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Frames gegen das Rauchen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Advokat globaler Tabakkontrolle

Title: Frames gegen das Rauchen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Advokat globaler Tabakkontrolle

Thesis (M.A.) , 2009 , 107 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jürgen Menze (Author)

Politics - Topic: International Organisations
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Summary Excerpt Details

Internationale Organisationen spielen zunehmend eine wichtige Rolle in der Regulierung globaler Probleme. Sie werden dabei nicht mehr nur als Handlanger mächtiger Staaten betrachtet, sondern vielmehr als eigenständige Akteure. Vor diesem Hintergrund und mit Rückgriff auf sozialkonstruktivistische Ansätze untersucht Jürgen Menze, in welcher Weise sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit ihrem ersten Engagement in den 1970er Jahren für globale Tabakkontrolle einsetzte, die weltweite Verbreitung des Tabakkonsums problematisierte und sich die Argumentation der WHO zugunsten globaler Tabakkontrolle über die Jahrzehnte veränderte.
Die Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert. Folgend der Einleitung, in der der Autor die Fragestellung formuliert, ihre Bedeutung erörtert und kurz auf den Stand der Literatur sowie den Aufbau der Arbeit eingeht, ist Kapitel 2 dem theoretischen Rahmen gewidmet. Dieser besteht aus zwei Teilen. Während der Autor zunächst die ontologische Sichtweise internationaler Organisation in sozialkonstruktivistischen Ansätzen erläutert und die Machtquellen dieser Organisationen benennt, fokussiert er in einem darauf folgenden Schritt das für seine Untersuchung zentrale "framing"- Konzept. In Kapitel 3 dokumentiert der Verfasser die historische Entwicklung der globalen Tabakkontrolle. Kapitel 4 ist der Hauptteil der Arbeit, in der analysiert wird, welcher Rahmen sich die WHO bediente, um für Tabakkontrolle Unterstützung auf globaler Ebene zu mobilisieren, welche Rolle symbolische Ereignisse sowie machtvolle Verbündete als Teil der politischen Gelegenheitsstruktur dabei spielten und wie die Tabakindustrie auf die von der WHO initiierten Kampagnen reagierte.
Der Autor veranschaulicht auf beispielhafte Weise, wie die WHO zunächst eine medizinische Interpretation des Problems favorisierte, sie aber im Laufe der Zeit und aufgrund von politischen Bündnissen sowie des Counterframings der Tabakindustrie, andere Rahmen nutzte, die u. a. die ökonomischen Aspekte des Rauchens oder die Auswirkungen auf die Opfer (insbesondere Frauen und Kinder) betonten. Im Schlusskapitel werden die Ergebnisse der Arbeit zusammenfasst und Überlegungen angestellt, was zukünftige Kampagnen der WHO mit Blick auf die Tabakkontrolle befördern oder behindern könnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Einordnung und Methodik

2.1. Internationale Organisationen im Konstruktivismus

2.1.1. Quellen der Autorität

2.1.2. Mechanismen der Machtausübung

2.2. Framing

2.2.1. Kernfunktionen von Framing

2.2.2. Prozesse der Frame-Anpassung

2.3. Politische Gelegenheitsstruktur

2.4. Methodik

3. Historischer Abriss des Tabaks und seiner Kontrolle

3.1. Konsolidierung der Tabakindustrie (1880 – 1930)

3.2. Aufkommende Gesundheitsbedenken (1930 – 1965)

3.3. Aktivismus und Gesetzgebung auf nationaler Ebene (1965 – 1998)

3.4. Globale Tabakkontrolle in Form der FCTC (seit 1998)

4. Framing globaler Tabakkontrolle durch die WHO

4.1. Medizinische Problematisierung des Tabakkonsums

4.1.1. Opfer des Passivrauchens

4.1.2. Nikotin-Sucht

4.2. Feindbild Tabakindustrie

4.3. Tabakkontrolle als ökonomischer Entwicklungsbeitrag

4.3.1. Wirtschaftlicher Schaden des Tabaks

4.3.2. Tabak als Problem von Entwicklungsländern

4.4. Frauen und Kinder als Risikogruppen

4.4.1. Frauen

4.4.2. Kinder und Jugendliche

4.5. (Menschen-)Rechtsansatz

5. Schluss

5.1. Resümee

5.2. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit den 1970er Jahren die weltweite Verbreitung des Tabakkonsums durch gezielte Interpretationsschemata (Frames) problematisierte und sich als Akteur für globale Tabakkontrolle etablierte. Ziel ist es, die strategische Argumentationsweise der WHO und deren Einfluss auf die internationale Politik zu analysieren.

  • Rolle der WHO als autonomer Akteur im Rahmen konstruktivistischer Theorien
  • Konzept des Framings als Instrument der Machtausübung und Meinungsbildung
  • Historische Entwicklung der Tabakkontrolle von nationalen Ansätzen hin zur internationalen Rahmenkonvention (FCTC)
  • Medizinische und ökonomische Problematisierung des Tabakkonsums
  • Schutz von Risikogruppen wie Frauen und Kindern sowie die Bedeutung menschenrechtlicher Ansätze

Auszug aus dem Buch

4.2. Feindbild Tabakindustrie

Das vorausgegangene Kapitel hat bereits verdeutlicht, dass das durch die WHO betriebene Framing zugunsten globaler Tabakkontrolle dem Counterframing der Tabakindustrie ausgesetzt ist. Dass mit ihrem eigenen Einsatz gegen die weltweite Verbreitung des Tabakkonsums bisweilen erhebliche Schwierigkeiten verbunden sind, drückte die WHO auch durch militärische Metaphorik aus.

Im Kontext der im großen Maßstab geplanten Markterweiterung von Kau- und Schnupftabak in Asien sagte eine WHO-Verantwortliche beispielsweise: “If we could do, as they say in the army, a pre-emptive strike and ban it [smokeless tobacco products, J.M.] before it comes here, I think that would be very important“ (Kirr 1987: 1). Auch findet sich im von der WHO publizierten Tabakatlas ein Zitat aus dem militärstrategischen Werk Die Kunst des Krieges des chinesischen Generals Sun Tzu: “To be sure of victory the wise in warfare see to it that they first have a strong moral cause and that the army is well disciplined” (WHO 2002a: 72).

Die explizite Nennung der Tabakindustrie als Gegner der WHO-Anstrengungen blieb jedoch bis Ende der 1990er aus. Seitens der WHO hieß es 1998 bezüglich der gezielten Desinformation über ihre zehnjährige Studie zum Passivrauchen zwar, dass die Falschmeldungen in Großbritannien nicht zufällig kurz vor symbolischen Anti-Tabak-Ereignissen gestreut wurden, eine Benennung der Täter folgte allerdings nicht (WHO 1998b).

Wenige Jahre später hingegen fand die WHO deutlichere Worte zur Einschätzung der Rolle der Tabakkonzerne. Sich der Kriegsmetapher bedienend hieß es im März 2003 in Anspielung auf den Dritten Golfkrieg: “If it had an army, it could fight wars with its existing resources. But this entity is waging war – a war against human health worldwide [...] This entity is ‘Big Tobacco,’ the chilling name used to describe the world’s leading tobacco companies. [...] Unless there is a war on tobacco, cigarettes will cut short the lives of 500 million of the 6 billion people on earth. […] No doubt, tobacco is the REAL ‘weapon of mass destruction.’” (WHO 2003b: 2)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Tabakkonsums als globale gesundheitliche Gefahr ein und umreißt die Rolle der WHO bei der Etablierung internationaler Tabakkontrollmaßnahmen.

2. Theoretische Einordnung und Methodik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der WHO als Akteur sowie die methodischen Ansätze des Framings und der politischen Gelegenheitsstruktur dargelegt.

3. Historischer Abriss des Tabaks und seiner Kontrolle: Dieses Kapitel gibt einen chronologischen Überblick über die Entwicklung der Tabakindustrie sowie die Entstehung erster nationaler und schließlich globaler Regulierungsbemühungen.

4. Framing globaler Tabakkontrolle durch die WHO: Der Hauptteil analysiert, wie die WHO verschiedene Interpretationsrahmen wie medizinische Risiken, ökonomische Schäden und Menschenrechte nutzte, um Tabakkontrolle auf die globale Agenda zu setzen.

5. Schluss: Dieses Kapitel fasst die Forschungsergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Rolle der WHO in der globalen Tabakkontrolle.

Schlüsselwörter

Weltgesundheitsorganisation, Tabakkontrolle, Framing, FCTC, Konstruktivismus, Internationale Organisationen, Passivrauchen, Nikotin-Sucht, Tabakindustrie, Public Health, Entwicklungsländer, Menschenrechte, Gesundheitspolitik, Global Health Governance, Tabakepidemie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch strategische Kommunikation und Definitionen (Framing) den Tabakkonsum als ein globales, regulierungsbedürftiges Problem darstellte und so die internationale Tabakkontrollpolitik maßgeblich prägte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentral sind die Analyse von WHO-Publikationen, die Strategien zur Etablierung der Rahmenkonvention FCTC, der Umgang der WHO mit der Tabakindustrie sowie die Einbindung sozio-ökonomischer und menschenrechtlicher Argumente in die gesundheitspolitische Debatte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung zielt darauf ab, systematisch aufzudecken, wie die WHO ihre Autorität und ihr Mandat nutzte, um mittels spezifischer Interpretationsschemata die globale Wahrnehmung von Tabak zu verändern und politische Unterstützung für Tabakkontrollmaßnahmen zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein konstruktivistischer Forschungsrahmen genutzt, wobei der Schwerpunkt auf einer Frame-Analyse liegt, die Dokumente, Reden und Resolutionen der WHO als Texte untersucht, um die Konstruktion von Bedeutungen und Problemen nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene analytische Frames: die medizinische Problematisierung, das Feindbild Tabakindustrie, die Verknüpfung von Tabakkontrolle mit wirtschaftlicher Entwicklung, den Schutz vulnerabler Gruppen sowie den menschenrechtlichen Ansatz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Framing, Tabakepidemie, Global Health Governance, WHO-Autorität, FCTC, Counterframing und die politische Gelegenheitsstruktur.

Wie reagierte die Tabakindustrie auf die Bemühungen der WHO?

Die Tabakindustrie leistete massiven Widerstand durch sogenanntes Counterframing, diskreditierte wissenschaftliche Studien (z.B. als "Junk Science"), verdeckte ihr Wissen über Gesundheitsrisiken und betrieb lobbyistische Versuche, die WHO-Politik zu unterminieren.

Welche Rolle spielt das Master Settlement Agreement (MSA) für die Arbeit?

Das MSA von 1998 führte zur Offenlegung von Millionen interner Industriedokumente, welche der WHO wertvolle Beweise für die globalen Unterminierungsstrategien der Tabakkonzerne lieferten und so einen Wendepunkt in der Konfrontationsstrategie der WHO darstellten.

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Details

Title
Frames gegen das Rauchen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Advokat globaler Tabakkontrolle
College
University of Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
1,0
Author
Jürgen Menze (Author)
Publication Year
2009
Pages
107
Catalog Number
V159405
ISBN (eBook)
9783640724192
ISBN (Book)
9783640724383
Language
German
Tags
Weltgesundheitsorganisation Tabakkontrolle Internationale Organisationen Tabak Rauchen Nichtraucher Nichtraucherschutz Politik Politische Theorie Internationale Beziehungen Rauchverbot Konstruktivismus Sozialkonstruktivismus Framing Benford Snow Tabakkonzerne Big Tobacco British American Tobacco Philip Morris ECOSOC FCTC Framework Convention on Tobacco Control Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle International Classification of Diseases International Health Regulations Millennium Development Goals MDGs Tobacco Free Initiative TFI World Health Assembly World Health Day World Health Organization World No Tobacco Day Weltbank Global Health Global Health Governance Krebs cancer Surgeon General Tobacco Industry Tabakindustrie Entwicklungshilfe Entwicklungszusammenarbeit Finnemore Sikkink Barnett Globalisierung Globalization Entwicklungsländer Norm Normen public health tobacco control smoking Master Settlement Agreement Menschenrechte Frauenrechte Kinderrechte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jürgen Menze (Author), 2009, Frames gegen das Rauchen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Advokat globaler Tabakkontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159405
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