Schon immer wurde der Mensch von der Frage nach der Existenz von Geistern und Schattenwesen gefesselt. In die vergangenen Jahrhunderte zurückblickend gibt es eine schier unendliche Fülle von Literatur, die dies belegt: Man denke nur an bekannte Gedichte wie „Der Totentanz“ oder „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe oder an die unzähligen unheimlichen Novellen aus der Zeit der Romantik, die das Thema Hexerei und Gespenster immer wieder aufs Neue thematisierten. So reicht die Faszination für Übernatürliches bis in unsere Gegenwart hinein und Spuk und Zauberei sind nicht mehr nur in der Literatur, sondern auch in Filmen und anderen Medien vorzufinden. Jedoch stellt sich hier die Frage, wie es zu solch einer Entwicklung kam, denn offensichtlich sind einige der uns bekannten Spukgestalten keine Erfindung der Moderne.
Im Folgenden werde ich auf zwei der nächtlichen Gestalten näher eingehen: Den Werwolf und die Hexe. Wie entstanden die Vorstellungen von diesen? Und wie haben sich die Zauberei und die Faszination dafür verbreitet? Hat sich ihr Bild bis heute stark verändert oder ist es ein früheres, das sich in unserer Vorstellung manifestiert hat?
Sucht man in den Werken griechischer und römischer Autoren, stößt man auf eine Vielzahl von Erwähnungen, die für diese Entwicklung relevant sind. Besonders Petron gibt genaue Beschreibungen: In seinem Werk Satyricon stellt er den Werwolf und die Hexen in zwei Spuknovellen dar, mit denen ich mich in meiner Arbeit weiter befassen werde. Daneben werde ich auch die Erzähler dieser Geschichten nicht außen vor lassen und auf die Art, wie sie die ihnen zugestoßenen Abenteuer darlegen, eingehen. Hierbei wird besonders der Aspekt des Erzählstils berücksichtigt und die Frage, wie Werwolf und Hexen dargestellt werden, beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1) EINFÜHRUNG
2) DIE ENTWICKLUNG DES GLAUBENS AN DEN WERWOLF UND DIE HEXEN UND IHRE ERWÄHNUG IN DER ANTIKEN LITERATUR
2.1 Der Werwolf
2.2 Die Strigen
3) DER WERWOLF UND DIE HEXEN IN DER CENA TRIMALCHIONIS
3.1 Die Werwolfgeschichte des Niceros
3.1.1 Inhalt und Handlung
3.1.2 Sprachkompetenz des Niceros
3.1.3 Erzählweise und Stil
3.1.4 Der Werwolf in der Geschichte des Niceros
3.2 Die Strigenerzählung des Trimalchio
3.2.1 Inhalt und Handlung
3.2.2 Sprachkompetenz des Trimalchio
3.2.3 Erzählweise und Stil
3.2.4 Die Strigen in der Erzählung des Trimalchio
3.3 Vergleich der beiden Gruselnovellen
4) SCHLUSS: Fortleben der Hexen und Werwölfe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung der Mythen von Werwölfen und Hexen (Strigen) in der antiken Literatur, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Spuknovellen im "Satyricon" des Petron. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie diese übernatürlichen Gestalten in den Geschichten von Niceros und Trimalchio charakterisiert werden, welchen Stellenwert ihr Erzählstil einnimmt und wie Petron damit das Bildungsniveau und die soziale Schichtung seiner Figuren innerhalb der "Cena Trimalchionis" widerspiegelt.
- Historische Herleitung des Glaubens an Werwölfe und Hexen in der Antike.
- Analyse der Werwolfgeschichte des Niceros hinsichtlich Erzählweise und Symbolik.
- Untersuchung der Strigenerzählung des Trimalchio und ihrer narrativen Struktur.
- Vergleichende Analyse der beiden Gruselnovellen bei Petron.
- Reflektion über die soziokulturelle Bedeutung des Glaubens an das Übernatürliche in der römischen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Erzählweise und Stil
Der Stil des Niceros ist sehr gemischt. Einerseits hat er - wie es bei Petron für die Darstellung der Freigelassenen üblich ist - eine sehr bildliche und vulgärsprachliche Ausdrucksweise, andererseits verwendet Petron hier auch immer wieder hochsprachliche Wendungen, die er gekonnt in die Erzählung mit einfließen lässt.
Die Geschichte setzt mit einem Temporalsatz, der erkennen lässt, wann sich das Erlebte zugetragen hat (cum… servirem) und mit einem Hauptsatz, der den Ort kennzeichnet (nunc Gavillae domus est, 61, 6), ein. Schon hier endet die versuchte Struktur in der Erzählung, denn Niceros schafft es nicht, diese weiter durchzuhalten. So verliert er sich zunächst in beiläufigen Angaben und Beschreibungen, die den Zuhörern die Personen und Umstände näher bringen sollen:
ibi, quomodo dii volunt, amare coepi uxorem Terentii coponis: noveratis Melissam Tarentiam, pulcherrimum bacciballum. sed ego non mehercules corporaliter eam aut propter res venerias curavi, sed magis quod bene morata fuit. si quid ab illa petii, nunquam mihi negatum; fecit assem, semissem habui; quicquid habui, in illius sinum demandavi, nec unquam fefellit ussum (61, 6-8).
Niceros schildert hier ausführlich sein früheres Leben und das Verhältnis zu seiner Freundin Melissa, welches er hier durch die Wendung quomodo dii volunt zu entschuldigen versucht; neben dieser Wendung finden sich in diesem Abschnitt auch andere für ihn als Freigelassenen untypische Wörter, wie zum Beispiel der Superlativ pulcherrimum (61, 6), sowie corporaliter oder auch propter res venerias (61, 7). Diese werden neben den Vulgarismen besonders deutlich, wenn sie mit ihnen unmittelbar in Verbindung stehen: pulcherrimum bacciballum (61, 6), mehercules corporaliter (61, 7) und weisen so noch stärker auf die vermischte Erzählweise des Niceros hin, der um eine gebildete Ausdrucksweise bemüht.
Zusammenfassung der Kapitel
1) EINFÜHRUNG: Die Einleitung beleuchtet die zeitlose Faszination des Menschen für Geister- und Schattenwesen und stellt das Forschungsinteresse an den Werwolf- und Hexengestalten bei Petron vor.
2) DIE ENTWICKLUNG DES GLAUBENS AN DEN WERWOLF UND DIE HEXEN UND IHRE ERWÄHNUG IN DER ANTIKEN LITERATUR: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Vorstellungen von Werwölfen und Strigen in der griechischen und römischen Mythologie sowie der antiken Literatur nach.
3) DER WERWOLF UND DIE HEXEN IN DER CENA TRIMALCHIONIS: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die beiden Spuknovellen innerhalb des "Satyricon" und untersucht die Sprachkompetenz, Erzählweise und die spezifische Darstellung der übernatürlichen Wesen durch die Figuren Niceros und Trimalchio.
4) SCHLUSS: Fortleben der Hexen und Werwölfe: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Verbindung zwischen antiken Vorstellungen und modernen Mythen sowie die soziale Funktion der Erzählungen in der Cena.
Schlüsselwörter
Petron, Satyricon, Werwolf, Strigen, Hexenglaube, Cena Trimalchionis, Niceros, Trimalchio, antike Literatur, Mythen, Sprachkompetenz, Vulgärlatein, Spuknovellen, Versipellis, Metamorphose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Darstellungen von Werwölfen und Hexen in der römischen Literatur, insbesondere in zwei Erzählungen aus Petrons "Satyricon".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der antike Aberglaube an nächtliche Schreckgestalten, die narrativen Techniken der Erzähler und die soziokulturelle Einordnung dieser Geschichten im Umfeld der "Cena Trimalchionis".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der literarischen Gestaltung der Spuknovellen sowie die Untersuchung, wie Petron durch den Erzählstil der Figuren deren Bildungsstand und soziale Herkunft charakterisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philologische Untersuchungen von Textstellen mit kulturgeschichtlichen Kontextualisierungen verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte inhaltliche und stilistische Analyse der Werwolfgeschichte des Niceros und der Strigenerzählung des Trimalchio sowie einen anschließenden Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Petron, Werwolf, Strigen, Spuknovellen, Vulgärlatein, antike Mythen und Charakterisierung der Freigelassenen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Niceros und Trimalchio als Erzähler eine so große Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Stil der Erzählung Rückschlüsse auf das Bildungsniveau der Figuren zulässt; Niceros wird als atmosphärisch dichterer Erzähler hervorgehoben, während Trimalchio als prahlerisch und ungenau charakterisiert wird.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Versipellis" in der Arbeit zu?
Der Begriff "Versipellis" ist zentral für das Verständnis der Werwolf-Charakterisierung bei Petron, da er die Fähigkeit zur Gestaltwandlung beschreibt, die für die Bedrohlichkeit der Kreatur in den Novellen entscheidend ist.
- Citation du texte
- Barbara Bauer (Auteur), 2009, Der Werwolf und die Hexe in der antiken Literatur und ihre Darstellung in Petrons Spukerzählungen (61,1 - 64,1), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159187