„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“, sagte Willy Brandt, damals regierender Bürgermeister West-Berlins, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer. Nach 40 Jahren, in denen zwei politisch und wirtschaftlich gegensätzlich orientierte Staaten nebeneinander existiert hatten, kam die Wiedervereinigung Deutschlands plötzlich und unverhofft. Voller Zuversicht und Optimismus blickte die deutsche Bevölkerung der gemeinsamen Zukunft damals entgegen. Doch ist die Wiedervereinigung auf allen Ebenen gelungen, sind die beiden deutschen Teilstaaten tatsächlich nahtlos zu einer Einheit zusammengewachsen? Die vorliegende Arbeit beleuchtet die deutsche Wiedervereinigungsgeschichte aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive und versucht so herauszuarbeiten, welche Folgen die Wende insbesondere für die ostdeutsche Bevölkerung mit sich gebracht hat. Für die BüergerInnen der DDR bedeutete die Wende nicht nur eine Integration in ein neues wirtschaftliches und politisches System, sie mussten sich zudem in einer anders geprägten Kultur orientieren. Um herauszuarbeiten, welchen kulturellen Schwierigkeiten sich die Ostdeutschen gegenübersahen, bietet im Rahmen dieser Arbeit das Kulturschockmodell Wolf Wagners eine theoretische Basis. Mithilfe dieses Modells wird aufgezeigt, ob und in welcher Form bezüglich der Wendezeit von einem zu verarbeitenden Kulturschock gesprochen werden kann. Anschließend wird dargestellt, welche Folgen dieser Kulturschock mit sich gebracht hat und welche Präsenz diese Folgen auch heute noch im Alltag vieler Ostdeutschen haben. In einem letzten Schritt wird ein Format aus dem Bereich des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) vorgestellt, welches einen möglichen Lösungsansatz bietet, die Folgen des innerdeutschen Kulturschocks, die im Leben vieler Ostdeutschen auch heute, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, noch präsent sind, zu verarbeiten und den Integrationsprozess so endgültig abzuschließen. Diese Arbeit versucht, die Ost-West Problematik aus einer Perspektive zu betrachten, die die Dringlichkeit, der diese Thematik auch heute noch unterliegt, verdeutlicht. Gleichzeitig wird ein Lösungsansatz angeboten, der eine endgültige Verarbeitung der Folgen der Wiedervereinigung ermöglichen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kulturschocktheorie
2.1 Ein Kulturkonzept
2.2 Das Kulturschockmodell
2.3 Die einzelnen Phasen des Kulturschocks nach Wagner
3. Der innerdeutsche Kulturschock
3.1 Ein historischer Abriss zur deutschen Teilungsgeschichte
3.2 Ein Land – zwei Kulturen
3.3 Der Verlauf des innerdeutschen Kulturschocks
3.3.1 Die Euphorie
3.3.2 Die Entfremdung
3.3.3 Die Eskalation
4. Ein Ansatz zur Lösung des Ost- Westkonflikts mithilfe des NLP
4.1 Neurolinguistisches Programmieren
4.2 Die Möglichkeiten des NLP
4.3 Ein NLP- Format als Lösungsansatz zur Überwindung des Konfliktes
4.4 Die Grenzen des NLP bei der Überwindung des NLP
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Wiedervereinigung aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive und analysiert die dabei entstandenen Folgen für die ostdeutsche Bevölkerung mithilfe des Kulturschockmodells nach Wolf Wagner. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Systemwechsel einen innerdeutschen Kulturschock ausgelöst hat, und ein Format aus dem Bereich des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) als Lösungsansatz zur nachträglichen Bewältigung dieses Prozesses und zur Förderung der Integration vorzustellen.
- Analyse der Wiedervereinigung als interkulturelles Phänomen
- Anwendung des Kulturschockmodells auf die deutsch-deutsche Teilungsgeschichte
- Untersuchung der Entstehung von Ost-West-Stereotypen und deren Auswirkungen
- Vorstellung von NLP-Formaten als Instrument zur Trauerarbeit und Ressourcengewinnung
- Diskussion der Integrationsfähigkeit von Kultursystemen
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Die Euphorie
Die unmittelbare Zeit nach dem Fall der Mauer lässt deutliche Parallelen zur Euphoriephase des Kulturschockmodells erkennen. Die ersten Schritte der Wiedervereinigung sind, in beiden Teilen Deutschlands, insbesondere jedoch auf der ostdeutschen Seite, vor allem geprägt durch hohe Erwartungen, Vorfreude und Zukunftsoptimismus sowie dem Gefühl der Befreiung aus einem System der Einengung. Die Freude über die Einheit und die Freude über die Möglichkeit, am westdeutschen Wohlstand teilhaben zu können, dominieren hier. Der radikale Einschnitt in den individuellen Alltag, den die Wende mit sich bringt, wird vorerst nicht wahrgenommen. Die euphorischen Gefühle und die Neugier auf das, was kommt, überlagern etwaige Schwierigkeiten: diese werden vorerst außer Acht gelassen, was der Ignoranz, die die euphorische Phase prägt, entspricht. Die eigene kulturelle Kompetenz wird in keiner Form angezweifelt. Beide Teile Deutschlands treten sich offen und erwartungsvoll gegenüber, der Ausspruch „Wir sind das Volk“, der sich später noch weiter zuspitzt und dann „Wir sind ein Volk“ lautet, macht einen klaren Einheitswunsch auf beiden Seiten deutlich. (vgl. Reißig 2000:2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung der deutschen Wiedervereinigung ein und begründet die kulturwissenschaftliche Betrachtungsweise sowie den Einsatz des Kulturschockmodells.
2. Die Kulturschocktheorie: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament, definiert den Kulturbegriff nach Thomas und Oberg und beschreibt das Kulturschockmodell sowie dessen Erweiterung durch Wolf Wagner.
3. Der innerdeutsche Kulturschock: Hier wird der historische Kontext der Teilung beleuchtet und der Verlauf des innerdeutschen Kulturschocks in den Phasen Euphorie, Entfremdung und Eskalation detailliert analysiert.
4. Ein Ansatz zur Lösung des Ost- Westkonflikts mithilfe des NLP: In diesem Kapitel wird das Neurolinguistische Programmieren als Lösungsansatz vorgestellt, dessen Formate, wie "Der Weg über die Grenze", auf ihre Anwendbarkeit bei der Bewältigung des Integrationskonflikts geprüft werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, unterstreicht die Notwendigkeit aktiver Integrationsförderung und betont die Bedeutung interkultureller Kompetenz für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Wiedervereinigung, Kulturschock, Ost-West-Konflikt, Kulturmodell, Identität, Integration, Neurolinguistisches Programmieren, NLP, Stereotypen, Transformationsprozess, Wertekonzept, Systemwechsel, interkulturelle Kommunikation, Trauerarbeit, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die deutsche Wiedervereinigung nicht nur als politisches oder wirtschaftliches Ereignis, sondern als einen tiefgreifenden kulturellen Transformationsprozess, der für viele Menschen einen Kulturschock bedeutete.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Kulturschocktheorie, die deutsche Teilungsgeschichte, die psychologische Dynamik zwischen Ost- und Westdeutschen sowie die Anwendung von NLP-Methoden in der interkulturellen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Folgen der Wiedervereinigung bis heute als unbewältigter Kulturschock fortbestehen können und wie psychologische Coaching-Methoden helfen können, diese Prozesse nachträglich abzuschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, basierend auf dem Kulturschockmodell nach Wolf Wagner, und kombiniert diese mit dem theoretischen und praktischen Ansatz des Neurolinguistischen Programmierens (NLP).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Kulturschockmodells, die historische und soziologische Analyse des innerdeutschen Konflikts sowie die Darstellung des NLP-Formats "Der Weg über die Grenze" als Lösungsstrategie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturschock, Ost-West-Konflikt, Identität, Integration, Systemwechsel, Stereotypenbildung und NLP-Coaching.
Wie unterscheidet sich die "Eskalationsphase" im Modell von Wagner?
Die Eskalationsphase ist der Tiefpunkt des Kulturschocks, in dem Fehler der jeweils anderen Kultur zugeschrieben werden und eine ausgeprägte Sieger-Verlierer-Mentalität sowie gegenseitige Stereotypisierung entstehen.
Was bedeutet das NLP-Format "Der Weg über die Grenze"?
Es ist ein von Bernd Isert entwickeltes Veränderungsformat, das als Metapher den bewussten Übergang zu etwas Neuem darstellt, um durch Trauerarbeit und Ressourcenorientierung eine vollständige Integration zu ermöglichen.
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- Anonym (Autor), 2010, Die deutsche Wiedervereinigung - ein Kulturschock?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159316