Die vorliegende Master Thesis untersucht den Selbstwert und Bildungsungleichheiten anhand einer Schule der Stadt Zürich. Die Untersuchung geht der Selbstwertschätzung von Sekundarschülern und -schülerinnen unter Berücksichtigung des Migrationshintergrunds, sozialer Herkunft, schulischer Selektion und institutioneller Diskriminierung nach. Dieses Vorhaben setzt an der Forschungsfrage an, wie sich die Selbstwertschätzung in der mittleren Adoleszenz unter Berücksichtigung herkunfts- sowie institutionell bedingter Bildungsungleichheiten artikuliert. Es wird eine qualitative Vorgehensweise anhand vier inhaltsanalytisch ausgewerteter Leitfadeninterviews herangezogen. Auf der Basis der durchgeführten Interviews ist eine indirekte Beeinflussung des Selbstwertes durch Migrationshintergrund, soziale Herkunft und schulischer Selektion feststellbar. Schulische Selektion beeinflusst den Selbstwert dieser Schüler/innen eher negativ und schränkt dadurch ihren Bildungserfolg ein. Die Selektionsentscheide sind jedoch nicht direkt in Verbindung mit institutioneller Diskriminierung zu bringen, denn diese erfolgen meist indirekt. Diese Schüler/innen sind einem Druck ausgesetzt, der sie unsicher, ängstlich und verzweifelt macht. Ferner ist ihre Suche nach sozialer Bestätigung und Anerkennung ziemlich exzessiv. Demgemäß lässt sich ihre globale Selbstwertschätzung als eher niedrig einzustufen. Das Vorhandensein eines Migrationshintergrundes und dessen Beziehung zu sozialer Herkunft ist unbedingt detailliert zu spezifizieren, damit Ergebnisse über Bildungsungleichheit und Selbstwert hinreichend differenziert ausfallen können.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis (5)
- Danksagung (6)
- Präambel (7)
- Abstract (8)
- Einleitung (9)
- I Einführender Teil (12)
- 1. Ausgangslage (13)
- 1.1. Das schweizerische Bildungssystem (14)
- 1.2. Zahlen und Fakten (15)
- 1.2.1. Schüler/innenzahlen im Schulkreis Letzi (15)
- 1.2.2. Schule Kappeli (16)
- 2. Problemstellung (18)
- 2.1. Homogenität versus Heterogenität (19)
- 2.2. Ausländerpädagogik und interkulturelle Pädagogik (20)
- 3. Forschungsstand (23)
- 3.1. Grundlegende Studien (23)
- 3.2. Kritik und Forschungslücken (28)
- 1. Ausgangslage (13)
- II Theoretischer Teil (30)
- 4. Systemtheorien (31)
- 4.1. Systemökonomisches Konzept (32)
- 5. Theorien um die Adoleszenz (33)
- 5.1. Binnengliederung der Adoleszenz (33)
- 5.2. Adoleszenz, Migration und soziale Herkunft (34)
- 5.3. Adoleszenz und Selbstwert (36)
- 6. Theorien um soziale Ungleichheit (38)
- 6.1. Herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten (38)
- 6.1.1. Soziale Herkunft und Migrationshintergrund (39)
- 6.2. Institutionellbedingte Bildungsungleichheiten (41)
- 6.2.1. Institutionelle Diskriminierung und schulische Selektion (42)
- 6.1. Herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten (38)
- 7. Theorien um den Selbstwert (44)
- 7.1. Das Selbstkonzept (44)
- 7.3. Der Selbstwert (45)
- 7.4. Die Selbstwertschätzung (47)
- 4. Systemtheorien (31)
- III Empirischer Teil (54)
- 8. Forschungsfrage und empirisches Modell (55)
- 8.1. Forschungsfrage (55)
- 8.2. Empirisches Modell (56)
- 9. Methodisches Vorgehen (58)
- 9.1. Elemente des Forschungsdesigns (58)
- 9.1.1. Sampling (59)
- 9.1.2. Datenerhebung (61)
- 9.1.3. Datenaufbereitung (63)
- 9.1.4. Datenauswertung (64)
- 9.1. Elemente des Forschungsdesigns (58)
- 10. Ergebnisse (66)
- 10.1. Beschreibung des Ablaufmodells (66)
- 10.2. Profildeskription (67)
- 10.3. Darstellung der Ergebnisse (68)
- 10.3.1. Selbstwertschätzung (68)
- 10.3.1.1. Emotionale Selbstwertschätzung (69)
- 10.3.1.2. Soziale Selbstwertschätzung (70)
- 10.3.1.3. Leistungsbezogene Selbstwertschätzung (73)
- 10.3.1.4. Körperbezogene Selbstwertschätzung (76)
- 10.3.2. Selbstwertschätzung und Bildungsungleichheiten (76)
- 10.3.2.1. Selbstwertschätzung und herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten (77)
- 10.3.2.2. Selbstwertschätzung und institutionellbedingte Bildungsungleichheiten (78)
- 10.3.3. Ideal-Selbst (80)
- 10.4. Intercoderreliabilität (81)
- 10.3.1. Selbstwertschätzung (68)
- 11. Diskussion (82)
- 11.1. Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich Ausgangsfragestellung (82)
- 11.2. Schlussfolgerungen und Ausblick (94)
- 11.3. Bezug zu Schulsozialarbeit (98)
- 11.4. Selbstreflexion (100)
- 8. Forschungsfrage und empirisches Modell (55)
- Tabellenverzeichnis (102)
- Abbildungsverzeichnis (103)
- Literaturverzeichnis (104)
- Anhang (114)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Selbstwertschätzung von Sekundarschülerinnen und -schülern in mittlerer Adoleszenz im Kontext herkunfts- sowie institutionell bedingter Bildungsungleichheiten. Das Hauptziel ist es, herauszufinden, wie sich diese Selbstwertschätzung angesichts von Faktoren wie Migrationshintergrund, sozialer Herkunft, schulischer Selektion und institutioneller Diskriminierung artikuliert.
- Selbstwertschätzung in der Adoleszenz
- Herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten
- Institutionell bedingte Bildungsungleichheiten
- Einfluss von Migration und sozialer Herkunft auf Bildungserfolg
- Schulische Selektion und Diskriminierung
- Rolle der Schulsozialarbeit bei der Förderung von Chancengleichheit und Selbstwertstärkung
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Der Ausgangspunkt dieser Master Thesis ist das Phänomen der Homogenisierung aufgrund der Überforderung der Schule mit der zuwachsenden Heterogenität (siehe Kap. 2.1.). In der Pädagogik wurde zuerst defizitorientiert anhand Ausländerpädagogik versucht, mit der Heterogenität klar zu kommen, und anschließend differenzorientiert mit der interkulturellen Pädagogik (siehe Kap. 2.2.). Bei beiden Paradigmen wurde jedoch die Bildungsungleichheit legitimiert und auch produziert. Es kann darüberhinaus auch die schulische Selektion als ein Resultat der Bildungspolitik aufgrund der Überforderung im Umgang mit Heterogenität verstanden werden. Dies hat zur Folge, dass zahlreiche Klassenwiederholungen und Rückstufungen beansprucht werden, um Leistungshomogenität in der Schulklasse zu gewährleisten (Brake & Büchner, 2012, S. 151). Es sind namentlich die PISA-Studien der letzten Jahre, die besagen, dass das Schulsystem in der Schweiz bezüglich der zu leistenden Kompetenzen selektiv ist (Wernstedt & John-Ohnesorg, 2008, S. 6; OECD, 2010 und 2012; Zahner Rossier & Holzer, 2007, S 37; Regeth, 2011). Zudem produziert das Schulsystem mit seinen Selektionsprozessen soziale Ungleichheiten hinsichtlich Bildungserfolgs (ebd.). Dabei sollte das Ziel des Bildungssystems die Durchbrechung und nicht die Reproduktion der traditionellen Schichten sein (Kreckel, 1992, S. 94ff.). In schulsicher Bildung trifft diese Form von Benachteiligung am Härtesten die Schüler/innen mit nicht privilegiertem Sozialstatus und / oder Migrationshintergrund (Solga & Dobrowski, 2009, S. 17). Sie werden des Öfteren in Sonderschulen oder niedrigeren Schulstufen überwiesen. Diese separierende Tendenz nimmt stetig zu (Kronig, 2005). Zudem wird diese Schüler/innengruppe institutionell diskriminiert, indem sie beispielsweise kaum Empfehlungen für einen Eintritt ins Gymnasium erhält (Valtin, 2008, S. 12; Klemm, 2008, S. 27; Brake & Büchner, 2012, S. 142). Demzufolge ist die soziale Ungleichverteilung der Zugänge ungerecht. Vornämlich dann, wenn dabei die persönliche Leistung eine kleinere und die soziale Herkunft eine größere Rolle spielt (Oelkers, 2006, S. 91). Die Schüler/innen mit Migrationshintergrund sind einer noch gravierende Benachteiligung ausgesetzt, denn sie sind von vornherein in zweifacher Hinsicht benachteiligt: Sie gehören einerseits Sozialschichten mit wenig verfügbarem ökonomischen, sozialen und vor allem kulturellen Kapital an, und anderseits sind sie verschiedenen Mechanismen vom sozialen Ausschluss unterworfen (Juhasz & Mey, 2009, S. 87). Also diese Schüler/innen treten mit „höchst unterschiedlichen Schulsäcken“ (Lamprecht & Stamm, 1997, S. 43) ins Bildungssystem ein (siehe Kap. 3.1.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Führt in die Problematik der Homogenisierung, Bildungsungleichheit und schulischen Selektion im Kontext der Heterogenität ein und beleuchtet die Benachteiligung von Schüler/innen mit Migrationshintergrund und niedrigem Sozialstatus.
I Einführender Teil: Gibt einen Überblick über die Bildungsexpansion in der Schweiz, die Problemstellung und den Forschungsstand, um den Untersuchungsgegenstand zu definieren.
1. Ausgangslage: Beschreibt das schweizerische Bildungssystem als selektiv und untermauert dies mit aktuellen Zahlen und Fakten zur Schule Kappeli in Zürich, um die Grundlage für die Untersuchung zu legen.
2. Problemstellung: Erläutert anhand theoretischer Ansätze die Herausforderungen der Heterogenität in Schulen und die damit verbundenen sozialen Ungleichheiten, die durch Selektion verstärkt werden.
3. Forschungsstand: Bietet einen mehrperspektivischen Überblick über vorhandene empirische Daten zu Bildungsungleichheiten, Adoleszenz und Selbstwert, um Forschungslücken zu identifizieren und die eigene Studie zu positionieren.
II Theoretischer Teil: Stellt relevante Theorien aus Pädagogik, Soziologie und Sozialpsychologie vor, die das Erkenntnisinteresse der Arbeit untermauern und zur Formulierung der Forschungsfrage beitragen.
4. Systemtheorien: Erläutert verschiedene Systemebenen (Mikro-, Meso-, Exo-, Makro-Systeme) nach Bronfenbrenner und Luhmanns autopoietisches Konzept im Kontext sozialer Systeme und Adoleszenz.
5. Theorien um die Adoleszenz: Definiert Adoleszenz und untersucht ihren Zusammenhang mit Migration, sozialer Herkunft und der Selbstwertentwicklung, insbesondere hinsichtlich der Identitätsfindung und sozialen Anpassung.
6. Theorien um soziale Ungleichheit: Differenziert zwischen herkunfts- und institutionell bedingten Bildungsungleichheiten, wobei Bourdieu's Kapitaltheorie, schulische Selektion und Diskriminierung beleuchtet werden.
7. Theorien um den Selbstwert: Stellt Konzepte und Modelle zum Selbstwert, Selbstkonzept und Selbstwertschätzung dar und grenzt diese begrifflich voneinander ab, um deren Bedeutung für die Forschungsfrage zu verdeutlichen.
III Empirischer Teil: Leitet zur Formulierung der Forschungsfrage und des empirischen Modells über und beschreibt das methodische Vorgehen zur Datenerhebung und -auswertung.
8. Forschungsfrage und empirisches Modell: Formuliert die zentrale Forschungsfrage und präsentiert das empirische Modell zur Untersuchung der Selbstwertschätzung im Kontext von Bildungsungleichheiten, einschliesslich relevanter Unterfragen.
9. Methodisches Vorgehen: Beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Datenerhebung mittels Leitfadeninterviews, die Datenaufbereitung (Transkription) und die inhaltsanalytische Datenauswertung nach Mayring, einschliesslich der Intercoderreliabilität.
10. Ergebnisse: Präsentiert die durch inhaltsanalytische Auswertung gewonnenen Ergebnisse zu den verschiedenen Dimensionen der Selbstwertschätzung (emotional, sozial, leistungs- und körperbezogen) und deren Bezug zu herkunfts- und institutionell bedingten Bildungsungleichheiten.
11. Diskussion: Erklärt die Ergebnisse anhand theoretischer Ansätze, beantwortet die Forschungsfrage, zieht Schlussfolgerungen und gibt einen Ausblick, insbesondere in Bezug auf Interventions- und Präventionsmöglichkeiten in der Schulsozialarbeit.
Schlüsselwörter
Selbstwert, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migration, soziale Herkunft, schulische Selektion, institutionelle Diskriminierung, qualitative Forschung, Zürich, Schulsozialarbeit, PISA-Studien, Heterogenität, Selbstkonzept, soziale Ungleichheit, Interkulturelle Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Masterarbeit untersucht, wie sich die Selbstwertschätzung von Jugendlichen in mittlerer Adoleszenz unter Berücksichtigung von Bildungsungleichheiten an einer Zürcher Schule artikuliert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Selbstwertschätzung, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migrationshintergrund, soziale Herkunft, schulische Selektion und institutionelle Diskriminierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Forschungsfrage lautet: "Wie artikuliert sich die Selbstwertschätzung in mittlerer Adoleszenz unter der Berücksichtigung institutionell- und herkunftsbedingter Bildungsungleichheiten?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitativ-empirische Studie durchgeführt, die auf der inhaltsanalytischen Auswertung von vier Leitfadeninterviews basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte zu Systemen, Adoleszenz, sozialer Ungleichheit und Selbstwert, gefolgt vom empirischen Teil, der das methodische Vorgehen, die Ergebnisse der Interviews und eine umfassende Diskussion einschliesslich Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen darstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Selbstwert, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migration, soziale Herkunft, schulische Selektion, institutionelle Diskriminierung und Schulsozialarbeit charakterisieren die Arbeit.
Warum wurde die Schule Kappeli in der Stadt Zürich als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Die Schule Kappeli wurde aufgrund ihres hohen Migrantenanteils, ihres Status als „Problemschule“ und der persönlichen Kenntnis des Autors zu den Schüler/innen als Untersuchungsgegenstand ausgewählt.
Wie beeinflusst schulische Selektion den Selbstwert der Schüler/innen laut den Ergebnissen?
Die schulische Selektion, insbesondere die Einteilung in die Sekundarstufe B, wird oft als Benachteiligung empfunden und wirkt sich negativ auf den Selbstwert aus, da sie zu Gefühlen der Selbstenttäuschung und eingeschränkten Bildungschancen führt.
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- Nick Lulgjuraj (Autor), 2015, Selbstwert und Bildungsungleichheiten in mittlerer Adoleszenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1587281