Dramatische Ironie in "El Castigo sin Venganza"


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Lope als Dramatiker

3. Dramatische Ironie in El Castigo sin Venganza
a. Pfister- der Versuch einer Definition
b. Textbeispiele aus El castigo sin Venganza
i. Einzelne Verweise und situationsgebundene 6 diskrepante Informiertheit
ii. Cuentecillos

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das Ziel der folgenden Arbeit ist die Untersuchung des Dramas El Castigo sin Venganza auf Elemente dramatischer Ironie. Einleitend werde ich Lope de Vega und sein Werk El Castigo sin Venganza in seinen historischen Kontext einbetten und eine Zusammenfassung des Stückes anfügen.

Anschließend unternehme ich den Versuch einer Definition dramatischer Ironie mithilfe von Manfred Pfisters Abhandlung „Das Drama“, das als Leitfaden zur Dramenbeschreibung und -analyse genutzt werden kann.

Nach dieser Vorarbeit widme ich mich dem Kernpunkt der vorliegenden Arbeit: ich werde konkrete Textstellen im Stück ausfindig machen, die besonders bedeutsam für das Stück und besonders dramatisch-ironisch sind. Ich teile sie in Textstellen, die durch eine bestimmte Anordnung von Informationsvergabe dramatisch-ironisch sind und in cuentecillos ein, die einen Exkurs von der eigentlichen Rahmenhandlung darstellen.

Zu untersuchen dabei sind die Anordnung dramatisch-ironischer Textstellen, die Verteilung auf sprechende Personen, die verschiedenen Bedeutungsebenen, die dramatische Ironie hervorrufen können und die Thematik dramatischer Ironie.

2. Lope als Dramatiker

Das spanische Drama des Barock verband volkstümliche mit humanistischen Elementen. Während die geistlichen Spiele katholisch-kirchliche Themen behandelten, war das weltliche Drama (Comedia) vom Widerstreit der beiden Hauptwerte Liebe und Ehre beherrscht.

Lope Félix de Vega Carpio (1562-1635) war um 1600 der führende Literat Spaniens und einer der angesehensten Dramenautoren seiner Zeit.

Neben seinen zahlreichen lyrischen Werken soll Lope de Vega über 1500 Theaterstücke geschrieben haben (Autos sacramentales,

Entremeses, v.a. Comedias), von denen etwa 450 überliefert sind. Darunter fällen auch Ehrendramen wie El Caballero de Olmedo (1615)

und El Castigo sin Venganza (1631).

1609 verfasste Lope de Vega die poetologische Abhandlung Arte nuevo de hazer comedias en este tiempo über die Kunst des Stückeschreibens bezugnehmend auf Aristoteles Poetik von 335 v Chr., in der er Stellung zu seiner comedia nueva nimmt. Lope prägte die Theaterentwicklung und etablierte das Drama zur dominierenden Literaturgattung.[1] Er schuf mit der neuen Comedia den Typus eines spanischen nationalen Theaters, der weit bis ins 18. JH wirkte.[2]

Seine Stücke spiegeln die Ideologie Spaniens im Siglo de Oro: Betonung der Ehre und der altchristlichen Blutreinheit, Preisung der feudalen Monarchie, der überkommenen, ländlichen Ordnung sowie des spanischen Imperiums und seiner Vorkämpferrolle in der Gegenreformation.

Das 1631 geschriebene und vier Jahre später veröffentlichte Drama El Castigo sin Venganza ist ein sehr berühmtes Drama Lopes bildet die Basis dieser Arbeit. Es handelt sich um eine besonders zeit- und milieugebundene Tragödie in 3 Akten, die fast ganz in altspanischen Versmaßen der cancioneros geschrieben ist.

Ihre Handlung basiert auf der Novelle des Italieners Bandello, die ihrerseits auf ein historisches Ereignis zurückgeht, abweichend davon jedoch ist die Lösung des Ehrkonflikts bei Lope.[3]

Der Herzog von Ferrara entscheidet sich aus politischen Gründen für die Heirat Casandras, der Tochter des Herzogs von Mantua. Als er ihr seinen Sohn, den Conde Frederico entgegenschickt, rettet dieser auf dem Weg einer schönen, unbekannten Frau, die sich später als seine zukünftige Stiefmutter herausstellt, das Leben. Diese Situation ist der Ausgangspunkt einer gegenseitigen, verbotenen Liebe.

Der Herzog vernachlässigt Casandra kurz nach der Hochzeit, indem er sich seinen gewohnten Liebesabenteuern widmet und wird unterdessen zum päpstlichen Heerführer ernannt, was ihn zu mehrmonatiger

Abwesenheit verpflichtet. Casandra und Frederico geben sich ihrer Liebe füreinander hin, sodass sich bei der Rückkehr des Herzogs ein tragischer Konflikt herangebildet hat. Während Frederico bereit ist sich von der Geliebten zu lösen, insistiert Casandra auf ein Fortbestehen der Beziehung. Nachdem der Herzog verzweifelt eine Auseinandersetzung zwischen Casandra und Frederico belauscht hat, versteht er sich als ausführende Gewalt des Willen Gottes, fesselt Casandra, bedeckt sie mit einem Tuch, ruft Frederico und fordert diesen auf einen angeblichen Verschwörer, der unter dem Tuch läge, zu töten. Als Frederico, wenn auch zögernd, gehorcht, ruft der Herzog die Wachen, erklärt Frederico zum Mörder der Herzogin und lässt diesen auf der Stelle exekutieren. Durch diese List bleibt der Ehrverlust durch das verbotene Liebesverhältnis zwischen Sohn und Ehefrau geheim.

3. Dramatische Ironie in El Castigo sin Venganza

a. Pfister- der Versuch einer Definition

Manfred Pfisters Abhandlung „Das Drama“[4] ist ein Versuch der Beschreibung der Strukturen zur Dramenanalyse in einem übergreifenden System auf kommunikationstheoretischer und strukturalistischer Basis. Er beschreibt die Dramenanalyse nicht historisch- diachronisch, sondern typologisch-systematisch.

Um dramatische Ironie in Lopes Werk El Castigo sin Venganza ausfindig machen zu können, werde ich zunächst die für diese Arbeit relevanten Aussagen des dritten Kapitels über die „Informationsvergabe“ von Pfisters „Das Drama“ resümieren. Anschließend werde ich basierend auf Pfisters Verständnis von dramatischer Ironie ausgewählte Textbeispiele und die Funktion ihrer enthaltenen dramatischen Ironie erklären.

Es gilt die Relationen zwischen Figuren- und Zuschauerinformiertheit zu untersuchen. Sofern sie sich in ihrem Grad nicht gleichen, spricht man von diskrepanter Informiertheit, wobei man Informationsvorsprung der Zuschauer im Verhältnis zur Figur und Informationsrückstand

unterscheidet. Beide rufen im Vergleich zur kongruenten Informiertheit dramatische Ironie hervor.

Nicht zu verwechseln ist dramatische Ironie mit Ironie im Drama, denn letztere sind von einer fiktiven Figur selbst ironisch intendierte sprachliche Äußerungen, deren Ironie vom Zuhörer durchschaut werden soll. Ironie im Drama ist ein ironischer Effekt, der bereits im inneren Kommunikationssystem funktioniert.

[...]


[1] Müller, Stefanie: Der Antikebezug des “Arte nuevo de hacer comedias en este tiempo“ von Lope de Vega –Studienarbeit, Norderstedt: Grin Verlag 2008, S. 2ff.

[2] Der Brockhaus Literatur, Mannheim: Brockhaus ²2004, Artikel: Lope de Vega.

[3] Walter Jens (Hg): Kindlers neues Literaturlexikon, Bd. 17, München: Metzler 1992.

[4] Pfister, Manfred: Das Drama: Theorie und Analyse. München: Fink, ⁶1991.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Dramatische Ironie in "El Castigo sin Venganza"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Literaturwissenschaft
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V159031
ISBN (eBook)
9783640721009
ISBN (Buch)
9783640720910
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dramatische, Ironie, Castigo, Venganza
Arbeit zitieren
Sarah Peters (Autor), 2009, Dramatische Ironie in "El Castigo sin Venganza", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159031

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