Politische Stiftungen in Deutschland sehen sich häufig mit ähnlichen Themen konfrontiert, doch sind sie in Anbetracht ihrer politisch diversen Orientierung dennoch individuelle Organisationen. Untersuchungsziel der folgenden Arbeit soll sein, zu analysieren, wie sich die politischen Stiftungen als Organisationen in ihren festgeschriebenen Werten unterscheiden. Dabei sollen folgende verschiedene Forschungsfragen beantwortet werden.
Zum einen soll dargelegt werden, was unter einem Leitbild verstanden wird. Auf diese theoretische Erkenntnis aufbauend soll dargelegt werden, welche Werte Gegenstand der untersuchten Leitbilder sind und inwiefern sich aus dem Vergleich der Leitbilder Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Wertvorstellungen der politischen Stiftungen ableiten lassen. Daraus resultierend soll beleuchtet werden, welche Schlussfolgerungen sich aus dem Leitbildvergleich ergeben in Bezug auf die Gewichtung von stakeholder- und organisationsorientierten Werten. Zudem steht die Frage im Mittelpunkt, warum einige Werte nur bei vereinzelten Leitbildern präsentiert werden und welchen Schluss man im Hinblick auf die Stakeholder ziehen kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1. EINLEITUNG
- 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
- 2.1 Organisationstheoretische Verortung von Leitbildern nach Kühl
- 2.2 Managementwissenschaftliche Verortung nach Hinterhuber
- 2.3 Kommunikationslinguistische Verortung nach Ebert
- 2.4 Vergleich der Leitbildmethoden
- 3. METHODIK
- 3.1 Fallstudie
- 3.2 Datenerhebung und Textkorpus
- 3.3 Durchführung der Codierung
- 3.4 Das Codebuch
- 3.5 Datenauswertung
- 4. ERGEBNISSE
- 4.1 Wertnennungen
- 4.2 Analyse der Stakeholder-Referenzen
- 4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Stakeholder
- 5. FAZIT
- 6. QUELLENVERZEICHNIS
- Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Werte festzuhalten, zu vergleichen und zu analysieren, wie sich politische Stiftungen in Deutschland als Organisationen in ihren festgeschriebenen Werten unterscheiden. Die zentrale Forschungsfrage ist, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich aus dem Vergleich der Leitbilder in den Wertvorstellungen dieser Stiftungen ableiten lassen und welche Rückschlüsse daraus in Bezug auf die Adressierung von Stakeholdern gezogen werden können.
- Definition und theoretische Verortung des Begriffs "Leitbild"
- Vergleichende Analyse der Werte in den Leitbildern politischer Stiftungen
- Identifikation von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Wertvorstellungen
- Betrachtung der Gewichtung stakeholder- und organisationsorientierter Werte
- Analyse der Formulierung von Werten (explizit, indirekt, implizit)
- Untersuchung der Stakeholder-Adressierung in den Leitbildern
Auszug aus dem Buch
2.1 Organisationstheoretische Verortung von Leitbildern nach Kühl
In Organisationen, die ausschließlich hierarchisch geführt werden, liefert ein Leitbild die Möglichkeit, den Mitarbeitern zu vermitteln, welches Verhalten von ihnen erwartet wird. Zugleich wird den Stakeholdern vermittelt, welche Leistungen sie von der Organisation erwarten können. So sollen durch das Leitbild gemeinsame Wahrnehmungs- und Denkhorizonte eröffnet werden (vgl. Kühl 2017: 1). Die Grundzüge des Leitbildes sollten dabei schriftlich in einem Wertekatalog festgehalten werden, wie Kühl empfiehlt, da Leitbilder häufig zu allgemein gehalten sind und keine Orientierungspunkte liefern. Die Begrifflichkeiten der Werte werden meist abstrakt gehalten, um so eine breite Akzeptanz bei den Stakeholdern zu erreichen. Da die Werte aufgrund ihrer Vagheit die Möglichkeit zu mehr Deutungsspielraum bieten, empfiehlt Kühl durch Programme Strategien mit bestimmten Zielausrichtungen festzulegen, wodurch das von den Stakeholdern erwartete Verhalten in konsistenter Weise vorgegeben und messbar wird. Wobei hier klar zwischen abstrakten Werten und Programmen unterschieden werden muss (vgl. Kühl 2017: 3).
So ist es oft in der Praxis schwierig, zwischen einem Leitbild und einer Strategie zu unterscheiden, da die im Leitbild formulierten Werte oft implizite Versprechen für bestimmte Handlungen beinhalten. Um zwischen Leitbild und Strategie zu differenzieren, können verschiedene Tests angewendet werden, die bestimmte Eigenschaften von Werten verdeutlichen. Werte sind meist so formuliert, dass ihnen kaum widersprochen werden kann (vgl. Kühl 2017: 20). Zudem neigen Werte dazu, sich selbst zu bestätigen, wodurch ihr tatsächliches Erreichen schwer messbar ist, so Kühl weiter (2017: 22). Ein weiteres Merkmal ist die Hierarchisierung von Werten. Wenn Werte schwer miteinander vereinbar sind und eine Hierarchie erkennbar wird, verlieren sie ihren ursprünglichen Wertecharakter. Diese Punkte gilt es nach Kühl zu beachten (vgl. Kühl 2017: 22).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel stellt die politischen Stiftungen in Deutschland als Untersuchungsobjekte vor und formuliert die zentralen Forschungsfragen bezüglich ihrer Werte und Leitbilder.
Theoretische Grundlagen: Hier wird der Begriff "Leitbild" aus organisations-, managementwissenschaftlicher und kommunikationslinguistischer Sicht beleuchtet und eine Arbeitsdefinition für die vorliegende Untersuchung festgelegt.
Methodik: Das Kapitel erläutert die angewandte qualitative Inhaltsanalyse nach Rössler (2005), die Auswahl von fünf Leitbildern politischer Stiftungen, die Datenerhebung sowie die detaillierte Durchführung der Codierung und Datenauswertung.
Ergebnisse: In diesem Abschnitt werden die identifizierten Werte, ihre Häufigkeit und Formulierung sowie die Adressierung verschiedener Stakeholdergruppen in den Leitbildern dargestellt und die ideologischen Schwerpunkte der Stiftungen analysiert.
Fazit: Das Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Leitbildvergleichs zusammen, beleuchtet gemeinsame und unterschiedliche Wertvorstellungen und zieht Schlussfolgerungen hinsichtlich der gesellschaftlichen und politischen Relevanz der Leitbilder.
Quellenverzeichnis: Hier sind alle für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Publikationen und Internetquellen aufgelistet.
Anhang: Dieser Teil enthält ergänzende Dokumente und Materialien, wie beispielsweise das Codebuch für die Analyse und die vollständigen Leitbilder der untersuchten Stiftungen.
Schlüsselwörter
Leitbild, politische Stiftungen, Werte, Organisationstheorie, Managementwissenschaft, Kommunikationslinguistik, Inhaltsanalyse, Stakeholder, Deutschland, Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit einer vergleichenden Analyse der Leitbilder politischer Stiftungen in Deutschland, um deren festgeschriebene Werte und die Adressierung von Stakeholdern zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die theoretische Definition von Leitbildern, die qualitative Inhaltsanalyse von Wertvorstellungen und die Rolle von Stakeholdern in den Leitbildern politischer Stiftungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Wertvorstellungen politischer Stiftungen zu identifizieren und daraus Schlussfolgerungen hinsichtlich der stakeholder- und organisationsorientierten Werte zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse nach Rössler (2005) angewendet, ergänzt durch quantitative Aspekte bei der Erfassung der Wertnennungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Leitbild-Konzepts, die angewandte Methodik der Textanalyse und die detaillierten Ergebnisse der Werte- und Stakeholder-Analyse der fünf untersuchten Leitbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Leitbild, politische Stiftungen, Werte, Inhaltsanalyse, Stakeholder, Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die politischen Stiftungen in ihren ideologischen Ausrichtungen?
Die Stiftungen weisen deutliche ideologische Unterschiede auf, von christlich-demokratisch (Konrad-Adenauer-Stiftung) über sozialdemokratisch (Friedrich-Ebert-Stiftung), grün (Heinrich-Böll-Stiftung), sozialistisch (Rosa-Luxemburg-Stiftung) bis liberal (Friedrich-Naumann-Stiftung).
Welche Werte werden in den Leitbildern am häufigsten genannt?
Die am häufigsten genannten Werte in den Leitbildern sind "Demokratie", "Gerechtigkeit" und "Freiheit", wobei "Solidarität" der einzige Wert ist, der in allen fünf Leitbildern vorkommt.
Wie werden Werte in den Leitbildern formuliert?
Werte werden auf drei Arten formuliert: explizit als Substantive (z.B. "Gerechtigkeit"), indirekt durch Adjektive (z.B. "wir handeln gerecht") oder implizit, basierend auf der Deutungsfähigkeit der Adressaten (z.B. "Wir kämpfen für Minderheiten").
Welche Stakeholdergruppen werden von den Leitbildern adressiert?
Alle Leitbilder adressieren politische Entscheidungsträger und Bürger. Es gibt jedoch spezifische Unterschiede, wie die Friedrich-Ebert-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung sich stärker an Arbeitnehmer und Gewerkschaften richten, während die Konrad-Adenauer-Stiftung Unternehmer und Kreise mit christlichem Gedankengut fokussiert.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2024, Analyse und Vergleich von fünf Leitbildern politischer Stiftungen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1592702