Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands als Avantgarde?!

Demokratischer Aufbruch und/oder Demokratischer Abbruch?!


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
141 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Begriff Zivilgesellschaft
2.1 Die Zivilgesellschaft als demokratischer Aspekt und als demokratische Perspektive
2.2 Die Zivilgesellschaft als sozialer Aspekt und als soziale Perspektive
2.3 Die demokratischen und sozialen Funktionen der Zivilgesellschaft - Zusammenfassung

3. Ist-Zustand: Fakten - Statistiken
3.1 Allgemeine Soziale Daten
3.2 Sozio-okonomische Daten
3.3 Politische Einstellungen
3.4 Burgerschaftliches Engagement

4. Erklarungen zum Ist-Zustand
4.1 aus historischer Sicht
4.1.1 Entburgerlichung und Proletarisierung
4.1.2 Demokratischer Aufbruch und Demokratischer Abbruch
4.1.3 Okonomischer Aufbruch und Okonomischer Abbruch
4.1.4 Demokratischer, Okonomischer und Sozialer Abbruch
4.2 aus finanzwissenschaftlicher Sicht
4.2.1 Staatshaushalte Ostdeutschlands
4.2.2 Privathaushalte Ostdeutschlands
4.3 aus soziologischer und politikwissenschaftlicher Sicht
4.3.1 Bildungsstand und andere soziale Merkmale
4.3.2 Politische Einstellungen

5. Spezielle Folgen daraus
5.1 Unzivile/Antizivile „Zivilgesellschaft“
5.1.1 Unzivilitat
5.1.2 Antizivile „Zivilgesellschaft“: Rechtsextremismus
5.2 Die Zivilgesellschaft als Ausfallburge fur Staat und Markt
5.2.1 Was ist Marktversagen?
5.2.2 Was sind offentliche Guter?
5.2.3 Was ist Staatsversagen?
5.2.4 Was sind die Ausfallburgschaften?
5.2.5 Sozialer Abbruch und Kultureller Aufbruch - Ein Beispiel
5.2.6 Demokratischer und Sozialer Aufbruch trotz Sozialen und Okonomischen Abbruchs

6. Ergebnisse und Perspektiven
6.1 Demokratische Perspektiven der Avantgarde
6.2 Perspektiven der Avantgarde gegen Rechtsextremismus
6.3 Soziale Perspektiven der Avantgarde
6.4 Die ostdeutsche Avantgarde als Perspektive

7. Literaturverzeichnis

8. Anlagen und Anlagenverzeichnis

9. Nachwort

0 Zusammenfassung:

Zwanzig Jahre Deutsche Einheit, zwanzig Jahre Fried- liche Revolution durch eine Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. Warum beklagt man seit zwanzig Jahren den Untergang der ostdeutschen Zivilgesellschaft? Die Arbeit gibt Antworten da- rauf, was die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland war, was da- durch entstanden ist und welche Perspektiven die ostdeutsche Zivilgesellschaft hat. Die Perspektive einer „allgemeinen“ An- gleichung Ostdeutschlands an Westdeutschland, wird es nicht geben. Ostdeutschland wird sich in einigen „Bereichen“ West­deutschland angleichen. Westdeutschland wird sich dafur in einigen „Bereichen“ Ostdeutschland angleichen. Ebenso wird man ganz neue Pfade entwickeln und gehen. Damit Ost- und Westdeutschland vor allem die Vorteile aus dieser Entwicklung ziehen, sollte man voneinander lernen. Ostdeutschland ist nicht nur eine Region, sondern auch ein Gesellschaftsszenario in und fur dEUtschland und Europa.

Fachgebiete:

Neuste Geschichte, Politikwissenschaft/Politische Theorie und Ideengeschichte, Politische Bildung, Soziologie, Zeitgeschich- te.

Schlagworter:

Burgerschaftliches Engagement, Deutsche Einheit, Marktver- sagen, offentliche Guter, Ostdeutschland, Ostdeutschlandfor- schung, Politische Kultur, Politische Soziologie, Soziale Un- gleichheit, Staatsversagen, Transformation, Zivilgesellschaft.

1. Einleitung

Im Herbst des Jahres 2009 feierten wir den zwanzigs- ten Jahrestag der „Friedlichen und Volkseigenen Revolution"1 in der DDR. Der „Wende-Herbst“ 1989/90 ist wohl eine der Sternstunden der Zivilgesellschaft in Deutschland.2

Seit zwanzig Jahren beklagt man aber auch den Unter- gang der erst in den Jahren 1989/90 entstanden Zivilgesell­schaft in Ostdeutschland.3 Im Jahr „1990 prognostizierte der Soziologe Ralf Dahrendorf fur den politischen, wirtschaftlich- en und gesellschaftlichen Umbau der postkommunistischen Lander Mittel- und Osteuropas folgenden Zeitbedarf: Fur die Einfuhrung politischer Demokratie und rechtsstaatlicher Ver- haltnisse veranschlagte er sechs Monate, fur den Ubergang zur Marktwirtschaft sechs Jahre und fur die Entwicklung ei- ner Zivilgesellschaft sechzig Jahre.“4 Was ist nach zwanzig Jahren die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland?

(i.) Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands bewegt sich bis heute zwischen „Demokratischem Aufbruch“ und „De- mokratischem Abbruch“.
(ii.) Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands ist eine „un- heimlich“ politische Gesellschaft und nur scheinbar eine unpolitische Gesellschaft.
(iii.) Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands ist gepragt von Staats- und Marktversagen in Ostdeutschland.
(iv.) Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands bewegt sich bis heute zwischen sozialem Aufbruch und sozialem Ab- bruch.
(v.) Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands konnte dam it die Avantgarde fur (die) zukunftige(n) Zivilgesell- schaft(en) in Deutschland sein.

Diesen funf Thesen werden wir im Folgenden nach- gehen und versuchen sie empirisch zu untermauern. Dazu werden wir uns im ersten Schritt (2. Kapitel) kurz mit dem Begriff Zivilgesellschaft befassen. Es sollen hier lediglich Ein- blicke in normative Dimensionen dieses Begriffes gegeben werden. Es wird keine Geschichte zu diesem Begriff und zur Wirkungsgeschichte dieses Begriffes gegeben. Im 3. Kapitel werden wir uns einige empirische Daten, zu ausgewahlten Merkmalen der Zivilgesellschaft, ansehen. Diese Daten sol­len eine Bestandsubersicht („Ist-Zustand“) zur Zivilgesell­schaft in der Bundesrepublik Deutschland (BRD), in West- deutschland (WD), Ostdeutschland (OD), Sachsen-Anhalt (LSA) und der Stadt Halle an der Saale (HAL) geben. Im 4. Kapitel der Arbeit sollen zu den Daten Ostdeutschlands (sie- he 3. Kapitel) Erklarungen zusammengetragen und diskutiert werden. Dort werden wir uns mit historischen, okonomisch- en, soziologischen und politikwissenschaftlichen Argumenten beschaftigen, welche Erklarungen zu den Daten liefern. Fur alle funf Thesen (i. bis v.) werden sich im 4. Kapitel grundle- gende und allgemeine Aussagen finden lassen, so dass auch die nachfolgenden Kapitel immer wieder darauf Bezug nehmen werden.

Staatliche, soziale und kulturelle Einrichtungen schlie- ften in den peripheren Regionen Ostdeutschlands oder sind von Schlieftung bedroht. So sind dies nicht nur Schulen und Bibliotheken, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Arzt- praxen oder Kliniken, Theater oder Orchester, sondern auch Kirchen. 1st es ein „Niemandsland“5, was dann zuruckbleibt? Das 5. Kapitel wird dazu konkrete Beispiele beschreiben und diskutieren.

Was sind die Perspektiven der Zivilgesellschaft in Ost- deutschland? Kann man aus den Phanomenen der Zivilge­sellschaft in Ostdeutschland auch auf Entwicklungen in Deut­schland schlieften? Die funfte These behauptet dies, was mit dem 6. Kapitel auch gezeigt werden soll.

Die Arbeit endet mit dem Literaturverzeichnis (7. Ka­pitel) und einem Anlagenteil (8. Kapitel) zum 3. Kapitel. Im Anlagenteil sind die Quellen der Zahlen und Berechnungen nachvollziehbar. Alle Diagramme, in dieser Arbeit, sind eine eigene Darstellung von Stefan Henze, Halle (Saale), 2009. Sie folgen den Zahlen aus Kapitel 3. In Kapitel 3 werden die Zahlen mit Quellenverweisen ausgewiesen. In der Anlage und im Literaturverzeichnis (Kapitel 7 und 8) sind die Quel- lennachweise gegeben.

2. Begriff Zivilgesellschaft

Was Aufgaben und Funktionen des Staates sind, ist ein gropes Diskussionsfeld der politischen und zunehmend auch der okonomischen Theorie.6 Heute diskutiert man Staatlich- keit unter dem Aspekt, dass der Staat scheinbar viele Auf­gaben und Probleme unserer Gesellschaft nicht mehr in dem Umfang bearbeitet oder scheinbar bearbeiten kann, dass „wir“ es als Erfullung dieser Aufgaben oder als Losung von Problemen beurteilen.7 Staatlichkeit wird dabei nur von den Wenigsten in Frage gestellt. Was Staat bedingt, wird unter demokratietheoretischen, kulturellen, sozialen, gerechtig- keitstheoretischen und okonomischen Gesichtspunkten neu betrachtet und bewertet.8 Dadurch tritt Gesellschaft ebenso ins Diskussionsfeld, vor allem die Ideen zur Zivilgesellschaft.9

In den letzten Jahren ist das Wort „Zivilgesellschaft“ zu einem viel genutzten Sympathiewort geworden.10 Es findet vielfaltige Anwendung und Zustimmung in den unterschied- lichsten politischen Denkstromungen und gesellschaftlichen Gruppen.11 Zu diesem Wort12 besteht daher nicht nur ein Be- griff13, sondern mehrere. Dies lasst bereits vermuten, dass diese Begriffe nicht im gleichen, sondern im ahnlichen Sinne ein und denselben „Gegenstand“ bzw. ein und dasselbe „Er- eignis“ beschreiben und erklaren wollen.14 Eine Diskussion zur Begriffs- und Wirkungsgeschichte des Begriffes „Zivilge- sellschaft“ (und zur Geschichte der Zivilgesellschaft) kann hier nicht gefuhrt werden.15 Ich beschranke meine nachfol- genden Ausfuhrungen zu Begriffsmerkmalen, die man in al­len Begriffen „Zivilgesellschaft/Burgergesellschaft“ finden kann.

Was ist eine Zivilgesellschaft? Was ist ein Burger?16 Frei nach Immanuel Kant konnte man darauf antworten: Der Burger fragt nicht nur, was andere, was der Staat fur ihn macht bzw. machen konnte, sondern, was auch er, der Bur­ger, fur andere, fur die Gesellschaft und den Staat machen kann, wenn er es kann.17 Oder mit einem Zitat von Thomas Jefferson geantwortet: „Mit dem, was du selbst tun kannst, bemuhe nie andere.“18 Und abschlieftend konnte man noch Erich Kastners beruhmte Aussage hinzufugen: „Es gibt nichts Gutes, aufter man tut es!“

Die Zivilgesellschaft soll sich durch die aktive und frei- willige Teilnahme ihrer Burgerinnen und Burger am offent- lichen Leben auszeichnen.19 Sie interessieren und engagie- ren sich nicht nur fur den Eigennutz, sondern ebenso fur das Gemeinwohl. Engagierte Burgerinnen und Burger opfern ei- nen Teil ihrer Freizeit und/oder ihres Einkommens, um of- fentliche Guter her- und bereitzustellen oder in der Gesell­schaft ein Bewusstsein dafur zu schaffen, dass diese offent- lichen Guter her- und bereitgestellt werden sollten.20 Sie schaffen damit auch eine gesellschaftliche Offentlichkeit, die nicht vom Staat organisiert und kontrolliert wird.21 Die Staats- idee steht mit der Zivilgesellschaft nicht zur Disposition. Die Zivilgesellschaft soll das gemeinsame „Haus“, was von Staat, Markt und Zivilgesellschaft aufgebaut wird, wohnlich machen und wohnlich halten.22 Es geht um ein neues Ver- haltnis von Staat, Markt und Gesellschaft.23 Die Zivilgesell­schaft beschreibt damit demokratische und soziale Aspekte und eroffnet damit auch demokratische und soziale Perspek- tiven. Aristoteles soll schon gesagt haben, dass sich ein demokratisches Gemeinwesen nur entwickeln kann, wenn der Burger selbst Lust zum Engagement hat.24 Zivilgesell­schaft kann man nicht erzwingen, aber man kann dennoch ihre Voraussetzungen bzw. Bedingungen fordern.25

2.1 Die Zivilgesellschaft als demokratischer Aspekt und als demokratische Perspektive

Die Zivilgesellschaft ist Ausdruck fur die demokratische Selbstorganisation und die spontane Selbstorganisation ei- ner Gesellschaft.26 „Der Zusatz ,demokratisch‘ ist notwendig, da es auch Formen der Selbstorganisation gibt, die keines- wegs demokratisch sind: Rassismus, Extremismus, Diskrimi- nierung, Gewaltbereitschaft, Kriminalitat. Wer die fundamen- talen Menschen- und Burgerrechte nicht anerkennt, ist kein Teil der Zivilgesellschaft.“27 „Es handelt sich somit um ein Konzept, das in letzter Konsequenz die Frage der Macht- (ver)teilung im Demokratiemodell neu aufwirft.“28 Der Staat soll mit seinen Funktionen in der Gesellschaft und fur die Gesellschaft moderieren.29 Die Gestaltung soll aber vor allem Burgern obliegen, die sich politisch, kulturell, sportlich und sozial aktiv im offentlichen Leben einbringen.30 Die Zivil­gesellschaft soll dabei einen Staat kennen, der seine Burger- innen und Burger schutzen, aber nicht bevormunden will.31 Der Staat soll die „Spielregeln“ fur unser Zusammenleben gewahren und damit auch den friedlichen Umgang mit Kon- flikten und die friedliche Konfliktlosung. Es soll ein Raum fur Burgerengagement entstehen, der unabhangig von Staat und Markt funktioniert und in dem sich unter Bezug auf de- mokratische Rechte eine Vielzahl von Vereinigungen bildet.32 Auch wenn eine Zivilgesellschaft unabhangig von Staat und Markt sein soll, heiftt dies nicht, dass sie nichts mit Staat und Markt zu tun hat.33 Staat, Markt und Zivilgesellschaft stehen miteinander in Beziehung. Doch es soll vor allem die Zivilge­sellschaft sein, die Einfluss auf Staat und Markt nimmt und nicht umgekehrte Formen.34 Die Frage, die unter „unabhang- ig“ bzw. „abhangig“ betrachtet werden sollte, ist daher: Wer beeinflusst wen positiv und/oder negativ?35 In Selbstverwal- tung und nicht Gewinnorientierung sollen die Aufgaben und Interessen einer Zivilgesellschaft verstanden werden.36 Die Unabhangigkeit vom Markt ist wichtig, da Markte Konkur- renz- und nicht (unbedingt) Solidaritatsprinzipien folgen, wie es bei der Zivilgesellschaft sein soll.37 Fur die Zivilgesell­schaft ist das Erlernen und Erleben von Solidaritat ein wich- tiges Moment und Ziel.38 „Idealerweise stehen Staat, Markt und Zivilgesellschaft also in einem Komplementarverhaltnis zu einander: ...“31

Das politische System soll sich legitimieren durch (di- rekte) verantwortliche Teilhabe der Burger an offentlichen Angelegenheiten.32 „Beteiligung und Mitwirkung von Burger- innen und Burgern sind vor allem auch demokratische Tu- genden“33, was die Zivilgesellschaft weiter fordern soll (de­mokratische Sozialisation der Burger).34 „Ohne diese Werte verliert eine demokratische Gesellschaft ihre Substanz und buGt ihre Attraktivitat ein.“35 Die Zivilgesellschaft zeigt uns, dass Demokratie nicht nur eine Staats-, Gesellschafts- und Herrschaftsform, sondern auch eine Lebensform ist.36 Sie wird nie einen Zustand erreichen, sondern immer ein Pro- zess (gute und/oder schlechte Tendenzen) sein.37 Sie ist aber dennoch oder gerade wegen ihres prozesshaften We- sens der „Humus fur eine wirksame Opposition gegen au- toritare und totalitare Herrschaft“38, weil sie ebenfalls Anteil an der Balance und der Kontrolle staatlicher Autoritat hat und durch offentliche Kritik Meinungsfreiheit und -vielfalt erhalt.39 Sie ist nicht nur eine unkonventionelle Korrekturinstanz fur den Staat, sondern ebenso bei Fehlentwicklungen des Marktes unverzichtbar. Denn es waren Burgerinitativen, die Umweltthemen und andere Fragestellungen auf die Tages- ordnungen von Politik und Gesellschaft gebracht haben.40

Der moderne Staat starkt sich durch die Starkung der Zivil­gesellschaft selbst.41

2.2 Die Zivilgesellschaft als sozialer Aspekt und als soziale Perspektive

Die Zivilgesellschaft kann auch als Engagement ver- standen werden, dass sich nicht als staatliches, politisches und auch nicht als unternehmerisches, sondern als soziales Handeln versteht. „Zu den Formen des Burgerengagements zahlt das weite Spektrum ehrenamtlicher, freiwilliger und auf Selbsthilfe zielende Aktivitaten im sozialen Bereich ebenso wie die vielfaltigen Formen des gesellschaftspolitischen En­gagements in Burgerinitiativen, sozialen Begegnungen oder Nicht-Regierungsorganisationen. Von diesen Gruppen und Initiativen gehen Impulse fur die Familien, die Schule, fur Nachbarschaft oder den Stadtteil aus.“42 Burgerschaftliches Engagement wird beim Wandel der Arbeitsgesellschaft, bei der Forderung und Gestaltung gesellschaftlicher Teilhabe jenseits der Erwerbsarbeit, bei der Verhinderung sozialer Ausgrenzung und sozialer Spaltung der Gesellschaft und bei der Verbesserung sozialer Einrichtungen mitwirken.43 Die mit der Zivilgesellschaft verbundene Offenheit und Lebendigkeit soll als Starke verstanden werden, weil dies Stagnation, Bu- rokratisierung und Oligarchisierung vorbeugen kann.44 Dabei erhofft man, dass die Zivilgesellschaft zur Losung zentraler gesellschaftlicher Probleme beitragt.45 Denn vor allem in der letzten Zeit werden die Aufgaben der Zivilgesellschaft durch Krisen beeinflusst und dadurch auch die Perspektiven der Zi­vilgesellschaft interessant, zur Losung dieser Probleme.46

Die groften Schlagworte dazu sind die „Entlastung“ des Sozialstaates durch „Eigenverantwortung“ und durch die Zi­vilgesellschaft. Konnen Eigenverantwortung und Zivilgesell­schaft zur wohlfahrtsstaatlichen Modernisierung beitragen? Selbstverstandlich konnen sie das, da bereits heute schon die Entlastung und Gestaltung des Sozialstaates durch bur- gerschaftliches Engagement kaum beziffert werden kann, was durch die weitreichende Umfanglichkeit burgerschaft- lichen Engagements bedingt ist. Der Staat darf aber nicht aus der Verantwortung genommen werden und die Burger als „Ausputzer“ der Sparpolitik enttauschen, denn die Zivilge­sellschaft kann nicht alles verantworten.47 Der Vorwurf von der Politik an die Burger, sie hatten ubertriebene Anspruche an den Staat48, kann man wohl zu recht entgegnen, dass Politik und Staat ebenso ubertriebene Versprechungen dem Burger gemacht haben.49 Es ist dann wohl ein Lernen auf beiden Seiten bzw. bei allen zukunftigen „Partnern“ notig, was maftvolle bzw. sinnvolle Erwartungen an wohlfahrts- staatliche Einrichtungen und „Partnerschaften“ sind, um Ver- antwortung nicht nur zu kennen, sondern um sie auch wahr- nehmen bzw. ubernehmen zu konnen. Politik und Staat dur- fen daher nicht in ubertriebene Anspruche an die Zivilgesell­schaft verfallen, weil dann die geglaubte Entlastung des So- zialstaates zur Belastung der Zivilgesellschaft und damit zur Belastung des politischen Systems fuhren.50 Die Befahigung zur Eigenverantwortung und Selbstorganisation und die Vor- aussetzungen wie Bedingungen fur diese Befahigungen dur- fen dabei nicht vergessen werden, weil Motivation dann erst wirksam werden kann.51 Um dieses Potential zu sichern bzw. zu erschlieften, bedarf es einer Neubewertung und Forder- ung sozialen Engagements, die Motivation durch breite und auch offentliche Anerkennung schaffen (Gratifikationen).52 Engagement bleibt sonst nur ein Wunsch oder eine For- derung.

2.3 Die demokratischen und sozialen Funktionen der Zivilgesellschaft

Zusammenfassung

Wenn eine Zivilgesellschaft Werte fordert, lebt, erhalt und erweitert bzw. Aufgaben wahrnimmt wie Schutz vor staatlicher und okonomischer Willkur; Balance und Kontrolle staatlicher und okonomischer Autoritat; Produktion offentlich- er Guter; Werteerziehung und demokratische Sozialisation; pluralistische Interessenvermittlung durch offentliche Kritik; Forderung von Konfliktfahigkeit; Kritikfahig- und Kritikvertrag- lichkeit, Toleranz; Empathie; Hoflichkeit, Gewaltfreiheit; Bur- gerbeteiligung; Selbstorganisation; Unabhangigkeit, Eigen- verantwortung, Menschlichkeit, Solidaritat, Gemeinsinn, Bur- gersinn, Gerechtigkeit, Zivilcourage, Gewaltfreiheit und Tole­ranz, dann kann auch eine Gesellschaft als Gemeinschaft er- halten bleiben.53 Diese Werte konnen sich auf Dauer nur in einer Gesellschaft entwickeln, die im Groften und Ganzen als gerecht erlebt wird.54 „Ohne die Bereitschaft, mit anderen zu kooperieren, ware keine Gesellschaft lebensfahig.“55

3. IST-ZUSTAND DER OSTDEUTSCHEN Zivilgesellschaft : Fakten - Statistiken

Gesellschaftliche Beteiligung ist ein Hinweis auf soziale und politische Integration.56 Auch in Ostdeutschland finden wir eine Zivilgesellschaft bzw. Zivilgesellschaften.57 Regiona- le und soziale Unterschiede haben aber deutliche Auswir- kungen auf die Ideen und Tatigkeiten der (Zivil)Gesell- schaft.58

Was kennzeichnet die ostdeutsche Zivilgesellschaft? Bestehen solche Unterschiede zur westdeutschen Zivilge­sellschaft, dass man nach zwanzig Jahren dennoch diese Unterscheidung fuhren kann bzw. fuhren sollte? Wir werden uns nachfolgend einen Uberblick uber einige empirische Daten zur Bundesrepublik Deutschland (BRD), zu West- deutschland (WD) und zu Ostdeutschland (OD) ansehen. Speziell zu Ostdeutschland sollen, nur als Exkurs, auch Wer- te zum Land Sachsen-Anhalt und zur viertgroftten Stadt in Ostdeutschland, der Stadt Halle (Saale), vorgestellt sein.

Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland konnen aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen in der DDR und der alten BRD bzw. durch die Transformation seit 1990 und heutiger Bedingungen herruhren. Sie konnen ebenso bedingt sein durch unterschiedliche Ressourcenaus- stattungen und Interessenslagen (Sozialisation), so dass sich z.B. Beteiligungsmoglichkeiten und -bereitschaften un- terscheiden.59

Alle Tabellen sind von Stefan Henze erstellt wurden. Die Quellen zu diesen Daten befinden sich in der Anlage.

3.1 Allgemeine Soziale Daten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Sozio-okonomische Daten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Politische Einstellungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4 Burgerschaftliches Engagement

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Erklarungen zum IST-ZUSTAND DER ostdeutschen Zivilgesellschaft

Darstellungen und Erklarungen zu Ostdeutschland rei- chen von „Jammerossis“ die nun oder bald das ganze Land ruinieren bis zur Avantgarde der Ostdeutschen, die nun oder bald das ganze Land bestimmen und regieren.60 In Kapitel 3 kann man sehen, dass sich wesentliche (signifikante) Unter- schiede zwischen Ost- und Westdeutschland finden lassen und dass es diese ebenso bei der Zivilgesellschaft und bei der Entwicklung der Zivilgesellschaft gibt.61 Es ist daher nun zu untersuchen, warum die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands sich so anders aber auch so schwer entwickelt, trotz z.B. der „Kollektiverziehung“ der meisten Ostdeutschen in der DDR.62 Dazu nun einige Erklarungen.

4.1 Erklarungen aus historischer Sicht

4.1.1 Entburgerlichung und Proletarisierung

Eine Ursache fur die andere Entwicklung der Zivilgesell­schaft in Ostdeutschland wird in der „erzwungenen Entbur­gerlichung" in der Zeit der SBZ, der DDR bzw. durch den SED-Sozialismus gesehen.63 Burgerliche, vor allem Groft- burgerliche, Industrielle, Groftgrundeigentumer und -besitzer und Adelige wurden in der SBZ und in der DDR enteignet, vertrieben, verfolgt und deklassiert.64 Das Potential dieser Gesellschaftsschichten ging damit verloren. Reste burger- licher Kultur erhielten sich vor allem in den kirchennahen Milieus und im regionalen Engagement fur Kultur (z.B. Mu- sik, Kunst, Klassische Literatur, Erhalt „historischer Bausub- stanz“) in der DDR. Man organisierte sich in der Gesellschaft zunehmend nicht mehr selbst (Vereine), sondern es wurde sich organisiert in den und durch die Parteien und Massenor- ganisationen der DDR.65 Als Gegenentwurf zur burgerlichen Gesellschaft wollte man eine den Klassenkampf uberwinden- de neue Gesellschaft schaffen.66 Daraus entstanden, gefor- dert und kultiviert sei aber nur eine kleinburgerliche und arbeiterliche Gesellschaft, in der die meisten Selbstorgani- sation verlernt oder nie erlernt, dafur aber Gehorsam und Pflichterfullung, also den „Untertanengeist“ bis heute verin- nerlicht hatten.67

Der Innenminister des Landes Brandenburg, Jorg Schonbohm (CDU), lieft sich im Jahr 2005, nach einem sehr schlimmen Fall von neunfacher Kleinkinds-Totung im Land Brandenburg, sogar zu dem Satz verleiten: „Ich glaube, dass die von der SED erzwungene Proletarisierung eine der we- sentlichen Ursachen ist fur die Verwahrlosung und Gewalt- bereitschaft [in Ostdeutschland - S.H.].“68 Die mit diesem Satz vertretenen Behauptungen „Proleten toten Kinder“, „Die DDR produzierte mordende Mutter“, „Der Sozialismus ist an allem Schuld“, von Jorg Schonbohm, fallen unter die Katego- rie „Parolen, Palaver und Populismus“, da er im Einzelfall zwar Recht haben mag, es aber keine Anhaltspunkte und damit auch keine Berechtigung zu einer Generalverurteilung von „Proletariern“ bzw. Ostdeutschen gibt.69 Diese Behaup- tungen blenden einfach aus, dass fur diese Missetat ebenso individuelle Voraussetzungen, aber auch soziale Verwer- fungen mitverantwortlich sind, welche mit der Deutschen Ein- heit und dem Transformationsprozess zu bewaltigen waren und in diesem Fall ganz klar nicht bewaltigt wurden.70 Die Entburgerlichung ist dennoch ein wesentlicher Punkt im his- torischen Prozess.71 Es existieren aber auch noch weitere Ursachen fur eine anders ausgepragte, aber auch schwach- er ausgepragte ostdeutsche Zivilgesellschaft. Denn auch in der DDR engagierte man sich in groftem Umfang, was nicht einfach nur Mitgliederzahlen, sondern auch hinreichend do- kumentierte Tatigkeiten (Kultur, Sport, Gesundheit, Bildung, sogar in Parteien, usw.) zeigen. Warum ist selbst dies nicht mehr da?72

4.1.2 Demokratischer Aufbruch und Demokratischer Abbruch

In der DDR entstand 1989/90 eine Zivilgesellschaft, die es schaffte die Grundrechte der Burger in der DDR real, aber dann schon nicht mehr sozialistisch, erlebbar zu machen. Die Zivilgesellschaft wurde durch einige (bewegte) Burger wiederbelebt, die sich seit Jahren gegen Missstande, Un- rechtmaftigkeiten und Ungerechtigkeiten in der DDR enga- gierten. Die Dynamik, die sich aus dem fast vierzigjahrigen „Schweigen“ einer Zivilgesellschaft ergab, war nicht nur eine, es waren gleich zwei friedliche Revolutionen.73 Die „Erste Revolution" war eine „volkseigene“74 und noch keine anti- sozialistische. Ihr Ergebnis hat versucht die DDR zu refor- mieren und ein friedliches Ende des Ost-West-Konfliktes ein- geleitet. Dieser Verdienst gebuhrt unbestreitbar den (beweg- ten) Burgern und der Zivilgesellschaft75. Die „Zweite Revolu­tion" begann spatestens Anfang des Jahres 1990 und war das Ende fur die DDR. Die Burger der DDR folgten nicht mehr „ihrer“ „Bewegung“76. Mit der „Zweiten Revolution" ging nicht nur die DDR unter, sondern auch ihre Burgerbe- wegung.77 „Der Wille, so zu leben wie im Westen, war [nun - S.H. ] zu einer Triebkraft geworden, ...“78 Spotter uber diese Entwicklung, wie der damalige Bundestagsabgeordnete Otto Schily und die als DDR-Burgerrechtlerin bekannte Kunstlerin Barbel Bohley, wurden die „Zweite Revolution" wohl als „Bananenrevolution“ bezeichnen. „... das Auto [„Westauto“ - S.H.] und das ungehinderte Reisen.79 Beide waren die eigentlichen Einheitserzwinger.“80 War es wieder die „Magenfrage“, welche die „Ideenfrage“ durch die „Macht der Strafte“ verdrangte?81 Die (Burger)Bewegung erkannte wieder wer sie eigentlich war:82 eine Bewegung nun „ohne“ Burger.83 ' Wenn es die „Magenfrage“ war, die siegte, dann haben sich die (Bananen-)Burger wie die (Burger)Bewegung blamiert.84 Denn in dieser Hinsicht hatten diese Burger wie die (Burger)Bewegung ihre Ziele und Wunsche noch nicht erreicht. Die Vereinigung beider deutscher Staaten hatte schon vor der Deutschen Einheit vor 25 Jahren uber das Fernsehen stattgefunden. Die Mehrheit der Burger der DDR entschied sich bei der letzten und ersten freien Volkskam- merwahl, am 18. Marz 1990, fur den raschen und kompro- misslosen „Beitritt“.85 Die Mehrheit (50%) unter diesen Wah- lern waren die Arbeiter des bereits untergegangenen und nun damit auch abgewahlten Arbeiter- und Bauernstaates DDR.86 Diese Wahler, die Arbeiter, bilden heute zusammen mit den Niedrigqualifizierten einen Arbeitslosenanteil in Ost- deutschland von uber 80%, was die Frage von Wunschen, Anerkennung, Erfolg und Misserfolg im Einigungsprozess fur diese Burger sehr schnell beantwortet.87

Die (Burger)Bewegung in der DDR begann mit einigen bewegten Burgern den demokratischen und zivilgesellschaft- lichen Aufbruch in der DDR und erreichte erstmals Ende des Jahres 1989 eine breite und offentliche Zustimmung unter der DDR-Bevolkerung. Dadurch entstand die (Burger?)Be- wegung des Herbstes 1989/90. Nach der Volkskammerwahl im Marz des Jahres 1990 wurde die (Burger)Bewegung wie- der nur zu Gruppen von bewegten Burgern, die noch immer den demokratischen Aufbruch anmahnten und dennoch den zivilgesellschaftlich demokratischen Prozess dann sehr schnell im Abbruch sahen. Die Euphorie der Massen wich ei- ner Ernuchterung und nach der Deutschen Einheit dann lei- der auch einer Enttauschung der meisten Menschen. Die An- kunft im Alltag (Wolf) war eine andere als die versprochene und erhoffte.88 Auch die Ankunft im Supermarkt (Sailer)89 konnte nicht das Gefuhl der bewegten Burger, wie der be- reits zerbrochenen und zerfallenden (Burger)Bewegung ver- hindern, dass Runde Tische nicht ausschlieften konnen, dass man auch uber runde/Runde Tische gezogen werden kann.90

4.1.3 Okonomischer Aufbruch und Okonomischer Abbruch

In den Jahren 1990 bis 1994 trat ein okonomischer Strukturbruch in Ostdeutschland ein. Nach der Deutschen Einheit wurde fur viele Wirtschaftszweige der DDR der offen- sichtliche Investitionsruckstand zum Verhangnis.91 Hinzu ka- men erhebliche okologische, wirtschafts- und finanzpolitische Fehlentscheidungen aus der DDR-Zeit, der Zusammenbruch der RGW-Markte, neue Verkaufer- und vor allem Kauferpra- ferenzen auf den RGW-Markten, wirtschafts- und finanzpoli­tische Fehlentscheidungen (z.B. „Grundsatz“: „Ruckgabe vor Entschadigung“) und vorsatzliche „wirtschaftspolitische“ Fehlentscheidungen (z.B. „Treuhandgeschichten“) im Pro- zess der Deutschen Einheit und nach der Deutschen Einheit, welche zur Deindustrialisierung und zur Einfuhrung einer Transferokonomie in Ostdeutschland gefuhrt haben.92 Seit- dem vollzieht sich ein extremer okonomischer, okologischer und gesellschaftlicher Wandel, mit der hochsten Arbeitslo- senquote in der Bundesrepublik. Diese Erfahrungen der Ost- deutschen haben ebenso Ernuchterungen und Enttausch- ungen uber die Deutsche Einheit wachsen lassen, was bur- gerschaftliches Engagement im politischen wie im sozialen Sinne abbrechen lieft.101

4.1.4 Demokratischer, Okonomischer und Sozialer Abbruch

Burgerschaftliches Engagement war in der DDR vor al- lem im sozialen Bereich ausgepragt. Im politischen Feld durfte es offiziell kein Engagement aufterhalb der herrschen- den Ideologie geben. Das soziale Engagement ging zum groften Teil nach der Deutschen Einheit mit der Schlieftung („Abwicklung“) und/oder „Umstrukturierung“ aller dieser Ein- richtungen verloren.104 So ist die ostdeutsche Zivilgesell­schaft nicht nur schwacher entwickelt, es fehlen auch einfach „Strukturen“ bzw. Einrichtungen (Leerstellen), bei denen man sich engagieren konnte.105 Sie sind nicht vorhanden bzw. sind sie nicht mehr vorhanden, was die geringeren Zahlen burgerschaftlichen Engagements in Ostdeutschland erklaren kann.106 In Ostdeutschland ist es auffallig, dass man sich weniger in Organisationen, als vielmehr projektbezogen und zeitlich sehr begrenzt engagiert, aber dafur genauso intensiv wie in Westdeutschland.93 Dies konnte wiederum daher ruh- ren, dass man in der DDR sich dennoch vielen Organisation- en (Massenorganisationen: Junge Pioniere, Freie Deutsche Jugend (FDJ), Kulturbund, Gesellschaft fur Sport und Tech- nik (GST), Gesellschaft fur Deutsch-Sowjetische Freund- schaft (GDSF), Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), usw.) nur sehr schwer entziehen konnte und die Mitgliedschaft zumindest in diesen Organisationen erwartet wurde, und sich viele Ostdeutsche heute daher schwer tun mit einer Mitgliedschaft in festen Organisationen.94 Priller (1996), Backhaus-Maul/u.a. (2003) und Meulemann (2001) vermuten daher, dass es der schwacheren Zivilgesellschaft Ostdeutschlands nicht an der Bereitschaft der Ostdeutschen, sondern an der Gelegenheit, fur die, die sich engagieren wol- len, mangelt.95

[...]


1 Wortspiel nach Opp/VoR> 1993.

2 Vgl. Rink 2005: 3.

3 Vgl. Jarausch 2004.

4 Vgl. Dahrendorf, hier zitiert nach Misselwitz 2002: 31. Kursive Hervorhebung des Wortes „zwanzig“ im Zitat, durch den Autor - S.H.

5 Vgl. Henne 2006; Vgl. Probst 2003: 43-55; Vgl. Harpprecht 1999: 44-47.

6 Vgl. Beyme 1992: 74-89; Vgl. Greiffenhagen 1997: 317-333; Vgl. Knorr 2005: 8­13; Vgl. Pilz 2004: 52-88.

7 Vgl. Greiffenhagen 1997: 317-333; Vgl. Knorr 2005: 8-19; Vgl. Roy 2005: 109­120; Vgl. Pilz 2004: 117-132.

8 Vgl. Munkler/Wassermann 2008: 3ff.

9 Vgl. Munkler/Wassermann 2008: 4ff.

10 Vgl. BMI 2002: 12.

11 Vgl. ebd.; Vgl. Probst 2002: 26f.

12 Ein Wort ist ein Zeichen bzw. eine Zeichenfolge, welche aus einer endlichen Anzahl von Zeichen, z. B. aus einer Auswahl von Buchstaben (a, ..., z), besteht, welche nach bestimmten Regeln einer Sprache kombiniert werden. Ein Wort, aus einer Zeichenfolge, wird wiederum zu einem Zeichen. Um ein Wort verstehen, lesen und deuten zu konnen, muss man es nicht nur horen oder lesen, man muss ihm auch eine Sinnfolge, also einen Begriff, eine Bedeutung zuordnen konnen. Sonst kann man ein Wort nur lesen oder horen, aber nicht deuten, verstehen und begreifen.

13 Ein Begriff ist eine Sinnfolge, welche z.B. aus der Kombination von Wortern zu einem Satz bzw. zu Satzfolgen gebildet wird. Die Kombination von Wortern zu einem Satz bzw. zu Satzfolgen, folgt ebenso bestimmten Regeln einer Sprache.

14 Es existiert das Wort „Zivilgesellschaft“ und das Wort „Burgergesellschaft“. Sie unterscheiden sich unbestreitbar in der Zeichenfolge. Sie konnen die gleiche Sinnfolge zugeordnet bekommen (Synonym). Meist werden diesen Wortern aber unterschiedliche Sinnfolgen zugeordnet, die in ihren Begriffsdimensionen aber durchaus ahnlich sind („quasi Synonym“), aber auch deutlich von einander ab- weichen konnen.

15 Siehe dazu z.B. Ehrke 2000; Forndran 1998; Munkler/Wassermann 2008; Probst 2002.

16 Ausfuhrlicheres zum Begriff des „Burgers“ bzw. zur Begriffs- und Wirkungsge­schichte des Begriffes „Burger“ vgl. z.B. Kocka (2008) und Munkler/Wassermann (2008: 11ff.) Um jeder „Begriffsideologisierung“ vorzubeugen, bitte ich folgende Begriffslogik zu beachten: Nicht jeder Burger ist ein „Arbeiter“, aber jeder „Arbei- ter“ ist ein Burger. „Burger“ wird hier insbesondere als demokratisches und so- ziales „Pradikat“ im heutigen Sinne der Menschenrechte verstanden.

17 Vgl. Limbach 2002: 305.

18 Tonger 1909: 148.

19 Vgl. Limbach 2002: 305; Vgl. Nida-Rumelin 2001: 61.

20 Vgl. Nida-Rumelin 2001: 61.

21 Vgl. BMI 2002: 12f.

22 Vgl. Munkler 2005: 9.

23 Vgl. Bursch 2006: 1f.; Vgl. Glaab/Kieftling 2001: 591.

24 Vgl. Forndran 1998: 45.

25 Vgl. Klein/Speth 2000: 53.

26 Vgl. BMI 2002: 13; Vgl. Bursch 2006: 3.

27 BMI 2002: 13; Vgl. Klein 2007.

28 Vgl. Klein/Speth 2000, hier zitiert nach Glaab/KieGling 2001: 592.

29 Vgl. BMI 2002: 18.

30 Vgl. Limbach 2002: 305.

31 Vgl. Münkler 2005: 11: „Behandelt der Obrigkeitsstaat seine Bürgerinnen und Bürger wie unmündige Kinder, deren Autonomiefähigkeit er misstraut und die er darum mit einer Fülle von Geboten und Verboten vor sich selber zu schützen trachtet, so ist der liberale Staate getragen von dem Vertrauen, dass die Bürger autonome Wesen sind, die eigenverantwortlich zu handeln in der Lage sind.“

32 Vgl. BMI 2002: 13; Vgl. Klein/Speth 2000: 50.

33 Vgl. BMI 2002: 14.

34 Vgl. BMI 2002: 15ff.; Thierse 2000: 6.

35 Vgl. BMI 2002: 14ff.

36 Vgl. BMI 2002: 14.

37 Vgl. Munkler 2005: 12.

38 Vgl. Munkler 2005: 11-14.; Vgl. ausfuhrlicher zur Solidaritat: Reinhardt 2000.

39 Munkler 2005: 13.

40 Vgl. Bogumil/Holtkamp 2002: 7; Vgl. Sarcinelli/Gensicke 2000, hier zitiert nach Glaab/KieGling 2001: 591.

41 BPA 2005: 6.

42 Vgl. Forndran 1998.

43 BPA 2005: 15.

44 Vgl. Himmelmann 2002; Vgl. Sander 2005.

45 Vgl. BMI 2002: 15; Vgl. Forndran 1998; Vgl. Munkler/Wassermann 2008: 4-8.

46 Limbach 2002: 306.

47 Vgl. Forndran 1998; Glaab/KieGling 2001: 591f.

48 Vgl. BMI 2002: 16.

49 Vgl. BMI 2002: 16.

50 Speth/Klein 2000: 50f.

51 Vgl. Bohnisch/Schroer 2002; Vgl. Glaab/Kieftling 2001: 592.

52 Vgl. BMI 2002: 15.

53 Vgl. Alscher/u.a. 2008.

54 Vgl. Alscher/u.a. 2008; Vgl. Limbach 2002: 305.

55 Vgl. Limbach 2002: 309; Vgl. Munkler/Wassermann 2008: 8-10.

56 Vgl. Glaab/Kieftling 2001: 591.

57 Vgl. Thierse 1995, hier zitiert nach Landtag LSA 1995: 60: „Gelegentlich wer­den Burger unterfordert. Damit sind sie als politische Burger der Republik uber- fordert, durch die Unterforderung an Zumutungen und an Wahrheit, die man ihnen gegenuber formuliert.“

58 Vgl. Hinte 2004; Hummel 2004; Sommer 2004; Stolterfoht 2004.

59 Vgl. Lubbe 2002.

60 Vgl. Glaab/Kieftling 2001: 592.

61 Vgl. Bertelsmann-Stiftung 2002; Vgl. BMI 2002: 13; Vgl. Glaab/Kieftling 2001: 591; Vgl. Jarausch 2004: 7; Vgl. Nida-Rumelin 1999, hier zitiert nach Thierse 2000: 6; Vgl. Limbach 2002: 305, 311. Soziale und demokratische Aspekte wie Perspektiven greifen fest ineinander - S.H.

62 Vgl. Rothstein, hier zitiert nach BMI 2002: 17.

63 Nida-Rumelin 2001: 85.

64 Vgl. Statistisches Bundesamt 2000: 530.

65 Vgl. Backhaus-Maul/u.a. 2003: 5-18; Vgl. Land 2003; Vgl. Priller 1998; Vgl. Rink 2005; Vgl. Seibel 1998.

66 Vgl. ebd.

67 Vgl. Backhaus-Maul/u.a. 2003: 5-18; Vgl. Statistisches Bundesamt 2000: 530.

68 Vgl. Berg/u.a. 2004; Vgl. Busse/Durr 2003b; Vgl. Dahn 1997; Vgl. Decker/ Decker 2000; Vgl. Engler 2004; Vgl. Hildebrandt 2005; Vgl. Hoppner 2003; Vgl. Rink 2005; Vgl. Kollmorgen 2005, 2007; Vgl. Krone 1996; Vgl. Winter 2002.

69 Vgl. Backhaus-Maul/u.a. 2003: 5-18; Vgl. Priller 1998; Vgl. Seibel 1998.

70 Vgl. Backhaus-Maul/u.a. 2003: 5-18; Vgl. Bertelsmann-Stiftung 2002: 25; Vgl. Meulemann 2001.

71 Vgl. Groftbolting 2008; Vgl. Kaiser 2008: 29f.; Vgl. Kocka 2008; Vgl. Jarausch 2004: 7-13; Vgl. Vester 2001: 153ff. Zur Entburglichung durch den Nationalso- zialismus vgl. z.B. Kocka (2008: 7f.) und Groftbolting (2008: 17f.). Zur Entburger­lichung in der BRD vgl. z.B. Groftbolting (2008: 18, 19f.) und Kaiser (2008: 29ff.). Anmerkung - S.H.: Wenn man mindestens die Zeit von 1933 bis 1989 summiert kommt man auf gut sechzig Jahre Prozesse der Entburgerlichung im Gebiet Ost­deutschlands. Vielleicht hat Ralf Dahrendorf deswegen gut sechzig Jahre fur den Aufbau der Zivilgesellschaften in den postkommunistischen Landern Mittel- und Osteuropas angenommen (Vgl. Misselwitz 2002: 31.)? Der historische Blick auf die Entburgerlichung soll hier aber auf die Zeit der SBZ und auf die Zeit der DDR erst einmal genugen.

72 Vgl. ebd.

73 Vgl. Jarausch 2004: 10f.

74 Vgl. Jarausch 2004: 8; Vgl. Vester 2001: 153.

75 Vgl. Kollmorgen 2007 (ausfuhrlich kritisch zu diesen Argumenten); Vgl. Schoch/Weift 2003; Vgl. Vester 2001: 153f.

76 Vgl. Hufer 2006: 66.

77 Vgl. Hufer 2006: 66. Anmerkung - S.H.: Aufterdem ist aus der historischen Familienforschung bekannt, dass die Kindersterblichkeit z.B. gerade bei Kindern aus Groftgrundbesitzerfamilien sehr hoch war und dies dann doch auffallig ist zur ebenso bekannten und vor allem weit niedrigeren Kindersterblichkeitsrate bei Ar- beiter- und Bauernkindern. Aus heutiger Sicht wundert man sich daruber zu- nachst, da man eher annehmen wurde, dass es den Kindern aus beguterten Fa- milien auch schon damals gut ging. Ihnen ging es auch gut, wenn sie eine be- stimmte Kinderzahl nicht uberstiegen. Die Vermutung kann daher nicht ausge- schlossen werden, dass die beguterten Familien sich meist nicht mehr als drei Kinder „leisten“ konnten, wenn sie die Wirtschaftskraft ihrer Guter erhalten und nicht teilen bzw. ihren Kindern und sich selbst ein standesgemaftes Leben si- chern wollten. Der „Reichtum“ der Kinder mit der „Gnade der Erstgeburt“ musste daher auf Kosten der Nachgeborenen gehen. Es ist nicht nur eine Vermutung, sondern ebenso bekannt, dass dies dann nicht immer auf sittlichem Wege geschah, dass man tatsachlich hochstens drei Kinder hatte. Die Kinder den Frau­en? Die Kinder den Muttern? Die Kinder den Arbeiterinnen? Die Kinder den Bur- gerinnen? Alles waren nach Bertolt Brecht Stigmatisierungen, welche er vielleicht daher im Kaukasischen Kreidekreis auflosen wollte, indem er im Schluss verkun- den lasst: „Die Kinder den Mutterlichen, damit sie gedeihen.“

78 Vgl. Hufer 2006: 66.

79 Vgl. Kocka 2008: 8f.

80 Vgl. Fulbrook 2008, hier zitiert nach Klose 2009; Offe/Fuchs 2001: 464ff. An- merkung - S.H.: Burgerschaftliches Engagement gab es auch „aufterhalb“ der so genannten Massenorganisationen in der DDR, welche sich vor allem immer star­ker ab Ende der 1970er Jahre entwickelten, was hier aber nicht weiter ausgefuhrt werden kann (vgl. dazu Eckert 2006).

81 Vgl. Jarausch 2004: 7f.

82 Vgl. Engler 2004: 11-40; Vgl. Mittenzwei 2003: 363-433.

83 Wortspiel nach Opp/Voft 1993.

84 Vgl. Eckert 2006: 106; Vgl. Mittenzwei 2003: 363ff; Vgl. Rein 1989.

85 Barbel Bohley sagte 1990: „Das Neue Forum ist die Widerspiegelung dessen, was in der Gesellschaft da ist.“ (Mittenzwei 2003: 376.).

86 Vgl. Poppe 1999, hier zitiert nach Landtag LSA 1999: 18.

87 Mittenzwei 2003: 369, vgl. a. 372.

88 Vgl. Jarausch 2004: 30; Vgl. Mittenzwei 2003: 375.

89 Mittenzwei 2003: 431.

90 Vgl. Mittenzwei 2003: 369, 372f.

91 Vgl. dazu Eppelmann 1999, hier zitiert nach Landtag LSA 1999: 8: „... der 18. Marz 1990 hat es gezeigt, dass wir [die Burgerbewegung - S.H.] ubersehen ha­ben, dass die Menschen zu mindestens 95% allabendlich ausgewandert sind, und zwar nicht zu den Gruppierungen ,Demokratie jetzt‘ oder ,Demokratischer Aufbruch‘, ...“

92 Vgl. Mittenzwei 2003: 372f.

93 Vgl. Kollmorgen 2005: 250.

94 Vgl. Kollmorgen 2005: 250.

95 Vgl. Kollmorgen 2005: 250.

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands als Avantgarde?!
Untertitel
Demokratischer Aufbruch und/oder Demokratischer Abbruch?!
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
141
Katalognummer
V159306
ISBN (eBook)
9783640720187
ISBN (Buch)
9783640720613
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bürgerschaftliches Engagement, Deutsche Einheit, Marktversagen, Öffentliche Güter, Ostdeutschland, Ostdeutschlandforschung, Politische Kultur, Politische Soziologie, Soziale Ungleichheit, Staatsversagen, Transformation, Zivilgesellschaft, Avantgarde, Neue Länder, Aufbau Ost, Ost-West-Vergleich, Zivilgesellschaftsforschung, Kulturstiftung des Bundes, Innovation, Dahrendorf, Gemeinsinn, Politikberatung, Bürgerwissenschaft, Citizen Science
Arbeit zitieren
Stefan Henze (Autor), 2009, Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands als Avantgarde?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159306

Kommentare

  • Stefan Henze am 19.8.2017

    Interessante Links zur Zivilgesellschaft:

    1. Wissenschaft: https://master.politik.uni-halle.de/parlamentsfragen-und-zivilgesellschaft/
    2. Civil society: http://www.maecenata.eu/
    3. Kunst/ Alternativ: https://pen.gg/

  • Stefan Henze am 23.8.2017

    AKTUELLES zum Buch:

    Markant am Inhalt: Die in diesem Buch damals getroffenen Prognosen sind eingetreten. Ostdeutschland ist nicht nur eine Region, sondern auch ein Gesellschaftsszenario. Phänomene wie in Ostdeutschland bzw. Vergleiche zu Ostdeutschland (z.B. Deindustrialisierung, Zentrum-Peripherie-Gefälle, weitere Peripheriebildung, Rückzug des Staates, sogar Rückzug des Marktes) diskutieren wir heute europaweit und auch in den USA (vgl. Guérot 2016: Frankreich...).

    Was kann eine Zivilgesellschaft bei solchen Voraussetzungen leisten? Brauchen wir eine Zivilgesellschaft? Ein wichtiger Teil im Buch ist daher der Verweis und die Analyse von Handlungsempfehlungen (zur Bildungs-, Wirtschafts- und Kulturpolitik), um vor allem negative Entwicklungen einzudämmen, abzubauen oder gar zu verhindern und positive zu befördern. Die Daten im Buch beruhen auf den Daten des Statistischen Bundesamtes, der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

    Der Zugang zum Thema orientiert sich am Wissenschaftskonzept „Öffentliche Sozialwissenschaft“ bzw. „Bürgerwissenschaft“ (Citizen Science). Es ist daher allgemeinverständlich geschrieben und wendet sich auch an interessierte Bürger*, für die ein sozialwissenschaftlicher (Politik, Wirtschaft, Soziologie) Zugang (zunächst) eine Bildungsbarriere darstellen würde.

    Ebenso wendet es sich an Personen, die eine knappe Einführung in das Thema und ggf. weiterführende Literatur dazu suchen (z. B. Multiplikatoren, Lehrer, Schüler, Studenten, Vereine, Kulturelle und Politische Bildung, Politikberatung).

    Ein weiterer Unterschied zu anderen Publikationen: In diesem Buch fanden zahlreiche Publikationen aus der „Grauen Literatur“ zum Thema "Ostdeutschlandforschung, Europa und Zivilgesellschaft" Eingang, die im Literaturverzeichnis dokumentiert sind. Es führt empirische Befunde zu historischen, ökonomischen, politikwissenschaftlichen, soziologischen und pädagogischen Betrachtungen zusammen.

  • Stefan Henze am 7.9.2017

    (GUÉROT 2016: Frankreich ...) Vergleich zu Ostdeutschland ...? Vollständige Literaturangabe:

    Guérot, Ulrike (2016): Frankreich: Das Ende der Republik? In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 1/2016 (61. Jg.), S. 59-67.

  • Stefan Henze am 10.9.2017

    Ist doch LOGO/ Nota bene: Gemeinsam für EUROPA!

    Vielen Dank für die Frage und den Hinweis! Wer ist Urheber und Rechteinhaber (Nutzung) der Zeichenfolge „dEUtschland“ – Das Logo der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1999 beim Vorsitz der Bundesrepublik Deutschland im Rat der Europäischen Union (kurz: EU-Ratspräsidentschaft):

    Wer weiß es oder wusste es nicht? Leider ist es bei Wikipedia (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsitz_im_Rat_der_Europ%C3%A4ischen_Union) noch nicht zu finden (Stand: 09.09.2017).

    Im Jahr 1999 übernahm die Bundesrepublik Deutschland erneut die EU-Ratspräsidentschaft. Es ist die Amtszeit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder.

    In dieser Zeit wurde für die EU-Ratspräsidentschaft, von der Bundesregierung und bei der EU, zur Würdigung der Ratspräsidentschaft der Bundesrepublik, ein „Wort-Bild-Logo“ mit der Buchstabenfolge „dEUtschland“ im Logo verwendet. Alle Buchstaben im „Wort-Bild-Logo“ sind Großbuchstaben und die Buchstaben „E“ und „U“ sind in ihrer Größe zusätzlich hervorgehoben, im Vergleich zu den anderen Buchstaben, so dass diese Hervorhebung „EU“ deutlich erkennen lässt. Um dieses Logo nur als normalen Zeichensatz (ohne Bild-Elemente) wiedergeben zu können, wurde in der Zusammenfassung zum Buch die Buchstabenfolge „dEUtschland“ gewählt, also die Kombination von Klein- und zwei Großbuchstaben.

    Wenn ich es richtig erinnere, dann wurde dieses Logo auf einer Pressekonferenz durch den Staatsminister im Kanzleramt, Herrn Hans Martin Bury, der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Die Bundesregierung würdigte dieses Logo auch mit diesen Worten, dass es für ein europäisches Deutschland stehe, dass z.B. auch die Deutsche Einheit aus einem europäischen Geist und nicht aus einem nationalen und schon gar nicht aus einem nationalistischen, erst möglich wurde und die Bundesrepublik daher auch als Dank an Europa und die EU, Europa auch gerne mit im Namen trage!

    Wer Urheber des „Wort-Bild-Logos“ der EU-Ratspräsidentschaft der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1999 ist, ist mir leider bisher nicht bekannt. Ich gehe davon aus, dass die Bundesrepublik aber weiterhin über das Nutzungsrecht an diesem „Wort-Bild-Logo“ verfügt.

    Der Text im Buch hier wurde Anfang des Jahres 2009 erstellt. Die o.g. Zeichenfolge befindet sich auf Seite 3 (0. Zusammenfassung). Im Buch wird diese Zeichenfolge ebenso zur Würdigung Europas und der EU und zur Würdigung der Logo-Idee verwendet.

    BELEGE:

    1. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung/ Läufer, Thomas (1999; Hg.): Vertrag von Amsterdam. Texte des EU-Vertrages und des EG-Vertrages mit den deutschen Begleitgesetzen, 2. Aufl., Bonn. (HIER ist das LOGO auf dem Umschlag zu finden.)

    2. Alle können auch selbst beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung oder beim Büro von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder oder beim Büro von Bundesaußenminister a.D. Joschka Fischer nachfragen . Vielleicht wird dann der Wikipedia-Artikel bald vervollständigt und vielleicht erfährt man dann auch etwas über den Urheber*.

  • Stefan Henze am 10.9.2017

    Links zum WEITERLESEN - Demokratie und Europa.

    Wer sich mit Demokratie und Europa befassen möchte den empfehle ich zwei kleine Büchlein:

    1. Möllers, Christoph (2008): Demokratie. Zumutungen und Versprechen, Berlin.

    2. Ginsborg, Paul (2008): Wie Demokratie leben. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, Berlin.

    Wer weitere Einblicke in internationale Diskussionen erhalten möchte:

    3. Alonso, Sonia/ Keane, John/ Merkel, Wolfgang (2011; Eds.): The Future of Representative Democracy, Cambridge.

    ...und alle anderen Literaturangaben im Buch und hier bei den Kommentaren.

Im eBook lesen
Titel: Die Zivilgesellschaft Ostdeutschlands als Avantgarde?!


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden