Die Gartenstadt Hellerau

Unter besonderer Berücksichtigung der Architekten Richard Riemerschmid & Heinrich Tessenow


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
2.1 Das wilhelminische Deutschland - Der Ausgangspunkt und die Grundlage für die deutsche Gartenstadtbewegung
2.2 Ebenezer Howard - Der geistige Vater der Gartenstadtidee
2.3 Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft
2.4 Die erste deutsche Gartenstadt Hellerau bei Dresden

3. Die architektonischen Protagonisten der Gartenstadt Hellerau
3.1Richard Riemerschmid
3.1.1 Die Biografie Richard Riemerschmids
3.1.2 Die Wohnhausbauten Riemerschmids am Beispiel der Bebauung „Grüner Zipfel“
3.2Heinrich Tessenow
3.2.1 Die Biografie Heinrich Tessenows
3.2.2 Die Wohnhausbauten Tessenows am Beispiel der Bebauung „Am Schänkenberg“
3.2.3 Das Festspielhaus
3.3 Die Konfrontation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort

„Ich möchte nicht immer in der Stadt bleiben. Ja, noch 'ne Weile. Aber wenn wir dann müde sind, dann ziehen wir raus. Irgendwohin vor die Tore, ins Grüne. Da bekommst du wieder Kraft, Wiederstandsfähigkeit, Lebenssaft - wir verjüngern uns. Und unsere Kinder gehen dann vielleicht noch weiter, und deren Kinder noch weiter, und so fort, bis die Städter wieder zu Bauern werden, aus denen sie vormals zu Städtern geworden sind!“ Clara Viebig, 1901

Die Zeit um 1900 war gekennzeichnet durch ein starkes industrielles, wie auch kapitalistisches Wachstum. Eben in diesem Zeitraum traten diverse Persönlichkeiten in das Rampenlicht der öffentlichen Diskussion, welche besonders die schon länger andauernden Missstände in den überladenen Großstädten als unannehmbar betrachteten. Diese Fehlentwicklung, welche sich nicht nur nachteilig auf die Gesundheit, sondern auch auf den seelischen Zustand der städtischen Bevölkerung auswirkte, galt es zu reformieren. Einen Ausweg bot schließlich der Engländer Ebenezer Howard. Aus der Überlegung heraus, dass die Entwicklung des gegenwärtigen Stadtbildes keineswegs akzeptabel sei und in naher Zukunft zur Verschärfung der bereits bestehenden städtischen Verelendung führen würde, entstand die Idee der Gartenstadt.

Ausgehend davon, befasst sich das erste Kapitel meiner Ausführung mit einem Überblick über die Geschichte der Gartenstadtbewegung. Es wird die soziale und urbane Ausgangssituation in Deutschland aufgezeigt, sowie der Lösungsansatz, den der Engländer Ebenezer Howard liefert. Im weiteren Verlauf wird dargestellt, wie der Gartenstadtgedanke durch die 1902 gegründete Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft in Deutschland gefestigt wird und es schließlich zur Gründung der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau kommt. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der vergleichenden Betrachtung, der für Hellerau maßgeblich entscheidenden Architekten, Heinrich Tessenow und Richard Riemerschmid. Es gilt zu klären, welche Auffassung von Bauen bzw. Wohnen den beiden Persönlichkeiten zu Grunde liegt. Ist es sogar möglich Ähnlichkeiten in der Formensprache zu erkennen oder sind Tessenow und Riemerschmid so grundlegend verschieden, dass dieser Gedanke abstrus erscheint? Um sich mit diesen Fragestellungen konkreter auseinander zu setzen, werden vorab einige biografische Auskünfte gegeben, um dann verschiedene Bebauungen der Architekten in Hellerau genauer zu betrachten und letztlich einen Vergleich in Bezug auf die jeweilige Bauweise zu wagen.

2. Die Geschichte der Gartenstadtbewegung

2.1 Das wilhelminische Deutschland - Der Ausgangspunkt und die Grundlage für die deutsche

Die Gartenstadtbewegung, welche im folgenden näher betrachtet werden soll, wird nur verständlich, wenn man sich mit der Lebenssituation der Menschen um 1900, welche wiederum in Wechselwirkung mit der Industrialisierung steht, auseinandersetzt. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, setzte die Industrialisierung in Deutschland erst relativ spät ein. Doch eben die rasante Entwicklung vom Agrar- zum Industriestaat brachte innerhalb sehr kurzer Zeit eine völlige Umstrukturierung der Gesellschaft mit sich.1 Seit dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war es an der Tagesordnung, dass Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Städte zogen. Dass die industrielle Revolution die Städte in einer beängstigenden Weise aufblähen ließ wird deutlich, wenn man die Einwohnerzahlen des Jahres 1816 und 1914 miteinander vergleicht.2 Ebenso schnell, wie die Bevölkerungszahl gestiegen war, wuchs auch die Anzahl der Großstädte.3 Im Jahr 1851 waren es nur 5 an der Zahl, 1910 besaß Deutschland so viele Großstädte wie das ganze restliche Europa zusammen.4 Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Folgen, ausgehend von dem enormen Bevölkerungszuwachs, zeigen sollten, denn die Städte waren auf den Zuzug der einst ländlichen Bevölkerung nicht ausreichend oder teilweise gar nicht vorbereitet. So waren Emissionen, die zunehmende Belastung durch Verkehr, fehlende oder unzureichende soziale und sanitäre Einrichtungen, die sogenannten Mietskasernen5, Probleme, mit denen die ehemals stolze Bürgerstadt, die nun in eine Massenstadt ausuferte, zu kämpfen hatte.6

2.2 Ebenezer Howard - Der geistige Vater der Gartenstadtidee

Einen Ausweg bot schließlich Ebenezer Howard (1850-1928) mit seinem 1898 erschienenen Buch „Tomorrow. A Peacful Path to Real Reform“ (2. Auflage: Garden Cities of Tomorrow).7 An dieser Stelle sei betont, dass sich Howards Überlegungen vorerst nur auf sein Mutterland England bezogen. Wie auch in Deutschland führte die industrielle Revolution in England zu einer katastrophalen urbanen Situation. In seinen Überlegungen setzte Howard voraus, dass durch die fortschreitende industrielle Entwicklung der „Magnet Stadt“ den „Magnet Land“ entvölkern würde, was, seiner Auffassung nach, das soziale Gefüge der Großstädte vollends sprengen und so zu einer Verschärfung der bereits bestehenden städtischen Verelendung führen würde. Um eben diese Gefahr abzuwenden und der Bevölkerung ein höheres Maß an Gesundheit und Wohlbefinden zu bieten, entwickelte Ebenezer Howard in seinem Buch sein System der drei Magneten.8 Mit dem „Magnet Stadt“ verband Howard unter anderem Annehmlichkeiten, wie Vergnügen, Kultur, Geselligkeit, Bildung und höhere Löhne. In Bezug auf Unannehmlichkeiten, verwies er auf hohe Mieten, hohe Lebensmittelpreise, sowie schlechte Luft und Kriminalität. Den „Magnet Land“ betrachtete Howard folgendermaßen, als Annehmlichkeiten zählte er zum Beispiel die gute Luft, die schöne Natur, niedrige Mieten und Vertrautheit. Als Unannehmlichkeiten hingegen beschrieb er die eingeschränkte Geselligkeit, den Mangel an Arbeitsplätzen und vieles mehr Die Lösung sah Howard in dem dritten „Magneten Land-Stadt“, den er später Gartenstadt nannte. In diesem Zusammenhang gab es für ihn keine Unannehmlichkeiten, sondern nur Annehmlichkeiten, wie Nähe zur Natur, Geselligkeit, niedrige Mieten, niedrige Preise, schöne, hauseigene Gärten, freundlich gestaltete Wohnungen, sowie eine harmonische Verbindung von ländlicher Idylle und städtischer Kultur.9 Die Realisierung seines „Stadt-Land-Magneten“ visualisierte Ebenezer Howard in einem Diagramm.10 Im Vorfeld von Städten, auf billigem Bauland11 sollten für jeweils 32.000 Einwohner planmäßig angelegte, stark durchgrünte Gartenstädte mit einem zentralen Kristallpalast als Wintergarten, einem Zentralpark und baumbepflanzten Wohn-Avenuen entstehen. Durch die Betonung des Einfamilienhauses sollte dem individuellen Geschmack und Bedürfnis freier Spielraum geboten werden. Sämtliche öffentliche Einrichtungen, Kirchen, Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser, sollten in höchstens 300 m Entfernung erreicht werden können. Howard bedachte aber auch den Kreislauf des Geldes, denn dieser sollte innerhalb der Gartenstadt verlaufen. Dafür war eine selbstständige, industrielle Basis vorgesehen, welche sich darin widerspiegelte, dass der Außenring mit Labriken, Lagerhäusern und Märkten versehen werden sollte, welche einen direkten Zugang zu einer Ringbahn erhalten sollten. Gleichzeitig wurde für die landwirtschaftliche Nutzung ein Grüngürtel freigehalten.12 Abschließend ist zu sagen, dass Howards Buch den eigentlichen Anstoß zur englischen Gartenstadtbewegung gab. Bereits 1899 bildete sich die „Garden City Association“, deren Ziel es war, das Gartenstadtideal zu verbreiten. Aber dieses Ideal sollte nicht lange Ideal bleiben, denn 1905 wurde die erste englische Gartenstadt Letchworth gegründet. Nach einer sechsjährigen Bauzeit hatte Letchworth bereits 9000 Einwohner und 30 Fabriken. Es sollten weitere englische Gartenstädte wie Bournville und Hampstead folgen.13

2.3 Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft

Die Anfänge der deutschen Gartenstadtbewegung stehen in engem Zusammenhang mit den bereits dargebotenen englischen Bemühungen. Eben Ebenezer Howards Buch „Tomorrow. A Peacful Path to Real Reform“ gab auch in Deutschland den Anstoß für die aufkommende Gartenstadtbewegung. Träger des Gartenstadtgedankens in Deutschland wurde die im September 1902, von den Brüdern Kampffmeyer in Berlin Friedrichshagen ins Leben gerufene, Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft14 (DDG).15 Ziel dieser Vereinigung war es, für die Gründung von Gartenstädten nach dem englischen Vorbild zu werben. Die DGG, welche sich als Propagandagesellschaft16 verstand, orientierte sich nicht nur an Howard, sondern wollte dessen Überlegungen auch auf die deutschen Verhältnisse übertragen. Ernüchternd waren jedoch die ersten drei Jahre ihres Bestehens, denn der Erfolg ließ regelrecht auf sich warten. 1906 wendete sich das Blatt. Durch die von Hans Kampffmeyer betriebene Gründung der Gartenstadtgenossenschaft Karlsruhe, gelang der entscheidende Schritt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Noch im selben Jahr folgte die Gründung der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau, welche schließlich der zentrale Kultort des Gedankens Gartenstadt werden sollte.17

2.4 Die erste deutsche Gartenstadt Hellerau bei Dresden

Wie bereits eingangs beschrieben, werden in diesem Abschnitt der vorliegenden Darstellung einige wichtige Informationen zur Gartenstadt Hellerau dargeboten, um zu verdeutlichen in welchem Umfeld die Persönlichkeiten Richard Riemerschmid und Heinrich Tessenow, welche im Mittelpunkt der Arbeit stehen, tätig wurden. Wie schon erwähnt, wurde 1906 die erste deutsche Gartenstadt Hellerau gegründet. Der Initiator war ein Mann namens Karl Schmidt.18 An freien Sonntagen radelte er öfter im Umland von Dresden, um einen geeigneten Bauplatz für sein Gartenstadtprojekt zu finden.19 Schließlich entdeckte Schmidt auf den Gemeindegebieten von Klotzsche und Rähnitz, 100m über der Höhenlage von Dresden, 6,5 km vom Schloßplatz entfernt, ein auf der Dresdner Heide gelegenes zu erschließendes Gelände. Nach schwierigen Verhandlungen mit 73 zum Teil alteingesessenen Bauern, konnte er sich das Vorkaufsrecht für das ca. 140 ha große Gebiet sichern. Nachdem am 4. Juni 1908 die „Gartenstadtgesellschaft GmbH“ gegründet worden war, wurde ihr das Land übertragen. Ganz im Sinne Howards wurde festgeschrieben, dass die Gesellschaft das Land nicht zu spekulativen Zwecken veräußern durfte undjeglicher Reingewinn über 4% zugunsten der dort lebenden Allgemeinheit verwendet werden musste.20 Das Gelände wiederum wurde durch einen Bebauungsplan, den kein anderer als Richard Riemerschmid entwarf, in ein Fabrikgelände, ein Kleinhäuserviertel, ein Landhäuserviertel und ein Wohlfahrtsgelände geteilt. Die Siedlung und die damit verbundenen Bauaufgaben lockten neben Richard Riemerschmid, aber auch andere Architektenpersönlichkeiten der Zeit, wie Muthesius und Tessenow nach Hellerau. Im folgenden Kapitel wird konkreter auf die architektonische Bebauung der Gartenstadt Hellerau eingegangen. Dazu werden verschiedene Bauprojekte Riemerschmids und Tessenows im Rahmen von Hellerau dargeboten, um der Frage nach der Formensprache dieser beiden Architekten auf die Spur zu kommen.21 Als abschließender Aspekt zur Gartenstadt Hellerau sei noch die Bau-und Kunstkommission genannt, welche im weiteren Verlauf der Arbeit noch eine Rolle spielen wird. Während die Gartenstadt bisher mehr als wirtschaftliche und soziale Aufgabe galt, wurde sie in

Hellerau auch als architektonische verstanden. Der Vorteil gegenüber anderen Gartenstadtprojekten war in Hellerau die Tatsache, dass es sich bei dem gewerblichen Unternehmen22, welches die Vorbereitungen in die Hände genommen hatte, um ein kunstgewerbliches Unternehmen handelte. Von vornherein wurde der baukünstlerischen Aufgabe Sachverständnis entgegengebracht, denn zur Zeit der Errichtung Helleraus, hatte das Kunstgewerbe den Anschluss an die Architektur vollzogen. Garten, Haus und Möbel wurden als eine gemeinsame baukünstlerische Aufgabe verstanden. Eben dieser Gedanke wurde in das Programm von Hellerau aufgenommen.23 Um tatsächlich eine künstlerisch- einheitliche Leistung zu gewährleisten, setzte sich Hellerau selbst eine Oberbehörde, die Bau- und Kunstkommission. Diese musste jeden auf dem Land zu errichtenden Bau genehmigen.24

3. Die architektonischen Protagonisten der Gartenstadt Hellerau

3.1 Richard Riemerschmid

3.1.1 Die Biografie Richard Riemerschmids

Am 20. Juni 1868 wurde Richard Riemerschmid in München geboren. Nachdem er 1886 am Wilhelmsgymnasium das Abitur abgelegt hatte, begann er 1888 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste das Studium der Malerei. Ab 1890 war Riemerschmid als freier Kunstmaler tätig. Diese Berufsbezeichnung behielt er bis 1900, denn erst seit dem Bau des Schauspielhauses 1901 nannte sich Riemerschmid Architekt.25 Die frühen Gemälde Riemerschmids waren naturlyrische Landschaftsdarstellungen, die nicht selten an den französischen Impressionismus erinnerten.26 Neben der Malerei befasste sich Riemerschmid vorrangig mit den Entwürfen für Möbel und Raumausstattungen, welche ihn und den „Neuen Stil“ auch populär machen sollten. 1898 gründete er mit einigen anderen Künstlern die „Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk“27, welche in der Folgezeit eines der führenden Unternehmen für Möbel und Raumausstattung werden sollte.28

[...]


1 Vgl. Brandner, Petra/ Neumann, Henrike: Stadterweiterung durch neue Gartenstädte.Eine Neuinterpretation der Howardschen Gartenstadtidee als Konzeption für Stadterweiterungen. Kaiserslautern 1995, S. 22.

2 Die Bevölkerung in Deutschland war von 15 Millionen im Jahr 1816 auf 68 Millionen im Jahr 1914 gestiegen, was anders ausgedrückt bedeutet, dass die Bevölkerung um über 150% zu nahm. Dieser Bevölkerungszuwachs spielte sich vor allem in den Städten ab, denn während 1871 lediglich 36,1% der Bevölkerung in städtischen Bereichen lebten, waren es 1914 60,1%. Vgl. Hartmann, Kristina: Deutsche Gartenstadtbewegung. Kulturpolitik und Gesellschaftsreform. München 1976, S. 10.

3 Gemeint sind Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.

4 Vgl. Brandner, Petra/ Neumann, Henrike: Stadterweiterung, S. 22.

5 In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das größte Problem der Städte die Bodenspekulation war. Spekulanten kauften weite Geländeflächen zu Ackerbaupreisen, um sie dann über Jahre hinweg von der Bebauung auszuschließen und damit die Preise in die Höhe trieben. In Folge dessen erhöhten sich die Bodenpreise in den Großstädten so drastisch, dass sich ein Großteil der Bevölkerung kein eigenes Heim mehr ermöglichen konnte. Deshalb ging man dazu über, möglichst viele Menschen und Wohnungen auf möglichst geringer Fläche unterzubringen. Die sogenannten Mietskasernen entstanden. Vgl. Hartmann,Kristina: Deutsche Gartenstadtbewegung, S.10.

6 Vgl. Hartmann, Kristina: Gartenstadtbewegung. In: Krebs, Diethart/ Reulecke,Jürgen (Hg.): Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880-1933.Wuppertal 1998, S. 289.

7 Es sei darauf verwiesen, dass es neben Howard auch andere Persönlichkeiten gab, welche nach einem Lösungsansatz gesucht hatten. Zu nennen ist zum Beispiel der Deutsche Theodor Fritsch. Er diskutierte bereits 1896 in seinem Buch „Die Stadt der Zukunft“ den Gartenstadtgedanken. Trotz großen Bemühungen seinerseits führte seine Veröffentlichung zu keinem praktischen Erfolg. Vgl. Nitschke, Thomas: Die Gartenstadt Hellerau als pädagogische Provinz. Dresden 2003, S.12.

8 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abbildung 1.

9 Vgl. ebd.

10 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abbildung 2.

11 Die Idee des billigen Baulandes sollte dahingehend gewährleistet werden, dass nur Gelände erworben werden sollte, dass bislang landwirtschaftlich genutzt worden war. Das Hauptziel war es eben, den Bodenjeglicher Spekulation zu entziehen. Um dies zu erreichen sollte das Gelände, nicht aber die daraufstehenden Bauten einer gemeinnützigen Körperschaft übertragen werden. Diese sollte schließlich das Bauland an Privatpersonen oder Verwaltungsgenossenschaften weiterverpachten. Im Lall einer Wertsteigerung des Bodens, sollten die Gewinne für die Gemeinschaft gesichert werden und ihr zum Beispiel in Lorm von Gemeindeeinrichtungen zu Gute kommen. Vgl. Brandner, Petra/ Neumann, Henrike: Stadterweiterung, S. 10.

12 Vgl. Hartmann, Kristina: Gartenstadtbewegung. In: Krebs, Diethart/ Reulecke,Jürgen (Hg.): Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880-1933.Wuppertal 1998, S. 290f.

13 Vgl. Simons, Gustav: Die Deutsche Gartenstadt. Ihr Wesen und ihre heutigen Typen. Wittenberg 1912, S. 5.

14 Die DGG wurde in Anlehnung an die englische „Garden Cities Association“ gegründet. Vgl. Hartmann, Kristina: Deutsche Gartenstadtbewegung, S. 27.

15 Vgl. Kampffmeyer, Hans: Die deutsche Gartenstadtbewegung. Zusammenfassende Darstellung über den heutigen Stand der Bewegung. Berlin - Schlachtensee 1911, S. 3ff.

16 Im Programm der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft von 1907 steht Folgendes geschrieben: „Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft ist eine Propaganda-Gesellschaft. Sie erblickt ihr Hauptziel in der Gewinnung des Volkes für die Begründung von Gartenstädten.“ Kampffmeyer, Hans: Die Gartenstadtbewegung. Leipzig 1909, S. 47-51.

17 Vgl. Nitschke, Thomas: Hellerau als pädagogische Provinz, S. 18.

18 Karl Schmidt wurde am 1. Februar 1873 im Erzgebirge geboren. Von seinem 14. Lebensjahr an erlernte er das Tischlerhandwerk. 1896 wurde er Werkmeister in der vom Bankrott bedrohten Dresdner Firma Gottschalk. Ausgehend davon, fasste er den Entschluss sein gewonnenes Wissen und seine Erfahrungen in einen eigenen Betrieb zu investieren. So war das Jahr 1899 die Geburtsstunde der „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst“. 1907 fusionierte Schmidt sein Unternehmen mit den „Münchner Werkstätten für Wohnungseinrichtung Karl Bertsch“ zu den „Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst GmbH Dresden und München“. Der Betrieb von Karl Schmidt wuchs in der Folgezeit so stark an, dass er 1908 schon 500 Arbeiter beschäftigte und dadurch die Platzverhältnisse immer unzulänglicher und die Produktionsverhältnisse zu eng geworden waren. Daher war die Notwendigkeit einer großzügig angelegten und auf Erweiterung bedachten Fabrikanlage zwingend. Es gab nur ein Problem. Die Spekulationen hatten die Bodenpreise innerhalb der Stadt in die Höhe getrieben. Karl Schmidt wurde klar, dass er nach einer Lösung außerhalb der Stadt suchen musste. Vgl. Hartmann, Kristina: Deutsche Gartenstadtbewegung, S. 47.

19 Karl Schmidt wollte nicht nur den Neubau für seine Fabrikanlage realisieren, sondern diesen mit einer Wohnungssiedlung verbinden. Dort sollten die zukünftigen Bewohner in den Genuss der wohltuenden freien Natur, der reinen Luft, der Ruhe und Bewegung im Garten kommen. Vgl. Brandner, Petra/ Neumann, Henrike: Stadterweiterung, S.26.

20 Vgl. Hartmann, Kristina: Deutsche Gartenstadtbewegung, S. 48.

21 Da im Rahmen dieser Hausarbeit nichtausführlich aufalle Aspekte der Gartenstadt Helleraueingegangenwerden kann, sei als weiterführende Literatur genannt:
- Haenel, Erich: Gartenstadt Hellerau. Ein Bericht über den Zweck, die Organisation, die Ansiedlungs­Bedingungen, die bisherigen Erfolge und die Ziele.Mit 130 Plänen, Grundrissen und Photographien. Herbst 1911. Hellerau 1912.
- Dohrn, Wolf: Die Gartenstadt Hellerau und weitere Schriften. Dresden 1992.

22 Gemeint sind die Werkstätten Karl Schmidts.

23 Vgl. Dohrn, Wolf: Die Gartenstadt Hellerauundweitere Schriften. Dresden 1992, S. 14.

24 Vgl. ebd., S.23.

25 Vgl. Nerdinger, Winfried (Hg.): Richard Riemerschmid. Vom Jugendstil zum Werkbund. Werke und Dokumente. München 1982, S.13.

26 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abbildung 3.

27 Um sich ein genaueres Bild über die Vereinigten Werkstätten zu machen, sei an dieser Stelle Winfried Nerdinger zitiert: „Eine Künstlervereinigung schuf sich eigene Werkstätten und ein Vertriebssystem, um allen Gegenständen des täglichen Lebens ihren Erneuerungsgedanken aufzuprägen und eine Einheit im Leben und Wohnen, zwischen Mensch, Natur, Kunst und ihren Produkten zu schaffen. Der Künstler wurde jedoch weder wieder zum Handwerker (Riemerschmid überwachte nur die Ausführung seiner Zeichnungen), noch kam es in diesem Stadium zu einer Auseinandersetzung über den Einsatz der Maschine.“ Nerdinger, Winfried: Richard Riemerschmid, S.16.

28 Als Beispiel für die Jugendstilphase Riemerschmids seien die beiden sogenannten „Musikzimmerstühle“ genannt, mit welchen er den Höhepunkt dieser organisch- konstruktiven Gestaltung erreichte. Am Rande sei noch erwähnt, dass Riemerschmid 1900 im Rahmen der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für das „Zimmer eines Kunstfreundes“ überreicht bekam, das ebenfalls seine Auffassung von Jugendstilkunst versinnbildlicht. Siehe Abbildungsverzeichnis, Abbildung 4 und 5.

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Details

Titel
Die Gartenstadt Hellerau
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung der Architekten Richard Riemerschmid & Heinrich Tessenow
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Lebensreform um 1900
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V159959
ISBN (eBook)
9783640727049
ISBN (Buch)
9783640727735
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gartenstadtbewegung, Ebenezer Howard, Gartenstadtgedanke, Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft (DGG), Riemerschmid, Tessenow, Grüner Zipfel, Am Schänkenberg, Festspielhaus
Arbeit zitieren
Juliane Felsch (Autor), 2009, Die Gartenstadt Hellerau , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159959

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