Verschuldungskrise Argentinien - Ursachen und Lösungen - Beispiele für künftige Länderkrisen?


Seminararbeit, 2003
25 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Verschuldungsproblem
2.1 Allgemeine Betrachtung
2.2 Entwicklung der Verschuldung in Argentinien
2.2.1 Beginn der Verschuldungskrise
2.2.2 Der Brady Plan
2.2.3 Einführung des currency-boards
2.2.4 Aktuelle Entwicklung

3 Ursachen der Verschuldungskrise
3.1 Allgemeine Betrachtung
3.2 Ursachen der Verschuldungskrise in Argentinien

4 Lösungsansätze
4.1 Insolvenzverfahren für zahlungsunfähige Staaten
4.2 Reformvorschläge des IWF

5 Beispiele für künftige Länderkrisen? – Ein Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1, Wagner / Kaiser, 1995, S.226f.

Abbildung 2, Quelle: Datastream / Thomson Financial; Economist Intelligence Unit

Abbildung 3, Quelle: Datastream / Thomson Financial, Economist Intelligence Unit

Abbildung 4, Quelle: Datastream / Thomson Financial; Economist Intelligence Unit

1 Einleitung

Argentinien durchlebte 2002 die schwerste Krise der vergangenen 50 Jahre. Die feste Anbindung des Peso an den US-Dollar war seit 1991 das Kernstück des so genannten argentinischen Modells der wirtschaftlichen Öffnung. Sie musste zum Jahreswechsel aufgegeben werden, weil das Land in einem Teufelskreis aus wirtschaftlicher Rezession, sozialer Verelendung, staatlichen Haushaltsdefiziten und Auslandsverschuldung gefangen war (Haldenwang, 2002, S.3ff.).

Die Verschuldungskrise in Argentinien ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden und auch dementsprechend zu betrachten. Ein Abbau der Schulden lässt sich nur zuwege bringen, wenn ein suffizientes Wirtschaftswachstum erreicht wird. Die aktuelle Verschuldungssituation in Argentinien verhindert aber gerade diesen wirtschaftlichen Aufschwung, der für einen Abbau der Schulden notwendig wäre. Dies ist der Teufelskreis in dem sich Argentinien momentan befindet und aus dem es sich nach Meinung vieler Experten (Haldenwang, 2002, S.18f.; Schweickert, 2002, S.23) nicht ohne Hilfe von Außen befreien kann.

Die hier vorliegende Arbeit untersucht die Verschuldungskrise Argentiniens. Für ein besseres Verständnis wird die Verschuldungsproblematik im ersten Abschnitt allgemein theoretisch betrachtet. Anschließend erfolgt eine Erläuterung der Entwicklung der Verschuldung in Argentinien. Dieser Abschnitt dient dem Verständnis der Schuldenproblematik und –entwicklung in Argentinien. Hier werden auch die unterschiedlichen Ursachen und angewandten Lösungsansätze aufgezeigt, welche in den beiden folgenden Abschnitten daraufhin noch genauer beschrieben werden. Aufgrund der aktuellen Entwicklung wurde der Schwerpunkt bei der Betrachtung der Lösungsansätze auf das Insolvenzverfahren für Staaten und die Reformvorschläge der Expertenkommission des IWF gelegt.

Bei der Erläuterung der Verschuldungskrise wird häufig auf die damit verbundenen Wirtschaftskrisen und die durchgeführten Reformen zur Wiederbelebung bzw. Stabilisierung der argentinischen Wirtschaft eingegangen. Die Probleme der Verschuldung und Wirtschaftsentwicklung sind wie oben erwähnt eng miteinander verbunden. Nur eine positive wirtschaftliche Entwicklung macht eine Verbesserung der Schuldensituation möglich.

Die Frage inwieweit Argentinien ein Beispiel für künftige Länderkrisen ist, oder ob die Gefahr eines Übergreifens der Krise besteht, wird in einem abschließenden Ausblick erläutert.

2 Das Verschuldungsproblem

2.1 Allgemeine Betrachtung

Ein Ansteigen der Auslandsverschuldung muss nicht allgemein negativ beurteilt werden. Vielmehr drückt sich darin aus, dass das betreffende Land seine Wachstumszielsetzungen höher ansetzt als dies aufgrund der im Inland verfügbaren Ressourcen möglich ist und deshalb auf ausländische Ressourcen zugreift. Die inländische Sparlücke und die eventuell vorhandene Devisenlücke werden folglich durch Kapitalimporte geschlossen (Kaiser, N., Wagner, M., 1995, S.226). Die Finanzierung des Wachstums durch Kapitalimporte ist jedoch, genauso wie bei privaten Unternehmen die Aufnahme von Fremdkapital, nur innerhalb gewisser Grenzen möglich. Die Grenzen werden insbesondere durch die Kreditwürdigkeit definiert.

Das Verhältnis der Auslandsschulden zu den Exporterlösen (d=D/X) sowie die Veränderung dieses Verhältnisses sind von besonderer Bedeutung für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Landes. Die Problematik der Auslandsverschuldung soll anhand der folgenden Gleichungen in Anlehnung an N. Wagner und M. Kaiser (1995, S.266f.) genauer erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Wagner, N., Kaiser, M., 1995, S.226f.

Aus der Gleichung 2 ergibt sich, dass die Schulden bei einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz mit der Höhe des Zinssatzes wachsen. Die Veränderung der Relation Schulden / Exporte wiederum ergibt sich gemäß Gleichung 4 durch die Subtraktion der Veränderungsrate der Exporte. Bei einem konstanten Verhältnis Außenbeitrag / Schulden (h) würde demnach eine Veränderung der Schuldenrelation ausschließlich vom Zinssatz und der Wachstumsrate der Exporte bestimmt werden. Aus Gleichung 4 folgt wiederum, dass das Verhältnis Schulden/Exporte steigt, wenn der Zinssatz größer ist als die Wachstumsrate der Exporte korrigiert um den Einfluss des Außenbeitrags und vice versa.

Geht man davon aus, dass sich die Kreditwürdigkeit eines Landes an der Relation Schulden/Exporte bemisst, so sollte ein Land bestrebt sein diese Relation möglichst niedrig bzw. „unterhalb eines gewissen Schwellenwerts, der als kritische Grenze angesehen wird, zu halten“ (Wagner, N., Kaiser, M., 1995, S.266). Bei einer Überschreitung dieser Grenzen kann es zu Verschuldungskrisen kommen. In einem solchen Fall ist ein Land nicht mehr in der Lage den Schuldendienst (iD) zu leisten, während die Gläubiger keine weiteren Kredite mehr gewährleisten. Die Problematik solcher Verschuldungskrisen wird durch sehr hohe Zinsdienstquoten, wie z.B. in den lateinamerikanischen Ländern, noch verstärkt. Damit die Zahlungsunfähigkeit vermieden werden kann, muss hier ein sehr hoher Anteil der Exporte für den Schuldendienst [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] eingesetzt werden und teilweise auch eine Reduzierung der Importe vorgenommen werden. Dies kann zu einer erheblichen Gefährdung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes führen (Maennig, 1998, S.305)

2.2 Entwicklung der Verschuldung in Argentinien

Das Problem der Auslandsschulden liefert den Schlüssel zum Verständnis der wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas bzw. Argentiniens seit den 70er Jahren. Dies gilt sowohl für die Politik des muddling through der 80er als auch für die liberalisierende Politik der 90er Jahre. Die Anfang der 80er Jahre ausgebrochene Verschuldungskrise ist bis heute nicht gelöst, es wurde vielmehr das Problem der Überschuldung nur zeitlich verschoben (Vgl. Schvarzer, 2002, S.67)

Im folgenden Abschnitt wird ein historischer Überblick über die Entwicklung der Verschuldung und einige Reform- bzw. Lösungsansätze in Argentinien gegeben.

2.2.1 Beginn der Verschuldungskrise

Bis zum Anfang der 70er Jahre litten die lateinamerikanischen Länder unter ernsthaften und andauernden Zahlungsbilanzrestriktionen. Aufgrund des mangelnden Deviseneinkommens mussten die einzelnen Länder ihre Importe auf das Devisenvolumen beschränken, welches sie selbst durch Exporte erwirtschafteten. Unter diesen Bedingungen war es für die lateinamerikanischen Länder sehr schwierig Kredite zu erhalten. Diejenigen Institutionen die Kredite anboten (IWF, Weltbank, Eximbank der USA etc.) knüpften diese an schwierig zu akzeptierende Bedingungen. Zu Beginn der 70er Jahre änderte sich diese Situation jedoch sehr abrupt. Die großen transnationalen Banken begannen den lateinamerikanischen Ländern umfangreiche Kredite anzubieten, ohne daran besondere Auflagen zu knüpfen. Der Grund hierfür lag in dem schnellen Anstieg der Liquidität auf den internationalen Finanzmärkten (Wagner, N., Kaiser, M., 1995, S.227ff.)

So stieg der Anteil der Privatbanken an den aus den USA stammenden Krediten für Lateinamerika zwischen 1966 und 1978 von 8% auf 57%, wobei der Bestand der Forderungen sich erheblich vergrößerte, von anfangs 260 Mio. US$ auf 13 Mrd. US$. (Schvarzer, 2002, S. 69) Die lateinamerikanischen Regierungen gingen so dazu über, ihren Devisenbedarf bei den Privatbanken zu decken, welche im Gegensatz zu Institutionen wie dem IWF keinerlei Bedingungen an die Verwendung des Geldes knüpften. Eine wesentliche Sicherheit behielten sich die Banken jedoch vor. So wurden nur Kredite mit kurzen Rückzahlungsfristen, d.h. einer Laufzeit von höchstens einem Jahr, vergeben. Hierdurch konnten die Banken ihre Zinssätze an die Entwicklung der Marktzinsen anpassen und sich gegen Wechselkursrisiken absichern (Herzog, 2002, S.20ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Verschuldungskrise Argentinien - Ursachen und Lösungen - Beispiele für künftige Länderkrisen?
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Außenhandel und Wirtschaftsintegration)
Veranstaltung
Seminar zu internationalen Organisationen im Bereich von Wirtschaft und Währung
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V15967
ISBN (eBook)
9783638209397
ISBN (Buch)
9783638644365
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschuldungskrise, Argentinien, Ursachen, Lösungen, Beispiele, Länderkrisen, Seminar, Organisationen, Bereich, Wirtschaft, Währung
Arbeit zitieren
Gunnar Halden (Autor), 2003, Verschuldungskrise Argentinien - Ursachen und Lösungen - Beispiele für künftige Länderkrisen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15967

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