Christl-Marie Schultes (1904–1976) war eine tragische Heldin des 20. Jahrhunderts. Sie kam in Geigant bei Waldmünchen (Oberpfalz) zur Welt und wuchs in Oberenzenau bei Bad Heilbrunn (Oberbayern) auf. 1928 wurde sie die erste bayerische Fliegerin, verlor 1931 beim Absturz zu Beginn eines geplanten Weltfluges ihr linkes Bein, gründete 1933 in Berlin die „Deutsche Flugillustrierte“ und wurde von den „Nazis“ enteignet, weil sie tapfer zu ihrem jüdischen Verlobten hielt. Als Emigrantin gründete sie in Frankreich die „Internationale Fliegerhilfe“, wurde zur Wohltäterin für Kinder in Nizza, versorgte Judenlager in Frankreich, brachte Verfolgte über die Grenze, wurde in Nizza verhaftet, ins Internierungslager Brens eingesperrt, in Paris deportiert, in Deutschland zum Tode verurteilt und 1945 in letzter Minute von den Amerikanern in München befreit.
Christl-Marie hatte Umgang mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten. Ihr großer Mut, ihre selbstlose Hilfe für Menschen in Not und ihre „rege Phantasie“ brachten sie oft in Schwierigkeiten. Eine wichtige Rolle im Leben der kinderlosen „Förster-Christl“ spielte ihr Foxterrier, dem sie in ihrem Taschenbuch „KZ-Hund Muggi“ ein literarisches und bewegendes Denkmal setzte.
Autoren des Taschenbuches „Christl-Marie Schultes. Die erste Fliegerin in Bayern“ sind der Journalist Ernst Probst aus Wiesbaden und der Luftfahrthistoriker Theo Lederer aus Bad Heilbrunn. Das Werk ist Christl-Marie Schultes und zwei ihrer in Schongau lebenden Verwandten gewidmet. Ihr Neffe Otto Bauer sen. und ihr Großneffe Otto Bauer jun. haben mit wertvollen Auskünften und zahlreichen Abbildungen maßgeblich zum Gelingen dieser Biografie beigetragen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. Die tragische Heldin
Christl-Marie Schultes. Die erste Fliegerin in Bayern
Der Autor Ernst Probst
Der Luftfahrthistoriker Theo Lederer
Zielsetzung & Themen
Dieses Buch dokumentiert das bewegte und abenteuerliche Leben von Christl-Marie Schultes, die als erste bayerische Fliegerin in die Geschichte einging. Die Autoren zeichnen ihren Weg von der Herkunft aus einer bayerischen Försterfamilie über ihre Ausbildung zur Pilotin und ihren Einsatz während des Zweiten Weltkrieges bis hin zu ihrem sozialen Engagement und den darauffolgenden Auseinandersetzungen mit der Justiz nach. Dabei werden ihr Mut, ihre Exzentrik und ihr unermüdlicher Drang zur Fliegerei, aber auch die dunklen Kapitel ihrer Lebensgeschichte kritisch beleuchtet.
- Die Pionierjahre der ersten bayerischen Fliegerin.
- Die Faszination des Flugsports und der Kunstflug-Karriere.
- Der Versuch eines Weltfluges und dessen tragisches Ende.
- Ihr Engagement für Verfolgte während der NS-Zeit.
- Die Aufarbeitung der Biografie und die Suche nach der historischen Wahrheit.
Auszug aus dem Buch
Christl-Marie Schultes. Die erste Fliegerin in Bayern
Die Ehre, die erste Fliegerin in Bayern gewesen zu sein, gebührt Christl-Marie Schultes (1904–1976), geborene Maria Rosalia Schultes. Wegen ihrer Herkunft aus einer achtbaren Försterfamilie hat man sie oft als „Förster-Christl“ bezeichnet. Mitunter findet man in der Literatur auch andere Schreibweisen ihres Vornamens wie Christlmariele oder Christl. In ihrem abenteuerlichen Leben, das reichlich Stoff für spannende Filme und Bücher bietet, gab es Höhen und Tiefen.
Der Vater von Christl-Marie hieß Otmar Eugen Schultes (1867–1957). Er wurde in Riglasreuth (heute ein Ortsteil der Gemeinde Neusorg im Landkreis Tirschenreuth, Oberpfalz) geboren und trug ursprünglich den Familiennamen Schultes zu Friedensfels. Die Familie Schultes ist in Friedensfels (Oberpfalz), das heute rund 1.500 Einwohner hat, bereits seit 1576 nachweisbar. Fast alle Vorfahren von Otmar waren im Forstdienst tätig, so auch dessen Vater, der das Amt eines königlich-bayerischen Forstmeisters bekleidete.
Otmar Schultes hätte sicherlich eine Künstlerkarriere machen können. Er besuchte nämlich mit Erfolg die Künstlerakademie in München und galt als talentierter Maler. Anfangs malte er im Nazarenerstil, dann aber weisen seine Bilder deutlich impressionistische Züge auf. Aus dem Wunschberuf Kunstmaler wurde aber nichts, weil der Vater von Otmar verlangte, er solle einen „ordentlichen Beruf“ erlernen und nicht als Boheme in Schwabinger Künstlerkreisen sein Leben verbringen. Als höherer bayerischer Beamter hat der Vater seinen Sohn Otmar im gehobenen Forstdienst untergebracht. Zunächst arbeitete Otmar Schultes als Forstverwalter in dem Dorf Geigant bei Waldmünchen in der Oberpfalz. Heute ist dieser beschauliche Ort eine Gemeinde der Stadt Waldmünchen, die Ende 2009 rund 7.000 Einwohner hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort. Die tragische Heldin: Ein kurzer Überblick über das Leben von Christl-Marie Schultes, ihr tragisches Schicksal und ihren Mut, Menschen in Not zu helfen.
Christl-Marie Schultes. Die erste Fliegerin in Bayern: Eine detaillierte Biografie über ihren Werdegang, ihre fliegerischen Anfänge, den missglückten Weltflug und ihr Leben im Nationalsozialismus sowie in der Nachkriegszeit.
Der Autor Ernst Probst: Eine kurze Vorstellung des Autors Ernst Probst, seines Werdegangs und seiner journalistischen Tätigkeit.
Der Luftfahrthistoriker Theo Lederer: Eine Porträtierung des Luftfahrthistorikers Theo Lederer und seines Beitrags zur Erforschung der Biografie von Christl-Marie Schultes.
Schlüsselwörter
Christl-Marie Schultes, Förster-Christl, erste bayerische Fliegerin, Luftfahrtgeschichte, Weltflug, Nationalsozialismus, Gurs, Internierungslager, Widerstand, Flugausbildung, Kunstflug, Bayern, Biografie, Zeitgeschichte, Fliegerei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch zeichnet das abenteuerliche Leben von Christl-Marie Schultes nach, die als erste bayerische Fliegerin bekannt wurde.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der frühen weiblichen Fliegerei, die politischen Verfolgungsschicksale während der NS-Zeit und die kritische Auseinandersetzung mit der Biografie einer kontroversen Persönlichkeit.
Was ist das Ziel der vorliegenden Arbeit?
Das Ziel ist die Rekonstruktion eines bewegten Lebenswegs unter Berücksichtigung von historischen Dokumenten, Zeitzeugenberichten und der kritischen Einordnung widersprüchlicher Angaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine historische Analyse, basierend auf Zeitungsberichten, amtlichen Dokumenten und Korrespondenzen, um die Lebensgeschichte von Schultes objektiv zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf ihrer Flugausbildung in Berlin-Staaken, ihren Auftritten als Kunstfliegerin, ihrem Engagement für Verfolgte im Zweiten Weltkrieg und den späteren Wiedergutmachungsprozessen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Fliegerei, Widerstand, NS-Verfolgung, Emigration und die historische Dokumentation von Pionierleistungen.
Welche Rolle spielt der Hund „Muggi“?
Der Foxterrier „Muggi“ war ein ständiger Begleiter von Christl-Marie Schultes und spielt in ihren eigenen schriftlichen Aufzeichnungen sowie in ihrem Leben im Exil eine emotional bedeutsame Rolle.
Wie bewerten die Autoren die Rolle von Christl-Marie Schultes im Widerstand?
Die Autoren präsentieren unterschiedliche Perspektiven und hinterfragen kritisch, inwiefern ihre Hilfe für Verfolgte historisch belegbar ist oder auf ihrer eigenen, teils überbordenden Phantasie beruht.
- Quote paper
- Ernst Probst (Author), Theo Lederer (Author), 2010, Christl-Marie Schultes - Die erste Fliegerin in Bayern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159290