Die vorliegende Arbeit soll die Frage beantworten, ob die Verfilmung von Oscar Wildes The Importance Of Being Ernest aus dem Jahre 2002 die für die Zeit des Viktorianismus typischen Merkmale widerspiegelt, und wenn ja, auf welche Art und Weise dies geschieht. Dabei wird der Film in chronologischer Reihenfolge analysiert, wobei auf bestimmte Szenen und Sachverhalte genauer eingegangen wird. Zum Verständnis derer, die den Film nicht gesehen haben, werden immer wieder kurze, inhaltliche Be- und Anmerkungen gemacht. Fundament der Arbeit ist jedoch definitiv die Verfilmung, sowie die Originalfassung des Buches.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. „Virtual Marriage“: Die Ehe als Geschäftsbeziehung
1.1. Jack Worthing, Gwendolen Fairfax und Lady Bracknell
1.2. Gesellschaftliche Hierarchie
2. „Society“: Heuchelei, Moral und Ideenreichtum
2.1. Ideenreichtum
2.2. Moral
2.3. Heuchelei
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert, inwiefern die Verfilmung von Oscar Wildes „The Importance Of Being Ernest“ aus dem Jahr 2002 charakteristische Merkmale der spätviktorianischen Ära widerspiegelt, wobei der Fokus auf der Darstellung gesellschaftlicher Normen liegt.
- Analyse der Ehe als sozioökonomisches Instrument
- Darstellung gesellschaftlicher Hierarchien im Spätviktorianismus
- Untersuchung von Heuchelei und moralischen Doppelmoralen
- Der Stellenwert von „Sehen und Gesehen werden“
- Kritik an den Erwartungshaltungen der „Society“
Auszug aus dem Buch
1.1. Jack Worthing, Gwendolen Fairfax und Lady Bracknell
Die zweite Szene des Films präsentiert eine der beiden männlichen Hauptrollen, Jack Worthing. Jack führt eine Art Doppelleben. Um wann und so oft es ihm beliebt vom Land in die Stadt (London) reisen zu können (meist am Wochenende), hat er einen jüngeren Bruder mit Namen Ernest erfunden. Dieses ist insoweit für ihn von Interesse, da sich das Leben dieser Zeit stark urbanisierte, es gab einen "growth of London-centered activities" (Davidoff, 29). Das hier beschriebene Verhalten ist typisch für die damalige Gesellschaft der Männer: "Clubs made it possible for the unattached man to continue to operate in the social sphere without maintaining his own establishment and in this way encouraged the late marriage age for men which was a feature of mid-Victorian life" (Davidoff, 24). Es gibt jedoch auch Einfluss auf das Heiratsalter der Männer sexueller Natur, so beschrieben von Eugene Black:
Though the sexual organs rapidly develope from the fourteenth to the twentieth year, yet they do not acquire their complete growth or functions before the twenty-fifth, sometimes not until the thirtieth year; and this is the age most proper for marriage. The body of man is not fully developed before the twenty-fifth year of age; the spermatic fluid is less abundant and fitted for reproduction (388).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung ein, ob die Verfilmung von Oscar Wildes Werk zeittypische viktorianische Merkmale in chronologischer Abfolge reflektiert.
1. „Virtual Marriage“: Die Ehe als Geschäftsbeziehung: Dieses Kapitel erörtert Ehen als pekuniäre und soziale Bündnisse, die der gesellschaftlichen Absicherung dienten.
1.1. Jack Worthing, Gwendolen Fairfax und Lady Bracknell: Hier wird das Doppelleben Jacks vor dem Hintergrund urbaner Lebensweisen und strikter gesellschaftlicher Heiratsnormen beleuchtet.
1.2. Gesellschaftliche Hierarchie: Dieses Kapitel thematisiert Lady Bracknells Rolle und die Bedeutung von Etikette sowie Ästhetik zur Aufrechterhaltung des familiären Rufs.
2. „Society“: Heuchelei, Moral und Ideenreichtum: Eine kritische Betrachtung der viktorianischen Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen diesen drei Aspekten verschwimmen.
2.1. Ideenreichtum: Hier wird analysiert, wie Algernon und Jack ihre erfundenen Identitäten nutzen, um innerhalb des engen Rahmens gesellschaftlicher Konventionen persönliche Ziele zu verfolgen.
2.2. Moral: Ein Abschnitt über die Heuchelei der Londoner Saison, verdeutlicht durch den Konflikt zwischen Gwendolen und Cecily hinsichtlich ihrer Verlobungen.
2.3. Heuchelei: Zum Abschluss werden die Taufe als religiöse Pflicht und die Widersprüchlichkeit des Verhaltens der Protagonisten als Dekadenz und moralische Fassade kritisch analysiert.
Schluss: Zusammenfassend wird der Film als scherzhafte, aber fundierte Kritik am dekadenten Gesellschaftsgefüge der viktorianischen Aristokratie interpretiert.
Schlüsselwörter
Spätviktorianismus, Oscar Wilde, The Importance Of Being Ernest, Gesellschaftskritik, Heiratsmarkt, soziale Hierarchie, Etikette, Scheinimage, Aristokratie, Moral, Heuchelei, London Season, Identitätsspiel, Viktorianische Ära, Klassenstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Verfilmung von „The Importance Of Being Ernest“ unter dem Gesichtspunkt, wie präzise der Film die gesellschaftlichen Normen und Charakteristika des Spätviktorianismus abbildet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verständnis der Ehe als geschäftliches Bündnis, die strikte soziale Hierarchie, die Rolle von Etikette und Mode sowie die verbreitete Heuchelei innerhalb der viktorianischen Aristokratie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Filmhandlung als chronologische Analyse gesellschaftlicher Mechanismen wie Statusdenken und moralischer Doppelmoral genutzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Szenenanalyse des Films, die durch den Vergleich mit zeitgenössischen wissenschaftlichen Quellen und soziologischen Werken fundiert wird.
Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ehe als Geschäftsmodell, die Bedeutung gesellschaftlicher Etikette durch Figuren wie Lady Bracknell sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Heuchelei und moralischer Dekadenz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Spätviktorianismus, Gesellschaftskritik, soziale Hierarchien, Aristokratie und den Fokus auf die „London Season“ charakterisieren.
Warum ist das Thema des „Doppellebens“ für die Analyse zentral?
Das Doppelleben Jacks und Algernons dient als Spiegel der Diskrepanz zwischen öffentlichem Anspruch und privatem Begehren in einer von extremen sozialen Zwängen geprägten Gesellschaft.
Welche besondere Bedeutung hat der Name „Ernest“ im Kontext der Arbeit?
Der Name „Ernest“ ist symbolisch aufgeladen; er steht für ein „burleskes Ideal“ und fungiert als Auslöser für die Verwicklungen, da die weiblichen Charaktere das Ideal des Namens über die tatsächliche Identität der Männer stellen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Lady Bracknell?
Lady Bracknell wird als Verkörperung gesellschaftlicher Normen interpretiert, deren strenges Verhalten einerseits als Willkür, andererseits als Schutzmechanismus für den Ruf der Familie verstanden wird.
Inwiefern beeinflusst das „Sehen und Gesehen werden“ die Handlungsstruktur?
Dieses Motto fungiert als Motor der Gesellschaft; öffentliche Anlässe wie Bälle oder Heiratsanzeigen in der Zeitung sind essenziell, um den Status in einer auf Reputation ausgerichteten Schicht zu bestätigen und zu festigen.
- Citar trabajo
- Tolga Güneysel (Autor), 2008, Charakteristika der Spätviktorianik anhand des Films "The Importance of Being Ernest", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159383