Rezeption Heiner Müllers an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts


Magisterarbeit, 2001

100 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALT

Magisterarbeit

1. Einleitung
1.1 Kurzbeschreibung der Arbeit
1.2 Gegenstand der Arbeit

2. Zur Theatersituation im Dresden der 70er und 80er Jahre
2.1 Staatsschauspiel Dresden
2.1.1 Bedeutende Inszenierungen im Umfeld der Müller-Bearbeitungen
2.1.2 Wichtige Traditionen am Dresdner Schauspiel
2.1.3 Brecht in Dresden
2.1.4 Kleines Haus
2.2 Andere Theater
2.2.1 Schicht-Theater Reick
2.2.2 Dresdner Brettl

3. Die zu betrachtenden Inszenierungen aus den 70er und 80er Jahren des 20.Jhd.
3.1 Inszenierungen von Werken Heiner Müllers am Staatsschauspiel Dresden in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhd.
3.1.1 1979 "Philoktet", Regie: Friedrich Siebert
3.1.1.1 Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik
3.1.1.2 Konzeption und Anlage der Figuren
3.1.1.3 Resümee
3.1.2 1980 "Wie es euch gefällt" (Müller'sche Übersetzung), Regie: Horst Schönemann
3.1.2.1 Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik
3.1.2.2 Konzeption und Anlage der Figuren
3.1.3 1981 "Die Schlacht", Regie: Wolfgang Engel
3.1.4 1981 "Der Lohndrücker", Regie: Wolfgang Engel
3.1.4.1 Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik
3.1.4.2 Konzeption und Anlage der Figuren
3.1.4.3 Resümee
3.1.5 1984 „Friedrich Hebbel: Die Nibelungen“, Regie: Wolfgang Engel
3.1.6 1985 "Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande", Regie: B.K.Tragelehn
3.1.6.1 Bühne, Kulisse, Requisiten und ‚Das Pferd’
3.1.6.2 Figuren und Sprache
3.1.6.3 Resümee
3.1.7 1987 "Anatomie Titus Fall of Rome Ein Shakespearekommentar" (DDR-Erstaufführung), Regie: Wolfgang Engel
3.1.7.1 Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik
3.1.7.2 Konzeption, Ablauf und Figuren
3.1.7.3 Resümee
3.1.8 1988 "Drachenoper", Regie: Frank Schubert
3.1.8.1 Konzeption
3.1.8.2 Bühne, Kulisse, Requisiten und Musik
3.2 Sonstige Rezeptionen von Werken Heiner Müllers an anderen Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhd.
3.2.1 1984: "Immer bleiben die Engel aus am Ende oder Von Schiller zu Müller ", Künstlerische Leitung: Friedrich-Wilhelm Junge
3.2.2 1989: Juni, "Wolokolamsker Chaussee I-V" Gruppe des 'Schicht-Theater’,
3.2.2.1 Bühne
3.2.2.2 Konzeption
3.2.3 1989 „Frauenbilder“, Regie: Carsten Ludwig
3.2.4 1991 „Quartett“, Regie: Steffen Rinka
3.2.4.1 Bühne, Requisiten und Musik
3.2.4.2 Konzeption

4. Darsteller und Beteiligte an den zu betrachtenden Inszenierungen aus den 70er und 80er Jahren des 20.Jhd.
4.1 Darsteller und Beteiligte an den Inszenierungen von Werken Heiner Müllers am Staatsschauspiel Dresden in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhd.
4.1.1 1979 "Philoktet"
4.1.2 1980 "Wie es euch gefällt" (Müller'sche Übersetzung)
4.1.3 1981 "Die Schlacht"
4.1.4 1981 "Der Lohndrücker"
4.1.5 1984 „Friedrich Hebbel: Die Nibelungen“
4.1.6 1985 "Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande"
4.1.7 1987 "Anatomie Titus Fall of Rome Ein Shakespearekommentar"
4.1.8 1988 "Drachenoper"
4.2 Darsteller und Beteiligte sonstiger Rezeptionen von Werken Heiner Müllers an anderen Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhd.
4.2.1 1984 "Immer bleiben die Engel aus am Ende oder Von Schiller zu Müller", Künstlerische Leitung: Friedrich-Wilhelm Junge
4.2.2 1989 "Wolokolamsker Chaussee I-V" Gruppe des 'Schicht-Theater’, Regie: Karen Pfeil, Bühnenbild: Gabriela Neumann
4.2.3 1989 „Frauenbilder“, Regie: Carsten Ludwig
4.2.4 1991 „Quartett“, Regie: Steffen Rinka

5. Vergleich der verschiedenen Konzeptionen – Konsequenz in den Inszenierungen Müllerscher Texte auf Dresdner Bühnen
5.1 Bedingungen (politische und gesellschaftliche Voraussetzungen)
5.2 Ansätze - die Konzeptionen als Maß für die theoretische Konsequenz, mit der der Text gesehen wurde
5.3 Durchführung und Gelingen - Dissonanzen und Gleichklänge zwischen Theorie und Praxis - Proben und Aufführungen als praktische Konsequenz, mit der der Text bewältigt wurde
5.4 Schlussfolgerungen – Ausblick auf die 90er Jahre

6. Phänomene des DDR-Theaters in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts und ihre Ausprägungen in Dresden

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Personenregister
8.2 Benennungen bzw. Abkürzungen von Stücken im Text:

9. Danksagungen

1. Einleitung

1.1 Kurzbeschreibung der Arbeit

Die Arbeit stellt eine Zusammenstellung und Betrachtung der Inszenierungen von Heiner Müller-Texten an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20.Jahrhunderts dar. Berücksichtigt wurden zur Aufführung gebrachte Inszenierungen.

Es gibt zu diesem Thema keine vergleichbare Literatur, auf die ich mich hätte stützen oder beziehen können.

Im Ergebnis der Recherchen kristallisierten sich einerseits die besonderen Voraussetzungen und Bedingungen Dresdens als Theaterstadt für derartige Aufführungen als für eine Betrachtung wichtig heraus. Andererseits bildete sich die Konsequenz in der Bearbeitung der Texte von Heiner Müller, als zu untersuchendes Merkmal der Inszenierungen heraus. Es zeigte sich, dass sich aufgrund dieser Besonderheiten eine eigene, der gesonderten Betrachtung lohnende Rezeptionskultur in Dresden herausgebildet hatte.

1.2 Gegenstand der Arbeit

Der Rahmen der Arbeit ist mit den in Frage kommenden Inszenierungen relativ klar gesteckt. Ich habe mich auf diejenigen Inszenierungen konzentriert, die tatsächlich zur Aufführung gekommen sind. Gerade in der freien Szene gab es diverse Projekte, die angedacht aber schließlich aus verschiedenen Gründen tatsächlich nicht gespielt wurden. Die Schwierigkeit bestand dabei zum einen in der Einstufung dieser, nicht aufgeführten, Arbeiten als wirkliche Rezeption, da hier die Komponente der Rückkopplung und des Reflektierens über den Zuschauer ausblieb. Des Weiteren ist es schwierig ein objektives Bild von den Konzeptions- und Probenarbeiten der damaligen Textbearbeitungen zu bekommen, wenn über diese von den Künstlern selber nie in stärkerem und endgültigem Maße reflektiert oder diese durch Dritte rezensiert wurden. Darauf gehe ich unter Punkt 2.2.2, wenn ich über das Projekttheater, bzw. unter Punkt 3.2.4, wenn ich zu ‚Quartett’ spreche, noch kurz ein.

So bilden die Inszenierungen des Staatsschauspiels Dresden den Rahmen und Schwerpunkt der Arbeit. Neben diesen gab es aber eine Reihe Aufführungen außerhalb des Staatstheaters, die gerade im Zusammenspiel mit den dortigen Arbeiten interessant sind. So z.B. die Möglichkeiten des ‚Schicht-Theaters’, ‚Wolokolamsker Chaussee’ zu inszenieren und damit als politisches Theater wahrgenommen zu werden. Und dies in einer Zeit in der auch das Staatsschauspiel immer politischer wurde. Dazu aber später mehr.

So bespreche ich im Folgenden, nach einer Einführung in die Dresdner Theatergeschichte, sowie der Kurzvorstellung einiger Theater, 8 Inszenierungen des Staatsschauspiels Dresden und 4 weitere, welche außerhalb dieses zur Aufführung gebracht wurden. Schließlich versuche ich in der Zusammenführung und dem Vergleich einzelner Aufführungen Probleme bei der Umsetzung der Müller-Texte herauszustellen, sowie mögliche Vorbehalte oder Inkonsequenzen in der Interpretation zu erklären. Zum Abschluss werde ich, ausgehend von der Situation in Dresden, einige generelle Phänomene des DDR-Theaters benennen und herausstellen.

2. Zur Theatersituation im Dresden der 70er und 80er Jahre

2.1 Staatsschauspiel Dresden

Die zu DDR-Zeiten vorherrschende Meinung vom deutlichen Qualitätsunterschied zwischen Berlin, als Theaterhauptstadt, und der restlichen ‚Provinz’ ist bekannt und, wenn man genauer hinsieht, so eigentlich, zumindest auf das Theater bezogen, nicht zutreffend. Gerade in den 80er Jahren ist der Unterschied zwischen der ‚Diaspora’ der sonstigen DDR und dem Zentrum Berlin eher einem Etappenweg vergleichbar als einem großen Gefälle. An wohl keiner anderen Bühne wurde das in der hier zu betrachtenden Zeit so deutlich wie an der Dresdner. Diese wurde 1983 wieder aus dem, nach dem Krieg geschaffenen, Mehrspartentheater gelöst. Mit der Wiedereröffnung der Semperoper im Jahre 1985 bildete das Staatsschauspiel Dresden, das größte reine Sprechtheater außerhalb Ost-Berlins.

Hier fanden sich Anfang der 80er Jahre ein Team um den, nach 10 Jahren Intendantentätigkeit am Berliner Deutschen Theater ‚entlassenen’, Intendanten Gerhard Wolfram. Diesem gehörten Wolframs Berliner und später auch Dresdner Oberspielleiter Horst Schönemann, dem Dramaturgen Dieter Görne und dem damals noch recht jungen aber durchaus schon bekannten Regisseur Wolfgang Engel, um nur einige zu nennen, an. Wolfram und Schönemann verband eine jahrelange Zusammenarbeit seit den fünfziger Jahren am Maxim-Gorki-Theater in Berlin und in den 60er und 70er Jahren am, damals hoch angesehenen, Landestheater Halle.

Bis 1985, dem Jahr der Eröffnung der wiederaufgebauten Semperoper, waren Oper und Schauspiel zusammen im Schauspielhaus untergebracht. Die Oper war dabei mit größeren Ressourcen, was die Finanzen, Spielplanausgestaltung und Probenorganisation anbelangt, ausgestattet. Dadurch befand sich das Schauspiel immer in einer Art Defensivposition, was die eigenen Möglichkeiten betraf. Auch dadurch ist eventuell zu erklären, dass Heiner Müller erst spät Einzug fand, in den Spielplan des Hauses. Und selbst die erste Inszenierung, 1979 ‚Philoktet’, wurde, obwohl eigentlich eine größtmögliche Bühne bedingend, auf der Studiobühne des Kulturpalastes aufgeführt, was einen ersten ‚Versuch’ des Umgangs mit Müller signalisierte.

Hatte man in den 70er Jahren noch teilweise im Kulturpalast, der Hochschule für Bildende Künste (im weiteren Verlauf der Arbeit als HfBK bezeichnet) und anderen Aufführungsorten gespielt, bestand das Staatsschauspiel zum Ende der 80er Jahre aus vier Spielstätten: dem Stammhaus am Postplatz (Schauspielhaus), welches 1911-13 erbaut wurde und 909 Plätze beherbergte, der ehemaligen Tonhalle in der Neustadt (Kleines Haus) mit 293 bis, je nach Bühnengröße, 375 Plätzen, den Probebühnen Astoria, einem ehemaligen Kino an der Leipziger Straße, mit 90 Plätzen sowie dem ‚Theater im Hof’ mit 85 Plätzen. In den siebziger Jahren gehörte noch das Studiotheater des Kulturpalastes zu den Spielstätten des Staatstheaters. Mit rund 500 Vorstellungen im Jahr, wovon etwa die Hälfte im Schauspielhaus stattfanden, und an die 300.000 Besucher entsprach dies einer Auslastung von über 95%. Interessant hierbei ist, dass von den damals ca. 550.000 Einwohnern Dresdens, 80.000! ein Anrecht für Theater, Oper und Operette abgeschlossen hatten.

Wolfram sah sein Theater als ‚Tribüne der Volksangelegenheiten’[1]. Dies war für ihn ‚das Konzept eines zeitgenössischen politischen Theaters’[2], mit dem ‚gehen wir nicht von einem Spielplan der Literaturepochen aus. Sondern bei jedem Stück, o Heiner Müller oder Hebbel oder Kleist, von erhofften Wirkungsmöglichkeiten. Wir wollen ein in die Gesellschaft eingreifendes Theater. ...Das heißt, mit dem Stück und der Art der Inszenierung Fragen aufnehmen, die noch als ungelöste in den Köpfen der Zuschauer sind.’[3].

Bertold Brecht und Peter Hacks waren in den 70er und frühen 80er Jahren die meist gespielten Autoren in Dresden. Während bei Brecht vor allem die Geschichte vor 1945 thematisiert ist und bei Hacks der Blick auf die Realität eher ein heiter klassischer ist, welcher Geschichte fast zu einer Art von Genuss werden lässt und in fröhliche Resignation mündet, vollzieht sich bei Müllers Blick auf die Realität Betroffenheit. Und diese Realität, welche den Menschen die Zwänge ihres Handelns aufbürdet, wird als eine selbstgeschaffene begriffen. Dies war etwas neues, eine Herausforderung, sowohl für die Dresdner Künstler als auch für das Dresdner Publikum.

[...]


[1] In: Theater heute. Jahrbuch/1988, S. 38.

[2] Ebd., S.38.

[3] Ebd., S.38.

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Rezeption Heiner Müllers an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur - Neuere deutsche Literatur)
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
100
Katalognummer
V158706
ISBN (eBook)
9783640723454
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiner Müller, Dresden, Theater, Mittelstenscheid, Wolfgang Engel
Arbeit zitieren
Jens Mittelstenscheid (Autor), 2001, Rezeption Heiner Müllers an Dresdner Theatern in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158706

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