In dieser Arbeit wird untersucht inwieweit die im informellen Raum vorhandenen Potentiale von Weblogs in formale Lehr/Lernszenarien übertragen und für die Kompetenzentwicklung von Studierenden genutzt werden können.
Der Begriff Weblog ist ein zusammengesetztes Wort aus Web und Logbuch. Ein Weblog, auch Blog, ist eine Website, in der Einträge chronologisch rückwärts dargestellt werden. Er basiert auf einem Content-Management-System (CMS), dass es ermöglicht, Inhalte auf einfache Weise zu publizieren. CMS als Werkzeug hat „… die Erstellung und Organisation von Inhalten als zentrale Aufgabe.“ (Baumgartner & Kalz, 2004, S. 3).
Im Zuge des Bologna-Prozesses sind Kompetenzen zu einem Lehr/Lernziel aus-gewiesen worden (vgl. Reinmann, 2007). Bildungswissenschaftlich relevant ist die Frage, wie Kompetenzen als Lehr/Lernziel in formalen Lehr/Lernszenarien entwickelt werden können. Weblogs erscheinen dafür besonders geeignet, weil sich in ihnen „… eine paradigmatische Praxis der Wissensgesellschaft und eine pädagogische Praxis, die sich aus ihren bisherigen Wissensvermittlungskonzepten lösen will oder soll…“ treffen (Pullich, 2007, S. 15). Inwieweit jedoch können die vorhandenen Potentiale von Weblogs in formale Lehr/Lernszenarien übertragen werden? Denn bei der Übertragung besteht das Risiko, „… dass von ihrem urs-prünglichen Charakter nur noch wenig übrigbleibt.“ (ebd.).
In Kapitel 2 werden zuerst Weblogs und welche Funktionen sie in formalen Lehr/Lernszenarien haben können, untersucht. Der Begriff der Kompetenz und die in dieser Arbeit herangezogenen Definitionen werden im Kapitel 3 dargestellt. In Kapitel 4 wird der Einsatz von Weblogs in universitären Lehrveranstaltungen konkret in den Blick genommen. Abschließend wird in Kapitel 5 ein Fazit gezogen und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Weblogs in formalen Lehr/Lernszenarien
2.1 Funktionen und Weblogvarianten
2.2 Kommunikation und Interaktion
2.3 Reflexives Lernen mit Weblogs
3 Kompetenz
3.1 Kompetenzbegriff
3.1.1 Kompetenz als selbstorganisiertes Handeln
3.1.2 Medienpädagogischer Kompetenzbegriff
3.2 Bildung oder Kompetenz?
3.3 Wissen, Qualifikation und Kompetenz
3.4 Kompetenzentwicklungspotentiale durch den Einsatz von Weblogs
4 Weblogs im universitären Einsatz
4.1 Merkmale einer kompetenzfördernden Lehrveranstaltung
4.2 Kompetenzentwicklungspotential verschiedener Weblogvarianten
4.3 Didaktisches Design von Lernarrangements mit Weblogs
4.4 Die Rolle der Lehrenden
4.5 Beispiele für Einsatzszenarien
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das im informellen Raum vorhandene Potenzial von Weblogs effektiv in formale Lehr- und Lernszenarien an Hochschulen integriert werden kann, um die Kompetenzentwicklung von Studierenden gezielt zu fördern.
- Übertragung informeller Weblog-Potenziale in formale Bildungskontexte
- Differenzierte Analyse von Kompetenzbegriffen und deren Relevanz für das Studium
- Didaktische Gestaltung von Lehrarrangements unter Einbeziehung von Social Software
- Rolle der Lehrenden als Lernbegleiter und Coach
- Praxisbeispiele für den erfolgreichen Einsatz von Weblogs in der Hochschullehre
Auszug aus dem Buch
2.1 Funktionen und Weblogvarianten
Als Funktionen von Weblogs sind charakteristische technische Besonderheiten der Software zu sehen. Diese sind Grundvoraussetzungen, die gekannt werden müssen, um das didaktische Potential von Weblogs ausschöpfen zu können. Im Rahmen dieser Arbeit geschieht dies fokussiert auf die Kommentar- und Trackback-Funktion. Die Kommentarfunktion eines Weblogs ermöglicht dem Leser einen Blogbeitrag zu kommentieren. Der Weblog-Autor kann ebenfalls die Kommentarfunktion benutzen und damit auf Leserkommentare reagieren (vgl. Röll, 2005). Mit der Trackback-Funktion wird ein Weblog-Autor benachrichtigt, wenn ein anderer Bezug zu einem seiner Einträge genommen hat (vgl. Brahm, 2007). Trackbacks unterstützen damit den blogübergreifenden Diskurs und den Aufbau eines virtuellen Netzwerkes (vgl. Baumgartner & Kalz, 2004). In diskursorientierten Weblogs sind dies wesentliche Elemente, weil sie Interaktionen konstituieren.
Baumgartner und Kalz (2004), die Weblogs aus bildungswissenschaftlicher Sicht untersuchen, ordnen sie pädagogisch-didaktisch als diskursorientierte CMSes ein und sehen somit ihr wesentliches Potential in den aufgezeigten Funktionen, die Diskurse innerhalb des Weblogs sowie auch blogübergreifend ermöglichen. In welchen Varianten Weblogs in formalen Lernszenarien eingesetzt werden können, wird folgend dargestellt. Der grundsätzliche Ansatzpunkt ist dabei erst einmal, ob ihr Einsatz content- oder diskursorientiert geplant ist (vgl. Röll, 2005). Contentorientierte Varianten haben die Nutzung des Weblogs vor allem für die Publikation von Materialien im Blick (vgl. ebd.). Weblogs zur Unterstützung virtueller Seminare können auch diskursorientiert eingesetzt werden, hierbei erhält nicht nur der Lehrende, sondern auch jeder Lernende einen eigenen Weblog (vgl. ebd.). Schwerpunkt ist die Kommunikation unter den Lernenden, die sich gegenseitig Hilfestellungen sowie Feedback geben, Kommentare verfassen und sich mittels Trackback aufeinander beziehen können (vgl. ebd.). Diese Weblogvariante unterstützt die Bildung einer Learning Community (vgl. ebd).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob informelle Weblog-Potenziale zur Kompetenzentwicklung in formale Hochschulkontexte übertragen werden können, und umreißt den inhaltlichen Aufbau der Arbeit.
2 Weblogs in formalen Lehr/Lernszenarien: Das Kapitel analysiert technische Funktionen wie Kommentar- und Trackback-Mechanismen sowie verschiedene Einsatzvarianten von Weblogs im formalen Bildungskontext.
3 Kompetenz: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Kompetenzbegriffs, seiner Abgrenzung von Wissen und Qualifikation sowie die Darstellung spezifischer Potenziale für die Kompetenzentwicklung durch Weblogs.
4 Weblogs im universitären Einsatz: Dieses Kapitel widmet sich der didaktischen Konzeption, der Rolle der Lehrenden sowie konkreten Praxisbeispielen für den Einsatz von Weblogs in der Hochschullehre.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass der Erfolg des Weblogeinsatzes maßgeblich von der didaktischen Konzeption und der aktiven Einbindung der Studierenden abhängt, wobei eine Integration in das Assessment als sinnvoll erachtet wird.
Schlüsselwörter
Weblogs, Kompetenzentwicklung, formale Lernszenarien, E-Learning, Hochschullehre, Medienkompetenz, reflexive Lernprozesse, Social Software, didaktisches Design, Bologna-Prozess, Lerntagebuch, E-Portfolio, Diskurs, selbstorganisiertes Lernen, Learning Community.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Weblogs als Medium für die Kompetenzentwicklung von Studierenden bei der Integration in formale universitäre Lehr- und Lernveranstaltungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Didaktik des E-Learnings, Kompetenzmodelle im Bologna-Prozess, die technische Funktionsweise von Weblogs sowie der Wandel der Rollen von Lehrenden und Studierenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Herausforderungen aufzuzeigen, wie Weblogs didaktisch so konzipiert werden können, dass sie einen nachweisbaren Beitrag zur Kompetenzentwicklung der Studierenden leisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse aktueller bildungswissenschaftlicher Theorien und Erkenntnisse zum Einsatz von Social Software in formalen Bildungskontexten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Weblogfunktionen, die theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs und die praktische Gestaltung von Lehrarrangements im Hochschulkontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Kompetenzentwicklung, Weblogs, Hochschullehre, didaktisches Design und reflexive Lernprozesse beschreiben.
Wie unterscheidet sich der Content- vom Diskursorientierten Weblogeinsatz?
Contentorientierte Weblogs dienen primär der Publikation von Materialien, während diskursorientierte Varianten die aktive Kommunikation, gegenseitige Hilfestellung und den Aufbau einer Learning Community in den Vordergrund stellen.
Warum ist die Rolle der Lehrenden beim Weblogeinsatz so entscheidend?
Die Lehrenden wandeln sich vom klassischen Wissensvermittler zum Lerncoach, der Interaktionsprozesse anregen, moderieren und eine Feedback-Kultur im Weblog etablieren muss.
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- Dipl.-Ing. (FH) Marika Fedtke (Author), 2010, Potentiale für die Kompetenzentwicklung Studierender durch den Einsatz von Weblogs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158729