Baseball in den USA: Religion oder Sinngebung durch Inszenierung und Kommerzialisierung?


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: b++

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktuelle Tendenzen im amerikanischen Sport

3. Differenzierte Betrachtungen auf die Religion

4. Ein Spiel mit besonderem Stellenwert für die USA

5. Der Aufstieg zum nationalen Symbol

6. Der amerikanische Geist findet sich im Baseball wieder

7. Ein Spiel mit erzieherischem Charakter

8. Formen privater Verehrung

9. Die Entwicklung und Probleme des Spiels

10. Zusammenfassung

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer zu Gast in den Vereinigten Staaten von Amerika war, der weiß bestimmt , dass Baseball eine besondere Stellung besitzt. Es ist für die Amerikaner mehr als ein Spiel, weil es ein Ideal verkörpert, welches den „American Way of Life“ charakterisiert. In den USA begegnet Baseball den Menschen überall auf den Straßen in Form von Werbebannern, Werbespots und Fans auf dem Weg ins Stadion. Diese treffen sich auf den Parkplätzen zum Barbecue um später gemeinsam im Stadion dem Spiel drei Stunden Aufmerksamkeit zu schenken. Und das mehrmals wöchentlich von Frühjahr bis Herbst. Den Zahlen zufolge ist Baseball innerhalb der amerikanischen Sportlandschaft ein Nationalsport. Glaubt man den offiziellen Statistikangaben (www.mlb.mlb.com, 2007) der Major League Baseball (MLB) besuchen jährlich über siebzig Millionen Zuschauer die Spiele. Mehr als 30000 Fans pro Spiel bei 162 regulären Vergleichen. Die höchste amerikanische Spielklasse umfasst dreißig Teams und im Herbst beginnen die Play-Offs mit den Viertelfinalspielen, wo die besten Teams die Meisterschaft ausspielen.

Weit wichtiger als die Statistik sei der Blick auf die kulturelle und institutionelle Sonderstellung zu richten, die sich das Sportspiel in einem langem Prozess seit Mitte des 19. Jahrhunderts sichern konnte. Seit der Entwicklung des Spiels hat sich eine Kultur neben dem Spiel entwickelt. Es fällt dabei auf, dass sich immer weitere Teile der amerikanischen Gesellschaft Baseball als ihr Spiel zu eigen machen und dem Spiel eine religiöse Bedeutung zuschreiben. Ob man das Spiel zur Religion erheben kann, diesem Thema stellt sich diese Seminararbeit und versucht Antworten zugeben, indem zuerst geklärt wird, was Religion ist und wie die Entwicklungen der Gesellschaft, insbesondere der Medien und Kommerzialisierung dazu beigetragen haben. Als Grundlage dient Dewalds Fachartikel „Baseball in den USA: Nationalsport mit religiöser Bedeutung“, welcher in Sport und Gesellschaft 6, (2009), Heft 3: S. 234-258 erschienen ist.

2. Aktuelle Tendenzen in amerikanischen Sport

Das Spiel erfreut sich laut Umfragen von Corso (2008) großer Beliebtheit und ist nach dem professionellem American Football mit dreißig Prozent die beliebteste amerikanische Sportart. Mit fünfzehn Prozent liegt Baseball an zweiter Stelle gefolgt von College Football, Hockey und Men´s Basketball. Allerdings zeigen die aktuellen Entwicklungen nach unten. Denn im Zeitraum von 1985 bis 2006 hat der Baseball acht Prozent seiner Popularität bei den Amerikanern eingebüßt. Woran liegt das?

Die Zuschauerzahlen aus dem Jahr 2009 sind laut MLB press release (www.mlb.mlb.com, 2010) mit 73,4 Millionen sehr hoch. Dennoch waren es im Jahr 2006 über 76 Millionen Zuschauer in den Stadion in der regulären Saison gezählt. Allerdings ist ein Abwärtstrend zu erkennen. Bei den fünf beliebtesten Sportarten vermelden alle Zuwächse außer Baseball. Welche Ursachen dem zugrunde liegen ist sicherlich ein interessantes Thema aber nicht Inhalt dieser Seminararbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: vgl. Corso (2008)

3. Differenzierte Betrachtungen auf die Religion

Zuerst müssen wir klären, was Religion ist und dabei sind verschiedene Positionen zu betrachten. Ein Theologe versteht unter Religion etwas anderes als ein Philosoph oder Wissenschaftler. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff der Religion recht genau verwendet. Jedoch fällt es den Theologen nicht leicht die Merkmale von Religion genau zu definieren, weil sich durch die Vielzahl der Religionen und die Reduzierung auf ein Wesen zur Bildung von Konstrukten führen muss, welche durch unterschiedliche religiöse und philosophische Positionen beeinflusst werden. Etymologisch könne man die Bedeutung nicht ausmachen, sondern höchstens assoziativ nutzen. In der Antike setzte man auf das Wort relegere ( sorgfältig wahrnehmen) und religiare (zurückbinden). Ebenso sehen Religionswissenschaftler Probleme bei der speziellen kulturellen Verwurzelung des Wortes und das Problem seiner äquivalenten Übertragung in andere Sprachen und religiöse Kontexte. Im reinen sprachlichen Gebrauch könne man alle Orientierungssysteme und Gemeinschaften als Religionen bezeichnen oder als solche benennen. Dies will man jedoch nicht von vornherein als inhaltslos und unkritischer Sprachgebrauch verstanden wissen, sondern man setze eine kritische Vorprüfung voraus. Inhaltlich lassen sich Gemeinsamkeiten der Religionen herausarbeiten. Sie vermitteln alle in irgendeiner Weise Orientierung über das Ganze der Lebenswelt und wollen Belastungen tragbar machen, Werte sichern, Verpflichtungen sowie Hoffnungs- und Handlungsperspektiven bekräftigen, wobei dies nicht nur die Religionen leisten (Zirker, 2006, S. 1034 ff.). Anhand dieser Definition wird deutlich, dass es nicht eindeutig geklärt ist. Lediglich als Versuch, welcher die kritische Auseinandersetzung zur Folge hat, die einem solch tiefem Thema gerecht wird. Schließlich geht es um die letzte Wahrheit und ein nicht lösbares Geheimnis im irdischen Leben.

Durkheim charakterisiert heilig als etwas Besonderes, Außeralltägliches, Machterfülltes und Würdiges zugleich. Im Gegenzug sei das Profane als alltäglich und gewöhnlich klassifiziert. Diese Klassifikation vollzieht sich laut Durkheim in erster Linie durch starke Emotionen wie Ehrfurcht, Respekt, Hochachtung und Identifikation (Dewalt, 2009, S. 237). Inwiefern lässt sich dies auf Baseball übertragen? Sicherlich identifizieren sich Spieler und Fans mit dem Spiel und haben Respekt sowohl als auch Achtung.

Dilthey (2008, S. 28) bezeichnet Religion als nicht nur allgemeinen Tatbestand sondern es handelt sich zugleich um einen inneren Zusammenhang, eine lebendige Beziehung des seelischen Zusammenhangs auf unsichtbare Kräfte. Zudem sei ein gemeindlicher Zusammenhang in welchem sie eine differenzierte Stellung zu den religiösen Leistungen haben kennzeichnet. Zwar geben die Amerikaner dem Spiel ein erhabene Wirkung, aber kann es das? Nach Durkheim schon, denn nach Durkheim ist die Religion ein Erzeugnis des Verstandes, aber andere Denker vertreten einen anderen Standpunkt. Zur Religion gehört auch Glauben und im katholischen Verständnis die Institution Kirche, welche sich selbst als heilig betrachtet. Nicht, dass alle in ihr heilig wären. Nicht, als ob alles gut wäre in ihr, aber in dem Sinne, dass sie vom Herrn berührt sei und in ihr immer wieder Heilige wachsen würden. Ebenso sei wichtig, dass man den Begriff des Heiligen weit genug fasse, denn auch hier gäbe es keine Uniformität. Denn die Gestalten des Heiligen können viele Formen und Gestalten annehmen. Von einem Arzt der selbstlos seinen Dienst tut, bis zu Gelehrten, zu einfachen Menschen, welche sich für die anderen in der Dorfgemeinschaft hergeben oder auch den heiligen Sakramenten. Es müsse gar nichts Heroisches sein, sondern gerade das ganz Einfache, das Demütige (Ratzinger, 2005, S. 492 ff.). Im katholischen ist das heilige personifiziert und wird im Ideal von Jesus Christus verkörpert. In anderen Religionen wie dem Judentum gibt es ebenfalls Heiligenverehrungen wie Moses oder Elija mit der Gottesverehrung durch Jahwe. Im Islam folgt man Allah und verehrt ihn besonders in Moscheen. Basis dieser drei Religionen ist das Gebet, das gemeinsame oder auch persönliche Gespräch zu Gott. Im Buddhismus steht Buddha im Mittelpunkt wie auch im Hinduismus. Alle Religionen stellen ein Idealbild des Menschen in den Mittelpunkt. Im Sport oder im Baseball im speziellen werden die besten Spieler in den Mittelpunkt gerückt, teilweise fernab von ethischen Gesichtspunkten. Hier geht es um die Leistung, den sportlichen Erfolg selbst. Das Dopingproblem ist in diesem Sport auch nicht geklärt, was der Dopingskandal der Mitte beweist (Dewald, 2009, S. 251), den die Dopingkontrollen im amerikanischen Sport lassen zu wünschen übrig. Eher lässt es sich mit einer kultischen Veranlagung beschreiben, da die Sportstars verehrt werden. Es geht um die besten und nicht um die fairsten Sportler, wobei dies auch nicht ganz einfach zu bewerten ist. Bei den Besten verhält es sich schon einfacher, die Punkte sprechen eine eindeutige Sprache.

In den drei großen Weltreligionen trifft man sich in den Gotteshäusern zur Verehrung des Gottes. Sie sind für den Menschen da und jeder ob arm oder reich kann an der Gottesverehrung kostenlos teilnehmen. Es sind soziale Systeme, welche keine kapitalistischen Ziele verfolgen. Im Sport trifft man sich an der Sportstätte oder im professionellen Bereich im Stadion.

Während die Religionen gefestigte Systeme sind und über mehrere Jahrhunderte bzw. Jahrtausende Bestand haben, versuche ich den Begriff Spiel zu beleuchten. Beim Spiel oder speziell im Wettkampf gibt es Sieger und Verlierer bzw. Gleichstand.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Baseball in den USA: Religion oder Sinngebung durch Inszenierung und Kommerzialisierung?
Hochschule
Technische Universität München
Note
b++
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V159665
ISBN (eBook)
9783640814954
ISBN (Buch)
9783640814992
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Baseball, Mythos, heiliges Spiel, Kult, Kommerzielle Vermarktung, Religion, Sport als Inszenierung, Massenphänomene
Arbeit zitieren
Kornelius Kraus (Autor), 2010, Baseball in den USA: Religion oder Sinngebung durch Inszenierung und Kommerzialisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159665

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