Das Auge
3.2.2 Das Ohr
3.2.3 Die Nase
3.2.4 Die Zunge
3.2.5 Die Haut

4 Objekterkundung und Experimente
4.1 Einordnung in die Arbeitsformen des Sachunterrichts (nach Borsum 1985)
4.2 Begriffsbestimmungen
4.2.1 Zusammenhänge und Unterschiede (nach Borsum 1985)
4.2.2 Die Objekterkundung (nach Borsum 1985)
4.2.3 Das Experiment

5 Beispiele von Objekterkundungen und Experimenten
5.1 Zum Sehsinn
5.1.1 Erkundung des Auges/das Sehsinns
5.1.2 Experimente zum räumlichen Sehen: „Warum haben wir zwei Augen?“
5.1.2.1 Wir brauchen zwei Augen um Entfernungen abzuschätzen
5.1.2.2 Jedes Auge nimmt ein unterschiedliches Bild wahr
5.2 Zum Hörsinn
5.2.1 Erkundung des Ohres/des Hörsinns
5.2.2 Experiment zum Richtungshören: „Warum haben wir zwei Ohren?“
5.2.3 Experiment zum Sichtbarmachen von Schallwellen: „Wie gelangen Geräusche in unser Ohr?“ oder „Was sind Geräusche?“
5.3 Zum Riech- und Geschmackssinn
5.3.1 Erkundung der Nase und der Zunge
5.3.2 Experimente zum Zusammenspiel von Geruchs- und Geschmackssinn
5.3.2.1 Schmecken ohne Riechsinn: „Warum schmecken wir nichts, wenn wir erkältet sind?“
5.3.2.2 Dominante Gerüche: „Hat der Geruch etwas mit dem Geschmack zu tun?“
5.3.3 Experiment zu den Geschmackszonen auf der Zunge: „Wie nehmen wir unterschiedliche Geschmäcker wahr?“
5.3.4 Experiment zur Funktion des Speichels: „Warum ist unsere Zunge feucht?“
5.4 Zum Tastsinn
5.4.1 Erkundung der Haut/des Tastsinns/des Temperatursinns
5.4.2 Experiment zur Berührungsempfindlichkeit
5.4.3 Experiment zum Temperaturempfinden

6 Unterrichtsskizze

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schnitt durch ein Auge (Dixon/Smith 1998, S. 7)

Abbildung 2: ohne Titel (Dixon/Smith 1998, S. 11)

Abbildung 3: ohne Titel (Memmert 1979, S. 99)

Abbildung 4: ohne Titel (Memmert 1979, S. 99)

1 Einleitung

In der heutigen Gesellschaft wachsen Kinder häufig in einer sinnesfeindlichen Umwelt auf, denn die heutige Zeit wird beherrscht von audiovisuellen Medien. Das hat zur Folge, dass sich das körperlich-sinnliche Erleben oft nur auf die Bereiche des Sehens und Hörens beschränkt. Diese beiden Sinne allein funktionieren aber nicht, wenn die anderen, die körpernahen Sinne, nicht beteiligt sind. Um zu funktionieren und um sich weiterentwickeln zu können, brauchen alle Sinne Anregung und Training. Verstärkt fallen bei Schülern in Grundschulen Wahrnehmungsstörungen, wie zum Beispiel eine unausgeprägte Körperwahrnehmung, unkoordinierte Bewegungen, sowie Probleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen, auf. Der ständige Konsum von audiovisuellen Medien wie Fernsehen, Computer und MP3-Player führen dazu, dass viele Kinder nicht mehr in der Lage sind, weniger aggressive Reize überhaupt noch wahrzunehmen. Es besteht also eine große Notwendigkeit, Kindern in der Schule durch das Sammeln von eigenen Erfahrungen zu einer differenzierten und bewussten Wahrnehmung zu verhelfen.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Behandlung der Sinnesorgane aus dem übergeordneten Thema „Körper des Menschen“ in Verbindung mit den Arbeitsformen „Objekterkundung“ und „Experiment“. Es soll dabei aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten bestehen, die Bau- und Funktionsweise der Sinne im Rahmen des Sachunterrichts, schwerpunktmäßig mit Hilfe dieser Arbeitsformen, zu behandeln. Ausgehend von der oben skizzierten heutigen Lebenswirklichkeit von vielen Kindern und deren Folgen möchte ich in dieser Arbeit untersuchen, inwieweit das Thema „Sinne“ im Sachunterricht der 2. Klasse thematisiert werden kann. Dabei möchte ich insbesondere herausstellen, welche Bedeutung die oben genannten Arbeitsformen dafür haben.

Zur Einführung in die Thematik erfolgt eine Einordnung des Themas „Sinne“ in das niedersächsische Kernkurrikulums (2006) (Kap. 2). Anschließend werde ich auf sachliche Informationen, zunächst zu den Sinnen allgemein und im Anschluss daran auf den Bau und die Funktionsweise der einzelnen Sinnesorgane, eingehen (Kap. 3). Das folgende Kapitel (Kap. 4) befasst sich mit, den für diese Arbeit zentralen Arbeitsformen des Sachunterrichts, der Objekterkundung und dem Experiment. Nach der Einordnung in die Arbeitsformen des Sachunterrichts allgemein, bei der ich einen kurzen Überblick über die verschiedenen Formen im naturwissenschaftlichen Bereich geben werden, erfolgt an dieser Stelle eine explizite Beschreibung beider für diese Arbeit zentralen Arbeitsformen, der Objekterkundung und des Experimentes. Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit den Hintergrundinformationen zu den Sinnen und den beiden Arbeitsformen erfolgt die Zusammenführung dieser beiden Gesichtspunkte in Form von Beschreibungen von beispielhaften Objekterkundungen und Experimenten zum Bau und Funktion der Sinnesorgane (Kap. 5), deren Einbindung in den Unterricht ich abschließend in einer Grobplanung für eine Unterrichtseinheit für die 2. Klasse skizzieren werde (Kap. 6).

2 Einordnung des Themas Sinne in das niedersächsische
Kerncurrikulum (2006)

Das Thema „Sinne“ wird im Kernkurrikulum schwerpunktmäßig der naturwissenschaftlichen Perspektive zugeordnet, in der „die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S. 12) eine bedeutende Rolle spielt. Am Ende des zweiten Schuljahres wird von den Schülern erwartet, dass sie die „wesentlichen Körperteile des Menschen benennen können“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S. 23). Dazu zählen u. a., dass sie ihre Sinne und deren Leistung „wahrnehmen, kennen und erproben“ (ebd.).

Innerhalb der naturwissenschaftlichen Perspektive wird dabei differenziert zwischen biologischen, physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten, die wiederum auf die belebte und unbelebte Natur zurückgeführt werden sollen (vgl. ebd. S. 13). Die Sinnesorgane selbst können dabei der belebten Natur, dem Menschen (vgl. Borsum 1985, S. 86) und biologischen Gesetzmäßigkeiten zugeordnet werden, deren Funktionsweisen allerdings auch physikalische und chemische Aspekte beinhalten.

Neben der Kompetenz, wesentliche Körperteile des Menschen zu benennen, steht innerhalb der naturwissenschaftlichen Perspektive die Kompetenz, Naturphänomene zu benennen und zu beschreiben. Ein Teilaspekt dieser erwarteten Kompetenz ist das experimentelle Erfahren und Erkennen von Wärme, Kälte, Licht und Schatten (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2006, S. 24) (physikalischer Aspekt), welche bei den Sinnesfunktionen des Temperaturempfindens über die Haut (s. Kap. 3.2.5) bzw. beim Sehen (s. Kap. 3.2.2) eine Rolle spielen und so im direktem Zusammenhang mit den Funktionsweisen der Sinnesorgane stehen. Auch Phänomene der unbelebten Natur, wie z. B. der Schall (vgl. ebd.) als Quelle des Hörens, stehen dabei in direkter Beziehung zum Hörsinn bzw. der Funktion des Ohres (s. Kap. 3.2.2) (physikalischer Aspekt). Ein weiterer Aspekt, der als Kompetenz am Ende des zweiten Schuljahres erreicht werden soll, ist das Erkennen von Eigenschaften von Stoffen, was wiederum in Verbindung mit dem Thema „Sinne“ steht. Die Eigenschaften von Flüssigkeiten (chemischer Aspekt) sollen dabei u. a. durch die Farbe, den Geruch und den Geschmack benannt und beschrieben werden: Der Seh-, Geruchs- und Geschmacksinn (s. Kap. 3.2.1; s. Kap. 3.2.3; s. Kap. 3.2.4) sind dabei von großer Bedeutung. Bei der Funktion des Geschmackssinn wiederum spielt auch die Erkenntnis vom Lösungsverhalten von festen Stoffen in Wasser (hier: Speichel) (chemischer Aspekt) eine entscheidenden Rolle (vgl. ebd., S. 24). Es besteht, wie beschrieben, eine enge Verknüpfung von Themenbereichen innerhalb der naturwissenschaftlichen Perspektive, die in direkter Verbindung mit dem Thema „Sinne“ in der 1. und 2. Klasse behandelt werden sollten. Eine Vernetzung mit anderen Perspektiven des Sachunterrichts findet im engeren Sinne in der 1. und 2. Klasse nicht statt.

3 Sachlicher Hintergrund

3.1 Die Sinne (allgemein)

Die Wahrnehmung über unsere Sinne ist die Grundlage dafür sich mit der Lebenswirklichkeit auseinanderzusetzen, sie aufmerksam wahrzunehmen (vgl. Thiesen 2001, S. 9) und sie gleichzeitig zu gestalten, d. h. auf sie einzuwirken (vgl. Zimmer 1996, S. 15). Nur über die Wahrnehmung ist es uns möglich, uns in der Umwelt zu orientieren und uns angemessen zu verhalten (vgl. Thiesen 2001, S. 9). Über die Sinne kommunizieren wir mit der Umwelt: wir nehmen über sie Kontakt zu ihr auf und lassen über sie auch die Umwelt in uns hinein. Die Sinne können so als „Nahtstelle zwischen […] dem Menschen und der Welt“ (Zimmer 1996, S. 15) gesehen werden.

Die fünf Sinne des Menschen[1] sind das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Fühlen. Für jeden dieser Sinne ist ein bestimmter Körperteil zuständig. Die verantwortlichen Köperteile sind die Augen, die Ohren, die Nase, die Zunge und die Haut (vgl. Weinhold 2005, S. 1). Diese Körperteile nennt man Sinnesorgane. Sie sind über Nerven mit dem Gehirn verbunden, mit deren Hilfe die von den Sinnesorganen aufgenommen Reize aus der Umwelt an das Gehirn weitergeleitet werden (vgl. Memmert 1979, S. 88). Diese Nerven, so genannte Sinnesnerven, empfangen die Reize dabei in Form von elektrischen Nervenimpulsen, die von einem besonderen Bereich im Gehirn empfangen und interpretiert werden, dem Cortex. Von der Interpretation der empfangenen Information durch das Gehirn ist abhängig, wie der Mensch auf bestimmte Reize reagiert (vgl. Dixon/Smith 1998, S. 13).

3.2 Der Bau und die Funktionen der Sinnesorgane

3.2.1 Das Auge

Das Auge dient der Aufnahme von optischen Eindrücken aus der Umwelt und ist das heute am meisten gebrauchte Sinnesorgan (vgl. Zimmer 1996, S. 63): Die Wahrnehmung über das Auge macht über 75 % davon aus, was wir aus der Umwelt wahrnehmen (vgl. Thiesen 2001, S. 15).

Von außen wird das Auge geschützt durch die Augenbrauen, die Wimpern, die Augenlieder und die Tränendrüsen. Sie helfen das Auge leistungsfähig zu halten: Durch die Augenbrauen wird der Schweiß von der Stirn abgeleitet (vgl. Memmert 1979, S. 91), die Wimpern im Zusammenspiel mit dem Blinzeln verhindern das Eindringen von Fremdkörpern, die Tränenflüssigkeit aus den Tränendrüsen spült Fremdkörper hinaus und sie sorgt dafür, das Auge feucht zu halten (vgl. Dixon/Smith 1998, S. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schnitt durch ein Auge (Dixon/Smith 1998, S. 7).

Das Auge besteht aus einem kugelförmigen Augapfel (s. Abb. 1), der zum Schutz in der Augenhöhle im Schädel eingebettet ist. Ein gallertiger Glaskörper füllt das Innere des Augapfels aus. Für die Beweglichkeit des Augapfels sorgen sechs Muskeln, die mit der Augenhöhle verbunden sind (vgl. ebd.). Der Augapfel baut sich von außen betrachtet aus drei Schichten auf: der Lederhaut, der Schutzschicht, die an einem Teil lichtdurchlässig ist und an dieser Stelle als Hornhaut (Kornea) bezeichnet wird; der pigmentierten Gefäßhaut, deren sichtbare Schicht als Regenbogenhaut (Iris) bezeichnet wird und der Netzhaut (Retina), welche die lichtsensitive Schicht des Auges ist. Die Öffnung in der pigmentierten Regenbogenhaut ist die Pupille, die zur Regulation der eindringenden Lichtmenge zum Schutz der empfindlichen Netzhaut ihre Größe verändert: bei einer starken Lichtintensität wird sie enger und bei einer schwachen weitet sie sich wieder (vgl. Zimmer 1996, S. 66). Treten Lichtstrahlen in das Auge ein, so durchdringen sie erst die Hornhaut und die Pupille bevor sie durch die Linse gebündelt werden und nach dem Durchdringen des Glaskörpers (vgl. ebd.) ein auf dem Kopf stehendes Bild auf die Netzhaut projizieren, welches über den Sehnerv an das Gehirn geleitet und dort wieder richtig herum gedreht wird (vgl. Murphy 1983, S. 3). Auf der Netzhaut befinden sich zwei Typen von Rezeptorzellen. Die so genannten Zapfen ermöglichen die Farbunterscheidungen. Sie sind für das Tagsehen verantwortlich, da sie nur bei genügend Licht sensibel sind. Bei geringer Beleuchtung kommen die so genannten Stäbchen zum Einsatz. Sie unterscheiden keine Farben, sondern nur Schwarz, Weiß und Graustufen. Im Mittelpunkt der Netzhaut befindet sich der empfindsamste Teil der Netzhaut, der gelbe Fleck (Fovea), an dem die Zapfen am dichtesten liegen und der für das Scharfsehen verantwortlich ist. An der Austrittstelle des Sehnervs befinden sich keine Rezeptorzellen. Die Stelle wird „Blinder Fleck“ genannt. Der dadurch fehlende Teil des Bildes wird vom Gehirn ergänzt (vgl. Zimmer 1996, S. 67-68).

Durch das Vorhandensein von zwei Augen, die etwa in einem Abstand von sechs Zentimetern auseinander stehen, werden Eindrücke aus zwei unterschiedlichen Winkeln gesehen, die im Gehirn zu einem räumlichen Bild zusammen gefügt werden und uns ermöglichen Entfernungen abzuschätzen[2] (vgl. Thiesen 2001, S. 16).

3.2.2 Das Ohr

Das Ohr nimmt Geräusche, Töne und Klänge aus der Umwelt auf (vgl. Zimmer 1996, S. 87). Diese Umwelteindrücke entstehen, wenn Luft durch eine Quelle, z. B. einen
Gegenstand, in Schwingung gerät (vgl. Dixon/Smith 1998, S. 11). Diese Schwingungen nennt man Schallwellen, die von dem Ohr wie ein Trichter aufgefangen werden (vgl. Van der Meer 1989, S. 11). Die Wahrnehmung von Schall über die Ohren kann deshalb als Hören bezeichnet werden[3] (vgl. Thiesen 2001, S. 17). Um die Richtung zu bestimmen, aus der ein Geräusch kommt, sind beide Ohren notwendig. Entscheidend ist dabei der Zeitunterschied, mit dem der Schall auf die beiden Ohren trifft (vgl. Zimmer 1996, S. 86): ein Geräusch, dass von links kommt wird durch das linke Ohr schneller und lauter wahrgenommen[4] (vgl. Thiesen 2001, S. 17).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: ohne Titel (Dixon/Smith 1998, S. 11).

Den Aufbau des Ohres (s. Abb. 2) kann man in drei Abschnitte unterteilen: dem Außenohr, dem Mittelohr (Paukenhöhle) und dem Innenohr. Die Schallwellen werden vom Außenohr mit der Ohrmuschel aufgefangen und dringen über den Gehörgang zum Trommelfell, welches aus einem feinen Häutchen besteht und in Schwingung gerät. Über das mit Luft gefüllte Mittelohr (vgl. Zimmer 1996, S. 89- 90) werden die Schwingungen über die Gehörknöchelchen, den Hammer, den Amboss und den Steigbügel verstärkt und zum Innenohr geleitet (vgl. Murphy 1983, S. 5). Im Innenohr befindet sich das eigentliche Hörorgan, die Schnecke (vgl. Zimmer 1996, S. 90). Sie ist mit einer dicken Flüssigkeit gefüllt (vgl. Dixon/Smith 1998, S. 11) und ist besetzt mit Sinneszellen, den so genannten Haarzellen (vgl. Zimmer 1996, S. 90). Die Schwingungen aus dem Mittelohr werden über die Flüssigkeit auf die Haarzellen übertragen, die dadurch Nervenimpulse auslösen, die wiederum zum Gehirn geleitet werden (vgl. Dixon/Smith 1998, S. 11).

Neben der Wahrnehmung von Umwelteindrücken hat das Ohr noch eine weitere Aufgabe: Es sogt dafür, das man sein Gleichgewicht halten kann. Dafür sind drei, zum Teil mit Flüssigkeit gefüllte Bogengänge oberhalb der Schnecke zuständig. Bei einer Bewegung bewegt sich die Flüssigkeit und die Nerven der Bodengänge leiten diese Information weiter zum Gehirn, welches Anweisungen gibt, damit man nicht das Gleichgewicht verliert. Beim schnellen Drehen des Körpers um die eigene Achse senden die Nerven der Bodengänge auch noch Signale, wenn man sich nicht mehr dreht. Das hat zur Folge, dass einem schwindelig wird (vgl. Murphy 1983, S. 6).

3.2.3 Die Nase

Die Nase dient neben der Funktion als Geruchsorgan auch der Atmung des Menschen. Das sich direkt am Schädel befindende Nasenbein und die vier daran anschließenden gegeneinander beweglichen Knorpel bestimmen die äußere Gestalt (vgl. Duden 1994, S. 336). Der Geruchssinn hat in erster Linie eine Schutzfunktion. Er lässt den Menschen beispielsweise schlechte Lebensmittel identifizieren und kann ihn auf einen Brand aufmerksam machen (vgl. Zimmer 1996, S. 141). Zudem kann der Duft von Essen den Appetit anregen (vgl. Weinhold 2005, S. 5).

Beim Riechen handelt es sich um eine Reaktion auf chemische Reize, die durch das Zuführen von Duftstoffen beim Einatmen in die Nasenhöhle ausgelöst wird. Im obersten Nasengang befindet sich die Riechschleimhaut (Regia olfactoria), in der sich die Riechzellen mit besonderen Sinneshärchen befinden. Diese Sinneshärchen sind bedeckt von einem dünnen Schleim, der bewirkt, dass die Molekühle aus dem Duftstoff herausgelöst werden (vgl. ebd., S. 143). Die Sinneshärchen geben so die Information weiter an das Gehirn (vgl. Murphy 1983, S. 7).

3.2.4 Die Zunge

Die Zunge ist ein Muskelkörper, der aus verschieden ausgerichteten quer gestreiften Muskeln besteht und ist mit Schleimhaut überzogen, in der sich die Sinneszellen für den Geschmackssinn befinden (vgl. Duden 1994, S. 486). Der Geschmackssinn hat verschiedene Funktionen: biologisch betrachtet ermöglicht er dem Menschen das Prüfen der Nahrung und er ist für die Anregung von Speichel und Magensaftabsonderungen für den Verdauungsprozess verantwortlich. Des Weiteren befähigt er den Menschen zum Genuss von Nahrung und dem Unterscheiden von ähnlich aussehenden Nahrungsmitteln (vgl. Zimmer 1996, S. 147).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: ohne Titel (Memmert 1979, S. 99).

Wie beim Riechen handelt es sich beim Schmecken um eine Reaktion auf chemische Reize (vgl. ebd., S. 143). Auf der Oberfläche der Zunge, wie auch in der gesamten Mundhöhle verstreut, befinden sich die Rezeptoren des Geschmacksinnes, die Geschmacksknospen (vgl. ebd., S. 143). Auf der Zunge selbst befinden sich circa 3000 dieser winzigen Zapfen (vgl. Van der Meer 1989, S. 10; s. a. Murphy 1983, S. 9). Sie sind in kleine Erhebungen, den Papillen, eingebettet. Mit Hilfe des Speichels werden Geschmacksmoleküle aus einem festen Stoff gelöst, sodass eine chemische Lösung entsteht. Diese chemische Lösung stellt den Reiz für die Geschmackssinneszellen dar[5] (vgl. ebd., S. 148), welche die Information an das Gehirn weiterleiten (vgl. Murphy 1983, S. 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: ohne Titel (Memmert 1979, S. 99).

Die Geschmacksknospen auf der Zunge lassen sich vier Bereichen zuordnen (s. Abb. 3), wobei jeder Bereich für eine bestimmte Geschmacksrichtung zuständig ist. Der Bereich um Süßes wahrzunehmen befindet sich im Bereich der Zungenspitze; an den Seiten dahinter liegt der Bereich für Salziges; die Geschmacksknospen für Saueres liegen an den Seiten im hinteren Drittel der Zunge; der bittere Geschmack wird im hinteren Bereich der Zunge wahrgenommen.[6] Um einen Geschmack im Ganzen wahrnehmen zu können, muss die Nahrung über die ganze Zunge gleiten (vgl. Thiesen 2001, S. 21).

Die Rachenhöhle verbindet den Mund mit der Nase (s. Abb. 4). Aufgrund dieser nachbarschaftlichen Lage sind der Geruchs- und Geschmackssinn eng miteinander verbunden: Beim Kauen der Nahrung wird so nicht nur der Geschmackssinn gereizt, sondern es steigen auch gasförmige Aromastoffe über die Rachenhöhle in die Nasenhöhle (vgl. ebd., S. 20-21). Bei einer Erkältung produzieren die Nasenschleimhäute mehr Schleim, um sich gegen die Erkältungsviren zu schützen. Dadurch verstopft die Nase und die Geruchsstoffe können die Riechschleimhaut nicht mehr erreichen. Das hat zur Folge, dass wir nichts mehr riechen können und das Essen nicht mit seinem vollen Aroma genießen können[7] (vgl. ebd., S. 20).

[...]


[1] Im Rahmen dieser Arbeit werde ich den Schwerpunkt auf die klassische Einteilung der Sinne legen, die „durch ein eigenes Organ erkennbar sind“ (Zimmer 1996, S. 55). Es sei jedoch erwähnt, dass es neben dieser Klassifikation in der Literatur weitere Einteilungen in weitaus mehr Bereiche der Sinneswahrnehmung existieren (vgl. dazu Zimmer 1996, S. 55-58).

[2] Siehe hierzu Kap. 5.1.2: Experimente zum räumlichen Sehen.

[3] Siehe hierzu Kap. 5.2.3: Experiment zum Sichtbarmachen von Schallwellen.

[4] Siehe hierzu Kap. 5.2.2: Experiment zum Richtungshören.

[5] Siehe hierzu Kap. 5.3.4: Experiment zur Funktion des Speichels.

[6] Siehe hierzu Kap. 5.3.3: Experiment zu den Geschmackszonen auf der Zunge.

[7] Siehe hierzu Kap. 5.3.2: Experimente zum Zusammenspiel von Geruchs- und Geschmackssinn.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Sinne – Bau- und Funktionsweise
Untertitel
Im Zusammenhang mit den Arbeitsformen „Objekterkundung“ und „Experiment“ in der Klassenstufe 2
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Naturwissenschaftlicher Bereich des Sachunterrichts
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
32
Katalognummer
V158530
ISBN (eBook)
9783640723416
ISBN (Buch)
9783640723614
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachunterricht, Sinne, Experimente, Objekterkundung, Unterrichtsskizze
Arbeit zitieren
Susan-Deniz Tümer (Autor), 2008, Die Sinne – Bau- und Funktionsweise , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158530

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