Die Familie erhält seit einem Jahr Unterstützung durch die Einrichtung nach §§ 27/32 SGB 8 - Erziehung in einer Tagesgruppe. Amelie besucht dort die Tagesgruppe Sonnenschein, welche Platz für Kinder im Alter von acht bis 13 Jahre bietet. Der Schwerpunkt der Einrichtung liegt auf einer individuellen Förderung der Entwicklung, dem sozialen Lernen innerhalb einer Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und der lntegration in den Stadtteil. Außerdem bietet die Einrichtung Beratung für die Eltern in Erziehungsfragen an. Sie hat das Ziel die elterlichen Erziehungskompetenzen zu fördern und bietet Unterstützung bei einer positiven Kommunikation zwischen Eltern und Kind, sowie der Entlastung der Familie.
Die Methodik der Einrichtung orientiert sich an einer systemischen Grundhaltung, Alltagspädagogik um Strukturen und Alltagswissen vermitteln zu können, Freizeitpädagogik, sowie Beziehungsarbeit und Gruppenarbeit um das Sozialverhalten zu stärken.
lm Rahmen dessen finden regelmäßig freiwillige Beratungsgespräche statt. Diese Gespräche sind darauf ausgelegt, die Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen und ihnen bei auftretenden Problemen beratend zur Seite zu stehen. Das hier beschriebene Gespräch ist jedoch ein außerordentliches Beratungsgespräch, um das Frau B. gebeten hat, da seit kurzer Zeit akute Probleme aufgetreten sind.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Beratungskontext
- 2. Beratungsart
- 3. Zugang und Zugangsschwellen zu den KlientInnen
- 4. Gesprächsanlass und Ziel des Gesprächs
- 5. Gesprächsphasen
- 6. Analyse und Reflexion der einzelnen Gesprächsphasen
- 6.1. Thema Eins
- 6.1.1. aus der Perspektive der Sozialarbeiterin
- 6.1.2. aus der Perspektive der/des Klient:in
- 6.2. Thema Zwei
- 6.2.1. aus der Perspektive der/des Sozialarbeiter:in
- 6.2.2. aus der Perspektive der/des Klient:in
- 6.3. Thema Drei
- 6.3.1. aus der Perspektive der/des Sozialarbeiter:in
- 6.3.2. aus der Perspektive der/des Klient:in.
- 6.1. Thema Eins
- 7. Analyse und Reflexion einer Gesprächssequenz
- 7.1. Die vier Seiten einer Nachricht
- 7.1.1. Gesprächssequenz von mir
- 7.1.2. Gesprächssequenz der Klientin
- 7.2. Kommunikations- und Interaktionsstile
- 7.1.1. Gesprächssequenz von mir
- 7.2.2. Gesprächssequenz der Klientin
- 7.1. Die vier Seiten einer Nachricht
- 8. Analyse des Gesprächs nach möglichen (Standard-)Fehlern
- 9. Fazit
- 10. Literaturverzeichnis
- 11. Anhang
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit, ein Gesprächsprotokoll mit begleitender Reflexion, befasst sich mit einem konkreten Fallbeispiel der Familienberatung. Das primäre Ziel ist es, die Eltern (Frau B. und Herr M.) in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen, gemeinsam neue Lösungsansätze für die Herausforderungen mit ihrer Tochter Amelie zu finden und so eine positive Beziehung zwischen Eltern und Kind zu fördern. Die Arbeit untersucht den Beratungsprozess detailliert aus der Perspektive der Sozialarbeiterin und der KlientInnen und wendet theoretische Kommunikationsmodelle zur Analyse an.
- Detaillierte Analyse eines Beratungsgesprächs und dessen Phasen
- Reflexion aus der Perspektive der beratenden Fachkraft und der KlientInnen
- Anwendung des Kommunikationsmodells „Die vier Seiten einer Nachricht“ von Schulz von Thun
- Identifikation und Diskussion von Kommunikations- und Interaktionsstilen
- Behandlung von Zugangsschwellen und Herausforderungen im Kontext der Familienberatung
- Analyse potenzieller Standardfehler im Beratungsgespräch
Auszug aus dem Buch
7.1. Die vier Seiten einer Nachricht
Der Grundvorgang von zwischenmenschlicher Kommunikation ist der, dass es einen Sender gibt welcher etwas mitteilen möchte. Dies macht der Sender in Form einer Nachricht. Auf der anderen Seite ist der Empfänger der die Nachricht entschlüsseln muss. Wenn der Empfänger nun seine Entschlüsselung wiedergibt kann der Sender überprüfen „ob seine Sende-Absicht mit dem Empfangsresultat übereinstimmt. Eine solche Rückmeldung heißt auch Feedback.“ (Schulz von Thun, 2019a, S. 27).
Die vier Seiten einer Nachricht sind Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell.
Sachinhalt: Nach Redlich (2009) sind Sachverhalte Dinge oder abstrakte Ideen mit dem Ziel des Informationsaustauschs. Menschen gehen davon aus, dass das was die andere Person sagt wahr ist. Die Wahrheit ist deshalb auch das Kriterium für diese Form der Kommunikation. Außerdem wird diese Form der Kommunikation am meisten verwendet (S.12).
Selbstoffenbarung: Bei dieser Form handelt es sich um das Feld der Expression. Aufgabe der Beratung ist es der zu beratenden Personen den Raum zu geben ihr inneres Erleben zum Ausdruck zu bringen (Redlich, 2009, S. 13). Nach Schulz von Thun (2019a) steckt in jeder Nachricht etwas Selbstoffenbarung. Er betont auch, dass es bei dieser Seite einer Nachricht häufig zu Problemen kommen kann (S.29-30).
Beziehung: Aus dieser Seite der Nachricht lässt sich oft durch die gewählten Formulierungen, den Tonfall oder die nonverbale Sprache die Beziehung zwischen Sender und Empfänger herauslesen. (Schulz von Thun, 2019a, S. 30). Bei dieser Art handelt es sich also um die zwischenmenschlichen Beziehungen. In der Beratung, aber auch im Alltag, stellen Menschen Regeln für die Gestaltung miteinander auf. Ihr Qualitätsform ist die Akzeptanz (Redlich, 2009, S. 14).
Appell: Ein Appell hat das Ziel den Empfänger dazu zu bringen etwas bestimmtes (nicht) zu tun. Dieser Versuch des Einflusses kann offen aber auch verdeckt stattfinden (Schulz von Thun, 2019a, S. 32). Redlich (2009) verwendet hier statt dem Wort Appell den Begriff „gemeinsam Maßnahmen planen“. Dieses Feld wird nach ihm häufig in der Beratung verwendet. Es geht dabei um eine Planung von problemlösenden Handlungen. Die Kommunikationsform ist demnach die des gemeinsamen Planens (Redlich, 2009, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beratungskontext: Dieses Kapitel beschreibt die institutionelle Umgebung der Tagesgruppe, in der die Familie Unterstützung nach SGB 8 erhält, sowie die systemische und alltagspädagogische Methodik der Einrichtung.
2. Beratungsart: Hier wird die Familienberatung als Kontextualisierung sozialer Probleme erläutert, die nicht nur die einzelne Person, sondern ihr gesamtes soziales System in den Blick nimmt.
3. Zugang und Zugangsschwellen zu den KlientInnen: Das Kapitel behandelt, wie der Zugang zu den Kindseltern aufgebaut wurde und welche Hürden wie Armut, Vorerfahrungen mit Institutionen, Drogenkonsum und psychische Erkrankungen den Beratungsprozess erschweren können.
4. Gesprächsanlass und Ziel des Gesprächs: Es werden die akuten Probleme mit der Tochter Amelie als Anlass für das Beratungsgespräch dargelegt und das Ziel formuliert, die Eltern bei der Problemlösung und der Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung zu unterstützen.
5. Gesprächsphasen: In diesem Abschnitt werden die verschiedenen Phasen eines Beratungsgesprächs detailliert beschrieben, von der vorbereitenden Phase Null bis zur Phase Sieben, in der organisatorisches für die nächste Sitzung besprochen wird.
6. Analyse und Reflexion der einzelnen Gesprächsphasen: Dieses Kapitel analysiert die Gesprächsphasen (Begrüßung, Themenfindung, Ist-Zustand erforschen, Zielentwicklung) aus der Perspektive der Sozialarbeiterin und der KlientInnen für die drei Hauptthemen des Gesprächs.
7. Analyse und Reflexion einer Gesprächssequenz: Hier werden Kommunikationsaspekte anhand des Modells der "Vier Seiten einer Nachricht" (Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell) sowie verschiedene Kommunikations- und Interaktionsstile von Schulz von Thun auf eine konkrete Gesprächssequenz angewendet.
8. Analyse des Gesprächs nach möglichen (Standard-)Fehlern: Das Kapitel untersucht potenzielle Kommunikationsprobleme, die sich aus den vier Seiten einer Nachricht ergeben können (Sachlichkeit, Selbstoffenbarung, Beziehungsdefinition, Beeinflussung/Wünsche), und ordnet diese im Fallbeispiel ein.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung eines strukturierten und empathischen Ansatzes in der Sozialarbeit zusammen, reflektiert die erzielten Fortschritte im Fallbeispiel und benennt persönliche Lernerkenntnisse der Beraterin.
Schlüsselwörter
Familienberatung, Gesprächsprotokoll, Reflexion, Sozialarbeit, Kommunikationsmodelle, Schulz von Thun, Gesprächsphasen, Fallbeispiel, Erziehungsberatung, Systemische Beratung, Aggressives Verhalten, Eltern-Kind-Beziehung, Zielentwicklung, Problemlösung, Interaktionsstile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit handelt von einem Gesprächsprotokoll mit begleitender Reflexion einer Familienberatung. Sie analysiert ein Beratungsgespräch detailliert, wendet Kommunikationsmodelle an und reflektiert den Prozess aus der Perspektive der Sozialarbeiterin und der KlientInnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Erziehungsproblemen, zwischenmenschliche Kommunikation in der Beratung, die Gestaltung von Beziehungen, systemische Beratungsansätze und die Reflexion von Beratungsprozessen sowie potenziellen Fehlern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen, gemeinsam Lösungsansätze für die aggressiven Verhaltensweisen ihrer Tochter zu finden und eine positive Eltern-Kind-Beziehung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Methode in Form der Analyse eines Gesprächsprotokolls mit begleitender Selbstreflexion verwendet, die durch die Anwendung relevanter Kommunikationstheorien (z.B. Schulz von Thun) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der einzelnen Gesprächsphasen, die Reflexion aus Sicht der Sozialarbeiterin und der KlientInnen, die Anwendung des Modells der „Vier Seiten einer Nachricht“ sowie die Diskussion von Kommunikations- und Interaktionsstilen und möglichen Standardfehlern im Gespräch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Familienberatung, Gesprächsprotokoll, Reflexion, Sozialarbeit, Kommunikationsmodelle, Schulz von Thun, Gesprächsphasen, Fallbeispiel, Erziehungsberatung, Systemische Beratung, Aggressives Verhalten, Eltern-Kind-Beziehung, Zielentwicklung, Problemlösung und Interaktionsstile.
Wie wird das Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ im Kontext des Beratungsgesprächs angewendet?
Das Modell wird genutzt, um die verschiedenen Ebenen der Kommunikation – Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell – in einer Gesprächssequenz zu analysieren und zu verstehen, welche Botschaften auf welchen Ebenen gesendet und empfangen werden.
Welche Herausforderungen bei den KlientInnen werden im Zusammenhang mit Zugangsschwellen identifiziert?
Zu den identifizierten Zugangsschwellen zählen Lebenswelterfahrungen wie Armut und frühere negative Erfahrungen mit Institutionen, sowie persönliche Herausforderungen der Eltern wie vergangene Drogensucht und bestehende psychische Erkrankungen.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion der Sozialarbeiterin im Beratungsprozess?
Die Selbstreflexion ermöglicht der Sozialarbeiterin, ihre eigene Rolle, ihre Gefühle, ihre Grundhaltung und die Wirksamkeit ihrer Interventionen zu hinterfragen und zu optimieren, um einen vertrauensvollen und lösungsorientierten Beratungsprozess zu gewährleisten.
Welche spezifischen Kommunikations- und Interaktionsstile werden im Dokument nach Schulz von Thun behandelt?
Das Dokument analysiert den helfenden und den bestimmenden-kontrollierenden Interaktionsstil der Beraterin sowie den bedürftig-abhängigen und den selbstlosen Stil der Klientin, um die Dynamiken im Gespräch zu verdeutlichen.
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- Anonym (Author), 2024, Gesprächsführung und Sozialberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1590429