Im 21. Jahrhundert ist innerhalb der Europäischen Union keineswegs nur die Verflechtung und Ausprägung zunehmender Gemeinsamkeiten der Mitgliedsstaaten eine Herausforderung, sondern vielmehr auch die Einbeziehung der Randstaaten an den Außengrenzen der EU, denen
im europäischen Einigungsprozess ein Platz gewährt werden muss.
Alle Staaten Mittel- und Südosteuropas sind heute noch immer von einem grundlegenden Umbruch gekennzeichnet. Die Auflösung alter Bündnisstrukturen, die die meisten Länder Mittel- und Südosteuropas über Jahrzehnte zu Satelliten der Sowjetunion gemacht hatten, und nicht zuletzt die Auflösung der Sowjetunion selbst, waren dabei wichtige Faktoren, die Umbruch und Transformation bestimmt haben.
Albanien nimmt in diesem Prozess eine Sonderrolle ein, da sich die albanischen Erfahrungen mit dem Kommunismus und der postkommunistischen Transformation kaum mit denen der anderen Staaten vergleichen lassen. Kein anderes Land der Region hatte eine
schlechtere und kompliziertere politische wie wirtschaftliche Ausgangslage für den Demokratisierungsprozess als Albanien. Nach Partnerschaftsabkommen mit finanzieller Unterstützung durch die Europäische Union und dem endgültigen Einreichen des EU-Mitgliedsantrages am 28. April 2009 stellen sich letztlich einige Fragen bezüglich Albaniens Situation und seinen Zukunftsperspektiven in Europa: Welche gegenwärtigen Herausforderungen hat das Land fast zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu stemmen? Was unternimmt die EU, um den Erweiterungsprozess als ihr bis heute erfolgreichstes außenpolitisches Instrument auch gegenüber Albanien wirksam einzusetzen?
Und, wie realistisch ist schlussendlich eine baldige albanische Vollmitgliedschaft in der EU, die das Land so sehr anstrebt?
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkungen
2 Albanien im historischen Kontext
2.1 Der schwierige postkommunistische Transformationsprozess
2.2 Gegenwärtige Entwicklungen und Herausforderungen
3 Albanien und die Europäische Union
3.1 Wegmarken albanisch-europäischer Annäherung
3.2 Europäische Partnerschaft mit Albanien
3.2.1 Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA)
3.2.2 Das Instrument für Heranführungshilfe (IPA)
3.3 Die Kopenhagener Beitritts-Kriterien der EU
4 Albaniens europäische Beitrittsperspektive
4.1 Bewertung der Beitrittsreife Albaniens
4.2 Albanische Entwicklungspotenziale
5 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, die Herausforderungen zu analysieren, die Albanien durch die Etablierung funktionierender demokratischer Institutionen und rechtsstaatlicher Prinzipien auf dem Weg in die Europäische Union bewältigen muss, um eine realistische Beitrittsperspektive zu entwickeln.
- Postkommunistischer Transformationsprozess in Albanien
- Entwicklung der albanisch-europäischen Beziehungen
- EU-Förderstrategien (SAA und IPA)
- Erfüllung der Kopenhagener Beitrittskriterien
- Politische und wirtschaftliche Transformationsdefizite
- Potenziale regionaler Kooperation
Auszug aus dem Buch
2.1 Der schwierige postkommunistische Transformationsprozess
Der Sturz des Denkmals des Diktators Enver Hoxha am 20. Februar 1991 im Zentrum der albanischen Hauptstadt Tirana symbolisierte das Ende einer Politik, deren Erosion bereits lange zuvor eingesetzt hatte. Die Auswirkungen der Umbrüche in anderen osteuropäischen Ländern waren unübersehbar. Versuche des kommunistischen Regimes, durch halbherzige Reformschritte die eigene Herrschaft doch noch aufrechtzuerhalten, konnten im Zuge der Demokratisierungswelle, die Osteuropa Ende der achtziger Jahre erfasst hatte, nicht mehr greifen, vielmehr machten sie die Transformation noch unvermeidlicher. Trotzdem erfuhr der Transformationsprozess ernste Rückschläge und Störungen, die dem Land eine stabile Entwicklung versagten und Erklärungsmuster für die heutigen Probleme und Hindernisse im europäischen Annäherungs- und Integrationsprozess liefern.
Ein halbes Jahrhundert lang wurde Albanien mit eiserner Hand von den Kommunisten regiert, die das Land gleichermaßen als Bastion gegen den westlichen Imperialismus und östlichen Revisionismus verstanden. Der Nationalismus drang dabei tief in das soziale Umfeld ein und bestimmte jahrzehntelang die politischen Entscheidungen des Landes. Von 1978 an war Albanien das einsamste Land auf dem europäischen Kontinent: ohne Verbündete, ohne Märkte und zum ersten Mal ganz ohne Schutzpatron; die Nabelschnur zur Außenwelt war abgetrennt und 85 Prozent der Arbeiter waren ohne Beschäftigung. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes wies 1991 ein effektives Minus von 28 Prozent auf und die Inflation lag bei 104 Prozent und stieg im folgenden Jahr sogar auf unvorstellbare 236 Prozent an. Die inneren Ausgangsbedingungen des Transformationsprozesses waren insofern massiv durch die Erblast einer über 40-jährigen kommunistischen Diktatur, einer bunkerhaften Isolierung und einer enormen Rückständigkeit in allen Bereichen belastet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorbemerkungen: Einleitung in die Thematik der albanischen EU-Integration unter Berücksichtigung der besonderen historischen Last des Landes.
2 Albanien im historischen Kontext: Analyse des schwierigen Transformationsprozesses nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der daraus resultierenden heutigen Herausforderungen.
3 Albanien und die Europäische Union: Darstellung der Meilensteine in der Annäherung an die EU sowie Erläuterung der Instrumente SAA, IPA und der Kopenhagener Kriterien.
4 Albaniens europäische Beitrittsperspektive: Kritische Bewertung der aktuellen Fortschritte Albaniens bei der Umsetzung notwendiger politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Reformen.
5 Schlussbetrachtungen: Fazit zur aktuellen Lage Albaniens im Spannungsfeld zwischen Transformation und dem Ziel der europäischen Integration.
Schlüsselwörter
Albanien, Europäische Union, Transformation, EU-Integration, Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen, SAA, Instrument für Heranführungshilfe, IPA, Kopenhagener Kriterien, Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit, regionale Kooperation, Südosteuropa, Westbalkan, Reformprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Weg Albaniens in die Europäische Union und den damit verbundenen politischen sowie ökonomischen Herausforderungen des Transformationsprozesses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der postkommunistische Umbruch, die vertraglichen Beziehungen zur EU, die finanziellen Unterstützungsinstrumente und die politischen sowie wirtschaftlichen Beitrittsvoraussetzungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, den Reifegrad Albaniens hinsichtlich der EU-Beitrittskriterien zu bewerten und die Möglichkeiten einer realistischen Integrationsperspektive zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine deskriptive Darstellung der albanisch-europäischen Beziehungen mit einer analytischen Bewertung der aktuellen Beitrittsreife Albaniens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die spezifischen EU-Förderprogramme und die Erfüllung der politischen und ökonomischen Kriterien durch Albanien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transformation, EU-Beitrittsperspektive, SAA, IPA, Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und regionale Kooperation.
Welche Bedeutung hat der Kanun im albanischen Kontext?
Der Kanun stellt ein mündlich überliefertes Gewohnheitsrecht dar, das besonders in ländlichen Regionen oft als Ersatz für ein schwach ausgeprägtes staatliches Justizwesen dient und die Staatsferne vieler Bürger verdeutlicht.
Warum wird die Rolle der regionalen Kooperation so hervorgehoben?
Regionale Kooperation ist ein wesentlicher Indikator für die EU-Reife und hilft, grenzüberschreitende Probleme gemeinsam zu lösen, anstatt sich ausschließlich auf die EU zu fokussieren.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2010, Auf dem Weg nach Europa?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159609