Kaum ein Thema wird aktuell in den Finanzmärkten so intensiv diskutiert, wie das der Corporate Governance. Täglich liefert die aktuelle Tages- und Wirtschaftspresse neue Schlagzeilen im Zusammenhang mit Fragestellungen der Corporate Governance. So lautet bspw. eine Überschrift der Süddeutschen Zeitung vom 19. Mai 2003 „Cromme-Kommission plant Veröffentlichungspflicht – Jeder einzelne Vorstand soll Bezüge nennen“. Im Rahmen der öffentlichen Diskussion werden besonders die Bezüge sowie die Möglichkeiten einer wirksamen Kontrolle des Managements thematisiert. Problematik und Relevanz des Themas lassen sich am Besten anhand eines Fallbeispiels aus der nahen Vergangenheit skizzieren.
Fallbeispiel: Bremer Vulkan Verbund AG1 Im Jahr 1987 hatte die in Bremen ansässige Vulkan-Werft mit 11.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 1,5 Mrd. DM einen Fehlbetrag von 179 Mio. DM erwirtschaftet; das Grundkapital betrug 150 Mio. DM. Eine Rettung des Unternehmens war nur durch hohe staatliche Subventionen seitens des Bundes und des Landes Bremen möglich. Zum 1. November 1987 wurde der bis zu diesem Zeitpunkt für Wirtschaft und Außenhandel zuständige Senatsdirektor Bremens, ein SPD-Mitglied, zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. In den folgenden sechs Jahren wuchs die Werftengruppe, sehr zur Freude führender Kräfte in der Bremer Politik, durch zahlreiche Zukäufe zu einem großen Technologie- und Industriekonzern heran. Der Bremer Vulkan Verbund umfasste zuletzt 89 Firmen in einem Konglomerat von Werften, Reedereien, Maschinenbauunternehmen, Elektronikfirmen, Dienstleistungsunternehmen und Produzenten militärischer Güter. Durch den Aufbau neuer Standbeine sollten die Risiken des ertragsschwachen Schiffbaus durch gezielte Diversifikation reduziert werden.
Aber auch das Kerngeschäft wurde ausgedehnt. Durch den Zukauf mehrerer Werften wurde der Konzern zum größten deutschen Schiffbauer und übernahm im Zuge der Wiedervereinigung mehrerer ostdeutsche Werften mit bedeutender Finanzhilfe der Treuhandanstalt.
Anfänglich konnte der Vorstandsvorsitzende Erfolge mit seinem Vorgehen vorweisen. Die Schwächen des eilig zusammengekauften Firmenkonglomerats wurden aber immer deutlicher.
[...]
1 Vgl. Schneider (2000), S. 9; Capital Heft 4, 1996, S. 40-60; FAZ Nr. 47 v. 24.02.1996, S. 13; Wirtschaftswoche Nr. 27 v. 27.06.1996, S. 44-45; Nr. 14 v. 28.03.1996, S. 8-9; Nr. 9 v. 22.02.1996, S. 38-41.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Corporate Governance
3. Die Interessengruppen eines Unternehmens
4. Theoretische Modelle der Corporate Governance
4.1 Shareholder Value-Ansatz
4.2 Mitbestimmungsansatz
4.3 Stakeholder Value-Ansatz
5. Corporate Governance Systeme im internationalen Vergleich
5.1 Aufsichtsratmodell (two tier-system) am Beispiel Deutschlands
5.2 Board-Modell (one tier-System) am Beispiel der USA
5.3 Verwaltungsratsystem am Beispiel der Schweiz
5.4 Das japanische Modell der Corporate Governance
6. Wettbewerb der Corporate Governance Systeme
6.1 Konvergenz der Corporate Governance Systeme
6.2 Dominanz eines Corporate Governance-Systems
6.3 Fortbestand inhaltlich unterschiedlicher Corporate Governance-Systeme
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Vergleich der unterschiedlichen internationalen Corporate Governance-Systeme zu ziehen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie verschiedene nationale Unternehmensverfassungen die Leitung und Kontrolle von Unternehmen organisieren und welche Mechanismen zum Interessenausgleich zwischen den diversen Anspruchsgruppen existieren.
- Analyse der theoretischen Modelle (Shareholder-, Mitbestimmungs- und Stakeholder-Ansatz)
- Vergleichende Untersuchung internationaler Systeme (Deutschland, USA, Schweiz, Japan)
- Erörterung des Wettbewerbs zwischen Corporate Governance-Modellen
- Diskussion über Konvergenztheorien, Dominanzhypothesen und Pfadabhängigkeit
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Kaum ein Thema wird aktuell in den Finanzmärkten so intensiv diskutiert, wie das der Corporate Governance. Täglich liefert die aktuelle Tages- und Wirtschaftspresse neue Schlagzeilen im Zusammenhang mit Fragestellungen der Corporate Governance. So lautet bspw. eine Überschrift der Süddeutschen Zeitung vom 19. Mai 2003 „Cromme-Kommission plant Veröffentlichungspflicht – Jeder einzelne Vorstand soll Bezüge nennen“.
Im Rahmen der öffentlichen Diskussion werden besonders die Bezüge sowie die Möglichkeiten einer wirksamen Kontrolle des Managements thematisiert. Problematik und Relevanz des Themas lassen sich am Besten anhand eines Fallbeispiels aus der nahen Vergangenheit skizzieren.
Im Jahr 1987 hatte die in Bremen ansässige Vulkan-Werft mit 11.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 1,5 Mrd. DM einen Fehlbetrag von 179 Mio. DM erwirtschaftet; das Grundkapital betrug 150 Mio. DM. Eine Rettung des Unternehmens war nur durch hohe staatliche Subventionen seitens des Bundes und des Landes Bremen möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die aktuelle Bedeutung von Corporate Governance ein und verdeutlicht die Problematik anhand des Fallbeispiels der Bremer Vulkan Verbund AG.
2. Der Begriff der Corporate Governance: Hier erfolgt eine Begriffsbestimmung, wobei Corporate Governance als Organisation der Leitung und Kontrolle zur Interessensausgleichung definiert wird.
3. Die Interessengruppen eines Unternehmens: Dieses Kapitel identifiziert die relevanten Stakeholder, von Anteilseignern über Mitarbeiter bis hin zum Staat, und beschreibt deren spezifische Interessen.
4. Theoretische Modelle der Corporate Governance: Es werden die drei zentralen Modelle Shareholder-Value, Mitbestimmung und Stakeholder-Value theoretisch fundiert und deren Mechanismen zur Konfliktlösung erläutert.
5. Corporate Governance Systeme im internationalen Vergleich: Das Kapitel vergleicht praktisch die Ausgestaltung der Unternehmensverfassungen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Japan.
6. Wettbewerb der Corporate Governance Systeme: Hier wird der Systemwettbewerb analysiert, unter besonderer Berücksichtigung der Konvergenz-, Dominanz- und Fortbestandsthesen.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die zukünftige Entwicklung des internationalen Wettbewerbs der Governance-Systeme diskutiert.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmensverfassung, Shareholder Value, Stakeholder Value, Mitbestimmung, Board-Modell, Aufsichtsratmodell, Systemwettbewerb, Principal-Agent-Theorie, Konvergenz, Dominanzhypothese, Unternehmensführung, Kontrolle, Kapitalmarkt, Interessengruppen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strukturen der Unternehmensführung und -kontrolle, bekannt als Corporate Governance, und wie diese international unterschiedlich organisiert sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Corporate Governance, der Identifikation verschiedener Interessengruppen sowie der Analyse theoretischer und praktischer Organisationsmodelle in verschiedenen Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist der Vergleich internationaler Corporate Governance-Systeme und die Untersuchung des Wettbewerbs zwischen diesen verschiedenen nationalen Ansätzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche basiert und theoretische Modelle mit empirischen Gegebenheiten vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Modelle und eine detaillierte vergleichende Analyse der Systeme in Deutschland, den USA, der Schweiz und Japan.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören insbesondere Corporate Governance, Stakeholder, Shareholder Value, Unternehmensverfassung, Aufsichtsrat- und Board-Modelle sowie Systemkonvergenz.
Was unterscheidet das deutsche Aufsichtsratmodell vom amerikanischen Board-Modell?
Das deutsche Modell ist durch eine strikte Trennung von Geschäftsführung (Vorstand) und Kontrolle (Aufsichtsrat) in einem dualen System gekennzeichnet, während das US-Board-Modell auf eine integrierte, einstufige Führungsstruktur setzt.
Warum ist der Wettbewerb zwischen Corporate Governance-Systemen für Unternehmen relevant?
Unternehmen stehen weltweit im Wettbewerb auf Produkt-, Arbeits- und Kapitalmärkten; die Effizienz der gewählten Governance-Struktur hat dabei direkten Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
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- Oliver Benner (Author), Dirk Braun (Author), 2003, Internationale Corporate Governance-Systeme im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15949