Im Verlauf der folgenden Seiten setzt sich der Verfasser mit der publizierten Ausgabe der Abschiedsvorlesung Bourdieus auseinander. Auch wenn der Soziologe und Philosoph bewusst keine Autobiografie vorlegen wollte, so kann die Fehldeutung des vorliegenden Werks als solche aufgrund der personalen Übereinstimmung mit Bourdieu zum Teil nachvollzogen werden. Besondere Schwerpunkte werden auf die Konzeptualisierung des Forschungsvorhabens und die Herausarbeitung der Begrifflichkeit des Habitus gelegt. Aufgrund quantitativer Vorgaben werden auf eine Diskussion des akademischen Wirkens Bourdieus und die Bereitstellung eines ergänzenden biografischen Hintergrundes verzichtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Der soziologische Selbstversuch als Kybernetik zweiter Ordnung
3. Habitus und soziale Herkunft: Die Analyse des eigenen Lebensweges
4. Kritik am Wissenschaftssystem und den intellektuellen Eliten
5. Fazit und Ausblick zur Methodik der Selbstanalyse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Ausarbeitung setzt sich kritisch mit der publizierten Abschiedsvorlesung von Pierre Bourdieu auseinander und untersucht, inwiefern es sich hierbei trotz der persönlichen Thematik nicht um eine klassische Autobiografie, sondern um eine soziologische Selbstanalyse handelt.
- Die Konzeptualisierung des Forschungsvorhabens als Selbstobjektivierung
- Die theoretische Einordnung und Herausarbeitung des Habitus-Begriffs
- Die Reflexion über das Verhältnis von Individuum und Wissenschaftssystem
- Die kritische Auseinandersetzung mit intellektuellen Eliten
- Die Bewertung der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit dieser Forschungsart
Auszug aus dem Buch
Pierre Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch
Pierre Bourdieu widmete sich bereits in früheren Forschungen dem Verhältnis zwischen Individualität und kollektivem Verhalten sowie Individualität und kollektiven Verfahren. Der vorliegende soziologische Selbstversuch zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Bourdieu sich selbst als Forschungsobjekt analysiert und seine Rolle als Soziologe wiederum soziologisch hinterfragt und untersucht. Diese Kybernetik zweiter Ordnung, also das Beobachten des Beobachters durch die gleiche Person, vermag neue Erkenntnisse zu generieren, sofern der im Untertitel so bezeichnete ‚Versuch’ gelingt. Diese von ihm durchgeführte Selbstobjektivierung, in deren Folge er Teil seines eigenen Forschungsprozesses wird, führt eben nicht zu einer gleichwie gearteten Autobiografie, die er als „narzisstische Selbstweihe“ bezeichnet hatte, sondern folgt logisch einer biografischen Struktur, in welcher Bourdieu jedoch eine permanente soziologische Reflexion auf das Umfeld seiner Person und seine Person selbst wirken lässt.
Nur durch diese ständige Rückbezüglichkeit und den analytischen Charakter lässt sich das vorliegende Werk nicht als Autobiografie verstehen, sondern eindeutig als soziologische Selbstanalyse, die auch den Protagonisten selbst nicht schont und Zerwürfnisse im Leben Bourdieus wenig rühmlich analysiert. Ebenso wird deutliche, zum Teil sogar polemische Kritik an benachbarten wissenschaftlichen Disziplinen und deren exponierten Vertretern geübt. Insoweit scheint der Versuch durchaus gelungen, da eine kritische Reflexion der eigenen Person und der Umwelt erfolgreich vollzogen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Der Autor führt in die Auseinandersetzung mit Bourdieus Abschiedsvorlesung ein und legt den Fokus auf die Analyse des Werks als soziologische Selbstanalyse.
2. Der soziologische Selbstversuch als Kybernetik zweiter Ordnung: Es wird erläutert, wie Bourdieu durch die Beobachtung seiner selbst als Forschungsobjekt eine methodische "Kybernetik zweiter Ordnung" etabliert.
3. Habitus und soziale Herkunft: Die Analyse des eigenen Lebensweges: Dieser Abschnitt thematisiert die Verkörperung des kulturellen Status und die Bedeutung des Habitus für die akademische Biografie Bourdieus.
4. Kritik am Wissenschaftssystem und den intellektuellen Eliten: Hier wird Bourdieus polemische Auseinandersetzung mit Bildungseliten und dem wissenschaftlichen Konformismus seiner Zeit untersucht.
5. Fazit und Ausblick zur Methodik der Selbstanalyse: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die methodische Strenge und die Grenzen der Selbstbeobachtung als wissenschaftliche Gattung.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Soziologie, Habitus, Selbstobjektivierung, Kybernetik zweiter Ordnung, Biografie, Wissenschaftssystem, Intellektuelle Eliten, Soziologische Selbstanalyse, Bildungssozialisation, Empirie, Reflexivität, Akademische Diskurse, Sozialisationstheorie, Identitätsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Buch "Ein soziologischer Selbstversuch" von Pierre Bourdieu und prüft, ob es sich dabei um eine Autobiografie oder um eine soziologische Analyse handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten gehören die Reflexion über das eigene Leben unter soziologischen Gesichtspunkten, der Habitus-Begriff sowie die Kritik Bourdieus an akademischen Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Bourdieus methodischen Ansatz der Selbstobjektivierung zu hinterfragen und seine Wirksamkeit sowie Grenzen innerhalb der wissenschaftlichen Praxis zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet Bourdieu in seinem Werk?
Bourdieu nutzt die Methode der "Kybernetik zweiter Ordnung", bei der der Beobachter sich selbst zum Beobachtungsgegenstand macht, um soziologische Erkenntnisse zu gewinnen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil wird analysiert, wie Bourdieu soziale Herkunft, Bildungssozialisation und seinen persönlichen Werdegang mit seinen soziologischen Theorien verknüpft.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Soziologische Selbstanalyse, Habitus, Selbstobjektivierung und Wissenschaftskritik.
Wie bewertet der Autor Bourdieus Umgang mit den Bildungseliten?
Der Autor stellt fest, dass Bourdieu seine eigene Rolle innerhalb der Eliten ambivalent behandelt und scharf gegen den "immanenten Konformismus" der intellektuellen Welt polemisiert.
Welche methodische Schwäche identifiziert der Autor in Bourdieus Werk?
Ein kritischer Punkt ist die mangelnde intersubjektive Nachvollziehbarkeit und fehlende Verifizierbarkeit der in einem solch persönlichen Rahmen gewonnenen Ergebnisse.
- Citar trabajo
- Jens Göritz (Autor), 2010, Pierre Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159719