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Was sind Spezies? Eine kritisch-posthumanistische Replik

Título: Was sind Spezies? Eine kritisch-posthumanistische Replik

Tesis (Bachelor) , 2020 , 32 Páginas , Calificación: 1

Autor:in: Anonym (Autor)

Filosofía - Otras
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Wie unabhängig sind etwa Spezies innerhalb der Zeit und untereinander. Was sagt dies über ihr Sein aus? Was sind Arten? Sind sie lediglich wissenschaftliche Konstrukte oder doch real? Wenn ja, auf welche Weise? Wie hängen diese Fragen mit dem Umgang mit und unter ihnen, und damit verbunden einer Ethik der Arten, zusammen?

Diese und ähnliche Fragen werden in dieser Arbeit aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht. Zunächst wird die Sichtweise der Philosophie der Biologie, wie sie von Peter Godfrey-Smith dargestellt wird, behandelt, einschließlich der dort aufgeworfenen Fragen und Antworten zum Begriff der Spezies. In diesem ersten Kapitel werden verschiedene Unterscheidungsmerkmale zwischen Spezies vorgestellt, wobei jedes dieser Merkmale Schwierigkeiten bei der Einordnung bestimmter Spezies aufweist. Dadurch rückt die Frage nach der Brauchbarkeit der Kategorie „Spezies“ in den Fokus und leitet über zur weiterführenden Frage, was Spezies eigentlich sind. Zum Abschluss des Kapitels werden diese Fragestellungen im Hinblick auf die Darstellung und das Verhältnis von einzelnen Organismen und Spezies anhand eines Stammbaums des Lebens erneut aufgegriffen und beantwortet.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
  • Kapitel 1: Was sind Spezies?
    • Über Spezies – Kriterien zur Unterteilung
    • Über Spezies – Ontologischer Status
    • Über Spezies - Der Baum des Lebens
  • Kapitel 2: Karen Barads Agentischer Realismus
    • Agentischer Realismus - Hinführung
    • Agentischer Realismus - Neuer Rahmen
    • Agentischer Realismus - Queere Natur
  • Kapitel 3: Donna Haraways Situiertes Wissen
    • Situiertes Wissen - Vision
    • Situiertes Wissen - Selbst
    • Situiertes Wissen – materiell-semiotischer Akteur
  • Kapitel 4: Schluss
  • Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die grundlegende Frage „Was sind Spezies?“ aus verschiedenen philosophischen Blickwinkeln, insbesondere im Kontext des kritischen Posthumanismus. Sie problematisiert gängige Definitionen und den ontologischen Status von Spezies, um einen verantwortungsvollen und ethischen Umgang mit der Einteilung von Lebensformen zu entwickeln.

  • Kritische Analyse traditioneller Spezieskonzepte in der Philosophie der Biologie.
  • Erforschung von Karen Barads agentischem Realismus als Rahmen für das Verständnis von Spezies und wissenschaftlichen Praktiken.
  • Beleuchtung von Donna Haraways Konzept des situierten Wissens und seine Implikationen für Objektivität und Erkenntnis.
  • Hinterfragung der Dichotomien von Natur und Kultur im Kontext der Artenklassifikation.
  • Entwicklung einer Ethik der Spezies, die materielle, kulturelle und relationale Abhängigkeiten berücksichtigt.
  • Diskussion der menschlichen Exzeptionalität im Kontext der Artenvielfalt.

Auszug aus dem Buch

Über Spezies – Kriterien zur Unterteilung

Auf die Frage, wie Arten als solche eingeteilt werden können, ist die älteste Antwort ein morphologisches (engl: typololigcal) Konzept (Godfrey-Smith 2004: S.100). Diese zumindest bis auf Aristoteles zurückgehenden Versuche Arten aufzuteilen, sehen Organismen als Teil einer Gruppe, ihrer Spezies, mit der sie gewissen Eigenschaften teilen. Spezies wiederum teilen sich Eigenschaften mit anderen und bilden höhere Einheiten, wie Familien, Ordnungen oder Reiche. Dieses wahrscheinlich auf den ersten Blick bekannte, essentialistische Modell führt spätestens angesichts Darwinistischer Evolutionsbiologie zu Problemen (Godfrey-Smith 2014: S.101). Denn darin sind Arten in stetiger Veränderung begriffen, die es ihnen erlaubt natürlicher Selektion zu trotzen und genug Nachwuchs zu zeugen. Damit gehen Evolution und Essenzen angesichts der Veränderungen, die alle Spezies unentwegt durchlaufen, nur schwer Hand in Hand, obwohl dies nicht zu einem Ausschluss des morphologischen Modells führt. Eine Anpassung an diese veränderte Ausgangslage kann es so sein, nicht mehr eine Liste an unveränderlichen Merkmalen zu erstellen, sondern im Gegenteil Arten nach genereller Übereinkunft (orig: overall similarity) einzuordnen (Godfrey-Smith 2014: S.101). Dies findet anhand einer Gruppe an Eigenschaften statt und bündelt Organismen damit zu Arten zusammen. Dies wird als phenetic view bezeichnet. Doch ergeben sich ebenso für dieses Modell Probleme (Godfrey-Smith 2014: S. 101f). So gibt es viele unterschiedliche Arten von Fruchtfliegen, die dieselben Bündel an Eigenschaften vorweisen. Obwohl diese Kritik ein anderes Konzept von Arten voraussetzt (die verschiedenen Fruchtfliegenarten sind nur eine Art), gibt es in Bezug auf viele Fischarten Unterschiede zwischen als männlich und weiblich markierten Fischen, darunter etwa Anglerfischen (Godfrey-Smith 2014: S. 102).

Eine andere Möglichkeit der Unterteilung schlägt Godfrey-Smith darin vor, Arten in reproduktive Gemeinschaften einzuteilen (Godfrey-Smith 2014: S.102). Höhere Einheiten wären, dieser Analyse nach, allein fiktive Ansammlungen von real existierenden Arten. Ernst Mayr, der als einer der bekanntesten Befürworter dieses Systems vorgestellt wird, gibt dafür die folgende Einteilung: „groups of actually or potentially interbreeding natural populations which are reproductively isolated from other such groups.” (Mayr in Godfrey-Smith 2014: S. 102). Diese Definition geht durch die Betonung der Möglichkeit im Gegensatz zum tatsächlich stattfindenden reproduktiven Erfolg dem Einwand voraus, dass es innerhalb von Populationen immer Individuen gibt, die sich selbst nicht reproduktiv miteinander verbinden können, und doch gemeinsame Nachkommen haben können, wie viele als gleichgeschlechtlich markierte Individuen innerhalb von Spezies.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Stellt die Forschungsfrage "Was sind Spezies?" vor und beleuchtet die vielschichtigen Probleme bei der Definition biologischer Arten, führt in die philosophischen Perspektiven von Godfrey-Smith, Barad und Haraway ein und betont die ethischen Implikationen.

Kapitel 1: Was sind Spezies?: Untersucht die Sicht der Philosophie der Biologie, insbesondere von Peter Godfrey-Smith, bezüglich der Kriterien zur Einteilung von Arten und deren ontologischem Status, wobei verschiedene Spezieskonzepte und ihre Grenzen beleuchtet werden.

Kapitel 2: Karen Barads Agentischer Realismus: Erörtert Karen Barads agentischen Realismus, der die Trennung von Materiellem und Kulturellem aufhebt und eine relational-ontologische Perspektive auf Spezies und wissenschaftliche Praktiken bietet, einschließlich der ethischen Dimension von Grenzziehungen.

Kapitel 3: Donna Haraways Situiertes Wissen: Präsentiert Donna Haraways Konzept des situierten Wissens als Kritik am objektivistischen Blick und plädiert für eine partiale, verkörperte Objektivität, die die Wirkmächtigkeit von Wissensobjekten und deren materiell-semiotische Konstitution hervorhebt.

Kapitel 4: Schluss: Fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, indem es einen "unruhigen, agentischen Blick auf Spezies" postuliert, der die Komplexität und Relationalität von Spezies anerkennt und eine untrennbare Verbindung zwischen Ethik, Ontologie und Wissen betont.

Schlüsselwörter

Spezies, Arten, Philosophie der Biologie, Posthumanismus, Agentischer Realismus, Situiertes Wissen, Ontologie, Epistemologie, Karen Barad, Donna Haraway, Peter Godfrey-Smith, Evolution, Grenzziehungen, Materielle Praktiken, Verantwortung, Ethik, Kritter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Frage, was biologische Spezies sind, und kritisiert traditionelle Definitionsansätze aus einer posthumanistischen Perspektive, um zu einem verantwortungsvolleren Verständnis von Arten und ihren ethischen Implikationen zu gelangen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Philosophie der Biologie, die Kritik an klassischen Spezieskonzepten, der agentische Realismus von Karen Barad, das situierte Wissen von Donna Haraway sowie die ethischen und ontologischen Aspekte von Artenklassifikationen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Frage "Was sind Spezies?" umfassend zu untersuchen, die Grenzen bestehender Arteneinteilungen zu problematisieren und eine kritisch-posthumanistische Replik auf diese Frage zu formulieren, die auch ethische Dimensionen einbezieht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine philosophisch-analytische Methode, die auf der Analyse und Kritik bestehender Konzepte der Philosophie der Biologie sowie den theoretischen Rahmen des agentischen Realismus und des situierten Wissens aufbaut.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt zuerst die Kriterien zur Unterteilung und den ontologischen Status von Spezies nach Peter Godfrey-Smith, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse von Karen Barads agentischem Realismus und Donna Haraways situiertem Wissen im Hinblick auf die Speziesfrage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Spezies, Philosophie der Biologie, Posthumanismus, Agentischer Realismus, Situiertes Wissen, Ontologie, Epistemologie, Grenzziehungen und Ethik.

Wie problematisiert die Arbeit traditionelle Speziesdefinitionen?

Die Arbeit zeigt auf, dass morphologische, reproduktive und phylogenetische Spezieskonzepte an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, die Vielfalt des Lebens (z.B. bei Bakterien oder asexuellen Organismen) eindeutig zu klassifizieren, und hinterfragt deren zeitliche und ontologische Stabilität.

Welche Rolle spielt die Ethik im Verständnis von Spezies in dieser Arbeit?

Ethik wird in der Arbeit als untrennbar mit epistemologischen und ontologischen Fragen verbunden betrachtet. Es geht um die Verantwortung, die mit dem Ziehen von Grenzen und dem Umgang mit Spezies einhergeht, und darum, wie dies den Blick auf menschliche und nicht-menschliche Akteure prägt.

Inwiefern unterscheidet sich der "agentische Realismus" von Barad von einem naiven Realismus oder Sozialkonstruktivismus?

Barads agentischer Realismus vermeidet beide Extreme, indem er weder eine unabhängige, objektiv existierende Welt postuliert (naiver Realismus) noch die Realität rein als soziale Konstruktion betrachtet (Sozialkonstruktivismus), sondern materielle und kulturelle Kräfte in der Erzeugung von Ontologie als "Intraaktionen" zusammenführt.

Was versteht Donna Haraway unter "situiertem Wissen" und wie kritisiert sie den "göttlichen Trick"?

Haraway versteht situiertes Wissen als eine partielle, verkörperte Perspektive, die Objektivität durch die Anerkennung vielfältiger, begrenzter Blickwinkel erreicht. Sie kritisiert den "göttlichen Trick" als die Illusion eines allmächtigen, distanzierten Blicks von nirgendwo, der Machtstrukturen verfestigt und die eigene Position und deren Implikationen verleugnet.

Final del extracto de 32 páginas  - subir

Detalles

Título
Was sind Spezies? Eine kritisch-posthumanistische Replik
Universidad
University of Vienna  (Philosophie)
Curso
180076 KU Kritischer Posthumanismus - Einführung (2019W)
Calificación
1
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2020
Páginas
32
No. de catálogo
V1589408
ISBN (Ebook)
9783389132159
ISBN (Libro)
9783389132166
Idioma
Alemán
Etiqueta
Posthumanismus Wissenschaftsphilosophie
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2020, Was sind Spezies? Eine kritisch-posthumanistische Replik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1589408
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