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Sind Qualia reduzierbar?

Das Argument der Erklärungslücke (J. Levine) im Spiegel gegenwärtiger Diskussionen

Titel: Sind Qualia reduzierbar?

Magisterarbeit , 2009 , 91 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Jussi Nienstedt (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Manchmal ist das uns Nächste auch das Verzwickteste. Auf die Frage, was Jazz denn eigentlich sei, antwortete der legendäre Jazzmusiker Louis Armstrong angeblich: „If you need to ask you’ll never know.“ Im Fall von Qualia scheint dies nicht anders zu sein. Qualia sind aus dem menschlichen Selbst-Erleben nicht wegzudenken. Sie sind uns überaus vertraut – vielleicht vertrauter als jedes andere Geistesphänomen –, unendlich nah und etwas, über das wir uns niemals täuschen können. Ein genaues Verständnis dieses Phänomens
hingegen scheint noch immer unendlich fern zu sein. Zwischen dem Erleben und dem Verstehen tut sich eine Erklärungslücke auf.
Diese Magisterarbeit bietet im ersten Kapitel einen Überblick auf die gegenwärtige Qualia-Debatte und das Argument der Erklärungslücke. Anhand von
Beispielen und Klassifizierungen wird gezeigt, welche die konstituierenden Aspekte von Qualia sind und was Qualia von anderen bewussten, mentalen Zuständen unterscheidet. Die Qualia-Problematik wird in Teilfragen gesondert und in ihrer philosophischen Relevanz eingeschätzt.
Im zweiten Kapitel wird nach einer historischen und argumentativen Hinführung das ‚explanatory gap argument’ genauer dargestellt und seine Bedeutung im Hinblick auf die Qualia-Problematik näher untersucht. Des Weiteren werden die relevanten Explananda und Explanantia differenziert sowie die Frage aufgeworfen, welche Form eine adäquate Reduktion haben sollte.
Das dritte Kapitel befasst sich im Detail mit den zurzeit wesentlichen reduktionistischen Qualia-Strategien: reduktiver Materialismus, Funktionalismus und Repräsentationalismus. Außerdem finden fiktionalistische und eliminativistische Einwände Erwähnung. Es wird kritisch untersucht, ob diese Strategien eine befriedigende Reduktion von Qualia anbieten und somit das
Argument von Joseph Levine entkräften können.
Schließlich ergibt sich im letzten Kapitel die Gelegenheit für einen Ausblick auf zukünftige philosophische Strategien, die uns zu einer neuen Sichtweise in der Qualia-Problematik führen könnten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Philosophische Grundlagen der Erklärungslücke

1.1 Was sind Qualia?

1.2 Klassifizierung

1.3 Was sind Qualia nicht?

1.4 Offene Fragen

1.5 Die Relevanz der Qualia-Problematik

1.6 Zusammenfassung

2 Das Argument der Erklärungslücke

2.1 Vorgeschichte

2.2 Das modale Argument

2.3 Das Argument unvollständigen Wissens

2.4 Physikalistische Einwände

2.5 Die epistemische Erklärungslücke

2.6 Die Explananda

2.7 Reduktion und kausale Rollen

2.8 Zusammenfassung

3 Diskussion

3.1 Übersicht

3.2 Reduktiver Materialismus

3.3 „Complexity gambit“

3.4 Funktionalismus

3.5 Einfacher Repräsentationalismus: Phänomenaler Externalismus

3.6 Metarepräsentationalismus: Higher-Order Theory

3.7 Fiktionalismus: Die Erlärungslücke als kognitive Illusion

3.8 Eliminativismus

3.9 Zusammenfassung

4 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob Qualia (subjektive Erlebnisqualitäten) auf physikalische oder neurobiologische Zustände reduzierbar sind. Dabei fungiert das „Argument der Erklärungslücke“ von Joseph Levine als zentraler theoretischer Maßstab, um die Lösbarkeit des Leib-Seele-Problems im Hinblick auf phänomenales Bewusstsein kritisch zu analysieren.

  • Grundlagen und Klassifizierung von Qualia innerhalb der Philosophie des Geistes.
  • Detaillierte Analyse des „Explanatory Gap Arguments“ von Joseph Levine.
  • Kritische Diskussion reduktionistischer Strategien wie Materialismus, Funktionalismus und Repräsentationalismus.
  • Untersuchung der Rolle der epistemischen Perspektive und subjektiver Erfahrung bei Erklärungsversuchen.

Auszug aus dem Buch

2.1 Vorgeschichte

Interessanterweise reicht die Intuition, dass Bewusstsein und Qualia nicht mithilfe naturwissenschaftlicher bzw. neurobiologischer Forschung adäquat erklärt werden können, weit zurück. Als im neunzehnten Jahrhundert die Erforschung des Gehirns in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses rückte, formulierten Skeptiker bereits Vorläufer der Levine’schen Erklärungslücke. So beschrieb der irische Physiker JOHN TYNDALL (1868) den tiefsitzenden Zweifel bezüglich der Qualia-Problematik in treffender Weise:

„Granted that a definite thought, and a definite molecular action in the brain, occur simultaneously; we do not possess the intellectual organ, nor apparently any rudiment of the organ, which would enable us to pass, by a process of reasoning, from the one to the other. They appear together, but we do not know why. Were our minds and senses so expanded, strengthened, and illuminated, as to enable us to see and feel the very molecules of the brain; were we capable of following all their motions, all their groupings, all their electric discharges, if such there be; and we were intimately acquainted with the corresponding states of thought and feeling, we should be as far as ever from the solution of the problem, ‘How are these physical processes connected with the facts of consciousness?’ The chasm between the two classes of phenomena would still remain intellectually impassable.”

Tyndall markiert deutlich zwei wesentliche Fragen: 1) Warum ist Bewusstsein ein neurobiologischer Zustand? 2) Wie haben wir uns den Zusammenhang zwischen Gehirn und Geist zu erklären? Er behauptet, dass auch die genaueste wissenschaftliche Beobachtung des Gehirns uns diese beiden Fragen nicht beantworten kann, da diese in ihrem Kern intellektueller, also philosophischer Natur sind. Der intellektuelle Abgrund, der sich zwischen den beiden Klassen von Phänomenen auftut, scheint nicht überbrückbar zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Philosophische Grundlagen der Erklärungslücke: Dieses Kapitel definiert den Begriff Qualia, grenzt ihn von anderen mentalen Zuständen ab und erläutert die Relevanz der Qualia-Problematik für das Leib-Seele-Problem.

2 Das Argument der Erklärungslücke: Hier wird das Kernargument von Joseph Levine historisch eingebettet und detailliert analysiert, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen an eine adäquate Reduktion.

3 Diskussion: In diesem Hauptteil werden verschiedene reduktionistische Strategien wie Materialismus, Funktionalismus und Repräsentationalismus sowie kritische Gegenpositionen eingehend auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft.

4 Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen philosophischer Begriffsarbeit und empirischer Forschung.

Schlüsselwörter

Qualia, Erklärungslücke, Explanatory Gap, Joseph Levine, Reduktionismus, Physikalismus, Funktionalismus, Phänomenales Bewusstsein, Intentionalität, Identitätstheorie, Subjektivität, Erste-Person-Perspektive, Repräsentationalismus, Eliminativismus, Bewusstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, ob subjektive Erlebnisqualitäten (Qualia) vollständig durch physikalische oder neurobiologische Prozesse erklärt werden können.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen das Leib-Seele-Problem, die Natur phänomenalen Bewusstseins und die Grenzen naturwissenschaftlicher Erklärungsmodelle.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Hauptfrage lautet, ob Qualia reduzierbar sind oder ob das „Argument der Erklärungslücke“ Levines prinzipielle Grenzen für eine physikalistische Erklärung aufzeigt.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt analytische Begriffsanalyse und die Auseinandersetzung mit historischen sowie aktuellen Beiträgen der Philosophie des Geistes.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene reduktionistische Ansätze, darunter den reduktiven Materialismus, den Funktionalismus und verschiedene Formen des Repräsentationalismus, und bewertet deren Erfolg im Kontext von Levines Kritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Qualia, die Erklärungslücke (Explanatory Gap), der Physikalismus, die Erste-Person-Perspektive und die Debatte um intentionale Gehalte.

Wie unterscheidet sich die „epistemische“ von der „metaphysischen“ Erklärungslücke?

Levine argumentiert, dass nicht unbedingt ein ontologischer Dualismus vorliegen muss, sondern vielmehr ein epistemisches Problem: Wir können derzeit nicht verstehen, wie physikalische Prozesse die spezifische Qualität des Erlebens hervorbringen.

Was bedeutet das „Complexity gambit“ in der Diskussion?

Hierbei handelt es sich um den Versuch, Qualia nicht als einfache, intrinsische „Atome“ des Erlebens zu betrachten, sondern als intern hochkomplexe Strukturen, die sich dadurch einer physikalischen Analyse besser zugänglich machen könnten.

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Details

Titel
Sind Qualia reduzierbar?
Untertitel
Das Argument der Erklärungslücke (J. Levine) im Spiegel gegenwärtiger Diskussionen
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Philosophische Fakultät)
Note
1,0
Autor
M.A. Jussi Nienstedt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
91
Katalognummer
V159363
ISBN (eBook)
9783640725489
ISBN (Buch)
9783640725762
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie Qualia Quale Erklärungslücke Explanatory Gap Joseph Levine J. Levine Philosophie des Geistes Philosophy of Mind Reduktion Modal Argument Materialismus Funktionalismus HOT Eliminativismus Repräsentationalismus Kognitive Illusion Explanatory Gap Argument Naturwissenschaft What it is like Erlebniszustand Phenomenal Consciousness Bewusstsein Phänomenales Bewusstsein Erste-Person-Perspektive Experience Hard Problem Epistemische Reduktion Epistemisch Leib-Seele Gehirn-Geist Subjektive Erlebnisqualitäten Raw Feels Neurobiologie Kognitionswissenschaft Identitätstheorie Wasser H2O Schmerz Knowledge Argument Mary Physikalismus mental Jussi Nienstedt J. Nienstedt Neurowissenschaft
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GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Jussi Nienstedt (Autor:in), 2009, Sind Qualia reduzierbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159363
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