Die Forderung nach einem „innovativen Staat“ durch die Gesellschaft wurde bereits in den 1980er Jahren laut. Mit dieser Forderung begann der Aufbruch und der Paradigmenwechsel in das digitale Zeitalter – auch für die öffentliche Verwaltung.
Das Bundesverwaltungsamt als „zentraler Dienstleister des Bundes“ erkennt in der Entwicklung seiner „Hausstrategie 2025“ - wenn auch vergleichsweise spät - folglich das Erfordernis eines Controllings, „das ausgetretene Pfade verlässt und flexibel auf die Umbrüche reagiert, die im Zuge volatiler Rahmenbedingungen auch die Behördenwelt erfassen“. In diesem Rahmen wird die Balanced Scorecard herangezogen, um die ausschlaggebenden Perspektiven der Mitarbeiter, Innovation, Kunden und Ressourcen betrachten zu können. Denn zu den Zielen der neuen Hausstrategie des Bundesverwaltungsamts gehört laut eigenen Angaben die „vollständig nachfrageorientierte, zukunftsweisende und nachhaltige“ Erledigung der Aufgaben. Doch stellt sich an dieser Stelle bereits die Frage, ob die Balanced Scorecard ein hierfür geeignetes Instrument darstellt, welches die öffentliche Bundesverwaltung als strategischen Wegweiser zur Wirtschaftlichkeit heranziehen kann. Die Balanced Scorecard rückte in der Vergangenheit sowohl in Unternehmen als auch in der öffentlichen Verwaltung immer weiter in den Vordergrund. Nach Kaplan/Norton wird die Balanced Scorecard in der vorliegenden Hausarbeit als konzeptioneller Rahmen herangezogen und im weiteren Verlauf entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse modifiziert. Die Bedeutung der Balanced Scorecard wird in der Fachliteratur von Friedag als „weltweiter Siegeszug“ bezeichnet. Schon allein der hervorragende Ruf der Balanced Scorecard begründet die Heranziehung dieser als theoretische Grundlage.
Den alleinigen Schwerpunkt der Methodik dieser Hausarbeit bildet die Literaturrecherche. Im Mittelpunkt steht hierbei die Literatur aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum. Die Literaturrecherche erfolgte entsprechend tiefgründig und umfänglich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Strategisches Management im Kontext der Bundesverwaltung
3 Die facettenreiche Balanced Scorecard als Instrument der Wahl?
3.1 Strategisches Managementsystem nach Kaplan/Norton
3.2 Umsetzung in der Bundesverwaltung
3.3 Balanced Scorecard der Hausstrategie „BVA 2025“
4 Umsetzung - die Balanced Scorecard als strategischer Wegweiser?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, inwieweit die Balanced Scorecard als strategisches Steuerungsinstrument geeignet ist, um eine wirtschaftliche Ausrichtung der Bundesverwaltung, konkret am Beispiel des Bundesverwaltungsamts, zu unterstützen.
- Grundlagen des strategischen Managements in der öffentlichen Verwaltung
- Funktionsweise und Struktur der Balanced Scorecard nach Kaplan/Norton
- Anpassung der Balanced Scorecard an den öffentlichen Sektor
- Analyse der Hausstrategie „BVA 2025“ des Bundesverwaltungsamts
- Kritische Würdigung der Balanced Scorecard als Wegweiser für Verwaltungshandeln
Auszug aus dem Buch
3.1 Strategisches Managementsystem nach Kaplan/Norton
In der Vergangenheit haben Kaplan/Norton den Organisationen erstmals ein Messinstrument zur Verfügung gestellt, mit dem sich beurteilen lässt, wie die jeweilige Strategie aussieht und ob sie funktioniert (Forster 2006: 103; König et al. 2005: 194). Norton selbst sieht durch die Balanced Scorecard die Lücke bei der Messung der Strategie als geschlossen an (Forster 2006: 103). Die Balanced Scorecard kann sowohl von großen als auch kleinen Organisationen verwendet werden (Forster 2006: 104 f.). Die nachfolgende Darstellung 3 zeigt die von Kaplan/Norton entwickelte Balanced Scorecard. Dabei wird eine Relation zwischen der Vision und Strategie als zentralen Punkt und den Betrachtungsbereichen Finanzen, Kunden, interne Geschäftsprozesse sowie Lernen und Wachstum sehr deutlich.
Dabei beschreibt die Finanzperspektive die greifbaren Ergebnisse der Strategien in „klassischen“ finanziellen Begriffen wie der Rentabilität und des Umsatzwachstums. Finanzkennzahlen drücken das Ziel des Unternehmens in Zahlen aus (Probst 2001: 17) Die Kundenperspektive umfasst wiederum Aspekte wie Zufriedenheit, Bindung und Wachstum (Kaplan/Norton 1997: 25). Das operative Geschäft sowie Kunden- und Innovationsmanagement wird unter dem Begriff der internen Prozessperspektive gefasst. Hierzu gehören interne Ablaufoptimierungen oder Innovationsprozesse (Kaplan/Norton 1996c: 76; Kaplan/Norton 1997: 25; Probst 2001: 17). Zuletzt wird die Balanced Scorecard durch die Lern- und Wachstumsperspektive komplettiert, welche durch immaterielle Vermögenswerte geprägt ist und Ziele umfasst, die das Humankapital (sprich Arbeitsplätze), Informationskapital und Klima formulieren (Kaplan 2005: 42; Kaplan/Norton 1996c: 76; Tauberger 2008: 199). Die Balanced Scorecard soll zu einem ausgewogenen Verhältnis der einzelnen Ziele führen und komplexe Strategien greifbarer darstellen (Gerber/Schellinger 2018: 135). Des Weiteren birgt die Balanced Scorecard einen informativen Charakter für sämtliche Stakeholder. Alle Beteiligte können auf diese Weise über die Auswirkungen und Entscheidungen informiert werden (Kaplan/Norton 1997: 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Balanced Scorecard in der Bundesverwaltung ein und definiert die Fragestellung zur Eignung als strategischer Wegweiser.
2 Strategisches Management im Kontext der Bundesverwaltung: Es werden die Grundlagen strategischer Prozesse erörtert und die spezifischen Herausforderungen der Implementierung im öffentlichen Sektor dargelegt.
3 Die facettenreiche Balanced Scorecard als Instrument der Wahl?: Das Kapitel beleuchtet das Ursprungskonzept, dessen Übertragbarkeit auf öffentliche Einrichtungen sowie die spezifische Anwendung im Bundesverwaltungsamt.
3.1 Strategisches Managementsystem nach Kaplan/Norton: Hier wird die theoretische Grundstruktur der Balanced Scorecard mit ihren vier klassischen Perspektiven erläutert.
3.2 Umsetzung in der Bundesverwaltung: Dieses Kapitel diskutiert die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Anpassung des allgemeinen Modells an die Rahmenbedingungen des öffentlichen Sektors.
3.3 Balanced Scorecard der Hausstrategie „BVA 2025“: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der konkreten Balanced Scorecard des Bundesverwaltungsamts im Rahmen seiner aktuellen Hausstrategie.
4 Umsetzung - die Balanced Scorecard als strategischer Wegweiser?: Hier wird die praktische Anwendbarkeit sowie Kritik an der Balanced Scorecard als Steuerungsinstrument kritisch hinterfragt.
5 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet das Potenzial der Balanced Scorecard für die Bundesverwaltung und identifiziert offene Punkte für zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Bundesverwaltung, Bundesverwaltungsamt, Strategisches Management, Controlling, Hausstrategie, Strategieumsetzung, Öffentlicher Sektor, Verwaltungshandeln, Finanzperspektive, Zielsteuerung, Prozessoptimierung, Performance Measurement, New Public Management, Strategischer Wegweiser
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob die Balanced Scorecard als Instrument des strategischen Managements geeignet ist, um die öffentliche Verwaltung – am Beispiel des Bundesverwaltungsamts – wirtschaftlicher auszurichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Balanced Scorecard, deren Übertragbarkeit auf behördliche Strukturen und die kritische Analyse der spezifischen Balanced Scorecard des Bundesverwaltungsamts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob die Balanced Scorecard als wirksamer strategischer Wegweiser zu einer wirtschaftlichen Bundesverwaltung fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methodik der Arbeit basiert primär auf einer tiefgründigen und umfänglichen Literaturrecherche deutsch- und englischsprachiger Fachpublikationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung strategischer Managementsysteme, die Analyse der Balanced Scorecard-Anpassungen für den öffentlichen Sektor und eine kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Balanced Scorecard, Bundesverwaltung, strategisches Management, Controlling, Hausstrategie sowie Effizienz und Wirtschaftlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Balanced Scorecard des Bundesverwaltungsamts vom Originalmodell?
Die Analyse zeigt, dass die Balanced Scorecard des Bundesverwaltungsamts zwar wichtige Perspektiven wie Mitarbeiter und Innovation aufgreift, jedoch im Vergleich zum klassischen Kaplan/Norton-Modell eine explizite Finanzperspektive vermissen lässt.
Welche Rolle spielt die „Hausstrategie BVA 2025“ in der Untersuchung?
Sie dient als konkreter praktischer Bezugspunkt, um die Anwendung und Modifikation der Balanced Scorecard in einer realen behördlichen Umgebung zu evaluieren.
Kommt die Arbeit zu einer eindeutigen Empfehlung?
Die Arbeit bejaht die Eignung der Balanced Scorecard als strategischer Wegweiser grundsätzlich, betont jedoch, dass für eine wirtschaftliche Ausrichtung eine entsprechende Modifikation und Einbeziehung aller Stakeholder-Perspektiven zwingend erforderlich ist.
- Quote paper
- Alexander Seeger (Author), 2023, Die Balanced Scorecard als strategischer Wegweiser zu einer wirtschaftlichen Bundesverwaltung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1593935