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Ansprache der Mittelschicht in Wahlprogrammen

Eine Analyse zur Europawahl 2024 und Bundestagswahl 2021

Title: Ansprache der Mittelschicht in Wahlprogrammen

Master's Thesis , 2025 , 99 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Anonym (Author)

Communications - Media and Politics, Politic Communications
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In dieser Masterarbeit wird die politische Ansprache der deutschen Mittelschicht in den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2021 und zur Europawahl 2024 untersucht. Theoretische Grundlage ist die Unterscheidung von Hyperkultur und Kulturessenzialismus durch Andreas Reckwitz, ergänzt um Ulrich Becks Konzept der Risikogesellschaft, das globale Unsicherheiten und Transformationsprozesse in den Mittelpunkt stellt. Durch eine qualitative Inhaltsanalyse, die sowohl deduktive als auch induktive Kategorien bildet, wurden zentrale narrative Strategien der Parteien identifiziert und deren Anpassung an nationale im Vergleich zu transnationalen Kontexten untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass progressive Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen und die FDP die Mittelschicht als eine dynamische, innovationsgetriebene Zielgruppe definieren und dabei insbesondere die Themen Digitalisierung, ökologische Modernisierung und europäische Integration hervorheben. Im Gegensatz dazu fokussieren sich konservative Akteure wie CDU/CSU und AfD in erster Linie auf traditionelle, identitätsstiftende Narrative, mit dem Ziel, nationale Stabilität und Souveränität zu fördern. Ein Vergleich der Wahlprogramme auf nationaler und europäischer Ebene zeigt, dass sich nationale Programme vorrangig auf konkrete Maßnahmen zur sozialen Sicherung und Absicherung konzentrieren, während in europäischen Programmen transnationale Herausforderungen und globale Modernisierungsprozesse eine größere Bedeutung erhalten.
Diese Untersuchung trägt nicht nur zur Erweiterung des bestehenden theoretischen Rahmens bei, sondern leistet auch einen Beitrag zur politischen Kommunikationsforschung in einem zunehmend vernetzten europäischen Mehrebenensystem.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gesellschaftskonzeption von Andreas Reckwitz

2.1. Die Logik des Allgemeinen versus die Logik des Besonderen

2.2. Kulturalisierung in Form von Hyperkultur und Kulturessenzialismus

2.2.1. Kulturalisierung in der Logik der Singularität

2.2.2. Hyperkultur und Kulturessenzialismus

2.3. Der Wandel der Gesellschaft

2.3.1. Die nivellierte Mittelstandsgesellschaft der industriellen Moderne

2.3.2. Der Wandel zur spätmodernen Gesellschaft der Singularitäten

2.3.3. Die neue Mittelklasse

2.3.4. Die alte Mittelklasse

2.3.5. Die neue Unterklasse

2.4. Fazit

3. Becks Theorie der Risikogesellschaft

3.1. Theorie der Risikogesellschaft

3.2. Reflexive Modernisierung

3.3. Individualisierung sozialer Ungleichheiten

3.4. Weltrisikogesellschaft

3.5. Fazit und Implikationen für die Analyse politischer Programme

4. Forschungsstand zu den Theorien von Reckwitz und Beck

4.1. Reflexion und Forschungsstand der Theorien von Reckwitz

4.2. Reflexion und Forschungsstand der Theorien von Beck

4.3. Fazit

5. Bundestagswahl und Europawahl

5.1. Bundestagswahl 2021 – Kontext und Implikationen

5.2. Europawahl 2024 – Kontext und Implikationen

6. Methode und Operationalisierung

6.1. Wahlprogramme als Analysegegenstand

6.2. Kategorisierung der Parteien

6.3. Forschungsleitende Annahmen

6.4. Methodisches Vorgehen und Entwicklung des Analyseinstruments

7. Qualitative Inhaltsanalyse

7.1. Analyse der Wahlprogramme zur Bundestags- und Europawahl

7.1.1. Analyse der Bundestagswahlprogramme 2021

7.1.2. Analyse der Europawahlprogramme

7.1.3. Vergleichende Analyse der Wahlprogramme

7.2. Diskussion und Reflexion der Ergebnisse

8. Limitationen

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie deutsche politische Parteien die Mittelschicht in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2021 und zur Europawahl 2024 adressierten. Im Zentrum steht die Untersuchung, ob und wie Parteien dabei zwischen nationalen und europäischen Kontexten unterscheiden und welche kommunikativen Strategien im Spannungsfeld von gesellschaftlichem Wandel und individueller wie globaler Risikowahrnehmung Anwendung finden.

  • Gesellschaftstheoretische Analyse von Reckwitz (Hyperkultur/Singularisierung) und Beck (Risikogesellschaft).
  • Vergleich der politischen Kommunikation auf nationaler versus europäischer Ebene.
  • Identifizierung narrativer Strategien zur Ansprache der Mittelschicht durch progressive und konservative Parteien.
  • Methodische Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Untersuchung politischer Wahlprogramme.
  • Untersuchung der Bedeutung von Digitalisierung, Klimawandel und Identitätsdiskursen für die moderne politische Themenbesetzung.

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Logik des Allgemeinen versus die Logik des Besonderen

Ein wiederkehrendes Element in Reckwitz' Theorie ist die Verwendung von Dualismen und Gegenüberstellungen, wobei eine zentrale Unterscheidung diejenige zwischen der ‚Logik des Allgemeinen‘ und der ‚Logik des Besonderen‘ ist. Letztere steht in einer antagonistischen Beziehung zur ersteren und prägt damit die Struktur der gesellschaftlichen Moderne (vgl. Rosa & Reckwitz, 2021). „Die Logik des Allgemeinen ist mit dem gesellschaftlichen Prozess der formalen Rationalisierung verknüpft, die Logik der Singularitäten mit einem Prozess der Kulturalisierung“ (Reckwitz, 2017, S. 27).

Die ‚Logik des Allgemeinen‘ versteht Reckwitz als den Kern der klassischen, industriellen Moderne von den 1950er- bis zu den 1970er-Jahren. Sie sei ein Prozess der formalen Rationalisierung, Generalisierung und Standardisierung von gesellschaftlichen Prozessen, mit dem Ergebnis, dass sich berechenbare Regelungen und Handlungsweisen herausbildeten. Den Begriff der ‚Logik des Allgemeinen‘ versteht Reckwitz als grundlegender und weitreichender als den Prozess der ‚funktionalen Differenzierung‘, mit dem die Moderne häufig assoziiert wird (vgl. Reckwitz, 2017). Institutionen wie das Bildungssystem, der Wohlfahrtsstaat und industrielle Arbeitsplätze spielten hierbei eine zentrale Rolle, indem sie große Bevölkerungsgruppen in ein möglichst homogenes soziales und ökonomisches System integrierten (vgl. Reckwitz, 2017; Rosa & Reckwitz, 2021). Der Begriff ‚Institution‘ wird in dieser Arbeit weit gefasst und umfasst nicht nur formell organisierte Einrichtungen wie Schulen, sondern auch informelle soziale Arenen, in denen normative Strukturen und Routinen etabliert sind. So tragen beispielsweise der Wohlfahrtsstaat und industrielle Arbeitsplätze als normative Rahmenbedingungen zur Strukturierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens bei und fördern die Integration großer Bevölkerungsgruppen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtung der Herausforderungen für die Mittelschicht in Europa und Deutschland sowie Vorstellung der Forschungsfragen und Zielsetzung hinsichtlich der politischen Ansprache.

2. Die Gesellschaftskonzeption von Andreas Reckwitz: Theoretische Einführung in den Übergang von der Industriemoderne zur Spätmoderne und die Bedeutung der Logik der Singularität für die soziale Schichtung.

3. Becks Theorie der Risikogesellschaft: Erläuterung der Bedeutung globaler Unsicherheiten, der Individualisierung von Risiken und der Auswirkungen auf die politische Kommunikation.

4. Forschungsstand zu den Theorien von Reckwitz und Beck: Kritische Reflexion der theoretischen Konzepte unter Berücksichtigung aktueller Forschung sowie Stärken-Schwächen-Analyse.

5. Bundestagswahl und Europawahl: Darstellung des politischen Kontextes der Bundestagswahl 2021 und der Europawahl 2024 als Hintergrund für die Programmanalyse.

6. Methode und Operationalisierung: Detaillierte Erläuterung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und Entwicklung des spezifischen Kategoriensystems zur Programmuntersuchung.

7. Qualitative Inhaltsanalyse: Empirischer Kernteil mit Analyse der Wahlprogramme, deren Vergleich sowie die Diskussion der Ergebnisse im Kontext des theoretischen Rahmens.

Schlüsselwörter

Mittelschicht, Reckwitz, Ulrich Beck, Risikogesellschaft, Hyperkultur, Wahlprogramme, politische Kommunikation, Singularisierung, qualitative Inhaltsanalyse, Bundestagswahl 2021, Europawahl 2024, soziale Ungleichheit, Identitätspolitik, Transformation, Mehrebenensystem

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit befasst sich mit der politischen Art und Weise, wie deutsche Parteien die Mittelschicht in ihren Wahlprogrammen für wichtige Wahlen definieren und ansprechen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen den Strukturwandel der Gesellschaft (Singularisierung), den Umgang mit globalen Risiken (Risikogesellschaft) und die Auswirkungen der Globalisierung auf nationale und europäische Politik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, wie Parteien ihre Kommunikationsstrategien anpassen, um eine heterogene Mittelschicht zu mobilisieren, und wie sich die Ansprache im nationalen Vergleich zum europäischen Kontext unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um ein deduktiv-induktiv entwickeltes Kategoriensystem auf die Wahlprogrammtexte anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Darstellung des politischen Kontextes beider Wahlen sowie die eigentliche empirische Analyse der Wahlprogramme nationaler Parteien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Mittelschicht, Hyperkultur, Risikogesellschaft, politische Kommunikation und qualitative Inhaltsanalyse charakterisieren.

Wie unterscheiden sich progressive von konservativen Parteien in der Ansprache?

Während progressive Parteien die Mittelschicht vorrangig über Innovation, Diversität und globale Vernetzung definieren, fokussieren konservative Parteien auf traditionelle Werte, nationale Stabilität und identitätsstiftende Kontinuität.

Warum ist der Vergleich zwischen Bundestagswahl und Europawahl von Bedeutung?

Der Vergleich macht deutlich, wie Parteien ihre Narrative flexibel anpassen: Nationale Programme betonen stärker soziale Sicherheitsversprechen, während Europawahlprogramme transnationale Dynamiken wie den Klimawandel stärker hervorheben.

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Details

Title
Ansprache der Mittelschicht in Wahlprogrammen
Subtitle
Eine Analyse zur Europawahl 2024 und Bundestagswahl 2021
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Sozialwissenschaften)
Grade
1,5
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2025
Pages
99
Catalog Number
V1588042
ISBN (PDF)
9783389132616
ISBN (Book)
9783389132623
Language
German
Tags
Gesellschaftskonzeption Kulturalisierung Hyperkultur Kulturessenzialismus Singularität Wandel der Gesellschaft Mittelstandsgesellschaft Risikogesellschaft Individualisierung soziale Ungleichheit Bundestagswahl Europawahl Wahlprogramme CDU CSU AfD Partei Bundestag europa Reckwitz Soziologie SPD FDP BSW Populismus Politik Politikwissenschaft qualitativ Inhaltsanalyse Mayring Kuckartz Gesellschaft Wahl Kategoriensystem qualitative Inhaltsanalyse Mitte der Gesellschaft Mittelschicht Risiko Ulrich Beck Beck Weltrisikogesellschaft Individuum Unsicherheit Globalisierung
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GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2025, Ansprache der Mittelschicht in Wahlprogrammen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1588042
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