Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Kinderfilm der 1950er und der späten 1960er-Jahre? Eine Filmanalyse mit Bildern. Die 1950er- und 1960er-Jahre waren in der Bundesrepublik Deutschland geprägt von einem Regierungswechsel von Konservativ zu Reformorientiert. Und von einem kulturhistorischen Wandel weg von autoritären Erziehungskonzepten, hin zu antiautoritären Vorstellungen, wie Kindheit ohne in die Entwicklung des Kindes massiv eingreifende Erwachsene aussehen kann. Der Kinderfilm ist ein bedeutendes Medium, um den Geist seiner Entstehungszeit widerzuspiegeln und das darin enthaltene Kindheitskonzept seiner Entstehungszeit. Er ist ein bedeutendes Medium der Kindheitsforschung.
Darin liegt auch die Motivation des Verfassers für diese Arbeit begründet. Aufgrund der Funktion des Kinderfilms als Träger der Kindheitskonzepte seiner Zeit wurde für beiden genannten Zeiträume, der Adenauer- und der Willy-Brandt-Zeit, jeweils ein Kinderfilm ausgewählt, um über deren Kind-Protagonisten Aussagen über den Wertekanon ihrer Zeit treffen zu können. Bei den ausgewählten Kinderfilmen handelt es sich um die beiden Kinderfilme im Format eines über 90-minütigen Spielfilms Das doppelte Lottchen (1950) und Pippi Langstrumpf (1969) nach den gleichnamigen Kinderromanvorlagen von Erich Kästner und Astrid Lindgren. Beide Filme wurden für das deutsche Kinopublikum gedreht. Während Kästner seinen Roman ein Jahr vor Fertigstellung des Films abgeschlossen hatte, war das für das Kinderbuch Pippi Langstrumpf bereits 1945 der Fall gewesen. Der gleichnamige Film wurde also über zwanzig Jahre später gedreht. Da der Rahmen dieser Seminararbeit ist begrenzt ist, wurde folgende Fragestellung für dieses Anliegen gewählt:
„Wie spiegeln in ausgewählten Filmszenen der beiden Kinderfilme Das doppelte Lottchen (1950) und Pippi Langstrumpf (1969) die Konflikte der Kind-Protagonisten mit den Erwachsenen das Kindheitskonzept der jeweiligen Filmentstehungszeit wider?“
Ziel dieser Arbeit ist es, ein klares Bild vom jeweiligen Kindheitskonzept der Filmentstehungszeit zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHER RAHMEN
2.1 KINDHEITSKONZEPTE UND DEREN HISTORISCHE ENTWICKLUNG
2.2 ÜBERBLICK ÜBER DIE POLITIK, KULTUR UND GESELLSCHAFT IN DEN 1950ER-JAHREN UND 1960ER-JAHREN
2.3 EINE KURZE EINFÜHRUNG IN DIE FILMTHEORIE UND ANALYSEMETHODEN VON SPIELFILMEN
3. ANALYSE DER KINDHEITSDARSTELLUNG IN PIPPI LANGSTRUMPF UND DAS DOPPELTE LOTTCHEN
3.1 FILMINHALT UND PIPPIS HANDLUNGEN IM KONTEXT VON UNABHÄNGIGKEIT, FREIHEIT UND ANTIAUTORITARISMUS
3.2 FILMINHALT UND HANDLUNGEN DER ZWILLINGE IM KONTEXT VON TRENNUNG, IDENTITÄT UND FAMILIÄRE WIEDERVEREINIGUNG
4. VERGLEICHENDE SEQUENZANALYSE DER BEIDEN KINDERFILME DAS DOPPELTE LOTTCHEN (1950) UND PIPPI LANGSTRUMPF (1969)
4.1 SEQUENZANALYSE DAS DOPPELTE LOTTCHEN (1950)
4.2 SEQUENZANALYSE PIPPI LANGSTRUMPF (1969)
5 DISKUSSION
5.1. UNTERSCHIEDE UND GEMEINSAMKEITEN IN DER DARSTELLUNG VON KINDLICHER AUTONOMIE, SOZIALEN BEZIEHUNGEN UND FAMILIENSTRUKTUREN SOWIE PÄDAGOGISCHE UND GESELLSCHAFTLICHE BOTSCHAFTEN
5.2 DIE FILME DAS DOPPELTE LOTTCHEN UND PIPPI LANGSTRUMPF ALS TRANSFORMATIONSRIEMEN DER KINDHEITSKONZEPTE IHRER ZEIT
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Kindheitskonzepte in der Bundesrepublik Deutschland zwischen den 1950er- und 1960er-Jahren in der filmischen Darstellung wandeln. Anhand einer vergleichenden Sequenzanalyse der Filme "Das doppelte Lottchen" (1950) und "Pippi Langstrumpf" (1969) wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern die Konflikte der kindlichen Protagonisten mit den Erwachsenen das jeweils herrschende Kindheitsbild und den gesellschaftlichen Wertekanon widerspiegeln.
- Vergleichende Analyse von Kindheitskonzepten in den 1950er- und 1960er-Jahren.
- Untersuchung der filmischen Darstellung kindlicher Autonomie und ihrer Konflikte mit der Erwachsenenwelt.
- Kontrastierung autoritärer Erziehungsmuster mit antiautoritären Idealen.
- Anwendung filmwissenschaftlicher Analysemethoden (Sequenzanalyse) auf Kinderfilme.
Auszug aus dem Buch
3.1 Filminhalt und Pippis Handlungen im Kontext von Unabhängigkeit, Freiheit und Antiautoritarismus
Der Film Pippi Langstrumpf beginnt mit dem Einzug von Pippi in eine schwedische Kleinstadt, wo sie die Villa Kunterbunt bewohnt. Sie ist das Kind eines Kapitäns, der sich auf einer Insel befindet, und einer verstorbenen Mutter. Das Kind lebt allein und mit einer Tasche voller Goldtaler in dem besagten Haus. Sie hat ein Pferd und ein Äffchen als ständige Gefährten. Mit eigenem Geld kauft sie so viele Süßigkeiten, wie sie will, setzt damit ihre Glaubwürdigkeit als Kundin gegenüber der Verkäuferin durch, verteilt die Bonbons an alle Kinder der Stadt und protestiert auf diese Weise gegen die finanzielle Abhängigkeit von Kindern und für das Ende von Essensverboten (nicht zu viel Süßigkeiten!). Das Kind widerspricht auch der Sozialisation als weibliches Kind mit guten Manieren, einer zurückhaltenden, abwartenden Art und mit vorgegebenen Werten. Pippi erzählt Lügen – die angepasste Annika rügt sie dafür. Pippi nimmt sich das Essen am Nachmittagstee bei Annikas Mutter – Annika wartet am Kindertisch, bis sie dort Essen auf den Teller bekommt. Pippi geht nicht zur Schule und widersetzt sich den Regeln der Mathematik, indem sie im Pippi-Langstrumpf-Lied falsch rechnet. Pippi wartet im Film auf die Ankunft des Vaters, aber am Ende priorisiert sie die Freundschaft mit Kindern vor der Beziehung mit dem Vater, indem sie nicht, wie geplant, mit ihm abreist, sondern bei ihren Freunden bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Motivation für die Arbeit und formuliert die Fragestellung zur Spiegelung von Kindheitskonzepten durch Kinderfilme der 1950er- und 1960er-Jahre.
2. THEORETISCHER RAHMEN: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über historische Kindheitskonzepte, die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Entstehungszeiten der Filme sowie die verwendeten filmwissenschaftlichen Methoden.
3. ANALYSE DER KINDHEITSDARSTELLUNG IN PIPPI LANGSTRUMPF UND DAS DOPPELTE LOTTCHEN: Das Kapitel widmet sich der inhaltlichen Untersuchung der kindlichen Protagonisten und ihrer Handlungen in Bezug auf Autonomie, Unabhängigkeit und familiäre Strukturen.
4. VERGLEICHENDE SEQUENZANALYSE DER BEIDEN KINDERFILME DAS DOPPELTE LOTTCHEN (1950) UND PIPPI LANGSTRUMPF (1969): Hier erfolgt die detaillierte filmwissenschaftliche Auswertung der ausgewählten Szenen mittels Einstellungsprotokollen unter Berücksichtigung verschiedener filmischer Parameter.
5. DISKUSSION: In der Diskussion werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Film-Analysen gegenübergestellt und die Filme als Medien für gesellschaftliche Kindheitskonzepte interpretiert.
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse der Sequenzanalyse werden zusammengefasst und die Rolle des Kinderfilms als Transformationsriemen der Kindheitskonzepte bestätigt.
7. FAZIT: Das Fazit beantwortet abschließend die Forschungsfrage und identifiziert weiteren Forschungsbedarf im Bereich der psychologischen Wirkung dieser Filme.
Schlüsselwörter
Kindheitskonzepte, Kinderfilm, Das doppelte Lottchen, Pippi Langstrumpf, Sequenzanalyse, Erziehung, 1950er-Jahre, 1960er-Jahre, Autonomie, Antiautoritarismus, Familienstruktur, Filmtheorie, Kindheit, Wertekanon, Medienforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel von Kindheitskonzepten in der deutschen Gesellschaft zwischen den 1950er- und 1960er-Jahren anhand von zwei populären Kinderfilmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Kindern und Erwachsenen, der Wandel von autoritären zu antiautoritären Erziehungsvorstellungen sowie die Rolle des Kindes in der bürgerlichen Familienstruktur.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie die Konflikte der kindlichen Protagonisten in ausgewählten Filmszenen das Kindheitskonzept der jeweiligen Filmentstehungszeit widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Sequenzanalyse auf Basis von Einstellungsprotokollen durchgeführt, um die filmische Wirkung und die transportierten Aussagen zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil besteht aus der inhaltlichen Analyse der Filme sowie einer vergleichenden Sequenzanalyse, die filmische Mittel wie Kameraperspektiven, Einstellungsgrößen und Symbolik untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kindheitskonzepte, Sequenzanalyse, 1950er/1960er-Jahre, Autonomie, antiautoritäre Erziehung und Medienrezeption.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Lotte in "Das doppelte Lottchen" von Pippi Langstrumpf?
Lotte agiert angepasst, übernimmt erwachsene Haushaltsaufgaben und fungiert als "kleine Hausfrau", während Pippi eine unabhängige, rebellische Figur verkörpert, die sich gegen die Bevormundung durch Erwachsene stellt.
Welche Bedeutung haben die Filme als "Transformationsriemen"?
Die Filme fungieren als Spiegel und Verstärker der gesellschaftlich vorherrschenden Kindheitsbilder; sie transportieren und festigen die jeweiligen pädagogischen und gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit.
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- Anonym (Autor:in), 2025, Kindheitskonzepte der 1950er-Jahre und der späten 1960er-Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1596496