Bronze - Beitrag zur Technikgeschichte


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
36 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Historisches zur Bronze

Überblick zur Verwendung von Kupfer und Zinn in der Antike

Begriffsbestimmung der Bronze

Charakteristik der die Legierung Bronze bildenden Metalle Kupfer und Zinn

Das Legierungsmetall Kupfer

Das Legierungsmetall Zinn

Die Legierungselemente Phosphor, Zink, Blei, Nickel, Eisen und andere Elemente

Die industrielle Herstellung und Behandlung der Zinnbronzen

Knetlegierungen

Gusslegierungen

Kurzer allgemeiner Überblick zum gegenwärtigen Bronzeeinsatz

Überblick zu den gängigen, genormten Kupfer-Zinn-Knet- und Gußlegierungen

Anwendungsbeispiele für Bronzen

Literaturempfehlungen zur Bronze

Vita des Autors

Veröffentlichungen des Autors

Abstract

Einleitung

Im Beitrag wird die aus dem einzig rot aussehenden Buntmetall Kupfer mit dem zu der Gruppe der sieben Metallen der Antike gehörenden silbrig schimmernden Zinn entstehende Bronze betrachtet.

Behandelt werden die Begriffsbestimmung der Bronze, die Charakteristik der die Legierung Bronze bildenden Metalle Kupfer und Zinn, außerdem ist Bedeutsames zu diesen beiden Elementen in Thesen gefaßt. Vermittelt wird auch die Bedeutung der Legierungselemente Phosphor, Zink, Blei, Nickel, Eisen und einiger anderer Elemente für den Gebrauchswert der Zinnbronzen. Ebenso wird ihre industrielle Herstellung und Behandlung kurz dargestellt. Zum Inhalt gehört gleichsam ein Überblick zur Verwendung von Kupfer und Zinn in der Antike und Gegenwart. Eingebunden in diese Publikation ist auch eine kurze Übersicht zu den gängigen, genormten Kupfer-Zinn-Knet- und Gußlegierungen. Überdies werden in dieser Veröffentlichung dem Leser auch einige Literaturempfehlungen zur Bronze gegeben.

Historisches zur Bronze

Der Gebrauch der Bronze ist uralt, ihre Herstellung reicht bis in die ältesten Zeiten hinauf und erforderte sowohl für Geräte und Waffen sowie Schmuck und Kunstartikel mannigfache Erfahrungen. Gefundene Pfeilspitzen weisen auf die Verwendung von Zinn in Bronzen um 4000 v. u. Z. hin. Solche enthielten bisweilen auch Blei, eine zu dieser Zeit rein zufällige Beimischung bzw. als Verunreinigungen auch die Metalle Zink, Eisen, Silber. Alte indische Bronzen haben sogar bis acht Prozent Eisen, altjapanische ebenso Anteile von Silber, Gold. Zur Bronze kam es, als die Erzkünstler nach Wegen suchten, das schwer schmelzbare Kupfer brauchbarer zu machen. Erzielt wurde es mit den zur Verfügung stehenden Metallen und Erzen. Wo Zinn fehlte, nutzten sie auch Blei-, Zink-, Antimon- oder Arsenerze[1]. Mittels Gießen entstanden Metallartikel bedeutend schneller, einfacher, in nur einem Arbeitsgang[2].

Genutzt wurde Bronze früh von Assyrern, Chinesen, Babyloniern, Indern, Persern, Ägyptern. Letztere stellten sie 2000[3] bzw. um 1500 v. u. Z.[4] her. Aus allen diesen Kulturen sind Bronzeerzeugnisse überliefert[3], wie Nadeln, Pinzetten, Äxte, Beile, Sicheln, Keile, Reife, Armspiralen, Wendelringe etc.[4]. Zur Meisterschaft entwickelte sich das Bronzegießen in China um 1550 v. u. Z. Nachweislich wurde es da ab 1500 v. u. Z. mit höchstem Aufwand für Form, Dekoration, Beschriftung betrieben[5]. Über Bronze schreibt Homer (etwa im 8. Jh. v. u. Z.) in dem Poem des Krieges 'Ilias' und dem des Friedens 'Odyssee', speziell über den vom hüftlahmen Gott der Schmiede Hephaistos gefertigten Bronzeschild des Achilles[6]. Ihre schönste Ausbildung erfuhr die Bronze in Griechenland, wo seit der Mitte des 5. Jh. v. u. Z. gegossene Statuen entstanden. Am geschätzten war die Bronze von Korinth, Delos, Ägina[7].

Als bedeutsam von einst gelten zwei etwa zwei Meter große griechische Bronzestatuen, die 1972 auf dem Grund des Ionischen Meeres bei Riace gefundenen wurden. Mit ihnen werden die Grundregeln griechischer Kunst, die 'taxis' und der 'kosmos', sowie ihre unvergleichlichen antiken Meisterwerke, Zivilisation, Kultur belegt [*]. Welche enormen Bronzemengen es im Altertum (um 780 v. u. Z.) gab, darüber wird in[4] berichte. So soll ein assyrischer König in Mussasis 108 Tonnen Barren, 25.212 Schilde und Helme, 304.412 Schwerter, Bögen, Pfeile und andere Waffen wie auch eine 1.800 Kilogramm schwere Kupferstatue des Herrschers Argischti (Argišti, 8. Jh. v. u. Z.) erbeutet haben. Sehr viel Bronze (über 12.500 Kilogramm) sollen auch 292 v. u. Z. beim 30 Meter hohen Koloß von Rhodos verarbeitet worden sein[6].

Zu den bekanntesten antiken Bronzen zählen eine Quadriga von vor 2.000 Jahren in Venedig, die Reiterstatue des Kaisers Mark Aureli, der kapitolinische Dornauszieher, der Septimius Servus in Rom, die beiden Ringer, der schlafende Satyr in Neapel, der betende Knabe in Berlin, die vier Rosse aus byzantinischer Zeit (395-642)[1],[6], die Himmelsscheibe von Nebra (D)[8], der Sonnenwagen von Trundholm (DK)[9]. Aus dem Mittelalter (13. Jh.) ragt der 400 Tonnen bronzene Buddha der japanischen Pagode Todaidschi heraus[6].

de.wikipedia.org/wiki/Bronzestatuen_von_Riace; www.g26ch/italien_kunst_08.html, 09.09.2010.

Bei der Himmelsscheibe, einer zwei Kilogramm schweren, mehrfach warmgeschmiedeten und wärmebehandelten Bronzeplatte mit Einlegeapplikationen aus unlegiertem Goldblech, handelt es sich um eine Bronze mit einem sehr geringen 2,5 % Zinnanteil und einen für die Bronzezeit typisch hohen 0,2 % Arsengehalt. Anhand der mit gefundenen, untersuchten zwei Bronzeschwerter, zwei Beile, einem Meißel, mehrerer Bruchstücke spiralförmiger Armreife und Holzresten, wird vermutet, daß sie etwa um 1600 v. u. Z. vergraben wurde. Ihr datiertes archäologisches Alter liegt vermutlich zwischen 2100 v. u. Z. bis 1700 v. u. Z.[1],[2]. Beim Sonnenwagen, dem Solvognen, handelt es sich um eine etwa 60 Zentimeter lange, aus gegossenen Bronzeteilen zusammengesetzte Skulptur aus der Zeit um 1400 v. u. Z.[3],[2].

Während die Zinnverwendung in China und Indien seit dem 3. Jt. v. u. Z., in Ägypten ab dem 2. Jt. v. u. Z. nachweisbar ist, erscheint es in Mitteleuropa (Schweiz, Schottland, Schweden, Irland, Pommern, Dänemark) um 1800 v. u. Z. Genauerere Datierungen sind schwer, weil aus dem Altertum nur wenige Zinngegenstände erhalten geblieben sind, da eine Vielzahl von ihnen durch Plünderungen der Kulturstätten der Antike verloren gingen, meist unansehnlich oder unmodern gewordene Stücke wieder eingeschmolzen wurden[4],[5], aber auch ein Teil materialbedingt auch durch Zinnpest zerfallen ist[4] bis[7].

Zinnerzeugnisse tauchen in der alten Welt erst wieder im 4. Jh. v. u. Z. in Form von sakralen Grabbeigaben auf. Ebenso wurde in der griechischen und römischen Kultur aus diesem Metall Zinn Tischgerät erschmolzen, die Technik des Verzinnens von Münzen, das Löten von bleiernen Wasserleitungen und Spiegeln entwickelt. Und durch Schriften des berühmten griechischen Arztes Hippokrates (460-370) ist belegt, daß Zinn das gesündeste Metall jener Zeit war und aus ihm folglich ärztliche Geräte und Instrumente daraus gefertigt wurden[8].

Echte Bronzen, sind bis auf die Beile von Non Nok Tha (Thailand) anfangs selten[8], denn die um 3000 v. u. Z. möglicherweise in Tepe Yahya bei Kerman (Iran) geschmiedete bronzene Messerklinge enthielt neben 1,1 % Arsen nur 3 % Zinn, ein Meißel 3,7 % Arsen, eine Ahle 0,3 %. Ob die Struktur der ältesten Bronzeobjekte mit Arsen, das weiches Kupfer (Brinellhärte 30) erst zur Bronze (Brinellhärte 120 bis 230) macht, bewusst hergestellt wurde oder zunächst immer nur eine glückliches Zufallsprodukt war[4],[7], ist bisher nicht eindeutig geklärt. Einen zur Härtung gerade ausreichenden Arsengehalt von 0,8 % weist eine frühe Ahle aus Çayönü (Ober-Mesopotamien) auf, während eine dort mit gefundene Nadel arsenfrei war. Nach[4] soll es auch Bronzen mit bis zu 12 % Arsenanteil gegeben haben. Ebenso sollen auch nickelhaltige Erze bewusst beigefügt worden sein[8].

Als sicher angenommen wird[4], daß bei den Churritern, Semitern, Hethitern, Sumerern, Assyrern, Juden, Ägyptern die Metallformung von Kupfer und der später vermutlich zufällig entdeckten Bronzen bekannt war und mit hoher Kunstfertigkeit betrieben wurde.

Im 3. bis 2. Jt. v. u. Z. kamen die Kupfer-Zinn-Legierung mit zumeist 10 % Zinn hinzu. So wurde im Königsfriedhof von Ur (Irak) und bei Kish (Iran) Bronzegeräte gefunden, die sowohl Arsen und Zinn enthalten. Zinngehalte von 12 % waren seltener, und ägyptische Bronzen hatten teils Zinngehalte von 2 bis 16 %[1]. Mit Normalbronze wurde eine Legierung bestehend aus 86,6 Kupfer, 6,6 Zinn, 3,5 Blei und 3,3 Zink um 1885 bezeichnet[2].

Warum Arsen schließlich durch das kostbare Zinn ersetzt wurde, ist bis heute noch unklar[1]. Womöglich spielte auch die Farbgebung von Arsen, das der Bronze ein silbriges Aussehen, und von Zinn, welches ihr ein goldenes Aussehen gibt[2], eine Rolle. Hinzuzufügen ist, Bronze ist mit 99 bis 90 Prozent Kupfer kupferrot oder dunkel rotgelb, mit 88 orangegelb, mit 85 rein gelb, mit 80 gelblichweiß, von da an weiß, bei 50 bis 35 grauweiß, bei noch geringerem Kupfergehalt wieder weiß und zinnähnlich[1],[3] bis [5]. Z ur spürbaren Ablösung der Kupferlegierungen mit Arsen, Antimon, Silber, Blei durch Zinn kam es erst von 2500 bis 1500 v. u. Z. mit dem einsetzenden Fernhandel von Erzen und Metallen[1] bis[5].

Es war auch die Zeit, wo Schmelzer, Schmiede, Bronzearbeiter dieser frühen Zeit erkannten, daß sich zinnärmere Legierungen (< 6 %) noch kalt durch Hämmern härten bzw. zinnreichere (> 8 %, günstiger bis 13 %) besser schmelzen und gießen sowie in der Hitze (500 bis 600 °C) durch Schmieden bearbeiten und ebenso mit zunehmenden Zinngehalt (> 6 %), sinkendem Schmelzpunkt (< 850 °C) meist, da sie von Natur aus härter waren, weniger bis gar nicht kalt hämmern lassen. Aus der Empirie erwuchs die Erkenntnis, daß sich Bronzen mit Zinngehalten von 10 bis 14 Prozent kalt bearbeitbar sind, und diese Zusammensetzung wurde zur Regel[2].

Sehr zeitig war auch eine Hartbronze bekannt, die für Prägestempel und Feilen genutzt wurde. Von ihr ist nicht bekannt, wie die Härte (chemisch oder mechanisch) erzielt wurde[4]. Etwa ab 1300 v. u. Z. orientierte sich die Verwendung von Bronze insbesondere auf die Herstellung von Gegenständen (wie Gefäße, Münzen, Utensilien, Standbilder, Reliefs, Glocken, Waffen, Geschütze), welche zu diesem Zeitpunkt aus Eisen schwer oder gar nicht gegeben war[4]. Bronzegießer schufen stets Bestaunenswertes, so auch die Zarenkanone (die größte bronzene Feuerwaffe mit einem Kaliber von 82 cm) wie auch die 1735 gegossene größte Glocke der Welt (Höhe 6,14 m, Durchmesser 6,60 m, Masse 202 t) im Moskauer Kreml[3],[6].

Bronzen zu Münzen und Medaillen verarbeitet, enthalten fünf bis zwölf Prozent Zinn, die englische oft ein wenig Blei oder Zink, französische meist fünf Prozent Zinn. Spiegelmetall enthält etwa 30 bis 39 % Zinn, oft auch Zink, Arsen, Silber, Nickel, z. B. Teleskopspiegel aus 68,82 % Kupfer; 31,18 % Zinn, Hohlspiegel aus 69 % Kupfer und 28,7 % Zinn sowie mit 38,8 % Zinn; 2,2 % Zink; 1,9 % Arsen. Letzteres macht die Bronze dichter, fester, erhöht die Lichtreflektion und zeichnet sie durch weiße Farbe, höchste Politur aus[1],[7]. Auch Zusätze von etwa zwei Prozent Nickel, Platin oder Silber erhöhen das Bronzereflektionsvermögen[7].

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert nahm der Bronzebedarf speziell in Frankreich,

Österreich, Deutschland, zu. Im Mittelpunkt standen Erzeugnisse wie Spiegel, Kaminvasen, Kaminvorsetzer, Ofenschilde, Kronleuchter, Spiegel, Blumenbecken, Arm-, Stand- sowie Wandleuchter, Standuhren, Teller, Wandteller, Lampen, Vasen, Bowlen, Kannen, Kassetten, Schreibintenour, Fahnenhalter, Türgriffe, Beschläge etc. Neben Gegossenem etablierte sich auch Gestanztes aus Bronze, was möglich wurde durch die Einführung von zinn- und zinkhaltigerer, dem Messing nahestehender, relativ weicher, preiswerter zu bearbeitenden Bronze. Hergestellt wurden aus diesem stanzbaren Material u. a. verzierte Gebrauchs- und Ziergeräte, wie Teekessel, Kaffemaschinen, Schlüsseln[1] bis[3].

Späte große Bronzearbeiten sind die krönende 8,30 Meter hohe, 35 (40) Tonnen[4],[5] schwere, vergoldete Skulptur Viktoria auf der von 1864 bis 1873 erbauten 66,89 Meter hohen Berliner Siegessäule, das 45,16 Meter hohe Monument El Ángel de la Independencia[6] mit der vergoldeten 6,70 Meter hohen, sieben Tonnen schweren Statue in Mexiko-Stadt beim Paseo de la Reforma, das Reitermonument Kurfürst Friedrich Wilhelm II. (1620-1688), der alte Fritz, Unter den Linden in Berlin, wofür lt. Rechnungen 524 Zentner Kupfer und Messing und 50 Zentner Zinn gekauft wurden[7], das 7,10 Meter hohe, rund 40 Tonnen schwere Karl-Marx-Monument, der Nischel, in Chemnitz[8]. Letztendlich gilt es hier auch das 68 Meter hohe, einhundert Tonnen schwere, aus 108 Segmenten bestehende US Marine Corps War Memorial aus Bronze in Brooklyn, New York, das breit als die berühmteste Bronzestatue in den USA und der Welt gilt[9],[10],[11], hier aufzuführen.

Und auch dies sollte noch ausgesprochen werden, mit der Verfügbarkeit der Bronze entwickelten sich sowohl die blanken Waffen, wie Äxte, Pfeile, Spieße, Speere, Lanzen, Schwerter, Dolche etc., wie auch die schützenden Teile der Bewaffnung, wie Helme, Schilde, Harnische, Panzerungen. Hergestellt wurden diese Waffen von Metallformern mit hohem Wissen und Können beim Umgang mit Bronzen. Schwertschmiede bzw. Schwertfeger waren es, die diese bronzenen Kampfwaffen über Jahrtausende hinweg weiterentwickelten[3],[10].

Da schon von diesen Waffenschmieden frühzeitig erkannt wurde, daß die Festigkeit von Bronzeklingen gesteigert werden kann, wenn sie warm behandelt und kalt hämmern werden, waren diese kaltverfestigten Bronzen bis in die 2. Hälfte des 1. Jahrtausends v. u. Z. noch härter als das aufkommende Eisen[3],[12]. Somit waren da die Bronzewaffen auch noch die entscheidenden blanken Waffen. Mit den aufkommenden Schusswaffen in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Verbindung steht ein deutlicher Rückgang von diesen, ob aus Bronze, ob aus Eisen, Gusseisen bzw. Stahl. Dank der Bronzegießer und Waffenschmiede blieben blanke Jahrhunderts in Verbindung steht ein deutlicher Rückgang von diesen, ob aus Bronze, ob aus

Eisen, Gusseisen bzw. Stahl. Dank der Bronzegießer und Waffenschmiede blieben blanke Waffen bis heute erhalten, indem sie zuerst Kampfwaffen in eine Zusatzbewaffnung wandelten und folgend auch noch Prunk- und Repräsentationswaffen schufen[1].

Hinweise über Metallkanonen (möglicherweise in Bronze) führen in das Jahr 1326 und nach Florenz[2],[3]. Ihre Herstellung und Anwendung in Bronze ist für das Spätmittelalter (1250 bis 1500) allgemein bekannt. Auch der achtkantige Lauf der ersten nachgewiesenen (etwa um das Jahr 1350 hergestellten) europäische Handfeuerwaffe, die Tannenberg-Büchse, aus der ostpreußischen Burg Tannenberg, bestand aus Bronze[4].

Für Deutschland sind sowohl namhafte Bronze- und Geschützgießereien um 1400 in Augsburg und Nürnberg wie auch 1401in Marienburg (Westpreußen) ausgewiesen, die bronzene Geschützrohre zu gießen verstanden[2].

Daß für Feuerwaffen viel Bronze erforderlich war, zeigen die folgenden Beispiele. So wurden für die Riesenkanone Faule Mette von Braunschweig aus dem Jahr 1411 (Kaliber 760 mm, Länge 2.900 mm) rd. 8.000 Kilogramm[5] benötigt, für die burgundische Bombarde aus dem Jahr 1474 (Kaliber 226 mm; Gesamtlänge 2.548 mm) waren es 2.441 Kilogramm; für die Bombarde des Johanniterordens vom Ende des 15. Jahrhunderts (Kaliber 580 mm, Länge 1.920 mm) 3.325 Kilogramm[3], für die Kartaunen des 15./16. Jahrhunderts (Kaliber 120 bis 220 mm, Rohrlängen 17 Zoll) etwa 1.500 bis 4.000 Kilogramm[6], für die Scharfmetze von 1524 auf der Festung Ehrenbreitstein 10.000 Kilogramm[7], für die Zarenkanone Puschka (Kaliber 890 mm; Außendurchmesser 1.200 mm, Rohrlänge 5.340 mm) von 1586, die vermutlich nie schoss, sogar 39.312 Kilogramm[1],[8].

Bronze wurde für Geschütze nicht nur wegen ihrer bedeutenden Zähigkeit auch noch im 19. Jahrhundert verwendet, sondern insbesondere weil unbrauchbar gewordene bronzene Rohre bzw. ganze Kanonen sich mit geringem Materialschwund zum Neuguss wieder verwenden lassen. Nachteilig bei ihr ist das werkstoffbedingte Ausschießen, ein Ausschmelzen von Zinn aus der Bronze, verbundenen mit einer Verringerung an Treffsicherheit. Und durch Weiten von Geschützrohren aus Bronze (bestehend aus 92-90 % Kupfer und 8-10 % Zinn) erhielt diese eine Verdichtung, Festigkeit, Härte, Zähigkeit, die dem Gussstahl ähnlich ist[2],[3]. In Deutschland wurden solche Hartbronzerohre (Stahlbronzerohre) seit 1878 hergestellt. Trotz der Etablierung des Flussstahles verwandten um 1887 die europäischen Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Russland, Spanien, England für das Rohrmetall von Geschützen auch noch Hartbronze, ihre Gewichte lagen zwischen 299 bis 487 Kilogramm[2].

Um 1925 wurde bei den Bronzen unterschieden in Walzbronze mit 94 Kupfer und 6 Zinn; Phosphorbronze mit 89 Kupfer, 10 Zinn, 1 Phosphorkupfer (vierprozentig); Maschinenbronze hart mit 87 Kupfer, 9 Zinn, 4 Zink, weich mit 85 : 22 : 4; Flanschenbronze mit 91 : 5 : 4;

hart mit 87 Kupfer, 9 Zinn, 4 Zink, weich mit 85 : 22 : 4; Flanschenbronze mit 91 : 5 : 4; Glockengut 75 bis 80 Kupfer : 25 bis 20 Zinn; Kanonengut 90 bis 91 : 10 bis 9; Hartbronze 92 : 8; Madaillienbronze 90 bis 98 : 10 bis 2; Münzbronze 92 bis 92 : 8 bis 5; Spiegelmetall bis 65 : 35[1].

Daß Bronze ein klingendes Metall ist wurde früh und überall erkannt[2]. Mit ihren rund 11.700 Kilogramm und 2,58 Meter Durchmesser zählt die Marie Gloriosa aus dem Erfurter Dom mit zu den zehn größten Glocken, neben: Zar Kolokol (202.000 Kilogramm; Moskau; 1733), Die Dicke (rd. 114.000, Kaisertempel Osaka, 1900), Die Große (62.500, Glockentempel Peking, 1403), World Peace Bell, Millenniumsglocke (33.285, Newport, Kentucky, 1998), St. Peter, auch Petersglocke, Decken Pitter (24.200, Köln, 1924), Pummerin (21.380, St. Stephansdom Wien, 1711 [Neuguss: 1951]), St. Peter (rd. 16.000, Rom, 1775), Marie (12.800, Paris, 1680), Große Glocke (10.550, Berner Münster, 1611)[3].

Und mit der Verfügbarkeit der Bronze entwickelten sich blanke Waffen, wie Äxte, Pfeile, Spieße, Speere, Lanzen, Schwerter, Dolche etc., sowie schützende Teile der Bewaffnung, wie Helme, Schilde, Harnische, Panzerungen. Hergestellt wurden sie von Schwertschmieden (den so genannten Schwertfegern und Schildmachern) mit hohem Wissen und Können zum Umgang mit Kupfer-Zinn-Legierungen[4],[5],[6].

Ansehnliche Zeugnisse sind auch ein Hirschzepter aus Alaca Hüyük (um 2400-2500 v. u. Z.), der Bronzekopf eines Königs von Akkad (um 2400 v. u. Z.), eine Tänzerin aus Mohendjo Daro (um 2300 v. u. Z.), ein Bronzehelm des Königs Saradur II. von Urartu. Viel Bronze wurde ebenso bei bronzenen Tempeltoren benötigt[7],[8], wovon die Tür des Tempels des Romulus (4. Jh.) erhalten ist[5]. Bedeutsam sind auch die ehrenen Türen des Pantheon in Rom (erbaut 118-125), deren Flügel 7,27 Meter hoch und 2,15 Meter breit waren, nebst der Bronzeverkleidung der Kuppel, aus der Papst Urban VIII. (1568-1644) im Jahre 1632 achtzig Kanonen und einige Säulen für den Petersdom gießen ließ[8]. Hinzu gehörig sind auch die Türen von St. Mark's Cathedral in Venedig aus Konstantinopel[8],[9].

Zu den aus dem Mittelalter stammenden zählen außerdem die zweiflügelige bronzene 3,93 Meter hohe Wolfstür des Aachener Doms mit Bronzelöwenköpfen als Türknäufen aus der Karolinger Zeit (um 800)[7],[10], die auf das Jahr 1015 datierte zweiflügelige bronzene Bernwardstür im Westportal des Hildesheimer Doms (mit den Maßen links 472 x 125 cm und rechts 472 x 114,5 cm)[7],[11], das Bronzeportal des 1065 geweihten ottonischen Doms[12], die romanische Bronzetür im Südportal der Kathedrale in Gnesen (Gniezno, Polen)[13]

aus der Zeit zwischen 1160 und 1180, deren linker Flügel aus einem einzigen bronzenen Gussteil von 328 x 84 x 1,5 cm besteht und deren rechter Flügel von fast gleichem Ausmaß aus 24 Gussteilen zusammengefügt ist[1],[2], die berühmte, vermutlich zwischen 1152 und 1156 in Magdeburg gegossene, Bronzetür der Sophienkirche in Nowgorod (Russland)[1],[3]. Übrigens, korinthische Bronzetüren sollen möglicherweise Türflügel mit der Größe von 2,31 x 9,24 x 0,06 Metern und einem Gewicht bis zu zehn Tonnen besessen haben[4].

[...]


[1] Meyers Lexikon, Bronze, Zweiter Band, Sp. 916/917, Leipzig: Bibliographisches Institut 1925.

[2] Einsiedel, R.: Kunsthandwerkliche Kupferschmiedearbeiten, Leipzig: Fachbuchverlag 1988.

[3] Schilling, M.: Glocken und Glockenspiele, Rudolstadt: Greivenverlag 1985.

[4] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.

[5] Wilsdorf, H.: Montanwesen – Eine Kulturgeschichte, Leipzig: Edition Leipzig 1987.

[6] Spiridonov, A. A.: Kupfer in der Geschichte der Menschheit, Leipzig: Dt. Verl. f. Grunstoffindustrie 1982.

[7] Meyers Konversations-Lexikon, Bronze, Dritter Band, S. 459/461, Leipzig: Bibliographisches Institut 1886.

[8] Himmelsscheibe von Nebra, de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra, 09.09.2010.

[9] Sonnenwagen von Trundholm, de.wikipedia.org/.../Sonnenwagen_von_Trundholm, 09.09.2010. [*]

[1] Himmelsscheibe von Nebra, de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra, 09.09.2010.[2] Bronze, de.wikipedia.org/wiki/Bronze, 09.09.2010.

[3] Sonnenwagen von Trundholm, de.wikipedia.org/.../Sonnenwagen_von_Trundholm, 09.09.2010.

[4] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.[5] Meyers Konversations-Lexikon, Bronze, 3. Band, Seiten 459/461, Leipzig: Bibliographischen Instituts 1886.[6] Einsiedel, R.: Kunsthandwerkliche Kupferschmiedearbeiten, Leipzig: Fachbuchverlag 1988. [7] Engels, S.; Nowak, A.: Auf der Spur der Elemente, Leipzig: Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie 1983.

[8] Wilsdorf, H.: Montanwesen – Eine Kulturgeschichte, Leipzig: Edition Leipzig 1987.

[1] Meyers Konversations-Lexikon, Bronze, 3. Band, Seite 459/461, Leipzig: Bibliographischen Instituts 1886.

[2] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.

[3] Engels, S.; Nowak, A.: Auf der Spur der Elemente, Leipzig: Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie 1983.

[4] Wilsdorf, H.: Montanwesen – Eine Kulturgeschichte, Leipzig: Edition Leipzig 1987.

[5] Spittel, M.: Metalle im Altertum, Wiss. U. Fortschritt 15(1965), H. 10, S. 442.

[6] Spiridonov, A. A.: Kupfer in der Geschichte der Menschheit, Leipzig: Dt. Verl. f. Grunstoffindustrie 1982.

[7] Meyers Lexikon, Zweiter Band, Bronze, Sp. 916/1917, Leipzig: Bibliographisches Institut 1925.

[1] Meyers Konversations-Lexikon, Bronze, III. Band, S. 459/461, Leipzig: Bibliographischen Instituts 1886.

[2] Meyers Lexikon, Zweiter Band, Bronze, Sp. 916/917, Leipzig: Bibliographisches Institut 1925.

[3] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.

[4] Berliner Siegessäule, de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Siegessäule, 06.09.2010.

[5] Restaurierung der Berliner Siegessäule, mdr sachsenspiegel vom 02.09.2010.

[6] El Ángel de la Independencia, de.wikipedia.org/…/ El_Ángel_de_la_Independencia, 06.09.2010.

[7] Einsiedel, R.: Kunsthandwerkliche Kupferschmiedearbeiten, Leipzig: Fachbuchverlag 1988.

[8] Karl-Marx-Monument, de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Monument, 18.09.2010.

[9] US Marine Corps War Memorial,de.wikipedia.org/./United_States_Marine_Corps_War_Memorial, 6.9.10.

[10] United States Marine Corps War Memorial ..., www.flickr.com/photos/wallyg/3655504025/, 06.09.2010.

[11] The Marine Corps War Memorial, www.marines.mil/unit/barracks/pages/warmemorial.aspx , 06.09.2010.

[12] Engels, S.; Nowak, A.: Auf der Spur der Elemente, Leipzig: Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie 1983.

[1] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.

[2] MKL, Bd. 7, 1887, Die Anfertigung der Geschütze, S. 218/220, Geschichtliches S. 221/223.

[3] ML, Bd. 5, 1926, Die Bestandteile der Geschütze, Sp. 50/54, Geschichtliche Entwicklung, Sp. 54/61.

[4] Faule Mette – Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Faule_Mette, 08.09.2010.

[5] Kartaune – Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Kartaune, 08.09.2010.

[6] Scharfmetze – Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Scharfmetze, 08.09.2010.

[7] Werkstatt eines Stückgießers, www.vdsk.eu/Galerie/Geschützgalerie.htm, 08.09.2010.

[8] Spiridonov, A. A.: Kupfer in der Geschichte der Menschheit, Leipzig: Dt. Verl. f. Grunstoffindustrie 1982.

[1] Meyers Lexikon, Zweiter Band, Bronze, Sp. 916/917, Leipzig: Bibliographisches Institut 1925.

[2] Schilling, M.: Glocken und Glockenspiele, Rudolstadt: Greifenverlag 1985.

[3] Geschichtlicher Überblick zur Entwicklung von Bronzeglocken, GRIN-Verlag; Archivnummer: V142071.

[4] Lietzmann, K.-D.; Schlegel, J.; Hensel, A. Metallformung, Leipzig: Dt. V. f. Grundstoffindustrie 1983.

[5] MKL, Bd. 7, 1887, Die Anfertigung der Geschütze, S. 218/220, Geschichtliches, S. 221/223.

[6] ML, Bd. 5, 1926, Die Bestandteile der Geschütze, Sp. 50/54, Geschichtliche Entwicklung, Sp. 54/61.

[7] Bronzetür, de.wikipedia.org/wiki/Bronzetür, 09.09.2010.

[8] Pantheon in Rom, en.wikipedia.org/wiki/Pantheon,_Rome, 09.09.2010.

[9] Mittelalterliche Bronze Doors in italienischen Kirchen, 09.09.2010.

[10] www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?, 09.09.2010.

[11] Bernwardstür, de.wikipedia.org/wiki/Bernwardstür, 09.09.2010.

[12] Bronzetür des Augsburger Domes, de.wikipedia.org/.../Bronzetür_des_Augsburger_Domes, 09.09.2010.

[13] Gnesener Bronzetür, de.wikipedia.org/wiki/Gnesener_Bronzetür, 09.09.2010.

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Details

Titel
Bronze - Beitrag zur Technikgeschichte
Veranstaltung
Technikgeschichte
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V158771
ISBN (eBook)
9783640728312
ISBN (Buch)
9783640728381
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bronze, Kupfer, Zinn, Metallurgie, Bronzekunst, Bronzeglocken, Bronzewaffen
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing., Dr.-Ing. Wolfgang Piersig (Autor), 2010, Bronze - Beitrag zur Technikgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158771

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