Der Afghanistankonflikt und dessen systemischer Charakter


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Afghanistan vor den Anschlägen vom 11.September

3. Afghanistan nach den Anschlägen vom 11.September

4. Das deutsche Engagement

5. Afghanistaneinsatz – Krieg oder nicht?

6. Systemische Aspekte des Krieges

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“

General Carl von Clausewitz

Dieser bereits vor 200 Jahren niedergeschriebene Satz soll zum Ausdruck bringen, was Krieg für Clausewitz bedeutet. Ziel dieser Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, dass der Krieg ein eigenes System ist, welches mit dem System der Politik wenig gemein hat. Diese Einteilung in Systeme beruht auf Niklas Luhmann, der in seiner Systemtheorie von eben solchen Systemen ausgeht. Systeme können sich gegenseitig beeinflussen, auslöschen, miteinander kommunizieren aber sie können sich auch selbst erschaffen. Diese entscheidenden Punkte sollen in dieser Arbeit an einem Beispielkonflikt betrachtet werden.

Nach einer kurzen Einführung in die Thematik erfolgt hierzu eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Afghanistans, die dazu dient ein grundlegendes Verständnis des Konfliktes wiederzugeben.

Da die Ereignisse vom 11.September 2001 ein besonderes Datum für Afghanistan darstellen, wird die Zeit nach diesen Ereignissen zusätzlich betrachtet und gibt weitere Aufschlüsse über den immer noch präsenten Konflikt. Das deutsche Engagement wird der Vollständigkeit halber aufgeführt.

Im folgenden Kapitel ist die Frage nach der Einordnung des Konfliktes in Afghanistan Hauptbestandteil. In aktuellen Medienberichten ist immer wieder die Rede von Krieg in Afghanistan, jedoch sagen andere Stimmen, dass es sich nicht um einen Krieg, geschweige denn um einen Kampfeinsatz handelt.

Anschließend wird auf die systemischen Aspekte des Krieges im Allgemeinen eingegangen, um dann mit dem Konflikt verglichen werden zu können und aufzeigen, um welche Form von Konflikt es sich in Afghanistan handelt. Abschließend erfolgt eine kurze und kritische Betrachtung bereits bestehender Exit-Strategien, beziehungsweise Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes, sowie persönliche Überlegungen zur Thematik.

2. Afghanistan vor den Anschlägen vom 11.September 2001

Anhand Afghanistans historischer Entwicklung lässt sich unverkennbar feststellen, dass diese fortwährend durch äußere Einflüsse bestimmt wurde. Immer wieder fielen Völker aus Zentralasien in das Land ein, verweilten dort für unbestimmte aber meist kurze Zeit, um ihre Eroberungszüge in Richtung subindischen Kontinent fortzusetzen oder weil sie von anderen Eindringlingen vertrieben wurden. Möchte man die Geschichte Afghanistans zurückverfolgen, so lässt sich festhalten, dass sich auf dem Territorium des heutigen Afghanistans seit der Antike einige Reiche ausgebildet haben, die in ihrem Bestehen und ihrer Ausdehnung stark differierten. Wurde das Gebiet in der Antike noch dem Perserreich zugeschrieben, so entstand in der Zeit von der Mitte des 3.Jh.v.Chr. bis zum 1.Jh.v.Chr. ein Griechisch-Baktritisches-Königreich, welches aus dem zerfallenen Reich Alexander des Großen hervorging. Auch das circa 150 Jahre jüngere Kuschan-Reich, das als bedeutsamer wirtschaftlicher und kultureller Platz zwischen dem Römischen Reich, China und Indien fungierte, spiegelt eine nennenswerte Größe in der afghanischen Geschichte wider.[1]

Die im 7.Jh. stattgefundene Eroberung Persiens und Zentralasiens durch die Araber hatte unweigerlich Einfluss auf das Gebiet des heutigen Afghanistan. Es kam zur Verbreitung des Islam, der arabischen Sprache und Schrift, dies ist auch heute noch bezeichnend für diese Region. Innerhalb von zwei Jahrhunderten wurde der Islam die vorherrschende Religion nördlich und westlich des Hindukuschs. Südlich des Hindukuschs war der Einfluss zu dieser Zeit noch gering, was sich dagegen durch den Einfluss der Ghasnawiden und Ghoriden, muslimische Dynastien, sukzessive änderte.[2] Im 13. und 14.Jh. brachten die Mongolenzüge große Verwüstung über das Land und machte es wiederum zu einem belagerten Land. Das heutige Afghanistan stellte im 16.Jh. das Grenzgebiet zwischen Nordindien, Persien und Zentralasien dar, wobei sich jedes der drei Imperien damit begnügte, Statthalter und kleine Besatzungstruppen in diesem Gebiet einzusetzen und dadurch eine indirekte Herrschaft auszuüben. Die Verwaltung der Zentren, sowie die Kontrolle der Handelsrouten waren deren wichtigsten Aufgaben. Achmed Schah bestieg 1747 den persischen Thron und gründete 1747 das Durrani-Reich, den Ursprung Afghanistans. Mit dem Tod Schahs zerfiel das neu gegründete Reich jedoch aufgrund zahlreicher Konflikte wieder,[3] wodurch es in den Einflussbereich der Großmächte Russland und England fiel, welche zu dieser Zeit eine ausgedehnte Expansionspolitik im zentralasiatischen Raum betrieben.[4]

Mit Beginn des 19.Jh. rückt eine Epoche in den Fokus, in der die afghanische Geschichte maßgeblich durch den Einfluss Englands und Russlands, insbesondere deren Interessenkonflikt um Absatzmärkte, militärischen Ruhm, Rohstoffe und Handelswege, beeinflusst wurde. Primär ging es darum, dass die Krone den Russen die Absicht unterstellte, nach Süden vordringen zu wollen um Zentralasien zu kontrollieren, wodurch Afghanistan als Ort des Aufeinandertreffens beider Großmächte und zum Ort des Geschehens werden würde.[5] So kam es, dass Afghanistan zum Grenzgebiet zwischen den beiden Imperien avancierte, jedoch eine Art Unabhängigkeit genoss und beiderseits unberührt blieb. Dieser Zustand war keineswegs von langer Dauer, da sich der Konflikt zwischen den nach Süden strebenden Russen und den die eigenen indischen Kolonien schützenden Briten zusehends verschärfte. Ferner sahen sich die Russen auf einer Mission die unzivilisierten Völker Asiens zivilisieren zu wollen, was sie für die Briten unkalkulierbar machte.[6] Die ständige Spannung und der schnelle Vorstoß der russischen Truppen in Richtung Hindukusch wirkte auf die Briten äußerst bedrohlich, was dazu führte, dass diese in diesem Streit als Erste die Nerven verloren und trotz fehlenden ökonomischen und politischen Nutzen in Afghanistan einfielen. Der Einmarsch britischer und indischer Truppen in Afghanistan 1883 wurde lediglich von der Begründung des Schutzes der indischen Kolonien getragen und läutete den ersten Anglo-Afghanischen-Krieg (1838-1842) ein. Lord Palmerston, der britische Premierminister, hegte keine Zweifel daran, dass nur so der Vormarsch Russlands gebannt werden könne. 1841 zogen sich die Besatzungstruppen der Briten aus Afghanistan zurück, fielen aber einer großen Anzahl Aufständischer und verbündeter Stämme zum Opfer. Der zweite Anglo-Afghanische-Krieg (1878-1879) ging auf die Annäherung Russlands und dem afghanischen Scher Ali, Sohn des Emirs zurück, woraufhin die Briten den Entschluss fällten Afghanistan nun gänzlich zu unterwerfen. In diesem Krieg fielen die Briten in das Land ein und bekämpften den Widerstand erfolgreich mit aller Härte. Von diesem Datum an war Afghanistan ein in seiner Autonomie „beschnittenes“ Protektorat Britisch-Indiens.[7] In der nachfolgenden Zeit (1880-1901) herrschte Abdurrachman Khan, dessen Sohn und Nachfolger (Habibdullah I.) im Anschluss an dessen Herrschaft das Aushandeln eines Abkommens mit den beiden Imperien bezüglich der Unverletzlichkeit des afghanischen Gebietes vollbrachte. 1919 brach dann der Dritte und Letzte Anglo-Afghanische-Krieg vom Zaun, welcher dieses Mal allerdings von afghanischer Seite ausging, mit dem Ziel den Einfluss der Briten zu beenden. Nach einem kurzen Kriegsverlauf ging die, des Krieges überdrüssige, Britisch-Indische-Koalition am 08.August 1919 den Vertrag von Rawalpindi ein, welcher die endgültige Unabhängigkeit Afghanistans konstatierte.[8]

Das 20.Jh., welches wie auch die letzten Jahrhunderte von Einmischung und unvollständiger Unabhängigkeit geprägt war, wies weitere Krisen auf. So war dieses Jahrhundert beispielsweise von einem zehnjährigen Stellvertreterkrieg zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht und den Mudschaheddin, welche durch die USA, Saudi-Arabien und Pakistan unterstützt wurden, geprägt. Nach Beendigung des Krieges 1989 und dem damit verbundenen Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, konnte sich die Regierung bis 1992 halten. Noch im selben Jahr nahmen die Mudschaheddin Kabul ein. In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen verschiedener Mudschaheddin-Gruppierungen, die zu einem weiteren Bürgerkrieg eskalierten und Afghanistan zu einem „failed state“ machten. Dies machte Afghanistan empfänglich für die radikal-islamische Taliban, die seitdem das Land eroberte.[9]

[...]


[1] Vgl. Schetter, C. (2006), S.16

[2] Vgl. Schetter, C. (2006), S.17

[3] Vgl. Schetter, C. (2006), S.17f

[4] Vgl. Schetter, C. (2006), S.20

[5] Vgl. Baberowski, J. (2006), S.22

[6] Vgl. Baberowski, J. (2006), S.23

[7] Vgl. Baberowski, J. (2006), S.26f

[8] Vgl. Baberowski, J. (2006), S.26ff

[9] Vgl. Forsteneichner, G. (2006), S.20

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Afghanistankonflikt und dessen systemischer Charakter
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Allgemeine Pädagogik unter Berücksichtigung ihrer systematischen und philosophischen Grundlagen)
Veranstaltung
Perspektiven interkultureller Erziehung und Bildung: Systemische Aspekte der ökonomischen und kulturellen Globalisierung
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V159721
ISBN (eBook)
9783640729593
ISBN (Buch)
9783640730049
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afghanistankonflikt, Charakter
Arbeit zitieren
Jens Göritz (Autor), 2009, Der Afghanistankonflikt und dessen systemischer Charakter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159721

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