Wissensmanagement im Rahmen der Schulentwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

Vorwort

1. Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft
1.1 Bedeutung von Wissen in der Wirtschaft
1.2 Bedeutung von Wissen in der Schule

2. Entstehung von Wissen und Wissenssarten
2.1 Von Daten über Informationen zum Wissen
2.2 Verschiedene Wissensarten

3. Organisation des Wissens – Wissensmanagement

4. Wissensmanagement: Das Münchner Modell
4.2 Vier Phänomene des Wissensmanagement
4.1 Lernzyklen und Evaluation
4.3 Die Bedeutung von Communities als Keimzellen

5. Wissensmanagement nach Probst, Raub und Romhardt

6. Wissensmanagement im Sinne von Nonaka und Takeuchi
6.1 Die Wissensspirale zur Wissensschaffung in Unternehmen

7. Schule im Wandel – Schulentwicklung
7.2 Keine Schulentwicklung ohne Wissensmanagement
7.3 Psychologische Aspekte von humanem Wissensmanagement
7.4 Psychologische Aspekte zur Implementation
7.5 Technischer Aspekt von Wissensmanagement
7.6 Personal- und Unterrichtsentwicklung

8. Geeignete Wissensmanagement-Methoden im Schulwese n
8.1 E-Learning und Blended Learning
8.2 Learning Communities
8.3 Lessons Learned und Best Practice Sharing
8.4 Storry Telling und Wissensdarstellung in Analogien
8.5 Mentalen Transformationsprozessen

9. Perspektiven

Literatur

Wissensmanagement im Rahmen der Schulentwicklung

Vorwort

Das Thema verbindet zwei verschiedene Welten, nämlich die Betriebswirtschaft mit der Schulpädagogik. Lange gab es ein Spannungsverhältnis zwischen der Pädagogik und der Wirtschaftswissenschaft und kein Blick wurde über den „Gartenzaun“ geworfen. Dabei kann jeder Wissenschaftszweig von dem anderen lernen, wenn Vorbehalte fallen gelassen werden. Wissen spielt in allen Disziplinen eine essentielle Rolle und nur Wissen lässt sich teilen, ohne geringer zu werden. Im Gegenteil, geteiltes Wissen generiert neues Wissen und vermehrt sich dadurch automatisch. Barrieren bilden auch die fachspezifischen Begriffe. Management zum Beispiel klingt für Pädagogen sehr funktional und wird eher abgelehnt. Aber Management bedeutet planen, steuern, organisieren und kontrollieren. Dies sind alles Prozesse, welche auch bei der Vorbereitung und Durchführung von Unterricht enthalten sind und auch die Schulentwicklung kommt nicht ohne Management aus, da es sich bei einer Schule, wie bei einem Wirtschaftsunternehmen, um eine Organisation handelt, allerdings ohne ökonomische Interessen.

1. Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft

Der Wandel unserer Gesellschaft vollzieht sich in einem immer rascheren Tempo. Die Indus-triegesellschaft löste die Agrargesellschaft ab und erreichte nach dem Zweiten Weltkrieg durch Automatisierungen eine zweite Revolution. Durch den Einsatz immer komplexerer Maschinen und Fertigungsanlagen wurde auch eine umfangreichere Bildung der Arbeiter notwendig. Maschinen übernehmen menschliche Arbeitsplätze, dafür gewinnt der Dienstleistungssektor immer mehr an Bedeutung. Die technische Revolution, das Computerzeitalter, wirkt wie ein Katalysator. Mittels Internet, Intranet, E-Mail und weiteren Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten, expandiert das Wissen und verändert die Entwicklung der Gesellschaft im wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Sektor global. „Wissen und Know-how sind ...die entscheidenden Konkurrenzfaktoren unter den Staaten und Gesellschaften und Garant für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand.“ (Wiater, 2007, 31)

1.1 Bedeutung von Wissen in der Wirtschaft

Die Bedeutung von Information und Wissen wächst unablässig. So sprechen andere Autoren von einer Quartär-Hypothese.(Lenk 1989, Stehr 1994) Zum primären Wirtschaftssektor zählt die Rohstoffgewinnung (z. B. Bergbau, Landwirtschaft, Energiegewinnung,...). Das Herstellen von Gütern, Fertig- und Halbfertigprodukten entspricht dem sekundären Wirtschaftssektor. Dienst- und Arbeitsleistungen stellen den tertiären Wirtschaftssektor dar. Der Informationssektor als vierter Wirtschaftssektor gewinnt mehr an Beachtung und auch an materiellem Wert in der Wertschöpfungskette. So fallen die eigentlichen Produktionskosten immer weiter auf durchschnittlich 20 Prozent (Pulic 1996, 149). Aufgrund von „intellektueller“ Arbeit wird beispielsweise der Warenmangel verhindert und produktive, routinemäßige Arbeit reduziert. Alle vier Produktionsfaktoren sind praktisch in allen Gütern enthalten und ihre Gewichtung verschieden kombiniert (Lehner, 2008, 6).

Das Wissen ist jedoch kein statischer Wert. Galt früher Wissen ein Leben lang, veraltet es heute immer schneller. Professionelles Wissen hat eine Halbwertszeit von drei bis fünf Jahren. In Hochtechnologiebereichen und hochprofessionellen Dienstleistungsbereichen verfällt Wissen sogar noch schneller (Willke, 2001, 291). Die Menschen in einer Wissensgesellschaft müssen lebenslang lernen, sich neu orientieren und veraltetes Wissen „ablegen“. Der Innovationsdruck ist enorm und erfordert ein selbstorganisiertes lebenslanges Lernen im privaten sowie im beruflichen Bereich. Kompetenzen wie Selbstreflexion, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Teamfähigkeit, Zeitmanagement, Offenheit und eine grundsätzliche Bereitschaft für das Hinterfragen tradierter Lebensmuster sind unverzichtbar für ein gelingendes Selbstmanagement. Die technischen Hilfsmittel erleichtern den Wissenserwerb und die Zusammenarbeit in Netzwerken orts- und zeitunabhängig und auch grenzüberschreitend. Jedoch stellt die Wissensflut, täglich erscheinen ca. 20.000 wissenschaftliche Publikationen (Wiater, 2007, 40), ein Problem dar. Internet und Suchmaschinen bieten unendlich viele Daten und Informationen. Sozialpsychologische Studien zeigen, dass immer mehr Menschen an Informationsüberflutung leiden. Dies führt zu einer Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit, auch Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit sind Folgen dieser Überforderung (Lehner, 2008, 7 u.8). Zu den wichtigen Kompetenzen zählen heute u. a. die richtigen Fragen zu stellen, Informationen auszuwählen, gezielt zu filtern und selektieren zu können. Ein professioneller und systematischer Umgang mit Wissen ist notwendig geworden.

1.2 Bedeutung von Wissen in der Schule

Die Schule ist ein Subsystem unserer Gesellschaft. Als Teilsystem grenzt sich die Schule mittels eigener Strukturen und Regeln von der Gesellschaft ab. Die Schule erbringt für die Gesellschaft verschiedene Leistungen, um deren Fortbestand zu sichern. Die Funktionen der Schule in der Gesellschaft sind erstens die Qualifikation der Heranwachsenden durch Vermittlung von Fertigkeiten und Fähigkeiten, damit sie Beruf und Alltag bewältigen können. Zweitens erfolgt in der Schule eine Personalisation mittels Erziehung und Bildung in demokratischer Weise. Das Einführen in die Werte und Normen der Gesellschaft entspricht der dritten Funktion, der Sozialisation. Bei der vierten Funktion, der Enkulturation, erlernen die jungen Gesellschaftsmitglieder die traditionellen Werte der Kultur. Die fünfte Funktion entspricht einer Form der Selektion. Das Schulwesen regelt den Zugang der jungen Gesellschaftsmitglieder zur strukturierten Bildungshierarchie (Wiater, vhb, 2004). Schule und Gesellschaft interagieren und kommunizieren miteinander auf reziproke Weise. Die Erfüllung dieser Funktionen gibt der Schule die Legitimation ihres Daseins. Dafür erhält die Schule von der Gesellschaft die nötigen Rahmenbedingungen wie Gebäude, Lehr- und Lernmittel, Personal, normative Vorgaben und Lehrpläne.

Die fünf Funktionen der Schule zeigen auf, dass das Basisgeschäft der Schule die professionelle Vermittlung von Informationen in Verbindung mit Erziehungsleistungen ist. So bauen die Schüler und Schülerinnen Wissen auf, bzw. konstruieren Wissen und erlangen daraus in Verbindung mit der Entfaltung eigener Werthaltungen Bildung. Ziel der Schule ist die Mündigkeit der heranwachsenden Generation, damit sie bereit und fähig ist, ihren Anteil an der Verantwortung für die Gesellschaft mitzutragen.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muss die Schule offen sein für die Gesellschaftsentwicklungen. Neue Erkenntnisse aus den verschiedenen Wissenschaftszweigen Psychologie, Pädagogik, Neurologie und Soziologie fließen in das Bildungswesen ein und innovative Kulturtechniken (Umgang mit elektronischen Medien und neuen Arbeitsmethoden) erobern die Schulen. Die Schule wandelt sich, wie auch die Gesellschaft, und der systematische und professionelle Umgang mit Wissen ist für diese Schulentwicklung essentiell.

2. Entstehung von Wissen und Wissensarten

2.1 Von den Daten über Informationen zum Wissen

Um dem Wissensbegriff eine einheitliche Bedeutung zu verleihen, muss zuerst auf die Entstehung von Wissen verwiesen werden. Daten werden aus einem Zeichenvorrat gebildet. Dies können Zahlen, Buchstaben und auch Symbole sein, z. B. U, E, S, 1, 4,... Aus losen Zeichen entstehen durch Syntax sinnvolle Daten (Wörter, Sätze, Zahlen und Kombinationen), z. B. 1,45, USD, EUR,... Diese Daten sind noch unstrukturiert und isoliert. Setzt man sie jedoch in einen sinnvollen Kontext, entsteht Information, z. B. Devisen Kurs am 22.09.08: 1 EURO = 1,45 US Dollar... Erst der Mensch transformiert Informationen durch Vernetzung mit seinem Erfahrungswissen in personales Wissen, z. B. der Dollar sank weiter im Wert und der EURO ist eine starke und stabile Währung... Die strukturgenetische Sichtweise führt die „Veränderung kognitiver Strukturen auf die aktive und subjektive Konstruktion durch Individuen zurück.“ (Reimann, 2004, 18). Das erkennende Subjekt konstruiert sein Wissen individuell, speichert es ab und verändert es mit jedem Denkprozess aufs Neue. Information ist also nicht gleichzusetzen mit verfügbarem Wissen. Erst im Kontext mit Semantik und Werthaltungen wird Information zum Wissen, das zur Handlungskompetenz befähigt. In diesem Zusammenhang darf auch diskutiert werden, ob wir tatsächlich auf dem Weg zu einer Wissensgesellschaft oder zu einer Informationsgesellschaft sind (Kübler, 2005).

[...]

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Details

Titel
Wissensmanagement im Rahmen der Schulentwicklung
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V158769
ISBN (eBook)
9783640723928
ISBN (Buch)
9783640724093
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissensmanagement, Rahmen, Schulentwicklung
Arbeit zitieren
Katharina Schurr (Autor), 2008, Wissensmanagement im Rahmen der Schulentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158769

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