Das grundlegende Ziel und die Motivation dieser Hausarbeit soll es sein, zu untersuchen, ob das gesprochene Deutsch Varietäten besitzt, die von der prototypischen Lehrbuchmeinung, aber auch von der geschrieben Sprache abweichen. Dabei sollen die Aspekte Stellung im Satz, typischer Gebrauch sowie syntaktische Merkmale im Vordergrund stehen. Dies soll durch eine kleine Korpusstudie anhand der beiden Satzadverbien wahrscheinlich und leider geschehen.
In einem ersten Schritt soll ein allgemeiner Einblick in die Syntax sowie Semantik der Satzadverbien gegeben werden und erläutert werden, welcher Definition gefolgt wird. Des Weiteren wird auf die epistemischen bzw. evaluativen Satzadverbien wahrscheinlich und leider eingegangen und es sollen deren Besonderheiten sowie ihre Darstellung in der Literatur wiedergegeben werden. Ebenfalls sollen die unterschiedlichen Merkmalsbeschreibungen in der Literatur herausgearbeitet werden, an welchen überprüft werden soll, ob sich die gesprochene Realität anders verhält als in der gesprochenen Sprache und als in den Lehrbüchern dargestellt. In einem zweiten Schritt wird der Korpus FOLK vorgestellt, mit welchem die genannten Satzadverbien untersucht werden. In diesem Kapitel soll auch die Methodik sowie die Arbeitsweise nachvollziehbar gemacht werden, die in dieser Hausarbeit angewendet wird. Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse der Korpusstudie dargestellt und mit den Erkenntnissen von Duffner sowie Lexikon deutscher Modalwörter verglichen werden.
Ein abschließendes Fazit soll die Ergebnisse zusammenfassen und bewerten, ob für das gesprochene Deutsch andere Maßstäbe bzw. Merkmale gelten als für das geschriebene. Als Literatur wird in dieser Hausarbeit hauptsächlich das Lexikon deutscher Modalwörter herangezogen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen stellt es bis heute die umfangreichste Sammlung der Satzadverbien des Deutschen dar, zum anderen bezieht sich auch Duffner auf dieses Werk. So kann sichergestellt werden, dass eine Vergleichbarkeit zwischen dieser Hausarbeit und der Arbeit von Duffner gewährleistet ist. Des Weiteren wird u.a. Literatur von Pittner, Ludger und Eroms verwendet.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. ZUR SYNTAX UND VERWENDUNGSWEISE VON SATZADVERBIEN
II.1 SYNTAKTISCHE EIGENSCHAFTEN DER SATZADVERBIEN
II.2 SEMANTISCHE MERKMALE UND UNTERGLIEDERUNG DER SATZADVERBIEN
III. SEMANTISCHE UND SYNTAKTISCHE EIGENSCHAFTEN VON WAHRSCHEINLICH UND LEIDER
III.1 WAHRSCHEINLICH
III.2 LEIDER
IV. METHODIK UND KORPUS
IV.1 DAS KORPUS FOLK
IV.2 METHODIK
V. WAHRSCHEINLICH IM KORPUS
V.1 BESCHREIBUNG DES TYPISCHEN GEBRAUCHS
V.2 WAHRSCHEINLICH IM VERGLEICH
VI. LEIDER IM KORPUS
VI.1 BESCHREIBUNG DES TYPISCHEN GEBRAUCHS
VI.2 LEIDER IM VERGLEICH
VII. BEWERTUNG UND FAZIT
VIII. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, ob das gesprochene Deutsch syntaktische und verbrauchsorientierte Varietäten bei Satzadverbien aufweist, die von der klassischen Lehrbuchmeinung und geschriebenen Texten abweichen. Hierbei steht die Erforschung der tatsächlichen Sprachpraxis mittels einer linguistischen Korpusanalyse im Vordergrund.
- Untersuchung der syntaktischen und semantischen Merkmale von Satzadverbien
- Empirische Analyse der Satzadverbien „wahrscheinlich“ und „leider“ im Korpus FOLK
- Vergleich der gesprochenen Sprachwirklichkeit mit der in der Literatur postulierten Norm
- Analyse von Stellungsvarianten innerhalb des Satzes (Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld)
- Erforschung der Kombination von Satzadverbien mit Modal- und Fokuspartikeln
Auszug aus dem Buch
III.1 WAHRSCHEINLICH
Wahrscheinlich wird im Lexikon deutscher Modalwörter als Hypothesenindikator bewertet, mit welchem der Sprecher signalisiert, dass er eine Aussage p für möglich hält, wobei gilt, dass ebenso gut p wie nicht p gelten kann. Diese Aussage ist höchst problematisch, da mit wahrscheinlich eben nicht ausgedrückt wird, dass p ebenso gut wie nicht p eintreten kann. Eher das Gegenteil ist der Fall und wahrscheinlich zeigt auf einer Skala der epistemischen (Un-) Sicherheit einen hohen Sicherheitsgrad des Sprechers an (vgl. Péteri 2013: 253). Weiter wird wahrscheinlich bzw. alle Hypothesenidikatoren mir den Merkmalen –factiv sowie +Sprecherbezug charakterisiert. Mit ±factiv ist gemeint, dass das Satzadverb die subjektive Faktizität des Sprechers bezüglich des Gesagten signalisiert. Hierbei spielt es keine Rolle, ob das Gesagte den Tatsachen entspricht, sondern nur für wie gesichert der Sprecher das Gesagte befindet. Mit ±Sprecherbezug kann dies weiter differenziert werden. So signalisiert +Sprecherbezug, dass die getätigte Aussage einen Kommentar des Sprechers zum Sachverhalt darstellt und keine Aussage über das Subjekt des Gesagten getätigt wird. Dies wird anhand des folgenden Beispiels deutlicher (nach Helbig/Helbig 1993: 50f.):
(5) Der Fahrer hat wahrscheinlich überholt. (+Sprecherbezug)
(6) Der Fahrer hat leichtsinnigerweise überholt (–Sprecherbezug, bzw. +Subjektbezug)
Die Aussage in (5) lässt sich paraphrasieren als „Der Sprecher hält es für wahrscheinlich/ Es ist wahrscheinlich für den Sprecher, dass der Fahrer überholt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Heterogenität der Wortklasse der Satzadverbien und definiert das Ziel, die Diskrepanz zwischen Lehrbuchmeinung und gesprochener Sprache mittels einer Korpusstudie zu untersuchen.
II. ZUR SYNTAX UND VERWENDUNGSWEISE VON SATZADVERBIEN: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die syntaktischen Merkmale und semantische Definitionen von Satzadverbien in der existierenden Fachliteratur.
III. SEMANTISCHE UND SYNTAKTISCHE EIGENSCHAFTEN VON WAHRSCHEINLICH UND LEIDER: Hier werden die beiden Untersuchungsobjekte theoretisch verortet und deren Merkmale nach gängigen Modellen kritisch hinterfragt.
IV. METHODIK UND KORPUS: Dieses Kapitel stellt das Korpus FOLK als Datengrundlage vor und beschreibt die methodische Vorgehensweise bei der korpusbasierten Untersuchung.
V. WAHRSCHEINLICH IM KORPUS: Die Ergebnisse zur Verwendung von „wahrscheinlich“ in der gesprochenen Sprache werden deskriptiv ausgewertet und mit Forschungsliteratur verglichen.
VI. LEIDER IM KORPUS: Die Analyse von „leider“ konzentriert sich auf dessen Stellungsvarianten und typische Gebrauchsformen im mündlichen Sprachgebrauch.
VII. BEWERTUNG UND FAZIT: Das Fazit bewertet die Untersuchungsergebnisse und stellt fest, dass die theoretischen Merkmale aus der Literatur überwiegend gute Generalisierungen darstellen, jedoch Abweichungen in der Praxis existieren.
VIII. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS: An dieser Stelle werden sämtliche verwendeten Quellen und die Korpusmaterialien vollständig dokumentiert.
Schlüsselwörter
Satzadverbien, gesprochenes Deutsch, Korpusanalyse, Wahrscheinlich, Leider, Sprachwissenschaft, Syntax, Semantik, Modalpartikeln, Fokuspartikeln, Empirie, Sprachpraxis, FOLK, Sprachvarietäten, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Verwendung von Satzadverbien im gesprochenen Deutsch von den Beschreibungen in der linguistischen Fachliteratur unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Syntax, der semantischen Kategorisierung und der tatsächlichen Stellung von Satzadverbien innerhalb von mündlichen Äußerungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothese, dass die gesprochene Sprache Varietäten besitzt, die von der prototypischen Lehrbuchmeinung abweichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Untersuchung durchgeführt, bei der transkribierte Daten aus dem „Forschungs- und Lehrkorpus gesprochenes Deutsch“ (FOLK) empirisch analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe „wahrscheinlich“ und „leider“ intensiv analysiert, ihre Verteilung im Korpus betrachtet und die Ergebnisse mit den Theorien von Autoren wie Duffner oder Helbig/Helbig abgeglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Satzadverbien, gesprochenes Deutsch, Korpusstudie, Syntax, Semantik und die Gegenüberstellung von Theorie und Sprachpraxis.
Warum wurde gerade „wahrscheinlich“ als Beispiel gewählt?
„Wahrscheinlich“ dient als epistemisches Satzadverb, um hohe Sicherheitsgrade des Sprechers und dessen Interaktion mit anderen Partikeln im gesprochenen Fluss zu untersuchen.
Welche besonderen Erkenntnisse liefert der Vergleich zu „leider“?
Die Analyse zeigt, dass „leider“ im gesprochenen Deutsch seltener mit Modalpartikeln auftritt als „wahrscheinlich“ und eine auffällige Tendenz zur Nachfeldstellung hat.
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- Anonym (Author), 2022, Satzadverbien im gesprochenen Deutsch. Eine korpusbasierte Untersuchung von wahrscheinlich und leider, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1587087