Indien als Lebensraum in „Os Lusíadas“ von Luís de Camões


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. HAUPTTEIL
2.1. Geografische Lage
2.2. Gesellschaft
2.3. Religion
2.4. Brauche und Sitten

3. SCHLUSS

4. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Darstellung Indiens als Lebensraum im Epos ,,Os Lusiadas" von Luis de Camoes auseinandersetzen und dabei verschiedene Facetten beleuchten, um ein moglichst umfassendes Abbild dieses groften Landes und seiner Bevolkerung im 16. Jahrhundert darlegen zu konnen.

Camoes' beruhmtes Werk, das sich aus zehn Gesangen und 1102 Strophen zusammensetzt, wurde vermutlich im Jahre 1556 fertiggestellt, aber erst 1572 erstmalig gedruckt. Es bietet fur die angestrebte Analyse vor allem im sechsten und siebten Gesang geeignete Ansatzmoglichkeiten.

Die von Camoes gewahlte Reihenfolge der Strophen und Verse wird zugunsten einer verbesserten Themenzuordnung aufgegeben, wodurch sich der komplexe Zusammenhang anschaulicher darstellen lasst. Nicht desto trotz sollten nicht bloft die herausgelosten Strophen sondern vielmehr der Epos beziehungsweise zumindest der einzelne Gesang als Ganzes betrachtet werden, damit auch der zwischen den Zeilen ubermittelte Inhalt nachvollzogen werden kann.

Um einerseits der Zitierpflicht hinreichend nachzukommen, zum anderen um den Leser muhsame Sucharbeit zu ersparen und ihm eine flussige Lekture dieser Arbeit zu ermoglichen, werden die behandelten Strophen und Verse unmittelbar explizit herausgestellt werden. Da es bei der Vielfaltigkeit an veroffentlichen Exemplaren von “Os Lusiadas” daruber hinaus vorkommen kann, dass unnotig verwirrende orthographische Unterschiede auftreten, dienen jene abgesetzten Strophen auch dazu, den Lesern eine gemeinsame und identische Textgrundlage an die Hand zu geben.

Der Hauptteil gliedert sich in die vier Themengebiete Geografische Lage, Gesellschaft, Religion sowie Brauche und Sitten. Uber ihren jeweiligen Inhalt geben die aussagekraftigen Titel bereits eindeutige Informationen. Im ersten Kapitel wird das Land Indien aus geografischer Sicht beschrieben. Man wird vieles uber die naturlichen Grenzen des Festlandes erfahren, einzigartige und offensichtliche Charakteristika kennenlernen und Einblicke in die Historie gewinnen. Des Weiteren findet die Aufsplittung des Landes in vereinzelte Landereien Zugang zu diesem Kapitel. Im darauffolgenden Abschnitt Gesellschaft wird an jene Aufsplittung angeknupft und sich im Weiteren mit den diversen Bevolkerungsgruppen und ihrem sozialen Zusammenleben auseinandergesetzt werden.1

Im dritten Kapitel Religion wird das Glaubensleben des Konigs Perimal im Vordergrund stehen, der sich derart in den Bann des Islams hatte ziehen lassen, dass er sich dazu veranlasst sah, sich von seinem Land abzuwenden. Nebenrangig wird dieses Kapitel die Vielfaltigkeit an Glaubensgruppierungen in Indien zur damaligen Zeit behandeln.

Das vierte Kapitel wird naher auf die Gewohnheiten und Brauchtumer der indischen Gesellschaft eingehen. Obgleich naturlich nicht alle Brauche zur Sprache werden kommen konnen, so lassen sich doch diverse interessante Einsichten in die vielfaltige Kultur Indiens erschlieften.

2. Hauptteil

2.1. Geografische Lage

Bereits bei der ersten Sichtung von indischem Festland gibt Luis Vaz de Camoes in ,,Os Lusiadas" ein wichtiges geografisches Charakteristikum des Landes preis: die schon von weither sichtbaren Berge und hoch gelegenen Hugel:

Ja a manha clara dava nos outeiros Por onde o Ganges murmurando soa, Quando da celsa gavea os marinheiros Enxergaram terra alta, pela proa.2

Die Gebirgskette, auf die in dieser Strophe Bezug genommen wird, wird an anderer, spaterer Stelle wiederholt aufgegriffen:

Aqui se enxerga, la do mar undoso,

Um monte alto, que corre longamente,

Servindo ao Malabar de forte muro,

Com que do Canara vive seguro;3

Aus der Sicht des weiten, offenen Meeres wird von einer hohen, langgezogenen Bergkette gesprochen, die Malabar als Schutzmauer vor dem benachbarten Canara diente. Der genaue Verlauf des Monte Gate4 beziehungsweise des Monte Ghattes lasst sich der Karte entnehmen, die in Maria Alda Loya Soares Silvas Werk ,,A Leitura como Viagem abgebildet ist.5

Indien wird von Camoes als ein sehr gropes Land empfunden und als ein solches dargestellt. An zwei Stellen lasst sich dies besonders gut feststellen: Um terreno muigrande [...].6 und [...] em grande espago[...]7

Er ist bemuht, die geografische Beschreibung Indiens moglichst detailliert und nachvollziehbar darzulegen. Camoes charakterisiert das Festland als pyramidenformigen Streifen Land, an dessen Spitze die heutige Insel Sri Lanka vorgelagert liegt:

Sai da iarga terra ua longa ponta Quase piramidal, que, no regago Do mar, com Ceilao Insula confronta;8

Doch es wird noch mehr uber die geografische Lage Indiens preisgegeben. In Richtung Norden bildet das Himalaya-Gebirge die naturliche Grenze. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Emodo ein veralteter Name eines Berges ist, der zu der Gebirgskette des Himalayas zahlt.9 Aus der Information mit der vorgelagerten Insel Sri Lanka konnte auch selbststandig schlussgefolgert werden, was Camoes bereits zwei Strophen zuvor erklart: dass Indien im Suden vom Meer begrenzt wird.

[...]pela parte austral o mar abrange E para o Norte o Emodio cavernoso10 Als geografische Begrenzung im Nordwesten dient der Fluss Indus; der Ganges zeichnet fur die nordostliche Eingrenzung von Indiens Festland verantwortlich:

Alem do Indojaz, e aquem do Gange11

Des Weiteren erfahrt man in der 18. Strophe des siebten Gesangs, dass die Flusse Ganges und Indus im Himalaya-Gebirge entspringen und ihr jeweiliger Strom letztlich im Indischen Ozean mundet:

As fontes saem donde vem manando Os rios cuja grao corrente morre No Mar Indico, [...]12

Die Mundungsregion des Gangesdelta wird „terra de Bengala13 genannt. Es zeichnet sich durch eine Fruchtbarkeit aus, die ihresgleichen noch zu suchen scheint.14 Heutzutage gehoren weite Teile dieses Gebietes nicht mehr zu Indien, sondern zahlen zum Nachbarstaat Bangladesch.

Die Stadt Calecu, in der die portugiesischen Schiffe anlegen, wird als die beste deklariert, die es in Malabar gibt:

[...] esta era a cidade, - das melhores Do Malabar, melhor- [...]15

Jene Stadt stach nach den Worten Camoes nicht nur hinsichtlich ihres Status' als Hauptstadt des Indischen Reiches hervor, sondern vielmehr zeichnete sie zudem ihr unvergleichbarer Reichtum und ihre Schonheit aus:

Calecu tem a ilustre dignidade De Cabega de Imperio, rica e bela;16

Calecus Reichtum begrundet sich womoglich darauf, dass es ,,no centro duma regiao produtora de pimenta17 lag und uber einen „grande mercado de produtos orientais18 verfugte. Wohl nicht zuletzt der „porto comodo de escala19 ermoglichte es der Stadt und ihren Einwohnern erst, intensiven Handel mit anderen Landern zu betreiben um sich so Wohlstand zu erarbeiten und diesen stetig auszubauen.

Aus ,,Os Lusiadas" von Camoes gehen aufterdem noch zahlreiche Hinweise und Erkenntnisse uber die Geschichte des Landes Indien hervor. In Person des Mauren Mongaide, der auf dem Schiff von Vasco da Gama sein, sich uber verschiedene Gebiete angesammeltes, Wissen uber Indien mit den portugiesischen Seefahrern teilt, wird dem Leser die Information vermittelt, dass Sarama Perimal der letzte Konig gewesen ist, der das Konigreich Indien als Einheit regiert hat:

Sarama Perimal foi derradeiro

Rei que este Reino teve unido e inteiro.20

In Folge seines Hinwendungsprozesses zum Islam, auf den spater noch genauer eingegangen wird, entschloss sich Perimal zu einem Leben in Mekka. Kurz vor seiner Abreise dorthin soll er, laut Mongaide, seine machtigen territorialen

Besitztumer aufgeteilt haben. In Ermangelung eines rechtmaftigen Erbens splittete er das Land auf und wies die einzelnen Landereien verschiedenen Lehnsmannern zu:

Antes que parts, o Reino poderoso Cos seus reparte, porque nao Ihe fica Herdeiro proprio; faz os mais aceitos Ricos, de pobres; livres, de sujeitos.21

In Strophe 35 des siebten Gesangs notiert Camoes die von Mongaide erwahnten wichtigsten Lokalitaten an der Malabarkuste, die von Perimal aufgeteilt wurden.

A um Cochim e a outro Cananor,

A qual Chale, a qual a Ilha da Pimenta,

A qual Coulao, a qual da Cranganor,22

Cochim23 war eine Stadt in der Region Madrasta und hieft bis 1996 Cochin. Heute wird sie Kochi geschrieben, liegt im Bundesstaat Kerala und zahlt uber 600.000 Einwohner.24 Ebenso wie Cananor liegen die Stadte Chale und Coulao an der Kuste Malabars. Die Ilha da Pimenta lag vor der Stadt Cochim. Die Stadt Cranganor gehorte zur Region Cochims und beheimatete eine beachtliche Festung, die von Afonso de Albuquerque errichtet wurde.25 Die Bediensteten, die Perimal wahrend seiner Regierungszeit am treuesten und zu seiner groftten Zufriedenheit gedient hatten, wurden gemaft Mongaide mit den ubrigen Landereien des Konigreiches bedacht:

E os mais, a quem o mais serve e contenta26

Die Stadt Calecu, die sich bereits zu diesem Zeitpunkt einen gewichtigen Namen in der Handelswelt, Reichtum und gesellschaftliches Ansehen erarbeitet hatte, wurde hingegen bis zuletzt niemandem zugewiesen. Dennoch fand Perimal in einem jungen Mann, der ihm sehr am Herzen zu liegen schien, noch einen wurdigen Stadtobersten:

Um so mogo, a quem tinha muito amor,

Depois que tudo deu, se lhe apresenta:

Para este Calecu somente fica,

Cidade ja por trato nobre e rica27

[...]


1 http://pt.wikipedia.org/wiki/Os_Lus%C3%ADadas, Stand: 06.01.2010.

2 De Camoes, Luis: Os Lusiadas, Canto VI; estancia 92, versos 1-4.

3 Ebd. Canto VII; 21, 5-8.

4 Ebd. Canto VII; 22, 1.

5 Silva, Maria: A Leitura como Viagem, S. 67.

6 De Camoes, Luis: Os Lusiadas, Canto VII; 20, 7.

7 Ebd. Canto VII, 19, 1.

8 Ebd. Canto VII, 19, 2-4.9

9 Dos Santos Alves, Manuel: Dicionário de Os Lusíadas, S. 88.

10 De Camões, Luís: Os Lusíadas, Canto VII, 17, 3-4.

11 Ebd. Canto VII; 17, 1.

12 Ebd. Canto VII; 18, 5-7.

13 De Camões, Luís: Os Lusíadas, Canto VII; 20, 7.

14 Ebd. Canto VII; 20, 8.

15 Ebd. Canto VII; 16, 7-8.

16 Ebd. Canto VII; 22, 7-8.

17 Dos Santos Alves, Manuel: Dicionário de Os Lusíadas, S. 54.

18 Ebd. S. 54.

19 Ebd. S. 54.

20 De Camões, Luís: Os Lusíadas, Canto VII; 32, 7-8.

21 De Camões, Luís: Os Lusíadas, Canto VII; 34, 5-8

22 Ebd. Canto VII; 35, 1-3.

23 Vasco da Gama verstarb 1524 in Cochim.

24 http://de.wikipedia.org/wiki/Kochi_%28Indien%29, Stand: 11.12.2009.

25 Brasil, Reis: Os Lusíadas. Comentários e estudo crítico, S. 162.

26 De Camões, Luís: Os Lusíadas, Canto VII; 35, 4.

27 Ebd. Canto VII; 35, 5-8.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Indien als Lebensraum in „Os Lusíadas“ von Luís de Camões
Hochschule
Universität zu Köln  (Portugiesisch-Brasilianisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar - "Die Entdeckungen als Thema in der portugiesischen Literatur"
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V159330
ISBN (eBook)
9783640721283
ISBN (Buch)
9783640721740
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luís de Camões, Lusíadas, Portugal, Indien, Epos, Lebensraum, Bräuche, Gesellschaft, Religion, Geografie, Literatur
Arbeit zitieren
Johannes Schulte (Autor), 2010, Indien als Lebensraum in „Os Lusíadas“ von Luís de Camões, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159330

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