Im Zentrum dieser Arbeit stehen Leben und Wirken des Gestaltpsychologen Karl Duncker, der die moderne Kognitionspsychologie mit seinen Untersuchungen zum produktiven
Denken maßgeblich beeinflusste. Ausgehend von der historischen Entwicklung der Gestaltpsychologie werden die Ansichten der Berliner Schule, deren zweiter Generation auch Duncker angehört, umrissen. Neben der Thematisierung der Biographie des Gestaltpsychologen werden auch die Ursprünge der Denkpsychologie sowie zwei der von
Duncker durchgeführten Experimente zum einsichtigen Problemlösen dargestellt. Abschließend wird die Gestaltpsychologie aus heutiger Sicht betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Einleitung
1 Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie
2 Die Lebensgeschichte Karl Dunckers
3 Die Etablierung der Denkpsychologie
4 Karl Dunckers Untersuchungen zum produktiven Denken
4.1 Die Bestrahlungsaufgabe
4.2 Die Schachtelaufgabe
5 Das Aus der Gestaltpsychologie!?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken des Gestaltpsychologen Karl Duncker und beleuchtet seinen maßgeblichen Beitrag zur Kognitionspsychologie durch die Erforschung des produktiven Denkens und des einsichtigen Problemlösens.
- Historische Einordnung der Berliner Schule der Gestaltpsychologie
- Biographische Rekonstruktion von Karl Duncker
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung der Denkpsychologie
- Analyse der Bestrahlungs- und Schachtelaufgabe als Denkexperimente
- Reflexion über den Stellenwert gestaltpsychologischer Ansätze in der modernen Psychologie
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Schachtelaufgabe
Die Gestaltpsychologen unterscheiden zwischen reproduktivem und produktivem Problemlösen. Produktives, durch Einsicht in die Struktur des Problems gekennzeichnetes Problemlösen, entsteht durch die Umstrukturierung einer Problemsituation. Die oft mit einem Aha-Erlebnis verbundene Einsicht erfolgt für den Problemlöser dabei subjektiv überraschend. Beim reproduktiven Lösen des Problems wird auf Vorwissen zurückgegriffen, das die Lösungsfindung neuer Probleme jedoch auch verhindern kann (Müsseler & Prinz, 2002). Unter welchen Umständen Vorwissen kontraproduktiv wirkt, geht aus Dunckers (1974) Untersuchungen zur sogenannten „Schachtelaufgabe“ hervor. Er beauftragte die Versuchspersonen nebeneinander drei Kerzen an der Tür anzubringen. Zur Verfügung standen ihnen verschiedene mehr oder weniger geeignete, darunter auch die für die Lösung relevanten Gegenstände: drei kleine Kerzen, drei kleine Pappschachteln, und ein paar Reißnägel. Die Lösung bestand darin, die Schachteln mit jeweils einer Reißzwecke so an der Tür anzubringen, dass sie den Kerzen als Standfläche dienen konnten. Durch die Befestigung der Kerzen mit Wachs verbesserte sich ihre Standfestigkeit. Duncker variierte die Aufgabe, indem er der einen Versuchsgruppe die Schachteln in ihrer vertrauten Funktion, also funktional gebunden als Behältnis anbot und der anderen Gruppe leere und demzufolge funktional ungebundene Schachteln zur Verfügung stellte. Während die Aufgabe in der zweiten Gruppe von allen Teilnehmern gelöst werden konnte, fand in der ersten Versuchsgruppe nicht einmal die Hälfte zur Lösung. Die für die Lösungsfindung entscheidende Umstrukturierung wurde durch funktionale Gebundenheit verhindert. Durch den gewohnten Gebrauch der Gegenstände, gelang es den Versuchspersonen nicht diese in neuen Funktionen zu verwenden. Die Schachteln wurden nur als Behälter, jedoch nicht als Träger für einen Gegenstand gesehen. Duncker (1974) schlussfolgerte, dass Objekte primär in ihrer aktuellen Funktionalität wahrgenommen werden und es den Versuchspersonen daher im Problemlöseprozess nicht gelingt sie vielseitig einzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Diese Einführung gibt einen Überblick über Dunckers Bedeutung für die Kognitionspsychologie und skizziert den Inhalt der Arbeit.
Einleitung: Hier werden die philosophischen Wurzeln der Gestaltpsychologie und ihre Abgrenzung zum Elementarismus erläutert.
1 Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie: Dieses Kapitel stellt die Hauptvertreter und die zentralen wissenschaftlichen Prinzipien der Berliner Schule vor.
2 Die Lebensgeschichte Karl Dunckers: Die biographischen Hintergründe Dunckers, seine akademische Ausbildung und seine Emigration werden hier rekonstruiert.
3 Die Etablierung der Denkpsychologie: Dieses Kapitel behandelt den Übergang von der philosophischen Betrachtung des Denkens zur empirischen Forschung.
4 Karl Dunckers Untersuchungen zum produktiven Denken: Hier werden Dunckers zentrale Experimente zur Problemlösung detailliert beschrieben.
4.1 Die Bestrahlungsaufgabe: Analyse eines spezifischen Experiments zur Untersuchung von Strategien der Lösungsfindung.
4.2 Die Schachtelaufgabe: Darstellung des Konzepts der funktionalen Gebundenheit anhand eines experimentellen Beispiels.
5 Das Aus der Gestaltpsychologie!?: Abschließende Betrachtung zum historischen Wandel psychologischer Paradigmen und dem Fortbestand gestaltpsychologischer Konzepte.
Schlüsselwörter
Karl Duncker, Gestaltpsychologie, produktives Denken, einsichtiges Problemlösen, Berliner Schule, funktionale Gebundenheit, Denkpsychologie, Wahrnehmungspsychologie, Umstrukturierung, Kognitionspsychologie, Bestrahlungsaufgabe, Schachtelaufgabe, Ganzheitspsychologie, Aha-Erlebnis, Mentale Voreingenommenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Leben und Werk des Gestaltpsychologen Karl Duncker und seinem maßgeblichen Einfluss auf die psychologische Erforschung des Denkens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Berliner Schule der Gestaltpsychologie, die Biographie Dunckers sowie die experimentelle Erforschung von Problemlöseprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Dunckers theoretischen Ansatz zum produktiven Denken aufzuarbeiten und die Bedeutung seiner Forschung für die heutige Kognitionspsychologie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Literaturanalyse und der Aufarbeitung biographischer sowie historischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundlagen der Gestaltpsychologie, der Biographie Dunckers sowie der detaillierten Analyse seiner Experimente zur Bestrahlungs- und Schachtelaufgabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gestaltpsychologie, produktives Denken, funktionale Gebundenheit, einsichtiges Problemlösen und Karl Duncker.
Was versteht man unter dem Begriff der "funktionalen Gebundenheit"?
Dies bezeichnet das Phänomen, dass ein Objekt aufgrund seiner gewohnten Verwendung nur eingeschränkt oder gar nicht in einer neuen, kreativen Funktion wahrgenommen wird, was die Problemlösung erschwert.
Wie unterscheidet sich "produktives" von "reproduktivem" Denken bei Duncker?
Produktives Denken beinhaltet die einsichtige Umstrukturierung einer Problemsituation, während reproduktives Denken auf das Abrufen von bereits vorhandenem Wissen und gelernten Reaktionen zurückgreift.
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- Stefanie Gmerek (Author), 2007, Der gestaltpsychologische Ansatz Karl Dunckers zum produktiven Denken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159687