Beschäftigt man sich mit der Kultur und der Literatur der fruühen Neuzeit, so richtet man den Fokus grob gesagt auf eine zeitliche Epoche, die den Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit markiert, also einen Zeitraum der ungefähr mit dem auslaufenden 14. Jahrhundert beginnt. Einzelne Abschnitte innerhalb der Epoche der Frühen Neuzeit stellen die Renaissance, der Humanismus, die Reformation sowie der Barock dar. Die Frühe Neuzeit als eine Epoche zwischen dem 15. und 18. Jh. zu betrachten, ist natürlich einerseits sehr ungenau, jedoch ist es andererseits auf diese Weise möglich, sämtliche Strömungen und Epochen dieser Zeit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es ist eine Zeit, die in erster Linie von großen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Umwälzungen betroffen war, und die den einzelnen Menschen aus seiner bisherigen Unmündigkeit mehr und mehr befreite und ihm individuelle Verantwortung übertrug. Timon Kaleyta.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frühe Neuzeit: Epochenübergang und gesellschaftliche Dynamisierung
3. Die Rolle der Prosadialoge in der Reformationsbewegung
3.1 Charakteristika und Funktion der Prosadialoge
3.2 „Eckius Dedolatus“ als antireformatorische Satire
3.3 Politische Dimension: Der „Karsthans“
3.4 „Von dem großen Lutherischen Narren“: Thomas Murner als Gegenspieler
4. Dramatische Gattungen: Vom Fastnachtsspiel zum Schuldrama
4.1 Das Fastnachtsspiel: Ursprung und Ausprägungen
4.2 Weiterentwicklung durch Burkhard Waldis und Paul Rebhun
4.3 Mitleidsästhetik und klassizistische Elemente bei Rebhun
4.4 Das Schultheater als rhetorisches Bildungsinstrument
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen konfessionellen Programmen, politischen Konzepten und der dramatischen Literatur in der Epoche der Frühen Neuzeit, wobei der Fokus auf der Instrumentalisierung literarischer Gattungen zur gesellschaftlichen und religiösen Einflussnahme liegt.
- Wandel gesellschaftlicher Strukturen und individuelle Selbstgestaltung
- Die Funktion des Prosadialogs als reformatorisches Propagandamittel
- Transformation biblischer Stoffe für ein volkssprachliches Publikum
- Entwicklung dramatischer Gattungen unter moralischen und didaktischen Aspekten
- Rhetorische Bildung und Schultheater als Instrumente der Zeit
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Prosadialoge in der Reformationsbewegung
So etablierten sich im Zuge der Reformationsbewegung, welche durch Martin Luther im 16. Jh. eingeläutet wurde, zunächst die sog. Prosadialoge. Diese sind im Grunde zwar keine wirkliche dramatische Gattung, allerdings besitzen sie teilweise dramatische Elemente, da sie, wie der Name bereits verrät, in Dialogform verfasst sind. Allerdings fehlen ihnen jegliche klassischen Elemente des Dramas. Die Prosadialoge erfuhren im Zuge der Reformation sehr große Beliebtheit. So wurden sie sowohl auf Seiten der Lutheraner, wie auf Seiten seiner ärgsten Gegner, dazu verwendet, eindeutig religiös-politische Botschaften zu transportieren. Sie wurden kostenlos, wie Flugschriften, verbreitet und waren auf Erkenntnis und Belehrung ausgerichtet.
Diese Methode eines belehrenden Gesprächs geht ebenfalls auf eine antike Vorlage zurück. So wurde dies schon bei Lukian und Cicero im zweiten Jahrhundert nach Christus praktiziert. Der Prosadialog stellte die wichtigste Waffe der Reformation dar, um die Missstände in der katholischen Kirche den Menschen vor Augen führen zu können. Wichtige Fürkämpfer der Reformation, welche sich dieser Prosadialoge bedienten, waren beispielsweise Hans Sachs, Ulrich von Hutten oder Willibald Pirckheimer, von welchem höchst wahrscheinlich der wohl bekannteste reformatorische Prosadialog, der „Eckius Dedolatus“, stammt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die zeitliche Einordnung der Frühen Neuzeit und deren Kennzeichnung durch gesellschaftliche Umbrüche.
2. Die Frühe Neuzeit: Epochenübergang und gesellschaftliche Dynamisierung: Analyse des Übergangs vom Spätmittelalter, der Dynamisierung der Ständegesellschaft und der neuen Möglichkeit zur individuellen Biographiegestaltung.
3. Die Rolle der Prosadialoge in der Reformationsbewegung: Untersuchung der Prosadialoge als zentrales Instrument der religiös-politischen Auseinandersetzung zwischen Lutheranern und der katholischen Kirche.
4. Dramatische Gattungen: Vom Fastnachtsspiel zum Schuldrama: Darstellung der Entwicklung von Fastnachtsspielen hin zu didaktischen Dramen und dem Schultheater zur rhetorischen Ausbildung.
Schlüsselwörter
Frühe Neuzeit, Reformation, Prosadialog, Fastnachtsspiel, Humanismus, Luther, Moralische Lehre, Schultheater, Sola fidae, Mitleidsästhetik, Satire, Rhetorik, Literaturgeschichte, Dramatik, Biblische Stoffe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Literatur der Frühen Neuzeit und analysiert, wie diese als Medium für religiöse Reformprogramme und politische Konzepte genutzt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der gesellschaftliche Wandel durch die Reformation, die Entwicklung literarischer Gattungen wie Prosadialog und Fastnachtsspiel sowie deren didaktische Nutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Dramatik und dialogische Texte zur Vermittlung christlicher Glaubensinhalte und zur politischen Meinungsbildung eingesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit der Untersuchung spezifischer Gattungsmerkmale verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Prosadialogen als Instrument der Reformation, die Analyse von Fastnachtsspielen und die Erörterung des späteren Schuldramas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Reformation, Prosadialog, Mitleidsästhetik, Humanismus und das Konzept der „sola fidae“.
Welche Rolle spielt der „Karsthans“ innerhalb der reformatorischen Literatur?
Er gilt als der erste volkssprachliche Prosadialog und zeichnet sich durch seine politische Sprengkraft aus, da er dem einfachen Bauern eine argumentative Teilhabe an biblischen Diskursen ermöglicht.
Wie unterscheidet sich das Schuldrama von früheren Formen?
Das Schuldrama integrierte klassizistische Elemente, wie die fünfgliedrige Akteinteilung und die Mitleidsästhetik, und diente primär der rhetorischen Ausbildung.
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- Bachelor of Arts Timon-Karl Kaleyta (Autor), 2005, Konfessionelle Programme und philosophische und politische Konzepte in der Dramenliteratur der frühen Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158940