In den letzten Jahren war oft die Rede von Nicholas Negroponte, an dessen Idee des 100-Dollar-Laptops für Kinder in Entwicklungsländern auf den Markt zu bringen sich die Geister scheiden.
Zum anderen wurde über Mohammad Yunus berichtet, der mit seiner Meinung „Das Recht auf Kredit sollte ein Menschenrecht sein“ mitunter nur Hohn und Spott erntete.
Offensichtlich geht es den Ländern, in denen technologische Fortschritte erreicht werden ganz gut.
Allgemein bekannt ist, dass in den sogenannten Industrieländern neue Produkte entwickelt, die in alle Welt exportiert werden.
Den Entwicklungsländern bleibt die Rolle als Zuarbeiter: Sie liefern zum Beispiel Rohöl für unsere Chemie, Obst für den Endverbraucher oder zur Weiterverarbeitung oder auch Metalle. Zudem rückte in den letzten Jahren die Rolle der Entwicklungsländer als Lieferant billiger Arbeitskräfte für die Unternehmen der Industrieländer in den Fokus.
Wie stellt sich die Situation dar, wenn die subtileren Faktoren betrachtet werden?
Wie sind die Maßnahmen von Negroponte und Yunus in diesem Kontext zu sehen? Haben sie einen Einfluss auf die Situation der Menschen, die mit ihren Produkten in Berührung kommen?
Ist die Abhängigkeit einseitig oder müssen auch Akteure aus Industrieländern Rücksicht nehmen auf die Entwicklungsländer?
Eine weitere Frage ist die nach den Akteuren, die hier am wirkungsvollsten Abhilfe schaffen können: Muss der Impuls von den Entwicklungsländern selber ausgehen oder muss ein Ruck durch die Industrieländer gehen oder sind es durch Innovationen geschaffene Strukturen?
Müssen politische Vorgaben gemacht werden, kann jemand aus den Reihen der Unternehmer nach wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten zur Lösung des Problems beitragen?
Auch will ich mich der Frage nicht verschließen, ob sich die Armut in den Entwicklungsländern aus den Beziehungen zu den Industrieländern, gemeinhin als Globalisierung bekannt, ergibt. Oder gibt es auch innerstaatliche Gründe für Armut?
Auch wenn diese Thematik auf den ersten Blick ein rein wirtschaftspolitische zu sein scheint, ist die Fragestellung so formuliert, dass pädagogische Gesichtspunkte im Schwerpunkt zum Tragen kommen. Man kommt nicht umhin die Situation mit ihren wirtschaftlichen und politischen Facetten zu beschreiben, um sich dann der Frage zuwenden zu können, wie die beiden genannten Innovationen einzuordnen sind und wie sie auf bestehende soziale Systeme einwirken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
3 Überblick über die Erscheinungsformen der Armut in den Entwicklungsländern
4 Ursachen der Armut
4.1 Globalisierung
4.1.1 Transnationale Konzerne
4.1.2 Brain Drain
4.2 Innerstaatliche Ursachen
5 Die Akteure in der Entwicklungshilfe
5.1 Staatliche, nichtstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure
5.1.1 Staatliche Akteure
5.1.2 Nichtstaatliche Akteure
5.1.3 Privatwirtschaftliche Akteure
5.2 Zwei vielversprechende Innovationen
- Negropontes 100-Dollar-Laptop und Yunus Grameen Bank
5.2.1 Die Grameen Bank
5.2.2 Der 100-Dollar-Laptop
6 Wirkungsweise der Innovationen in den sozialen Systemen
7 Zusammenfassung und Stellungnahme des Autors
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie soziale Systeme in Entwicklungsländern durch innovative pädagogische Instrumente verändert werden können, um Armut wirksamer zu bekämpfen, als es klassische Entwicklungshilfe bisher ermöglicht hat. Im Zentrum steht die Frage, wie zwei spezifische Ansätze – die Grameen Bank und das "One Laptop per Child"-Projekt – als Instrumente der Hilfe zur Selbsthilfe auf lokale soziale Systeme einwirken.
- Analyse der Ursachen von Armut unter Berücksichtigung von Globalisierung und innerstaatlichen Faktoren.
- Untersuchung der Rolle staatlicher, nichtstaatlicher und privatwirtschaftlicher Akteure in der Entwicklungshilfe.
- Detaillierte Vorstellung der Grameen Bank und des 100-Dollar-Laptop-Projekts als innovative Lösungsansätze.
- Pädagogische Typisierung und Wirkungsanalyse der genannten Innovationen anhand fachwissenschaftlicher Metaphern.
- Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen von privater versus staatlicher Entwicklungspolitik.
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Die Grameen Bank
Die Grameen Bank wurde durch den aus Bangladesch stammenden Muhammad Yunus bereits 1983 gegründet. Sie vergibt Kleinstkredite an Personen ohne Sicherheiten im Sinne wie wir sie kennen, mit dem Ziel die Armut der Bevölkerung in Bangladesch zu lindern. Der Grund wieso diese seit bereits 24 Jahren existierende Bank kürzlich (vor etwa einem Jahr) in der Medienlandschaft so stark präsent war, dass man annehmen konnte sie sei erst wenige Monate alt, liegt darin dass ihr Gründer Yunus und die Grameen Bank den Friedensnobelpreis 2006 „für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten“ erhalten hat. Wenn man jetzt annimmt, dass dies die einzige namhafte Auszeichnung für Muhammad Yunus und die Grameenbank war, so täuscht man sich gewaltig. Bereits 1994 wurde Yunus mit dem Welternährungspreis, 1998 mit dem Sydney-Friedenspreis und 2006 mit dem ITU World Information Society Award, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde, ausgezeichnet (WIKIPEDIA „Grameen Bank“).
Mit diesen Auszeichnungen wurde Yunus für seine Idee ausgezeichnet, die im Folgenden Gegenstand der Untersuchungen dieser Arbeit sein soll.
Der Erfolg der Bank hat inzwischen dazu geführt, dass sie sich durch Zukäufe in den Besitz von Gesellschaften in verschiedensten Branchen wie der Textil-, Telefon- und Baubranche, um nur wenige zu nennen, gelangt ist. Doch dies sei nur am Rande erwähnt, da einzig das Geschäftsmodell das diesen Erfolg schultert, von Interesse ist.
Die Geschäftsidee ist so simpel wie erfolgversprechend. Doch um uns die Problematik genauer vor Augen zu führen, werfen wir einen Blick in unser eigenes Land: Jemand der in Deutschland einen Kredit aufnehmen will, muss Sicherheiten vorweisen können. Dies können Vermögenswerte wie Immobilien oder Lebensversicherungen sein, ein geregeltes Einkommen oder die Bürgschaft einer anderen Person mit entsprechender Bonität. Alles Sicherheiten, die ein durchschnittlicher Bürger in Bangladesch nicht vorweisen kann. Das machte es bisher undenkbar, Kredite in Entwicklungsländern zu vergeben, denn das Kreditvergabemodell aus den Industrieländern stoß mit seinen Modellen an die Grenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Struktur der Arbeit ein und umreißt die behandelten Abschnitte von den Begriffsgrundlagen bis zur Wirkungsanalyse der Innovationen.
2 Definitionen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Armut, Entwicklungsland, Globalisierung, Innovation sowie Akteurskategorien definiert, um eine einheitliche Basis für die Untersuchung zu schaffen.
3 Überblick über die Erscheinungsformen der Armut in den Entwicklungsländern: Dieser Abschnitt beschreibt die prekäre Lebenssituation in Entwicklungsländern anhand verschiedener Indikatoren und thematisiert die Problematik unterschiedlicher Armutsdefinitionen.
4 Ursachen der Armut: Hier wird der Zusammenhang zwischen Globalisierung, insbesondere durch transnationale Konzerne und "Brain Drain", sowie innerstaatlichen Faktoren als Armutsursache analysiert.
5 Die Akteure in der Entwicklungshilfe: Dieses Kapitel stellt staatliche, nichtstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure vor und hinterfragt kritisch deren Effektivität und Interessenlage.
6 Wirkungsweise der Innovationen in den sozialen Systemen: Es wird untersucht, wie die Grameen Bank und das Laptop-Projekt pädagogisch einzuordnen sind und welche Auswirkungen sie auf soziale Systeme haben.
7 Zusammenfassung und Stellungnahme des Autors: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Innovationen kritisch als zukunftsfähige Hilfe zur Selbsthilfe.
Schlüsselwörter
Armut, Entwicklungsländer, Globalisierung, Entwicklungshilfe, Innovation, Grameen Bank, Kleinstkredite, 100-Dollar-Laptop, soziale Systeme, Pädagogik, Hilfe zur Selbsthilfe, digitale Spaltung, Wirtschaftlichkeit, Muhammad Yunus, Nicholas Negroponte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie durch Innovationen soziale Systeme in Entwicklungsländern so verändert werden können, dass eine nachhaltige Armutsbekämpfung stattfindet, die über klassische Entwicklungshilfeansätze hinausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ursachen von Armut, die Analyse der globalen und lokalen Akteure in der Entwicklungshilfe sowie die pädagogische Einordnung und Wirkungsweise spezifischer Innovationsprojekte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, wie die Grameen Bank und das 100-Dollar-Laptop-Projekt als pädagogische Instrumente auf bestehende soziale Systeme einwirken und ob sie geeignet sind, die Armut wirksamer zu bekämpfen als bisherige Hilfsmaßnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der Konzepte der Entwicklungspolitik und der Erziehungswissenschaft (insbesondere pädagogische Metaphern) verknüpft werden, um die Wirksamkeit der genannten Innovationen zu typisieren und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Ursachen der Armut, die Kategorisierung von Akteuren der Entwicklungshilfe sowie die detaillierte Vorstellung und pädagogische Wirkungsanalyse der Grameen Bank und des One Laptop per Child-Projekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Armut, Entwicklungshilfe, Innovation, Hilfe zur Selbsthilfe, Kleinstkredite und soziale Systeme charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Grameen Bank von klassischen Kreditinstituten?
Im Gegensatz zu klassischen Banken vergibt die Grameen Bank Kleinstkredite an Menschen ohne traditionelle Sicherheiten, wobei das System auf Gruppenbürgschaften und gegenseitiger sozialer Kontrolle basiert.
Warum wird das 100-Dollar-Laptop-Projekt pädagogisch als "Handwerker"-Modell typisiert?
Die Einordnung als "Handwerker" erfolgt, da der Computer im Schulunterricht als gezieltes Lehrmittel genutzt wird, durch das der Lehrer dem Schüler strukturiert Inhalte vermittelt und korrigierend in den Lernprozess eingreift.
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- Daniel Grenzmann (Author), 2008, Innovationen zur Bekämpfung von Armut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159151