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Vergleich der Justizreformen in Ungarn und Polen

Welche Rolle spielt das Verfassungsgericht in beiden Staaten beim democratic backsliding?

Title: Vergleich der Justizreformen in Ungarn und Polen

Term Paper , 2025 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Florian Gillner (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Abbau der Gewaltenteilung genau in diesen beiden Ländern bestehen. Besonders die Rolle der polnischen und ungarischen Verfassungsgerichte steht dabei im Mittelpunkt der Analyse. Zunächst wird der Begriff des democratic backsliding näher definiert und die Bedeutung von Gerichten innerhalb einer Demokratie erklärt. Danach folgt im Hauptteil eine getrennte Vorstellung der Justizreformen in beiden Ländern, die anschließend miteinander verglichen werden sollen. Hier werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet. Im Schlussteil wird gezeigt, welche Handlungsspielräume sich für die EU gegen das democratic backsliding ergeben und welche Probleme es bei der Wiederherstellung der Rechtstaatlichkeit gibt. Danach sollen die wichtigsten Erkenntnisse in einem Fazit zusammengefasst und ein kleiner Ausblick gegeben werden. Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage für die Arbeit: „Welche Rolle spielt das Verfassungsgericht in beiden Staaten beim democratic backsliding?“ Aufgrund des Umfangs können die neusten Entwicklungen rund um den liberalen Regierungswechsel in Polen nur teilweise behandelt werden. Die Proteste in Ungarn, angeführt durch Péter Magyar gegen die Regierung von Viktor Orbán und der Pädophilie-Skandal können nicht berücksichtigt werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Democratic backsliding und die Rolle des Verfassungsgerichts

2.1. Begriffserklärung von democratic backsliding

2.2. Funktionen und Bedeutung des Verfassungsgerichts in einer liberalen Demokratie

3. Justizreformen in Ungarn und Polen: Ein Überblick

3.1. Ungarn: Reformen seit 2010

3.2. Polen: Reformen seit 2015

3.4. Vergleichende Analyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4. Probleme und Folgen des democratic backsliding

4.1. Handlungsspielraum EU

4.2. Probleme bei Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Verfassungsgerichte bei der schleichenden Aushöhlung demokratischer Prinzipien, dem sogenannten "democratic backsliding", in Ungarn und Polen. Ziel ist es, durch einen rechtsvergleichenden Ansatz Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Justizreformen beider Länder herauszuarbeiten und die Handlungsspielräume der Europäischen Union sowie Herausforderungen bei einer möglichen Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit zu identifizieren.

  • Definition und theoretische Einordnung des Konzepts "democratic backsliding".
  • Die funktionale Rolle von Verfassungsgerichten als Vetospieler in einer liberalen Demokratie.
  • Analyse der gezielten Schwächung der Justiz in Ungarn (ab 2010) und Polen (ab 2015).
  • Reaktionen und Sanktionsmöglichkeiten der Europäischen Union.
  • Herausforderungen bei der Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit am Beispiel der polnischen Regierungswechsel.

Auszug aus dem Buch

3.4. Vergleichende Analyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Im Folgenden werden zunächst die Gemeinsamkeiten analysiert, um danach die Unterschiede herausstellen zu können. Beide Staaten weisen auffällige Parallelen bei der politisch motivierten Umgestaltung ihrer Verfassungsgerichte auf. Sowohl in Polen, ab dem Jahr 2015, als auch in Ungarn, ab dem Jahr 2010 wurden kurz nach Regierungsantritt grundlegende Reformen durchgesetzt, die zu einer Schwächung der Judikative führten. Wesentliche Merkmale zeichnen beide Staaten aus, dass trotz massiver Eingriffe in die Justiz die Regierung formal-demokratische Prozesse und insbesondere regelmäßige Wahlen im Land beibehielt. Fidesz und PiS erhielten jeweils von den Bürger*innen durch eine demokratisch durchgeführte Parlamentswahl, Zweidrittelmehrheiten, welche dabei halfen, die Justizreformen als Legislative umzusetzen. Somit konnte die demokratische Fassade nach außen weitgehend aufrechterhalten werden, während im Inneren die Gewaltenteilung schrittweise abgebaut wurde. Weiterhin ist hierbei das im ersten Abschnitt erwähnte court packing von Bedeutung. Dieses wurde in beiden Ländern genutzt, um politisch missliebige Richter*innen durch solche zu ersetzen, die regierungstreu oder zumindest nicht oppositionell eingestellt sind (vgl. Grimmel 2020: 99). Ein letzterer gemeinsamer Aspekt besteht in der gezielten Ignoranz gegenüber Urteilen der eigenen Verfassungsgerichte. Sowohl die polnische als auch die ungarische Regierung ignorierten mehrfach Urteile ihrer Verfassungsgerichte, welche die vorgenommenen einzelnen Reformen teilweise als verfassungswidrig beurteilten. Besonders deutlich wurde dies, als Polen im März 2016 ein Urteil zur eigenen Justizreform nicht offiziell veröffentlichte wurde, um es unwirksam zu machen (vgl. Hainthaler 2024: 103) und in Ungarn, wo Richter*innen entlassen und schlussendlich wieder eingestellt werden mussten (vgl. Bos & Lorenz 2021: 66). Beide Länder entfernten sich durch den Abbau der Gewaltenteilung von liberal-demokratischen Prinzipien, die Unabhängigkeit wurde in der Justiz einschränkt und der EuGH in Frage gestellt. Im Folgenden sollen die Unterschiede herausgearbeitet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des schleichenden Demokratieabbaus in Polen und Ungarn ein und formuliert die Forschungsfrage zur Rolle der Verfassungsgerichte.

2. Democratic backsliding und die Rolle des Verfassungsgerichts: Hier werden der theoretische Begriff des "democratic backsliding" definiert und die Bedeutung der Judikative für die Stabilität einer liberalen Demokratie erläutert.

3. Justizreformen in Ungarn und Polen: Ein Überblick: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Entwicklungen in Ungarn und Polen sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der systematischen Schwächung der Verfassungsgerichtsbarkeit.

4. Probleme und Folgen des democratic backsliding: Es werden die Handlungsspielräume der EU sowie die akuten Schwierigkeiten einer polnischen Regierung bei der Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse thematisiert.

5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Schwächung der Verfassungsgerichte ein zentraler Mechanismus des Demokratierückbaus in beiden untersuchten Staaten ist.

Schlüsselwörter

Democratic backsliding, Verfassungsgericht, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Justizreform, Ungarn, Polen, Fidesz, PiS, Court packing, Europäische Union, Demokratieabbau, Politische Instrumentalisierung, Vetospieler, Rechtssicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den schleichenden Demokratieabbau in Ungarn und Polen und konzentriert sich dabei spezifisch auf die Rolle und Schwächung der jeweiligen Verfassungsgerichte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des "democratic backsliding", den konkreten Justizreformen seit 2010 bzw. 2015 sowie den europäischen Reaktionen auf diese Entwicklungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Frage lautet: Welche Rolle spielt das Verfassungsgericht in beiden Staaten beim democratic backsliding?

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird eine vergleichende Analyse (Rechtsvergleich/Politikwissenschaft) angewandt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vorgehensweise der Regierungen in Ungarn und Polen zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Justizreformen in beiden Ländern detailliert vorgestellt, vergleichend analysiert sowie die Handlungsspielräume der EU und die Herausforderungen der polnischen Regierung bei der Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit erörtert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem "democratic backsliding", "court packing", "Gewaltenteilung" und "Rechtsstaatlichkeit".

Inwiefern unterscheiden sich die Regierungen von Ungarn und Polen in ihrem Umgang mit den Urteilen ihrer Gerichte?

Während Polen Urteile oft einfach nicht veröffentlichte oder ignorierte, führte Ungarn teilweise einen öffentlichen Diskurs über die Reglementierungen, um eine parlamentarische Legitimierung vorzutäuschen.

Warum ist die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit in Polen derzeit so schwierig?

Die neue Regierung trifft auf Widerstand durch den amtierenden Staatspräsidenten, ein mit treuen Richtern besetztes Verfassungsgericht und eine stark polarisierte gesellschaftliche Stimmung.

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Details

Title
Vergleich der Justizreformen in Ungarn und Polen
Subtitle
Welche Rolle spielt das Verfassungsgericht in beiden Staaten beim democratic backsliding?
College
Bielefeld University  (Soziologie Fakultät)
Course
Einführung in die vergleichende Politikwissenschaft
Grade
1,3
Author
Florian Gillner (Author)
Publication Year
2025
Pages
17
Catalog Number
V1592954
ISBN (PDF)
9783389136225
ISBN (Book)
9783389136232
Language
German
Tags
Ungarn Polen Justiz Justizreform Orban Fidesz PiS Vergleichende Politikwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Gillner (Author), 2025, Vergleich der Justizreformen in Ungarn und Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1592954
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