Inwieweit tragen semantische und pragmatische Strukturen sowie multimodale Gestaltungsmittel zur kommunikativen Wirkung des Werbespots "Der Riss" bei – und wie lassen sich diese Prozesse mithilfe sprachphilosophischer und kommunikationstheoretischer Ansätze (Austin, Searle, Watzlawick) analysieren?
Diese sprachwissenschaftliche Hausarbeit beleuchtet den PENNY-Werbespot "Der Riss" als eindrucksvolles Beispiel für die mediale Darstellung gesellschaftlicher Spannungen. Anhand sprachphilosophischer und kommunikationstheoretischer Ansätze – insbesondere der Sprechakttheorie von Austin und Searle sowie der Kommunikationsaxiome Watzlawicks – wird aufgezeigt, wie Sprache in multimodalen Kontexten nicht nur der Verständigung dient, sondern soziale Wirklichkeit aktiv mitgestaltet.
Die Analyse verdeutlicht, wie semantische, pragmatische und visuelle Elemente gemeinsam wirken, um Themen wie soziale Ausgrenzung, familiäre Sprachlosigkeit und intergenerationale Konflikte erfahrbar zu machen. Besonders hervorzuheben ist der erkenntnisreiche Brückenschlag zwischen linguistischer Theorie und gesellschaftlicher Praxis.
Ideal für alle, die sich für Sprache, Medien, soziale Kommunikation und die kritische Auseinandersetzung mit Werbekultur interessieren – sei es im Studium, in der schulischen Bildung oder in der Medienanalyse.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Auswahl des Untersuchungsgegenstands
1.2 Methodik der Analyse
2. Analyse des Werbespots: Der Riss
2.1 Deutungshypothese
2.2 Analyse von Der Riss – Sprache als konstitutive Kraft sozialer Wirklichkeit
2.2.1 Kommunikation und soziale Spannungen im urbanen Raum
2.2.3 Wenn Verstehen nicht genügt – Sprache als Grenze der Inklusion
2.2.2 Sprachliche Ausgrenzung und familiäres Kommunikationsversagen
2.2.3 Gespräch als Möglichkeit – Sprache als ethische Geste
2.2.4 Zwischenfazit
3. Produktive Transfer – Szenenumgestaltung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kommunikativen und pragmatischen Mechanismen des Penny-Werbespots „Der Riss“, um aufzuzeigen, wie Sprache, multimodale Gestaltung und soziale Interaktion im Kontext gesellschaftlicher Krisen wirken und zur Fragmentierung oder Versöhnung beitragen.
- Multimodale linguistische Medienanalyse
- Sprechakttheorie nach Austin und Searle
- Kommunikationsaxiome nach Watzlawick
- Soziale Inklusion und Ausgrenzung durch Sprache
- Analyse gesellschaftlicher Spannungsfelder in der Werbung
Auszug aus dem Buch
1.Einleitung
Sprache besitzt eine enorme Kraft. Sie ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sondern bildet das Fundament unseres Zugangs zur Welt. Noch bevor wir beginnen, über etwas nachzudenken, hat Sprache bereits unsere Wahrnehmung geordnet und unser Erleben strukturiert. Sie ermöglicht es uns, Zusammenhänge zu erkennen, Bedeutungen zu erschließen und Sinn zu generieren. Ohne Sprache wären wir der Welt schutzlos ausgeliefert, den kausalen Kräften um uns herum blind ausgesetzt und unfähig, sie zu deuten oder einzuordnen.
Erst durch sprachliche Distanz gewinnen wir Übersicht und Orientierung. Der Mensch reagiert nicht mehr bloß auf Reize, sondern beginnt, seine Umwelt symbolisch zu erfassen, zu interpretieren und aktiv mitzugestalten. Was zunächst bloße Sinneseindrücke sind, wird durch Sprache in bedeutungstragende Zusammenhänge überführt. Ein Geräusch wird zur Warnung, ein Ort zum Symbol von Sicherheit oder Fremdheit. Über Begriffe eignet sich der Mensch die Welt an – Sprache macht Erfahrungen nicht nur beschreibbar, sondern erst verstehbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch linguistische und kommunikationstheoretische Ansätze und begründet die methodische Relevanz des Werbespots.
1.1 Auswahl des Untersuchungsgegenstands: Hier wird der Werbespot „Der Riss“ als komplexes narratives Artefakt vorgestellt, das gesellschaftliche Spannungen symbolisch verdichtet.
1.2 Methodik der Analyse: Das Kapitel erläutert den interpretativ-hermeneutischen Ansatz und das multimodale Analyseraster, das zur Untersuchung der filmischen Zeichen genutzt wird.
2. Analyse des Werbespots: Der Riss: Dieses Kapitel widmet sich der systematischen Untersuchung, wie Sprache und Bild im Spot zur Konstruktion sozialer Realität beitragen.
2.1 Deutungshypothese: Es wird die zentrale Hypothese aufgestellt, dass der Spot soziale Distanzen durch fehlgeschlagene Kommunikation visualisiert und gleichzeitig Wege zur Verständigung aufzeigt.
2.2 Analyse von Der Riss – Sprache als konstitutive Kraft sozialer Wirklichkeit: Dieses Kapitel vertieft, wie Sprechakte die soziale Positionierung innerhalb des dargestellten Hochhaus-Milieus beeinflussen.
2.2.1 Kommunikation und soziale Spannungen im urbanen Raum: Hier wird die Aufzugszene als Beispiel für nonverbale Kommunikation und gescheiterte soziale Interaktion analysiert.
2.2.3 Wenn Verstehen nicht genügt – Sprache als Grenze der Inklusion: Das Kapitel untersucht anhand der Reinigungskraft die Rolle von Sprachbarrieren und sozialer Ausgrenzung.
2.2.2 Sprachliche Ausgrenzung und familiäres Kommunikationsversagen: Es wird analysiert, wie destruktive familiäre Sprachmuster das Erleben des Kindes beeinflussen.
2.2.3 Gespräch als Möglichkeit – Sprache als ethische Geste: Dieses Kapitel würdigt die Schlusssequenz als Akt performativer Versöhnung und ethischer Verantwortung.
2.2.4 Zwischenfazit: Das Fazit der Analyse bestätigt die Hypothese, dass gelingende Kommunikation die Basis für ein soziales Miteinander bildet.
3. Produktive Transfer – Szenenumgestaltung: Hier werden Originalszenen mittels der theoretischen Modelle transformativ umgestaltet, um gelingende Kommunikation zu demonstrieren.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung der linguistischen Analyse für das Verständnis gesellschaftlicher Polarisierung.
Schlüsselwörter
Linguistik, Pragmatik, Sprechakttheorie, John L. Austin, John Searle, Paul Watzlawick, Werbeanalyse, Soziale Inklusion, Multimodalität, Kommunikationsversagen, Gesellschaftliche Spaltung, Der Riss, Marketingkommunikation, Semantik, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Werbespot „Der Riss“ der Supermarktkette Penny unter linguistischen und kommunikationstheoretischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Themenfelder soziale Inklusion, familiäres Kommunikationsversagen, gesellschaftliche Fragmentierung und die ethische Dimension von Dialog.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie semantische und pragmatische Strukturen zur kommunikativen Wirkung des Spots beitragen und wie diese Prozesse theoretisch analysierbar sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine Kombination aus interpretativ-hermeneutischer Analyse und einem multimodalen Analyseraster für Film-Artefakte angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Schlüsselszenen des Spots, insbesondere durch die Anwendung der Sprechakttheorie und der Axiome von Watzlawick.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Pragmatik, Sprechakte, Kommunikationsaxiome, soziale Wirklichkeit und Multimodalität.
Wie unterscheidet sich die Analyse des Aufzugszene von anderen Szenen?
Die Aufzugszene wird primär über nonverbale Kommunikation und das erste Axiom von Watzlawick („Man kann nicht nicht kommunizieren“) interpretiert.
Welche Funktion hat der „Produktive Transfer“ in dieser Hausarbeit?
In diesem Teil wird durch die Umgestaltung einer Konfliktszene in eine gelingende Interaktionssequenz gezeigt, wie theoretisches Wissen praktisch angewendet und verändert werden kann.
- Quote paper
- Elisa Dermaku (Author), 2025, Zwischen Spaltung und Versöhnung. Eine linguistisch-pragmatische Analyse der Penny-Weihnachtswerbung "Der Riss", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1586966