Michel Foucault's Machtbegriff


Seminararbeit, 2003
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Problemstellung
2.1 Neue Ordnungsvorstellung
2.2 Macht/ Wissen- Komplex

3. Macht und Repression
3.1 Foucaults Machtverständnis in „ Der Wille zum Wissen“
3.2 Die Repressionshypothese
3.3 Diskursivierung

4. Sexualität und Machteinfluss
4.1 Das Sexualdispositiv
4.2 Machteinfluss

5. Biomacht

6. Zusammenfassung

7. Kritische Anmerkungen zu Foucault
7.1 Fink- Eitel’s Frage der Gegenmacht
7.2 Kögler und Foucaults Machtverständnis
7.3 Marti’s Formalitätskritik

1. Einleitung

In den nachfolgenden Ausführungen wird sich mit dem ersten Band des Forschungsunternehmens „ Sexualität und Wahrheit“ von Michel Foucault beschäftigt. Es handelt sich um das 1976 erschienene Werk „ Der Wille zum Wissen“ ( WzW) Mit diesem Band wird erst der Rahmen für eine „ großangelegte Geschichte der Sexualität“ ( Marti: 97) abgesteckt. Es bildet die Einleitung und stellt das methodische Gerüst dar, dabei sind die Schlusskapitel als die Hauptsache des Buches zu betrachten, da erst dort der interpretative Rahmen entfaltet wird. Man sollte „ Der Wille zum Wissen“ demnach eigentlich vom Ende her lesen ( Kögler: 99) Wie vielleicht der Titel den Leser vermuten lässt, handelt es sich bei Foucaults vorliegendem Werk nicht um die Darstellung der Geschichte der sexuellen Verhaltensweisen, sondern wie diese Gegenstand des Wissens wurden und wie schließlich diese Wissensformen mit Machtpraktiken verbunden werden. Foucault behandelt die Sexualität als historisch besondere Erfahrung ( Fink-Eitel: 79) Im Mittelpunkt seiner Ausführungen steht die kritische Auseinandersetzung mit der Annahme, dass die moderne Sexualität durch Verbote, Tabuisierungen und Ausschließungen geprägt ist ( Lemke: 128) und damit einen Bestandteil der Repressionshypothese darstellt. Doch dieses Unterdrückungsmodell ist für Foucault nicht zureichend, es erfasst nicht die Bedeutung der Sexualität ( Kögler: 100) und erklärt nicht ausreichend das Verhältnis von Sexualität und Macht.

Im folgenden werden Foucaults Argumentationslinien für einen Macht- Wissen- Komplex angeführt, welche dann schließlich in der Form der modernen Biomacht enden werden, welche nicht als Unterdrückung denn Befreiung empfunden wird. Durch seine verwendete enge Verbindung von Begrifflichkeiten und deren gegenseitige Abhängigkeit und Bedingung soll an dieser Stelle auf den Aufbau der vorliegenden Arbeit hingewiesen werden, die sich zunächst mit seiner allgemeinen Problemstellung befasst, sich anschließend mit dem Machtverständnis Foucaults beschäftigt, in einem weiteren Schritt mit der Einführung der Begriffe Diskurs und dem Sexualdispositiv, welche dann in einem letzten Schritt über die vier strategischen Komplexe zur Biomacht führen. Anschließend werden verschiedene kritische Ansätze von einigen Autoren angeführt.

2. Problemstellung

2.1 Neue Ordnungsvorstellung

In der frühen Neuzeit kam es zur Herausbildung einer neuen Ordnungsvorstellung, die den mittelalterlichen Begriff des Ordnens ablösen sollte. Hintergrund dieser „ Neuentdeckung“ waren ein ebenso neues Menschen- und Gesellschaftsbild. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Vorstellung wurden die Menschen nicht als ursprünglich soziale und in der Gemeinschaft lebenden Wesen betrachtet, sondern vielmehr als kämpferische Naturen, die sich in einem permanenten Krieg aller gegen alle befinden und nur durch einen Vertrag in Übereinkunft gelangen kann ( Hobbes „ Leviathan“, soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden), was nunmehr das Problem der „ Abstimmung oder Anpassung der inneren Ordnung“ ( Türk, Lemke, Bruck ( TLB): 50) aufwarf. So ist die Gesellschaft nicht nach mittelalterlicher Sicht Teil einer göttlichen Vernunft, sondern ein künstliches Werk, dass erst nach Abschluss von Verträgen einzelner Individuen zustande kommt. Damit rückt die Problematik der „ technischen Einrichtung“ ( TLB: 50) des Staates in den Vordergrund und das moderne Ordnen als Aktivität aufgefasst wird, in dem ein bewusster Einsatz rationaler Mittel für die Erreichung der Ziele stattfindet. Vor diesem Hintergrund werden die sozialen Beziehungen als kontingent und zerbrechlich wahrgenommen und bedürfen ihrer Formierung, Regulierung und Disziplinierung. Zu diesem Zweck werden in der frühen Neuzeit Erziehungsmechanismen und Sozialisationsinstanzen immer wichtiger, damit die Untertanen durch eine sittliche Erziehung zu „ christlich- nützlichen“ Staatsbürgern heranreifen.

2.2 Macht/ Wissen- Komplex

Im gleichen Atemzug rückte die Bevölkerung mehr und mehr in den Blickpunkt der Analyse, denn ihre quantitative und qualitative Charakteristika erlaubten es, sie als Gegenstand einer ganzen Wissenschaft einzurichten. Die bereits im 18. Jahrhundert aufkommende Bevölkerungspolitik ( oder Biopolitik nach Foucault) hatte zum Ziel, das Leben zu verwalten, zu sichern und zu bewirtschaften. Zu diesem Zwecke wurde sie umfassenden Regelungen und einer detaillierten Überwachung durch die Policey unterworfen, und der Einzelne stand unter permanenter Aufsicht und peinlicher Kontrolle ( TLB: 60) Diese Entwicklung war nur durch die Einsicht möglich, dass die Eigenschaften des Menschen, seine Tugenden und Fähigkeiten nicht angeboren sind, sondern erst in einem Prozess entworfen und ausgeformt werden können bzw. müssen.

Wenn wir an dieser Stelle zu Foucault zurückkehren, stellt er fest, dass sich das menschliche Subjekt im Bedingungskreis der Macht- und Wissensgeschichte befindet und sich die Sexualität als historisch besondere Erfahrung auf drei Achsen steht: Wissen, Macht, Subjektivität, welche gleichzeitig den Gegenstandsbereich der Philosophie Foucaults darstellen. Er knüpft mit „ Der Wille zum Wissen“ an seinen Macht/ Wissen- Komplex seit „ Überwachen und Strafen“ an und führt das innovative Regime von Macht- Wissen- Lust ein, welches als neue Komponente des gesellschaftlichen Steuerungssystem betrachtet wird ( Jäger: 110)

„ Warum hat man von der Sexualität gesprochen, was hat man davon gesagt?

Welche Machtwirkungen wurden von dem Gesagten ausgelöst? Welche Verbindungen

gab es zwischen den Diskursen, den Machtwirkungen und den Lüsten, die sie

besetzten? Welches Wissen bildete sich darüber? Kurz, es geht darum, das Regime

von Macht- Wissen- Lust in seinem Funktionieren und in seinen Gründen zu bestimmen,

das unserem Diskurs über die menschliche Sexualität unterliegt.“

( WzW: 21)

3. Macht und Repression

3.1 Foucaults Machtverständnis in „ Der Wille zum Wissen“

Wie eingangs schon erwähnt, ist im vorliegenden Werk der Gegenstand der Kritik von Foucault die Repressionshypothese: Macht als Repression, Herrschaft, Nein- Sagen und Verbieten, auch in Anlehnung an Freud und Marx: Macht als Klassenherrschaft. Obwohl Foucault diese These zunächst selbst vertreten hat, ist für ihn als Konsequenz aus seiner neuen Machttheorie seit „ Überwachen und Strafen“ Macht umgekehrt etwas Positives und besitzt Produktivität, da sie integrierende Auswirkungen inne hat ( Fink- Eitel: 82) Macht ist also nicht bestimmt durch ein souveränes Herrschaftszentrum, wo das Gesetz die Gesellschaft von oben nach unten durchdringt und sie legitimiert wird durch Eigentum, Potenz und Vermögen. Macht ist ein Krieg aller gegen alle, ein Gesamtzusammenhang ereignis- und augenblickshafter Konfrontationen von Körpern. Sie dringt von unten nach oben und kommt von innen her.

„ Die Machtbeziehungen verhalten sich zu anderen Typen von Verhältnissen (...)

nicht als etwas Äußeres, sondern sind ihnen immanent (...) Die Macht kommt von

unten, d.h. sie beruht nicht auf der Matrix einer globalen Zweiteilung, die Beherrscher

und Beherrschte einander entgegensetzt und von oben nach unten auf immer

beschränktere Gruppen und bis in die letzten Tiefen des Gesellschaftskörpers aus-

strahlt. Man muss eher davon ausgehen, dass die vielfältigen Kräfteverhältnisse, die

sich in den Produktionsapparaten, in den Familien, in den einzelnen Gruppen und

Institutionen ausbilden und auswirken, als Basis für weitreichende und den gesamten

Gesellschaftskörper durchlaufende Spaltungen dienen.“

( WzW: 115)

Den Widerstand zur Macht bildet die Gegenmacht. Sie dient zur Mobilität der Macht, damit diese nicht erstarrt. Somit wir die Macht von zwei Seiten determiniert: die verschiedenen Kräfteverhältnisse und die Widerstandspunkte. Diese doppelte Determinierung ist für Foucaults Machttheorie zwingend notwendig ( Jäger: 114)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Michel Foucault's Machtbegriff
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Staatstheorie II Wissen und Macht
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V15899
ISBN (eBook)
9783638208895
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michel, Foucault, Machtbegriff, Seminar, Staatstheorie, Wissen, Macht
Arbeit zitieren
Alexandra Schwerin (Autor), 2003, Michel Foucault's Machtbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15899

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