Die Praxis der Zuweisung der Obsorge für Scheidungskinder

Empirische Analyse und geschlechterkritische Bewertung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Eidesstattliche Erklarung

II. Besonderen Dank an:

III. Inhaltsverzeichnis

IV. Abkurzungsverzeichnis

V. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung

3. Scheidungsformen
a. Annullierung der Ehe
b. Einvernehmliche Scheidung
c. Streitige Scheidung

4. Obsorgeregelungen
a. Gemeinsame Obsorge
b. Beendigung der gemeinsamen Obsorge
c. Alleinige Obsorge
d. Obsorgewechsel
e. Besuchsrecht

5. Verfahrensrechtlich

6. Resumee

IV. Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V. Literaturverzeichnis

ATTENEDER, Christine. Obsorge und Besuchsrecht nach der Scheidung: Eine

okonometrische Analyse anhand von Linzer Daten. Linz. 2004.

ATTENEDER, Christine. BOHEIM, Rene. BUCHEGGER, Reiner. HALLA, Martin. BAUER, Thomas. BUCHEGGER-TRAXLER, Anita. Eine okonomische Analyse von Scheidungen anhand von Gerichtsakten - Unterhalt, Obsorge und Besuchsrecht. Der osterreichische Amtsvormund. Linz. 2006.

ERHARD, Rotraut. JANIG, Herbert. Folgen der Vaterentbehrung. Hrsg: Bundesministerium fur soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. Wien. 2003 FILIPP, Sigrun-Heide. Kritische Lebensereignisse. Munchen. 1990.

FRIEDRICH, Max. Kinder ins Leben begleiten - Vorbeugen statt Therapie. Wien. 2005.

GRUNDLER, Bettina. Osterreichische Juristen-Zeitung. Hrsg: HOPF. Wien. 2001.

HAUPT, Herbert. Scheidungsfolgen fur Manner. Hrsg: Bundesministerium fur soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. Wien. 2003.

HOPF, Gerhard. Kurzkommentar zum ABGB. Hrsg: KOZIOL, BYDLINSKI, BOLLENBERGER Wien. 2007.

HOPF, Gerhard/WEITZENBOCK, Johann. Osterreichische Juristen-Zeitung. Hrsg: HOPF. Wien. 2001.

MOTTL, Ingeborg. Scheidung und Trennung aus juristischer Sicht: Ursachen und Folgen von Scheidung und Trennung fur Kinder, Frauen und Manner. Hrsg: ZARTLER, WILK, KRANZL-NAGL. Wien. 2002.

STABENTHEINER, Johannes. Kommentar zum ABGB3. Hrsg: RUMMEL. Wien. 2007.

TEWS, Gunter. Abstammung, Adoption, Besuchsrecht und Obsorge, Kindesentfuhrung. Linz. 2008.

1. Einleitung

Papa, ich will Dich nicht verlieren!

Darf ich Papa auch mal wieder sehen?

Wer ist der fremde Mann?

Papa hat gesagt: Du bist Bose!

Am Wochenende will ich Fubballspielen und nicht Dich besuchen!

Beim Papa ist es viel schoner!

Diese Aussagen und Fragen stellen Kinder in Dsterreich vermehrt. Aufgrund der derzeit herrschenden und im Folgenden aufgefuhrten Vergabepolitik, verlieren Scheidungskinder in mehr als 90% der Falle[1]einen Elternteil als Vorbild und Bezugsperson. „50 Prozent der Trennungskinder verlieren schon nach einem Jahr den Kontakt zu dem Nicht- Obsorgeberechtigten [meist der Vater). Nach dem zweiten Jahr sind es bereits 70 Prozent!"[2]

Prinzipiell ist die Scheidung fur Kinder und Nicht-Obsorgeberechtigte ein kritisches Lebensereignis[3]mit Auswirkungen auf das psychosoziale Wohlbefinden sowie die psychische Gesundheit. Es findet somit eine potentielle Benachteiligung auf immaterieller Ebene gegenuber dem Obsorgeberechtigten statt, welcher in der Regel bereits die Scheidung geplant und betrieben hat und sich so lange Zeit auf das Ereignis vorbereiten konnten und zudem in der Regel keinen Obsorgeverlust befurchtet und erleiden muss. Weiters ist festzustellen, dass die Scheidung in der Regel fur den Nicht- Obsorgeberechtigten bzw. Nicht-Aufenthaltselternteil eine enorme finanzielle Belastung entstehen lasst, da teilweise zwei Haushalte oder lange Fahrten finanziert werden mussen.

Die Scheidung bedeutet oft fur das Kind ein Ende des bisher Vertrauten. Daher sollten die Eltern von den, aus Sicht des Kindes, schlechten Losungen die schmerzarmste wahlen.[4]

2. Historische Entwicklung

Der osterreichische Gesetzgeber begann in den 70er Jahren, sich dem Problemfeld der Gleichstellung von Mann und Frau anzunahern. Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten und der aufkommenden Emanzipation wurde versucht, die Gesetzeslage fur Frauen zu verbessern. Damals konnte noch niemand ahnen, welch schwerwiegenden Folgen zum Nachteil der Kinder dadurch entstehen werden. Durch den ersten Losungsansatz 1975, der den Mann als „Haupt der Familie“ abschaffte und ihm gesetzlich durch den ersten Teil der Familienrechtsreform die Bestimmungsgewalt uber die Frau und Kinder entzog, wurde sukzessive die absolute Gewalt auf die Frau ubertragen. 1 977 in der Novelle des Kindschaftsrechts[5]wurde der §177 ABGB geandert, so dass nach der Scheidung nur ein Elternteil mit der Obsorge zur Ganze betraut werden konnte. In der Praxis war dies die Mutter. Im Jahre 1978 wurde ein weiterer Grundstein, mit Einfuhrung der einvernehmlichen Scheidung, fur die heutige Misere gelegt. Die patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft waren bis 1989 immanent. Auch eine geschiedene Frau hatte in entscheidungsrelevanten Fragen ihren Ex-Gatten aufzusuchen um seine Zustimmung zu bekommen. Ohne Aufsichts- und Mitspracherecht des Amtes fur Jugendwohlfahrt konnte keine Kindesmutter ein Kind grobziehen.[6]Mit 1989 anderte sich dies zum alleinigen Vorteil der Frauen. Man meinte, dass ihnen damit eine langst fallige Eigenverantwortlichkeit zugesprochen wurde. Allerdings drehte sich „der Spieb" nun zum Nachteil der Kinder und der Vater um.[7]Die Mutter hatten nun die biologische und rechtliche Macht. Durch die Gleichstellung (im Erbrecht mit der Ausnahme der Pflichtteilsminderung) der unehelichen Kinder 1989 wurde die Freiheit und Willkur der Frauen letztendlich manifestiert und die „gesunde Familie"[8]abgeschafft, da sie mit diesen Kindern ihre eigenen Interessen ausuben konnen, da diese Kinder ex lege ihrer alleinigen Obsorge unterstehen.

Kontaktgewahrung oder -verweigerung liegen de facto seither in der Hand des Obsorgeberchtigten, also zu 90% bei den Muttern. Da erkannt wurde, dass dadurch der Vater zusehends ins Abseits gedrangt wurde und dies auch fur die Kinder nicht von Vorteil war, wurde die Obsorge beider Elternteile eingefuhrt, jedoch mit einem kleinen „Pferdefub“ versehen. Obsorge beider Eltern ja, aber de facto nur wenn die Mutter es auch will.[9]

Mittlerweile wird diese Schieflage auf der Seite der Mutter von der Wissenschaft als gatekeeping bezeichnet. Immer mehr wird erkannt, dass darin auch ein wesentliches Element fur den Kontaktabbruch[10]und das endlose Leid der Kinder liegt.

3. SCHEIDUNGSFORMEN

In Osterreich ist das Auffalligste, was neben der Staatsverschuldung zu nimmt, die Anzahl der Scheidungen. Eine Gliederung der Scheidungsformen in Osterreich kann anhand des Trennungsgrundes und der Art der Durchfuhrung vorgenommen werden.[11]Zum einen fasst man Verschuldensscheidungen, konsenslose Scheidungen[12]und Zerruttungsscheidungen zu den streitigen Scheidungen zusammen und zum anderen gibt es die einvernehmliche Scheidung, die als auberstreitige Scheidung gefuhrt wird. Die Annullierung der Ehe ist eine weitere Trennungsform, welche hier zur Vollstandigkeit aufgefuhrt wird, aber keine Scheidung im eigentlichen Sinn darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1]Internet: http://www.doppelresidenz.at/?p=53 am 07.05.2010

[2]Internet: http://www.wien-konkret.at/soziales/vaterlos/ am 07.05.2010

[3]Vgl. (FILIPP) S. 15ff; (ATTENEDER_et_al.) S. 239

[4]Vgl. [HAUPT) S. 23

[5]BG BGBl 1977/403; Vgl. [HOPF/WEITZENBOCK) S. 489

[6]Vgl. Internet: http://www.doppelresidenz.at/?p=53 am 07.05.2010

[7]Internet: http://www.doppelresidenz.at/?p=53 am 07.05.2010

[8]Beitrag des Bischof DDr. Klaus KUNG zum Diozesanjahrbuch 2007 der Diozese St. Polten

[9]Internet: http://www.doppelresidenz.at/?p=53 am 07.05.2010

[10]Internet: http://www.doppelresidenz.at/?p=53 am 07.05.2010

[11] Vgl. [ATTENEDER] S. 3

[12]Scheidungen die ursprunglich im einvernehmlichen Scheidungsverfahren gefuhrt wurden, es aber nicht moglich war, sich uber obligatorische Scheidungsfolgen zu einigen.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Praxis der Zuweisung der Obsorge für Scheidungskinder
Untertitel
Empirische Analyse und geschlechterkritische Bewertung
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Verwaltungsrecht und Verwaltungslehre)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V158565
ISBN (eBook)
9783640723515
ISBN (Buch)
9783640723676
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Obsorge, Österreich, Scheidungskinder, Unterhalt, Besuchsrecht, Informationsrecht, Scheidung, Gericht, Einvernehmlich, Streitig, Alleinige Obsorge, Gemeinsame Obsorge, Obsorgewechsel
Arbeit zitieren
Mag. Jürgen Augstein (Autor), 2010, Die Praxis der Zuweisung der Obsorge für Scheidungskinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158565

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