Während des Krieges zwischen England und Spanien 1585-1604 waren die Operationen der Privateers die dominierende Form des Seekriegs. Unter English Privateering versteht man zur Zeit des Armadakriegs 1585-1603 rein private oder auch halboffizielle Unternehmungen. Diese wurden überwiegend von Händlern und Kapitänen durchgeführt, die ansonsten Handel mit Spanien betrieben. Dieser Seehandel englischer Kaufleute mit Spanien war im Mai 1585 durch die Festsetzung und Beschlagnahmung englischer Schiffe und Waren in spanischen Häfen empfindlich gestört worden.1 Oftmals wechselten sich Handelsfahrten mit Kaperfahrten oder Plünderung von Städten ab, oder aber Handel und Plünderung wurde in einer Fahrt kombiniert. Im 16. Jahrhundert waren Handel und Plünderung untrennbar miteinander verbunden. Für die vormals im Handel mit Spanien eingebunden Handelsfahrer bot die Möglichkeit feindliche Schiffe auf See zu kapern eine willkommene Gelegenheit die Verluste auszugleichen, die durch den unterbrochenen Handel mit Spanien entstanden waren. Das Spektrum der Überfälle auf See reichte von ungehemmter, krimineller Piraterie bis zur lizenzierten Freibeuterei. An diesem gefährlichen aber lukrativen Geschäft waren nicht nur Freibeuter, Piraten oder Abenteurer, sondern auch angesehene Kaufleute und Adelige betei- ligt. Eine Besonderheit des englischen Seekriegs war dessen patriotischer, protestantischer Charakter. Die sich nun immer ausgeprägter entwickelnde Seeräuberei wurde im Verlauf des Konfliktes zwischen Spanien und England von politischen und religiösen Gegensätzen geprägt. Ob nun ein Freibeuter, ein Pirat oder ein, mit einem Kaperbrief ausgestatteter, Privateer spanische Schiffe überfiel, oder spanische Häfen angriff und plünderte, von den Geschädigten wurden diese Aktionen als Seeräuberei bezeichnet. So wurden die Unter- nehmungen der Privateers aus spanischer Sicht stets als Piraterie betrachtet und in Gefangen- schaft geratene Freibeuter entsprechend hart bestraft.
Die Auseinandersetzungen auf See beschränkten sich räumlich nicht nur auf die Küsten Spaniens und Portugals so wie den Inselgruppen im Atlantik, sondern dehnten sich entlang der Route der spanischen Silberflotten über den Atlantik bis in die Karibik aus. In diesem ausgedehnten Gebiet spielt sich auch die Expedition Drakes von September 1585 bis Juli 1586 ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Quellen
3. Privateering
3.1. Organisation und Finanzierung
3.2. Bedeutende, beteiligte Personen und deren Unternehmungen
3.3. Schiffe und Ausrüstung
4. Drakes Expedition als Beispiel einer Privateer Operation
4.1. Lebensdaten Sir Francis Drake
4.2. Der historische Hintergrund
4.3. Die Ereignisse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das System des englischen Privateering im ausgehenden 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Expedition von Sir Francis Drake in die Karibik (1585–1586) und analysiert deren Auswirkungen auf den kriegerischen Konflikt zwischen England und Spanien.
- Strukturen und Finanzierung des englischen Privateering
- Die Rolle privater Investoren und der englischen Krone
- Militärstrategische Bedeutung von Kaperfahrten
- Wirtschaftliche Folgen für Spanien und die Karibik
- Drakes Expedition nach Santo Domingo und Cartagena
Auszug aus dem Buch
4.3. Die Ereignisse
Die Beschlagnahmung englischer Handelschiffe in spanischen Häfen auf Befehl Philipp II. kann, wie bereits in Kapitel 3.1. behandelt, als Auslöser für die darauf folgenden Aktionen englischer Privateers angesehen werden. Man befürchtete in England, die beschlagnahmten Schiffe könnten für eine Invasion Englands benutzt werden. Die bisher mit Spanien Handel treibenden Händler beriefen sich nun auf ihr Recht, ebenso Prisen zu machen. Eine erste englische Maßnahme, um auf das erneute Handelsembargo zu reagieren war schließlich die Ausstellung von Kaperbriefen. Es folgte ein Gegenembargo gegen spanische Schiffe, denen es nun nicht mehr gestattet wurde, englische Häfen anzulaufen. Vier englische Kriegsschiffe patrouillierten von nun an im Kanal. Acht weitere Schiffe wurden aufgeriggt und zum Teil bemannt. Die drastischste Reaktion stellte jedoch die Entsendung einer Flotte zur Befreiung englischer Schiffe unter dem Kommando Sir Francis Drakes dar.
Schon seit dem Sommer 1584 wurde mit der Planung für eine große Expedition begonnen. Hintergrund dieser Planung war die Suche nach einem Erfolg versprechenden Weg, durch groß angelegte Operationen auf See Spanien wirtschaftlich zu schaden. Im Januar 1585 waren die Vorbereitungen für Drakes nächste Unternehmung abgeschlossen, also noch bevor es zur Festsetzung englischer Schiffe in spanischen Häfen kam. Über ein genaues Operationsziel einer möglichen Expedition Drakes war man sich auch in Spanien noch unklar, wie ein Bericht Mendozas an den spanischen König verdeutlicht:
„I have been trying for months past, as your Majesty now orders, to ascertain whether Drake had instructions from the Quenn to undertake any particular enterprise agreed upon beforehand. As however, they consider him a man of such great experience in this navigation, by reason of his previous monstrous robbery, I understand that he did not take precise orders from the Queen, except to plunder as much as he could, to enable her to sustain the war in Flanders, leaving the details entireley to his discretion.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des English Privateering als dominierende Form des Seekriegs zwischen England und Spanien und erläutert die Verflechtung von Handel und Plünderung.
2. Die Quellen: Dieses Kapitel stellt die primären zeitgenössischen Dokumente vor, darunter das Logbuch der Primrose sowie diplomatische Briefe aus spanischen Archiven.
3. Privateering: Das Kapitel analysiert die komplexen Strukturen, von der Finanzierung durch private Investoren und Adelige bis hin zur rechtlichen Legalisierung durch Kaperbriefe.
3.1. Organisation und Finanzierung: Hier werden die wirtschaftlichen Motive und das System der Kaperfahrten als Ersatz für den durch Embargos gestörten Handel beleuchtet.
3.2. Bedeutende, beteiligte Personen und deren Unternehmungen: Ein Überblick über einflussreiche Akteure wie John Hawkins und die strategische Bedeutung des Sklavenhandels sowie früherer Karibik-Expeditionen.
3.3. Schiffe und Ausrüstung: Untersuchung der eingesetzten Schiffstypen, der Bewaffnung sowie der harten Lebensbedingungen an Bord, die oft zu Disziplinproblemen führten.
4. Drakes Expedition als Beispiel einer Privateer Operation: Detaillierte Darstellung der Expedition von 1585-1586, die als zentrales Fallbeispiel für die englische Strategie dient.
4.1. Lebensdaten Sir Francis Drake: Ein kurzer biografischer Abriss des „Piraten der Königin“ und seiner navigatorischen Laufbahn vor der großen Karibikreise.
4.2. Der historische Hintergrund: Darstellung der geopolitischen Spannungen zwischen England und Spanien, insbesondere durch die niederländische Revolte und die dynastischen Konflikte.
4.3. Die Ereignisse: Detaillierte Beschreibung der Angriffe auf Santo Domingo und Cartagena sowie der anschließenden taktischen Manöver und Plünderungen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Expedition zwar wirtschaftlich durchwachsen war, aber Spanien in Alarmzustand versetzte und die englische Seemachtentwicklung maßgeblich förderte.
Schlüsselwörter
English Privateering, Sir Francis Drake, Seekrieg, Spanien, England, Karibik, Kaperbriefe, Handelsembargo, Kolonialpolitik, Philipp II., Königin Elisabeth I., Prisen, Piraterie, Flottenstrategie, Santo Domingo
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Durchführung des englischen Privateering im Krieg gegen Spanien zwischen 1585 und 1604, wobei der Fokus auf dem privaten Charakter dieser militärischen Aktivitäten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit analysiert die Finanzierung von Kaperfahrten, die beteiligten Personenkreise, die technische Ausstattung der Schiffe und die geopolitischen Hintergründe des Konflikts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, am Beispiel der Expedition von Sir Francis Drake aufzuzeigen, wie Privateering als „Krieg mit anderen Mitteln“ dazu diente, Spanien wirtschaftlich zu schwächen, ohne eine offizielle Kriegserklärung zu erzwingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Quellenanalyse zeitgenössischer Dokumente, insbesondere Schiffslogbücher und diplomatischer Berichte aus der Sammlung „LA BATALLA DEL MAR OCEÁNO“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die systemische Beschreibung des Privateering und die detaillierte Darstellung der Karibik-Expedition Drakes inklusive der Angriffe auf Santo Domingo und Cartagena.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Privateering, Kaperbriefe, englische Seemacht, koloniale Expansion und den Handelskrieg gegen Spanien definiert.
Welche Rolle spielte John Hawkins im System des Privateering?
Hawkins gilt als einer der wichtigsten Organisatoren und Geldgeber; er war maßgeblich an der Etablierung des Sklavenhandels als Teil der frühen englischen Unternehmungen in der neuen Welt beteiligt.
Warum war der Angriff auf Santo Domingo aus spanischer Sicht ein Problem?
Obwohl die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung verloren hatte, bedeutete der Erfolg der Engländer eine Schwächung des spanischen Prestige und zwang Spanien, kostspielige Schutzmaßnahmen für seine überseeischen Besitzungen zu ergreifen.
Wie wirkte sich die Politik von Königin Elisabeth I. auf die Unternehmungen aus?
Sie ermöglichte und förderte das Privateering als informelles Instrument ihrer Politik, um sich bei Bedarf offiziell von den Aktionen ihrer Untertanen distanzieren zu können.
- Citation du texte
- Andreas Plug (Auteur), 2006, Der Überfall Drakes auf Santo Domingo und Cartagena 1586, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159063