Das dritte Jahrhundert war geprägt von Herrschern, die nur sehr kurz an der Macht waren und keine oder kaum Zeit dafür hatten, sich um nötige Reformen im Römischen Reich zu kümmern – es ging Ihnen im Gegenteil zumeist lediglich darum, einerseits so lange wie möglich zu überleben und andererseits das Reich gegen immer stärkere Einfälle von Barbaren zu verteidigen.
Zumindest dem Kaiser Gallienus wird von einigen Historikern unterstellt, dass er sich auf positive Art von anderen Soldatenkaisern abgrenzt. Dies habe ich zum Anlass genommen, mich mit Gallienus genauer zu beschäftigen.
In die Zeit seiner Regierung fällt mit der Gefangennahme seines Vaters Valerian einer der Tiefpunkte der römischen Geschichte der Kaiserzeit. Dies und massive innen- und außenpolitische Probleme, hervorgerufen durch Usurpatoren und die Bildung zweier Sonderreiche, haben dazu geführt, dass Gallienus in der Geschichtsschreibung deutlich negativ gefärbt gezeigt wird. Doch ist diesen tendenziösen Texten zu glauben? War Gallienus wirklich nicht erfolgreich? Ist er am Ende gar kein gescheiterter Kaiser? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Fragestellung
2. Antike Quellen
II. Die Regierung des Gallienus
1. Ereignisgeschichtlicher Überblick
2. Gallienus – ein gescheiterter Kaiser?
a. Umgang mit den Christen
b. Gallienus und die hellenische Kultur
c. Ausschluss der Senatoren aus dem Militär
d. Die „Militärreform“ des Gallienus
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Kaiser Gallienus in der historischen Betrachtung zu Unrecht als gescheitert gilt, indem sie seine politischen und militärischen Maßnahmen im Kontext der Reichskrise des dritten Jahrhunderts analysiert.
- Kritische Auseinandersetzung mit der antiken Quellenlage zu Gallienus
- Analyse der Religionspolitik und des Verhältnisses zum Christentum
- Untersuchung der kulturpolitischen Strategien des Kaisers
- Bewertung der militärischen Umstrukturierungen und des Ausschlusses von Senatoren
Auszug aus dem Buch
c. Ausschluss der Senatoren aus dem Militär
Die in den letzten zwei Unterkapiteln beschriebenen Maßnahmen dienten, wie gezeigt wurde, hauptsächlich dem Machterhalt des Gallienus. Doch hatte er auch die Möglichkeit, die immer wichtiger werdende Verteidigung des Reiches zu verbessern.
Zumeist aus numismatischen Quellen wird erschlossen, dass Gallienus den Senatoren das Privileg entzog, die Legionen zu befehligen. Er ging sogar noch weiter, wie die einzige schriftliche Quelle sagt: „Senatum militia vetuit et adire militum“ (Aur. Vict. Caes. 33,34). Und tatsächlich verschwinden die Senatoren so plötzlich aus dem Heer, dass das Ursache nur eine Maßnahme des Gallienus sein kann. Wie genau der Ausschluss der Senatoren aus dem Militär von sich ging, wissen wir nicht; Aurelius Victor spricht gar von einem „Edikt“ (Caes. 37,6).
Die Maßnahme erstreckte sich ebenfalls auf die Statthalter, vor allem jene in schwierigen Provinzen. Dort wurden jetzt zunehmend erfahrene Angehörige des Ritterstandes Statthalter, die teilweise sogar mit höheren Machtbefugnissen ausgestattet waren als senatorische Statthalter. Doch ging dies nicht plötzlich infolge eines Edikts o.ä. vonstatten, sondern nach und nach in den Jahren 260 bis 300, teilweise noch später.
Dass diese Maßnahmen zu Unmut unter den Senatoren führten, ist nachzuvollziehen, und so ist die negative Beurteilung des Gallienus in der senatorischen Geschichtsschreibung sicherlich im Wesentlichen auf die Beschneidung der Senatorenrechte zurückzuführen. Möglicherweise aber haben Senatoren sogar schon zu Lebzeiten des Gallienus, wütend über die Veränderungen im System, Usurpatoren unterstützt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Problematik des dritten Jahrhunderts ein und stellt die Forschungsfrage, ob Gallienus angesichts seiner politischen Maßnahmen zu Unrecht als gescheitert gilt.
II. Die Regierung des Gallienus: Hier erfolgt ein Überblick über die Ereignisgeschichte sowie eine detaillierte Analyse der Christenpolitik, der Hinwendung zur hellenischen Kultur, der Militärreform und des Ausschlusses der Senatoren aus militärischen Führungsämtern.
III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gallienus trotz seines Scheiterns, das Reich in den Grenzen des Jahres 253 zu halten, durch seine Reformen wichtige Voraussetzungen für eine Professionalisierung der Armee und Verwaltung schuf.
Schlüsselwörter
Gallienus, Römische Kaiserzeit, Soldatenkaiser, Reichskrise, Senatoren, Militärreform, Christentum, Plotinus, Valerian, Usurpatoren, Legitimierung, Antike Quellen, Historia Augusta, Profession, Machtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Regierungszeit des römischen Kaisers Gallienus und hinterfragt dessen oft negativ geprägtes Bild in der antiken Geschichtsschreibung.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Religionspolitik gegenüber den Christen, die Instrumentalisierung hellenischer Kultur, die Reform des Militärwesens sowie die Machtverschiebung zwischen Senatoren und Ritterstand.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Gallienus tatsächlich ein gescheiterter Kaiser war oder ob er durch seine Maßnahmen wichtige Grundlagen für seine Nachfolger legte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, bei der lateinische und griechisch-byzantinische Traditionen gegenübergestellt und durch moderne Forschungsliteratur, insbesondere von Lukas de Blois und Andreas Alföldi, eingeordnet werden.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit und Umsetzung der politischen und militärischen Reformen des Kaisers sowie deren Auswirkungen auf seine Machterhaltung und die Stabilität des Reiches.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind die Krise des dritten Jahrhunderts, das Spannungsfeld zwischen traditionellem Senatsadel und professionellem Berufssoldatentum sowie die politische Instrumentalisierung von Religion und Kultur.
Warum wird Gallienus in lateinischen Quellen oft negativ dargestellt?
Der negative Tenor in den lateinischen Quellen wie der Historia Augusta beruht vor allem auf der senatorischen Geschichtsschreibung, die Gallienus die Entmachtung des Senats im Militär nie verzieh.
Welche Bedeutung hatte die Militärreform für spätere Kaiser?
Die Reformen legten durch die Professionalisierung und die Schaffung flexiblerer Strukturen den Grundstein für militärische Erfolge unter späteren Kaisern wie Claudius und Aurelian.
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- Bastian Kruse (Author), 2008, Gallienus - ein gescheiterter Kaiser?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159083