Kurze Analyse des Zusammenhangs zwischen Freiheit und Gleichheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freiheit und Gleichheit nach Brockhaus
2.1 Freiheit
2.2 Gleichheit

3. Die Interpretation Studers über Freiheit und Gleichheit

4. Freiheit und Gleichheit nach Martin Kriele
4.1 Grundlagen der Freiheit und Gleichheit
4.2 Zum Verhältnis von Freiheit und Gleichheit
4.3 Die staatsrechtliche Basis gleicher Freiheit
4.4 Soziale Gerechtigkeit und formale Rechtsgeltung
4.5 Sozialistische Alternative

5. Freiheit und Gleichheit als Gegensätze
5.1 Die Auffassung Leibholzs über Freiheit und Gleichheit
5.2 Die Kritik Krieles an Leibholz
5.3 Freiheit und Gleichheit aus ökonomischer Sicht (Tuchtfeldt)
5.4 Freiheitsschutz und Gleichheitsschutz nach Battis/Gusy

6. Freiheit und Gleichheit nach der marxistisch-leninistischen Theorie
6.1 Freiheit
6.2 Gleichheit

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der Interpretation von Freiheit und Gleichheit.

Zuerst werden die Grundbegriffe Freiheit und Gleichheit laut Brockhaus erklärt.

Dann wird die Interpretation Studers über die Grundbegriffe Freiheit und Gleichheit dargestellt, die als philosophische Interpretation gekennzeichnet werden kann.

Der dritte Kapitel stellt den Hauptteil der Arbeit dar, der aus der Auffassung Krieles über Freiheit und Gleichheit besteht, wobei Kriele erst auf die Grundlagen von Freiheit und Gleichheit eingeht, dann das Verhältnis zwischen Gleichheit und Freiheit und auch die Voraussetzungen von Freiheit und Gleichheit erklärt.

Ein weiterer Punkt seiner Analyse besteht aus der sozialen Gerechtigkeit und formalen Rechtsgeltung. Schließlich wird die sozialistische Auffassung von Freiheit und Gleichheit kritisch betrachtet.

Im vierten Kapitel dieser Arbeit geht es um den Gegensatz zwischen Freiheit und Gleichheit. Diese Behauptung vertritt Leibholz, der aber von einer ganz anderen Position als Kriele ausgeht. Dabei wird auch die Kritik Krieles gegen Leibholz zusammenfassend dargeboten. Weiterhin wird die Auffassung Tuchtfeldts über Freiheit und Gleichheit aus wirtschaftlicher Sicht dargestellt, und schließlich wird auch die Battis/Gusys Darstellung vom Freiheitsschutz und Gleichheitsschutz aus rechtlicher Sicht zusammenfassend wiedergegeben.

Zum Schluss wird auch auf die marxistisch-leninistische Theorie eingegangen, aus dem Grund, dass diese Theorie - obwohl zur Zeit als obsolet gilt - lange Zeit einen großen Einfluss auf das Verständnis von Freiheit und Gleichheit ausgeübt hatte, wie auch zuallererst in den früher sozialistisch regierten Staaten, aber auch darüber hinaus.

2. Freiheit und Gleichheit nach Brockhaus

2.1 Freiheit

Brockhaus (1998:661) unterscheidet zwei Aspekte der Freiheitsdefinition:

- Freiheit als „Abwesenheit äußerer Zwänge und Bindungen: ‚Freiheit von und
- Freiheit als die Fähigkeit, „seinem eigenen Wollen eine Richtung geben zu können“, d.h. Entscheidungs- oder Willensfreiheit: ‚Freiheit zu‘.

Der Begriff Freiheit zählt nach Brockhaus (1998:661) zu den Grundwerten abendländischen (politischen) Denkens.

Schon Platon meinte, dass der Mensch frei sein kann, „insofern er sich sein [...] Schicksal selbst wählt“ (Brockhaus 1998:662).

Später im Mittelalter stellte sich laut Brockhaus (662) das Problem, „die Vereinbarkeit individueller Freiheit und Verantwortlichkeit mit der Allwissenheit und Allmacht Gottes und der daraus folgenden Vorbestimmtheit menschlichen Handelns zu erweisen und zugleich die Existenz des Bösen in der Welt zu erklären.“

Doch erst mit der Aufklärung wurde das Individuum entdeckt und die Freiheit als Naturrecht aufgefasst. So forderte die französische Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, und in der Menschenrechtserklärung (1791) wurde Freiheit als „alles tun zu können, was keinem anderen schadet“ definiert (vgl. Brockhaus 1998:662).

Später wird vom Marxismus nicht die individuelle Freiheit des Einzelnen betont, sondern die Freiheit des Menschen als Gattungswesen in Bezug auf die Natur und die gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze, und Freiheit wird als „Einsicht in die Notwendigkeit“ verstanden (Brockhaus 1998:662).

Der Marxismus behauptet, dass erst mit der Befreiung der Menschheit durch die Revolution des Proletariats von Entfremdung, Unterdrückung und Ausbeutung „die Verwirklichung von Freiheit für alle im Einklang mit den gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzen“ beginnt, denn nur in der klassenlosen Gesellschaft harmonieren die individuelle und gesellschaftliche Freiheit (Brockhaus 1998:662).

Laut der Sprachphilosophen Wittgenstein und Ryle ist Freiheit als „zu hartnäckige Illusion des Menschen“ aufzufassen (Brockhaus 662).

Im politischen Denken ist Freiheit laut Brockhaus (1998:663) traditioneller Bestandteil des liberalistischen Programms (Locke, Smith, Ricardo), das „als notwendige und hinreichende Bedingung für die Realisierung von Freiheit die Zurückführung staatlicher Autorität auf ein Mindestmaß betrachtet.“

J.S. Mill meint, dass „Freiheit als Freiheit zur Selbstverwirklichung“ aufzufassen ist.

2.2 Gleichheit

Laut Brockhaus (1998:617) stellt die Gleichheitsidee eines der Grundprinzipien der modernen Demokratie dar. Sie beruht auf der Überzeugung: „die Menschen sind ihrer allgemeinen leiblich-seelischen Natur gleich“ und jeder stellt einen ‚absoluten Wert‘ dar (Brockhaus 1998:617). Die Gleichheit steht aber in einer öffentlichen Spannung mit den tatsächlichen vorhandenen Ungleichheiten zwischen den Menschen (Geschlecht, Alter, Bildung, Begabung, sozialer Leistung), dessen Lösung der ‚übergreifender Wertegesichtspunkt‘ ist.

Die Gleichheitsidee findet sich nach Brockhaus (1998:617) im Christentum als „Kinder Gottes,“ denn in der Antike galt die Ungleichheit als etwas Natürliches bzw. Selbstverständ-liches.

Die Gleichheitsidee ist gegen jede Form von Herrschaft von Menschen über Menschen und plädiert für „das Prinzip des Vertrages, des Austausches und der freiwilligen Überein-stimmung“ (Brockhaus 1998:617).

Erst in der Unabhängigkeitserklärung von USA (1776) und dann in der Menschen-rechtserklärung der französischen Revolution (1789) stand fest: „Die Menschen sind gleich geboren und gleich bleiben.“

Doch die Gleichheitsidee steht nach Brockhaus (1998:617) in einem Spannungsverhältnis mit der Freiheitsidee, denn die soziale Gleichheit mit dem ‚individuellen Freiheitswillen‘ kollidiert, deren Aufhebung durch eine Gesellschaftsordnung erfolgen kann, in der dem einzelnen Menschen sowohl Gleichheit als auch Freiheit gesichert wird.

3. Die Interpretation Studers über Freiheit und Gleichheit

Freiheit und Gleichheit sind nach Studer (2000:7) „zwei demokratische Grundwerte.“ Doch die Beziehung zwischen Freiheit und Gleichheit ist „eine schwierige Aufgabe“(Studer 2000:9).

Freiheit hat nach Studer (2000:9) mehrfache Bedeutungsdimensionen in verschiedenen Bereichen: im Bereich der Handlungsfreiheit, der Moral (Selbstgesetzgebung), der bürgerlichen und politischen Freiheit.

Laut liberaler Theorien ist Freiheit „die Abwesenheit von Beschränkungen und Einmischungen“, die als negative Freiheit interpretiert wird. Die andere positive Auffassung der Freiheit wird als „die Möglichkeiten von Individuen, die selbstgesetzten Ziele und Zwecke zu verfolgen,“ verstanden (Studer 2000:10).

Doch es gibt Überschneidungen von negativer und positiver Freiheit. So zitiert Studer (2000:10) Mac Callum, der für ein einziges Freiheitkonzept plädiert und die negative und positive Freiheit zu einer triadischen Relation bringt: „x ist frei (nicht frei) von y um z zu tun (nicht zu tun) oder zu werden (nicht zu werden).“

X-Faktor bezieht sich auf Handelnde, y auf Bedingungen wie Beschränkungen, Einmischungen und Barrieren und Z-Faktor auf Handlungen, Charaktere oder Umstände (vgl. Studer 2000:10).

Diese Freiheitsauffassung von Mac Callum umfasst nach Studer (2000:11) das Freisein von Beschränkungen als auch den Bereich der Handlungsmöglichkeiten bzw. Wahlfreiheit.

Studer (2000:11) meint, dass wenn man die Freiheit als Wert betrachtet, erkennt man die durch Moral gesetzten „Einschränkungen unseres Entscheidungsraumes“, an und kommt zur ersten Definition:

„Wir sind frei von Beschränkungen X, um zu wählen, was immer wir wollen, sofern unsere Entscheidungen mit Gründen gerechtfertigt werden können, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.“

Weiter ist Studer (2000:12) der Meinung, dass während individueller Handlungsfreiheit durch Moral eingeschränkt wird, wird die äußere Freiheit von der ‚öffentlicher Moral‘ und vom Recht eingeschränkt. Daraus kommt Studer (2000:12) zur zweiten Definition:

„Innerhalb der von der Moral gesetzten Einschränkungen bedeutet die Freiheit die Fähigkeit, eine autonome Person zu sein, also autonom zu entscheiden, welche Art von Leben man führen möchte.“

Um die Missverständnisse zwischen der persönlichen Freiheit im Sinne des Liberalismus und der durch Moral eingeschränkte Freiheit des Individuums zu vermeiden, differenziert Studer (2000:13) zwischen der zwei Ebenen der Moral (‚individuelle Strebensethik‘ und die moralische Probleme wie der Eigentums- und Lebensschutz von Individuen), die zur Differenzierung von persönlicher und öffentlicher Moral führen.

Weiterhin erweitert Studer (2000:15) ihre zwei Definitionen und reflektiert die soziale Freiheit, indem sie sagt, dass die Bestimmung der autonomen Lebensführung des Individuums „mit der gleichen Freiheit von anderen verträglich“ sein soll.

In der Frage, ob negative oder positive Freiheit vorzuziehen ist, plädiert Studer (2000:18f) für das einheitliches Freiheitskonzept von Mac Callum, nach dem Freiheit und Gleichheit als „zwei unterschiedliche Aspekte eines zugrunde liegenden Freiheitsbegriffs“ verstanden werden, denn die Abwesenheit von Beschränkungen eröffnet zwar dem Individuum einen Raum von Wahlmöglichkeiten, doch die Realisierung der Freiheit hängt von den sozialen und ökonomischen Bedingungen ab.

Schließlich lautet die These Studers (2000:24) bezüglich der Freiheit:„Wir sind frei zu wählen, was immer wir wollen, sofern unsere Entscheidungen mit Gründen gerechtfertigt werden können, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.“

Gleichheit gehört laut Studer (2000:24) zu den moralischen Grundwerten und entstand nach vielen sozialen Bewegungen.

Bezüglich des Begriffs der Gleichheit plädiert Studer (2000:25f) für die Unterscheidung der Gleichheit nach verschiedenen Sphären: der rechtlichen (Gleichheit vor dem Gesetz) , der ökonomischen (gleiche Chance zum Wohlstand und Einkommen), der sozialen (gleicher Status der Menschen) und der politischen Gleichheit (Chancengleichheit von Personen im Zugang zu politischen Ämtern und Funktionen sowie zur Teilnahme am politischen Willensbildungsprozess).

Dazu erwähnt Studer (2000:24) auch die Auffassung Aristoteles über Gleichheit, nach der „gleiche gleich und Ungleiche ungleich“ zu behandeln sind.

Die Verteilung der Gleichheit in verschiedenen Bereichen besagt nach Studer (2000:32), dass es „Gründe gibt, manche Rechte allen Menschen zuzusprechen, andere nur einigen Menschen.“ So kommt Studer (2000:27) zur Definition der Gleichheit: „Personen sollen mit Bezug auf Standard x gleich behandelt werden, sofern es nicht für die eine Ungleichbehandlung Gründe gibt, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.“

Studer (2000:36) unterscheidet zwischen der strikten und distributiven Gleichheit und meint, dass distributive Gleichheit nicht mit dem Ideal strikter Gleichheit, sondern mit dem Ideal der Chancengleichheit verknüpft ist.

Außerdem umfasst Gleichheit laut Studer (2000:36) verschiedene Prinzipien: das Prinzip formaler Gleichbehandlung, Primzip universeller Achtung und Anerkennung, das Prinzip distributiver Gleichheit, die Idee strikter Gleichheit und das Prinzip der Chancengleichheit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kurze Analyse des Zusammenhangs zwischen Freiheit und Gleichheit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V158762
ISBN (eBook)
9783640720118
ISBN (Buch)
9783640720552
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Kurze, Analyse, Zusammenhangs, Freiheit, Gleichheit
Arbeit zitieren
M.A. Ruzhdi Kicmari (Autor), 2002, Kurze Analyse des Zusammenhangs zwischen Freiheit und Gleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158762

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