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Grenzen und Dichotomien. Alteritätskonstruktionen in "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm

Titre: Grenzen und Dichotomien. Alteritätskonstruktionen in "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm

Dossier / Travail , 2022 , 24 Pages , Note: 2,3

Autor:in: Anonym (Auteur)

Philologie Allemande
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In seiner letzten Novelle, "Der Schimmelreiter," die dem poetischen Realismus zugeordnet wird, widmet sich Theodor Storm der über Jahrhunderte zur Sagen- und Spukgestalt gewordenen Figur des Hauke Haiens. Doch wie passt nun eine Novelle über eine Spukgestalt in das Programm des Poetischen Realismus? In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie Theodor Storm das Alteritäre in seiner Novelle darstellt und erzählerisch inszeniert. Alterität ist ein heterogenes Konzept, um welches viele Texte des Poetischen Realismus kreisen. In Bezug auf den "Schimmelreiter" soll in dieser Arbeit analysiert werden, wie Alterität innerhalb der Novelle konstruiert wird und ob dies zum Konzept des Poetischen Realismus passt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Alterität
  • 3. Der poetische Realismus
  • 4. Rahmenkonstruktion der Novelle
    • 4.1 Die Erzählerfigur der Binnengeschichte
  • 5. Dichotomien
    • 5.1 Natur versus Kultur
    • 5.2 Hauke versus Dorfgemeinschaft
    • 5.3 Darstellung von Frauen
    • 5.4 Aberglaube versus aufgeklärte rationale Weltsicht
  • 6. Fazit
  • 7. Literaturverzeichnis
    • 7.1 Primärliteratur
    • 7.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie Theodor Storm in seiner Novelle „Der Schimmelreiter“ Alterität darstellt und erzählerisch inszeniert. Dabei wird analysiert, ob die Konstruktion von Alterität innerhalb der Novelle mit dem Konzept des Poetischen Realismus vereinbar ist. Die Untersuchung beleuchtet das Erzählverfahren und verschiedene Dichotomien im Text.

  • Analyse der Alteritätskonstruktionen in Theodor Storms „Der Schimmelreiter“.
  • Verbindung von Alterität und dem Programm des Poetischen Realismus.
  • Untersuchung der Rahmenkonstruktion und der Erzählerfiguren.
  • Analyse von Dichotomien wie Natur versus Kultur und Aberglaube versus aufgeklärte Weltsicht.
  • Betrachtung der Darstellung von Frauen und der Konflikte innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Auszug aus dem Buch

5.1 Natur versus Kultur

Die Geschichte Hauke Haiens ist eng mit dem Kampf der Menschen gegen die Natur verwoben. Nichts anders ist ein Deich, als eine von Menschenhand gezogene Grenzkonstruktion um die Naturgewalten zu beherrschen oder zumindest einzuschränken. Diese Dichotomie zieht sich durch die ganze Erzählung. Hauke Haien ist in der vom Schulmeister erzählten Version der Geschichte als rationaler Kopfmensch dargestellt, der es versteht mit genauen Berechnungen der eigentlich unberechenbaren Natur beizukommen und diese zu bezwingen. Schon als Junge bekommt Hauke einen holländischen Euklid in die Hände und mit einer holländischen Grammatik schafft er es sich jenen anzueignen. Als der Alte sah, dass der Junge weder für Kühe noch Schafe Sinn hatte, und kaum gewahrte, wenn die Bohnen blühten, was doch die Freude von jedem Marschmann ist, und weiterhin bedachte, dass die kleine Stelle wohl mit einem Bauer und einem Jungen, aber nicht mit einem Halbgelehrten und einem Knecht bestehen könne, ingleichen, dass er auch selber nicht auf den grünen Zweiggekommen sei, so schickte er seinen große Jungen an den Deich, wo er mit andern Arbeitern von Ostern bis Martini Erde karren musste.

Schon zu Beginn der Geschichte wird die Dichotomie zwischen Natur und Kultur deutlich. Hauke interessiert sich so sehr für Mathematik, dass er sich nicht an blühenden Bohnen oder anderen Naturvorkommnissen erfreuen kann. Er hat keinen Zugang zur Natur, nur die kalte logische Mathematik versteht er. „Dem wild-aggressiven Naturelement steht mehr und mehr eine kontrollierte, ihre Abwehr systematisch organisierende, aber auch furchtsame Persönlichkeit entgegen.“ Die Natur erscheint Hauke bedrohlich und unverständlich. Sie wird mit den Toten gleichgesetzt: „Zu seiner Linken die leere weite Marsch, zur andern Seite der unabsehbare Strand mit seiner jetzt vom Eise schimmernden Fläche der Watten; es war als liege die ganze Welt in weißem Tod.“ Mit der Tötung des Angora Katers der Trien‘ Jans wird Haukes Unverbundenheit mit der Natur auf die Spitze getrieben. Diese frühe Episode in der Lebensgeschichte Haukes illustriert bereits im Jugendalter seine auf Lebenszeit fortlaufende Agenda zur Domestizierung der Natur, welche später, in seinem Kampf gegen die elementare Gewalt des Meeres, ihren Höhepunkt findet. Auch Haukes Verbindung mit Elke bleibt fruchtlos. Zu dem natürlichen und ursprünglichen Akt der Fortpflanzung ist Hauke nicht fähig.

[...] noch immer fehlte ein Kind in dieser Ehe; der Mann aber hatte anderes zu tun, als Feierabend vor der Tür zu halten; denn trotz seiner früheren Mithülfe lagen aus des Alten Amtsführung eine Menge unerledigter Dinge, an die auch er derzeit zu rühren nicht für gut befunden hätte. Trotzdem sind die beiden rationalen Geistesmenschen glücklich. Ihnen fehlt die körperliche Vereinigung nicht. „Es war ein Leben fortgesetzter Arbeit, doch gleichwohl ein zufriedenes“ Als Elke nach langer Zeit doch schwanger wird, ist die Tochter der beiden „schwachsinnig“. 'Nein, Hauke, lass mich sprechen: das Kind, das ich nach Jahren dir geboren habe, es wird für immer ein Kind bleiben. O, lieber Gott! Es ist schwachsinnig; ich muss es einmal vor dir sagen.',Ich wusste es längst', sagte Hauke und hielt die Hand seines Weibes fest, die sie ihm entziehen wollte. So sind wir denn doch allein geblieben', sprach sie wieder. Obwohl sie ein Kind geboren hat, scheint es Elke als seien die Eheleute allein geblieben. Somit wird Hauke mit seiner Familie als rationale Geistesmenschen charakterisiert, deren Ehe,fruchtlos“ bleibt und Arbeit den höchsten Stellenwert hat. Sie sind der Seite der Kultur zugeschrieben. Auch im Angesicht größter Gefahr lässt Hauke sich nicht hinreißen und versucht sich auf seinen Verstand zu stützen: „Wie ein Rausch steig es ihm ins Gehirn; aber er presste die Nägel in seine Handflächen und zwang seine Augen, klar und nüchtern zu sehen, was dort vor ihm lag: [...]." Haukes Figur steht also für den rationalen Geistesmensch, der versucht die Natur zu beherrschen und zu besiegen, aber nicht zu verstehen. Dem gegenüber steht die Natur, die für die Rezipierenden, da sie die Geschichte von einem Hauke zugewandtem Erzähler dargeboten bekommen, nicht greifbar wird, wie sie auch für Hauke nicht erfassbar ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach Alteritätskonstruktionen in Storms "Der Schimmelreiter" und deren Verhältnis zum Poetischen Realismus vor.

2. Alterität: Definiert den Begriff der Alterität als literarische/kulturelle Andersheit und seine verschiedenen philosophischen und literaturwissenschaftlichen Auslegungen.

3. Der poetische Realismus: Erläutert das theoretische Programm des Poetischen Realismus, seine Entstehung aus soziopolitischen Veränderungen und seine ästhetischen Ziele der Wirklichkeitsgestaltung.

4. Rahmenkonstruktion der Novelle: Analysiert die mehrfach verschachtelte Erzählstruktur des "Schimmelreiters" und die Glaubwürdigkeit der verschiedenen Erzählerfiguren.

4.1 Die Erzählerfigur der Binnengeschichte: Beleuchtet die Parallelen zwischen dem Schulmeister als Erzähler und dem Protagonisten Hauke Haien sowie die zunehmende Subjektivität seiner Darstellung.

5. Dichotomien: Untersucht verschiedene antagonistische Paare innerhalb der Erzählung, um Parallelen zur Erzählstruktur aufzuzeigen.

5.1 Natur versus Kultur: Analysiert Haukes rationalen Kampf gegen die Natur und die Dorfgemeinschaft als naturverbundener Gegenpol.

5.2 Hauke versus Dorfgemeinschaft: Beschreibt den Konflikt zwischen Haukes innovativen Ideen und dem traditionellen, stagnierenden Denken der Dorfgemeinschaft.

5.3 Darstellung von Frauen: Untersucht die misogyne Weltsicht des Schulmeisters und die Gleichsetzung von Frauen mit dem Unerklärlichen/Übernatürlichen.

5.4 Aberglaube versus aufgeklärte rationale Weltsicht: Beleuchtet, wie der Schulmeister trotz seiner rationalen Erzählweise abergläubische Elemente aufnimmt und so eine Dichotomie zwischen Nachvollziehbarem und Unfassbarem schafft.

6. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen, dass die Novelle Dichotomien konstruiert, in denen eine Seite alteritär bleibt, und dass der Fokus auf dem Akt des Erzählens selbst liegt.

Schlüsselwörter

Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Poetischer Realismus, Alterität, Dichotomien, Natur versus Kultur, Hauke Haien, Dorfgemeinschaft, Erzählstruktur, Rahmennovelle, Subjektivität, Aberglaube, Aufklärung, Geschlechterdarstellung, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Alteritätskonstruktionen in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ und deren Verhältnis zum Programm des Poetischen Realismus, indem sie die Darstellung von Andersheit und deren erzählerische Inszenierung analysiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die literarische Darstellung von Alterität, der Poetische Realismus, die komplexe Erzählstruktur der Rahmennovelle und verschiedene Dichotomien wie Natur/Kultur und Aberglaube/rationale Weltsicht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie Alterität in „Der Schimmelreiter“ konstruiert und inszeniert wird und ob diese Konstruktionen mit dem Konzept des Poetischen Realismus vereinbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit analysiert zunächst den Begriff der Alterität und das Programm des Poetischen Realismus, um diese theoretischen Konzepte dann auf den Text der Novelle, insbesondere das Erzählverfahren und spezifische Dichotomien, zu beziehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Begriff der Alterität, das Programm des Poetischen Realismus, die Rahmenkonstruktion der Novelle und die Erzählerfigur der Binnengeschichte sowie verschiedene Dichotomien (Natur vs. Kultur, Hauke vs. Dorfgemeinschaft, Darstellung von Frauen, Aberglaube vs. aufgeklärte Weltsicht) tiefgehend untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Poetischer Realismus, Alterität, Dichotomien, Erzählstruktur und Subjektivität.

Welche Rolle spielt die Rahmenkonstruktion in Storms Novelle?

Die Rahmenkonstruktion, insbesondere die doppelte Rahmung und die drei verschachtelten Erzählebenen, dient der Problematisierung der Wahrheit der Geschichte und lenkt den Fokus auf den Akt des Erzählens selbst, wodurch die Subjektivität der Darstellungen betont wird.

Wie wird die Figur der Frauen in "Der Schimmelreiter" dargestellt?

Frauenfiguren werden in der Novelle oft mit den unverständlichen Naturgewalten und dem Übernatürlichen gleichgesetzt, was die misogyne Weltsicht des Schulmeisters widerspiegelt und ihre rationale Erfassbarkeit in Frage stellt.

Inwiefern passt der "Schimmelreiter" zum Konzept des Poetischen Realismus?

Obwohl der "Schimmelreiter" Spukgestalten enthält, passt er zum Poetischen Realismus, indem er die Realität poetisch gestaltet und nicht nur abbildet, und durch die Fokussierung auf den Akt des Erzählens die Auseinandersetzung mit der Wahrheit der Wirklichkeit thematisiert.

Was ist die Hauptaussage bezüglich der Alterität in der Novelle?

Die Hauptaussage ist, dass die Novelle Dichotomien konstruiert, bei denen eine Seite stets alteritär und für die Lesenden schwer fassbar bleibt, wodurch Alterität als perspektivisch definiert wird und der Fokus auf die subjektive Erzählweise gelenkt wird.

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Résumé des informations

Titre
Grenzen und Dichotomien. Alteritätskonstruktionen in "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm
Université
University of Hamburg  (Literaturwisenschaften)
Cours
Poetiken der Alterität im Realismus
Note
2,3
Auteur
Anonym (Auteur)
Année de publication
2022
Pages
24
N° de catalogue
V1597321
ISBN (PDF)
9783389165157
ISBN (Livre)
9783389165164
Langue
allemand
mots-clé
Realismus Schimmelreiter Storm Alterität Theodor Storm Grenzen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anonym (Auteur), 2022, Grenzen und Dichotomien. Alteritätskonstruktionen in "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1597321
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Extrait de  24  pages
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